Aktuelle Meldungen


Webcam Rostock-Biestow:

 

1. Storch (männlich): 15. März 2021 (unberingt)

2. Storch (weiblich): 30. März 2021 (beringt links oben)


Seltener Besuch in Pölchow

Seltener Besuch auf einer noch nie besetzt gewesenen Nisthilfe in Pölchow - darunter eine dreijährige Störchin aus Schweden (SVS 2478). 6.5.2021
Seltener Besuch auf einer noch nie besetzt gewesenen Nisthilfe in Pölchow - darunter eine dreijährige Störchin aus Schweden (SVS 2478). 6.5.2021

Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus

Bisher einzige Wiederansiedlung 2021: Tessin (Nistmast mit "Kotschutz"). 3.5.2021
Bisher einzige Wiederansiedlung 2021: Tessin (Nistmast mit "Kotschutz"). 3.5.2021

3.5.2021

 

Anfang Mai ist es wieder Zeit für eine erste Zwischenbilanz bei unseren Weißstörchen. Diese fällt einigermaßen ernüchternd aus. Mit Stand vom 1. Mai zähle ich im Altkreis Bad Doberan erst 32 Horstpaare und 5 Einzelstörche. Im letzten Jahr waren es schlussendlich 39 Horstpaare und 2 Einzelstörche. Bei einer aktuellen Rückkehrquote von etwa 86 Prozent wird es schwierig, bis zum Stichtag 18. Mai den Vorjahresstand noch zu erreichen. Über die Ursachen habe ich an dieser Stelle schon ausführlich berichtet - für die Ostzieher hat das Wetter in Ost- und Mitteleuropa praktisch während der gesamten Zugzeit nicht mitgespielt. Zuletzt stellten die Meteorologen noch fest, dass wir in Deutschland den kältesten April seit 40 Jahren hatten! Auch die Daten der besenderten Störche zeigen an, dass die meisten von ihnen deutlich länger als üblich unterwegs waren. Während die Störche mit Horstbindung aus dem letzten Jahr sich zum Großteil irgendwie durchgekämpft haben, fehlen vor allem junge, nachrückende Störche. Vermutlich sind viele von ihnen erst einmal mit dem vorherrschenden Westwind weit nach Osten (vor allem Polen) getrieben worden. Wer jetzt noch kommt und in den nächsten zwei Wochen zumindest noch Horstbindung erlangt, wird nur noch ausnahmsweise erfolgreich brüten.

Im Einzelnen haben wir gegenüber 2020 bisher folgende Veränderungen:

a) Zuwachs:

- Gnewitz (im letzten Jahr nur Einzelstorch)

- Zeez (im letzten Jahr nur Einzelstorch)

- Tessin (zuletzt besetzt 2016)

b) Abgang:

- Grammow (seit Jahrzehnten durchgängig besetzter Traditionshorst, 2020 mit Brutverlust)

- Liepen (seit Jahrzehnten durchgängig besetzter Traditionshorst, 2020 mit Brutverlust)

- Rosenhagen (seit 2014 regelmäßig besetzt, 2020 mit Brutverlust)

- Schwaan I (in den letzten Jahren unregelmäßig besetzt, 2020 mit Brutverlust)

- Kambs (seit 2017 regelmäßig besetzt, 2020 Nichtbrüterpaar)

c) nur ein Storch anwesend:

- Hohen Schwarfs (seit Jahrzehnten durchgängig besetzter Traditionshorst, 2020 mit Brutabbruch)

- Göldenitz bei Schwaan (seit 2019 regelmäßig besetzt, 2020 mit Brutverlust)

- Klingendorf (zuletzt in 10 von 12 Jahren besetzt, 2020 mit 3 flüggen Jungstörchen)

- Pastow (seit 2019 regelmäßig besetzt, 2020 mit einem Jungstorch)

In Vorder Bollhagen wurden heute erstmals zwei Störche am Nest gesichtet. Möglicherweise handelt es sich bei der neu festgestellten Störchin um das Exemplar, das seit Tagen um einen Platz im Kröpeliner Nest kämpft. Es könnte sich um die - wie so viele andere Störche - verspätet zurückgekehrte Vorjahresstörchin aus Kröpelin handeln. Dort sind übrigens sehr wahrscheinlich bereits die ersten Küken geschlüpft.

