Aktuelle Meldungen


Aufbruchstimmung in Afrika

17. Februar 2020

 

Die letzten Daten der besenderten Störche aus Nord- und Ostdeutschland in ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten zeigen es an: etliche Störche sind in Aufbruchstimmung, Zugunruhe macht sich breit. Dabei muss man sich den Heimzug in die mitteleuropäischen Brutgebiete nicht als eine kontinuierliche Abfolge gleich langer Streckenabschnitte vorstellen. Wann ein Storch zieht, wann er einen kurzen Zwischenstopp einlegt oder sogar einige Tage pausiert und wie schnell er vorankommt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Neben Wind und Wetter spielen auch die Beschaffenheit der zu überwindenden Strecken, das Nahrungsangebot und nicht zuletzt das Verhalten von zugerfahrenen Artgenossen eine große Rolle. Auf dem afrikanischen Kontinent, im Nahen Osten, in der Türkei und auch noch in Südosteuropa erfolgt der Zug in großen Trupps, die am Abend auch gemeinsam nach geeigneten Schlafplätzen Ausschau halten. In etwa zehn bis 14 Tagen dürften die ersten Störche, die im Sudan überwintert haben, den Golf von Suez erreicht haben. Von dort aus sind es dann noch etwa vier Wochen bis an die heimischen Nester.

Zurzeit registrieren wir bei folgenden Störchen deutliche Zugbewegungen:

- "Nobby" (Storchenhof Loburg/Sachsen-Anhalt): hat im Südsudan überwintert und war heute Abend bereits nordöstlich von Khartum, der Hauptstadt des Sudan

- "Rolando" (Sachsen-Anhalt): hat in der West-Darfur-Region überwintert und ist zunächst in Richtung Osten aufgebrochen

- "Sückau 2" (Sude-Projekt/Amt Neuhaus): ist etwas nördlicher als "Rolando" Richtung Nil unterwegs, aber gleiches Überwinterungsgebiet

- "Gudow" (Sude-Projekt/Mecklenburg-Vorpommern): Störchin war fast am Indischen Ozean, nahe Kapstadt/Südafrika, ist bereits über 1.000 Kilometer nach Nordosten gezogen

- "Jonas" (Drömling/Sachsen-Anhalt): ist von Israel in den Libanon gezogen - hoffentlich zieht er bald weiter

Bei allen übrigen "afrikanischen" Senderstörchen sind noch keine eindeutigen Zugbewegungen feststellbar. Gleich drei besenderte Störche dürften in Kenia und Nord-Tansania auf der Spur der großen Heuschreckenschwärme sein ("Pretener", "Mose" und "HL440").

Von den in Marokko bzw. Südspanien überwinternden Senderstörchen aus Nord- und Ostdeutschland ist Hans-Albert bereits vor einigen Tagen an seinem Nest in Vaale/Schleswig-Holstein eingetroffen. Der Storch "Niendorfer"

aus dem Sude-Projekt ist in Südostfrankreich angelangt, "Ursula" aus dem Loburg-
Projekt/Brutstörchin in NRW/ von Süd- nach Zentralspanien gezogen. Jungstorch "Waldemar" rastet auf einer Deponie bei Sevilla.

In unserem Betreuungsgebiet sind noch keine Weißstörche gesichtet worden.


In Mecklenburg-Vorpommern sind die beiden ersten Störche zurückgekehrt

8. Februar 2020

 

Jetzt sind auch die beiden ersten Störche des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern an ihren Nestern eingetroffen. Es handelt sich dabei um Standorte, die in den letzten Jahren immer sehr früh besetzt waren. Der erste Storch in  Güstrow wurde am erstmals am 4. Februar beobachtet, sein "Kollege" in Belitz sogar schon zwei Tage früher. Ihm stattete ich heute einen Besuch ab und traf ihn auch auf seinem Horst ruhend an (siehe Foto). Schon seit vielen Jahren ist der Belitzer Storch immer einer der ersten im Lande. Auch wenn er unberingt ist, dürfte es sich angesichts dieser Auffälligkeit um immer das gleiche Individuum handeln. Er zieht mit Sicherheit nicht sehr weit weg und müsste inzwischen schon ein für Weißstörche sehr hohes Alter erreicht haben.