Eine andere Statistik ist dagegen recht positiv: Von 15 beringten Störchen, die im Spätsommer 2020 in den Süden aufgebrochen sind, konnten bisher 12 sicher zurückgemeldet werden. Nr. 13 wird aller Voraussicht nach die Störchin DEH HN057  in Pankelow sein, die vor 4 Tagen eintraf, ohne dass ihr Ring bisher abgelesen werden konnte.


Ein erster kleiner Trupp

Ein erster kleiner Trupp in diesem Jahr - 5 Störche kurz nach Sonnenaufgang an ihrem Schlafplatz bei Wilsen. Vielleicht entscheidet sich der eine oder andere noch für ein Nest in der Nähe? 1.5.2021
Ein erster kleiner Trupp in diesem Jahr - 5 Störche kurz nach Sonnenaufgang an ihrem Schlafplatz bei Wilsen. Vielleicht entscheidet sich der eine oder andere noch für ein Nest in der Nähe? 1.5.2021

Wenn ein Storchenpaar nicht mit der Brut beginnt...

In diesem Jahr wohl erneut ohne Aussicht auf Bruterfolg: das Satower Storchenpaar, 10.4.2021
In diesem Jahr wohl erneut ohne Aussicht auf Bruterfolg: das Satower Storchenpaar, 10.4.2021

29. April 2021

 

Wenn ein Storchenpaar nicht mit der Brut beginnt, kann das sehr unterschiedliche Gründe haben. Bei einer späten Rückkehr und Paarbildung (vor allem im Mai) ist die Störchin oft nicht mehr in "Brutstimmung". Das hängt dann mit ihrem biologischen Programm zusammen, das nur für eine begrenzte Zeit auf "Brut" programmiert ist. Ebenso kann lange Trockenheit in Verbindung mit schlechter Nahrungsverfügbarkeit eine Rolle spielen. Daneben ist auch das Alter der beiden Störche ein Faktor. Besonders Zwei-, aber auch Dreijährige sind oft noch nicht brutreif, sie lassen zwar grundsätzliches Interesse und erste Ansätze erkennen, verschieben die erste Brut dann aber doch auf das nächste Jahr. Außerdem kann eine abgebroche Brut in einem anderen Nest Ursache sein. Ein Nachgelege ist bei Weißstörchen nur ausnahmsweise und wenn, dann in engem zeitlichen Abstand zur ersten Brut, üblich. Und dann gibt es noch Störche, die unfruchtbar sind. Im Laufe der Jahre sind uns schon verschiedene Individuen aufgefallen, auf die das offenkundig zutraf. So legte die Ziesendorfer Störchin DEH HC981 zwar regelmäßig Eier, doch schlüpfte nie ein Küken - und das bei unterschiedlichen Partnern. Bei der Störchin, die von 2016 bis 2019 den Reinshäger Horst besetzte, gehen wir dagegen davon aus, dass sie keine Eier legen konnte. Es wurden zwar stets Kopulationen beobachtet, aber dann folgte kein Brutverhalten. So etwas wird in diesem Jahr auch in Satow beobachtet - und das ist der Nachbarhorst zu Reinshagen! Schon im letzten Jahr war die Situation in Satow so ähnlich, da spielten allerdings auch Horstkämpfe eine Rolle. Jetzt würde ich doch vermuten, dass die unfruchtbare Reinshäger Störchin schon 2020 nach Satow gewechselt war und dort auch in diesem Jahr wieder erschienen ist. Für alle Satower Storchenfreunde ist das natürlich keine gute Nachricht, aber auch so etwas gehört zur Natur und wir müssen es akzeptieren, so traurig es auch ist...

In den letzten Tagen trafen die jeweils zweiten Störche in Schmadebeck II, Moitin, Bandelstorf und Pankelow ein. Auch aus Hohen Schwarfs gab es eine entsprechende Meldung, aber nun scheint Storch Nr. 2 dort nicht mehr am Nest zu sein. Denkbar ist auch, dass hier eine neue Störchin eingetroffen ist, die sich noch nicht sofort zwischen den dicht beieinander liegenden Nestern Hohen Schwarfs, Pankelow und Bandelstorf entscheiden kann. 