Nilgänse und Heuschrecken

4. Februar 2020

 

Anfang Februar beginnt für viele Weißstörche der Heimzug in ihre Brutgebiete. Viele Westzieher, die zu einem großen Teil in Spanien überwintern, haben sich bereits auf den Weg gemacht und werden in den nächsten Wochen nach und nach an ihren Nestern eintreffen. Angesichts eines sehr milden Winters sind in unseren Nachbarbundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen bereits etliche Rückkehrer registriert worden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern kann jeden Tag mit der Ankunft des ersten Storchs gerechnet werden. Im Altkreis Bad Doberan ist nur ein einziges Mal in den letzten zwölf Jahren ein dauerhafter Rückkehrer schon im Februar an seinem Nest eingetroffen. Wir müssen uns also noch etwa vier bis sechs Wochen gedulden, bevor auch bei uns die neue Storchensaison beginnt. Bis dahin sind hoffentlich auch die Nilgänse wieder verschwunden, die sich in letzter Zeit mehrfach auf Storchennestern blicken ließen. Zuletzt wurden sie über mehrere Tage im Webcam-Nest Rostock-Biestow gesichtet. Ich selbst bekam sie allerdings noch nicht vor die Foto-Camera. Bisher sind Nilgänse östlich der Elbe noch längst nicht so stark verbreitet wie im Westen. Aus dem Großraum Rostock sind erst vereinzelte Bruten bekannt. Grundsätzlich aber nutzen Nilgänse auch Storchennester und sind besonders nach erfolgter Eiablage sehr robust bei der Verteidigung ihres Geleges. Da die Küken der Nilgänse Nestflüchter sind, beanspruchen sie ihre Brutplätze wesentlich kürzer als etwa Weißstörche. In Rostock-Biestow stünde notfalls ein Ausweichnistmast zur Verfügung, auf dem die Störche bis 2006 brüteten. Damals sorgten brütende Stockenten für den Umzug an den jetzigen Standort.

 

Auch in der Osthälfte Afrikas, wo die große Mehrheit unserer Störche den Winter verbringt, wird in Kürze der Frühjahrszug beginnen. Die unten folgende Karte verdeutlicht die aktuelle Verteilung der in Nordostdeutschland besenderten Weißstörche. Der NABU Schleswig-Holstein hat mitgeteilt, dass Senderstorch „Michael“, der fast zehn Jahre lang Daten übermittelte, leider im Dezember im Tschad verendet ist. Die meisten der besenderten Störche haben auch diesen Winter weit nördlich verbracht. Angesichts ungewöhnlich hoher Niederschlagsmengen war dies nicht verwunderlich. Das Nahrungsangebot dürfte im gesamten Überwinterungsgebiet 2019/20 sehr gut gewesen sein.

 

Ein großes Thema sind momentan die Heuschreckenschwärme, die aus Äthiopien, Somalia und jetzt auch Kenia gemeldet werden. Es handelt sich dort um die massivste Vermehrung seit 25 Jahren. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rechnet mit verheerenden Folgen für die Ernährungssituation der Landbevölkerung in den inzwischen großflächig betroffenen Regionen. Auch muss mit einer weiteren Ausbreitung in Richtung Uganda und Südsudan gerechnet werden. Gleichzeitig kommt es zu einem massiven Einsatz von Pestiziden, die zumeist von Flugzeugen aus versprüht werden. Für die Weißstörche sind die vielen Heuschrecken sehr begehrte Nahrungstiere, denen sie gerne folgen. Andererseits werden sie durch den Gifteinsatz gegen ihre Beutetiere auch prinzipiell bedroht. Über die genauen Folgen herrscht unter den Wissenschaftlern Uneinigkeit. Aktuell halten sich mindestens zwei besenderte Störche im Einzugsgebiet der Heuschreckenschwärme auf (ein Storch des „Sudewiesen“-Projekts in Nord-Kenia und ein Loburger Jungstorch in Ost-Äthiopien). Bisher scheint es ihnen gut zu gehen.

 

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-Schl.-Holst.; schwarz: Storch tot. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-Schl.-Holst.; schwarz: Storch tot. Kartengrundlage: Google Maps.

Jahresbericht 2019 liegt vor

 

 

 

 

 

9. Januar 2020

 

Der Jahresbericht über die Weißstorchsaison 2019 im alten Landkreis Bad Doberan und in der Hansestadt Rostock liegt vor und kann  hier heruntergeladen werden.