Zeit der Horstkämpfe

Das neue Paar in Zarnewanz, 25.4.2021
Das neue Paar in Zarnewanz, 25.4.2021

26. April 2021

 

Ende April erreichen wir wie jedes Jahr die Schlussphase des Weißstorchzuges. Jetzt kommen vermehrt auch solche Störche zu uns, die bisher noch kein festes Ziel haben, sondern erstmals nach einem Nest Ausschau halten. Dabei nehmen sie durchaus auch bereits besetzte Nester ins Visier und begnügen sich keineswegs nur mit denjenigen, die noch frei sind. Außerdem sind auch jetzt noch einige erfahrene Brutstörche unterwegs, die in diesem Jahr besonders spät dran sind. Manche von ihnen müssen feststellen, dass das Nest des Vorjahres bereits besetzt ist. Die Folge beider Konstellationen sind zum Teil heftige Horstkämpfe. Einen solchen Kampf konnte ich gestern in Wolfshagen/Nordvorpommern beobachten - die Fotos unten stammen von dort. Sehr wahrscheinlich ist es in diesem Fall ein Kampf zweier Weibchen gewesen.

Während in Wolfshagen offenbar noch nicht gebrütet wurde, ist das in Zarnewanz/DBR anders gewesen. Dort hatte die Brut der Ende März eingetroffenen Störche bereits begonnen, als Mitte letzter Woche eine heftige Attacke auf das Brutpaar erfolgte. Der männliche Angreifer (im Bild oben, links) ist über den Zehen beringt und ließ sich als erst dreijähriger Storch aus Schleswig-Holstein identifizieren. Normalerweise zieht ein solcher "Jungspund" gegen ein erfahrenes Brutpaar den Kürzeren, in Zarnewanz war es allerdings anders. Das Gelege ging "über Bord" und "Helgoland 948T" trug den Sieg davon. Seitdem wird dort leider nicht mehr gebrütet und auch ein zweites Gelege ist erst einmal nicht in Sicht. Leider lässt sich nicht feststellen, ob auch das Weibchen neu ist. In diesem Fall könnte doch noch mit einer neuen Brut gerechnet werden. Sollte es aber nur zu einem Wechsel des Männchens gekommen sein, wird es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kein Nachgelege geben und Zarnewanz in diesem Jahr ohne Jungstörche bleiben. Erschwerend kommt hinzu, dass auch weiterhin Scharmützel um den Horst stattfinden.

Schließlich noch ein kurzer Blick voraus: in den nächsten zwei bis drei Tagen haben wir seit langer Zeit endlich einmal wieder optimale Zugbedingungen mit viel Sonnenschein und vor allem östlichem Wind über Mittel- und Osteuropa. Das werden hoffentlich noch einmal in größerer Anzahl solche Störche nutzen, die zuletzt witterungsbedingt kurz vor dem Ziel ausgebremst wurden. Auch jüngere Störche könnten "hereingeweht" werden. Im Hinblick auf die Bruterfolgsaussichten wird es jetzt auch wirklich Zeit. Für Paare, die ab 1. Mai auf dem Horst zusammenfinden, nimmt die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Brut mit jedem Tag erfahrungsgemäß ab. 

 

Fotos unten: Wolfshagen/NVP, 25.4.2021


Pastow oder Broderstorf? Für "ihn" eine schwierige Entscheidung!

Das bisherige Pastower Männchen (li.) und das neu eingetroffene Broderstorfer Weibchen stehen am 24. April auf "ihrem" Horst.
Das bisherige Pastower Männchen (li.) und das neu eingetroffene Broderstorfer Weibchen stehen am 24. April auf "ihrem" Horst.

24. April 2021

 

Seit dem 2. April hatte ein männlicher Storch - vermutlich der letztjährige Nestinhaber - den Horst in Pastow besetzt. Er hat ihn inzwischen sehr gut ausgebaut, doch fand sich bisher noch kein Weibchen ein. Vermutlich ist seine Vorjahrespartnerin noch auf dem Zug. Sicher ist das aber nicht, ihr könnte auch etwas zugestoßen sein. Seit zwei Tagen ist er nun an den benachbarten Broderstorfer Horst gewechselt, auf dem kurz zuvor ein unberingtes Weibchen - vermutlich das des Vorjahres - eingetroffen war. In Broderstorf war das Männchen im letzten August tödlich verunglückt. "Sie" würde hier jetzt also vergeblich auf ihren letztjährigen Partner warten. Brutbiologisch betrachtet ist es also durchaus "vernünftig", dass sich die beiden Einzelstörche zu einem neuen Paar zusammengefunden haben. Für alle Pastower Storchenfreunde ist das natürlich erst einmal keine gute Nachricht, denn das gut ausgebaute dortige Nest steht nun leer. Aber ich denke, hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Kehrt die Pastower Vorjahresstörchin in den nächsten Tagen aus Afrika kommend an ihr Nest zurück, so ist es durchaus denkbar, dass ihr letztjähriger Partner erneut den Horst wechselt und die Broderstorfer Störchin allein zurück lässt. Ebenso ist es denkbar, dass noch ein ganz neues, junges Paar das Pastower Nest annimmt. Ob der bisherige Besitzer dies akzeptieren würde, ist allerdings auch nicht ganz sicher, wird er sein bisheriges Revier doch weiterhin im Auge behalten. Es bleibt auf jeden Fall spannend und die Entscheidung wird dem (ehemaligen) Pastower Männchen möglicherweise noch einmal schwer gemacht.


Viele unserer beringten Störche sind zurückgekehrt

In Cammin ist unser aktuell ältestes und auch erfolgreichstes Storchenmännchen zurück: seit 2014 zog der Elfjährige DEH H9768 bereits 16 Küken erfolgreich groß. 18.4.2021.
In Cammin ist unser aktuell ältestes und auch erfolgreichstes Storchenmännchen zurück: seit 2014 zog der Elfjährige DEH H9768 bereits 16 Küken erfolgreich groß. 18.4.2021.

21. April 2021

 

Heute möchte ich einmal einen Blick auf "unsere" beringten Störche und ihre Rückkehr werfen. Im letzten Spätsommer brachen in unserem Betreuungsgebiet 15 Ringstörche in den Süden auf. Immerhin elf von ihnen sind bisher sicher zurück, und ein weiterer, gestern in Pankelow eingetroffener Storch wird sehr wahrscheinlich die Nr. 12 sein. Damit sind nur noch der zweite beringte Storch in Pankelow sowie die Störchinnen in Liepen und Groß Bölkow ausstehend. Letztere (die Schwedin SVS 1962) ist nun im Vergleich zum Vorjahr bereits mehr als 5 Wochen überfällig. Ich befürchte, sie lebt nicht mehr. Dagegen habe ich bei den beiden anderen durchaus noch Hoffnung. Die Liepener Störchin war im letzten Jahr erst zweijährig. Nach Brutverlust verließ sie das Nest. Ich vermute, sie wird sich nach einem anderen Nest umsehen, wie das besonders bei jüngeren Weibchen oft der Fall ist. In der Tat zeigt sich auch in diesem Jahr, dass längst nicht jeder Storch "automatisch" an seinen Horst zurückkehrt. Manchmal ist dieser bereits besetzt. Dies musste zuletzt auch die Störchin DEH HN373 feststellen, die sich gestern offenbar vergeblich um eine Rückkehr an ihren Vorjahreshorst in Benitz bemühte. Dort steht seit einer Woche DEH HR117 mit einem unberingten Männchen auf dem Nest. Sie hatte die beiden letzten Jahre am Standort Schwaan I gebrütet. DEH HN373 ist nun wieder in Zeez, wo sie schon 2019 gewesen war. Und bei DEH HR117 muss von einer "Verbesserung" gesprochen werden, denn in Benitz wurden zuletzt regelmäßig Jungstörche flügge, was in Schwaan I schon seit zehn Jahren nicht mehr der Fall war. Die in Schleswig-Holstein beringte Störchin DEW 5T869 ist von Kambs nach Ostvorpommern gewechselt. Dort scheint sie in Lodmannshagen eine Brut beginnen zu wollen, wie Betreuerkollege F. Tetzlaff mir berichtete. Einmal mehr zeigt sich, dass der Standort in Kambs sehr gerne als "Ausbildungsnest" genutzt wird. Im zweiten Jahr wechseln die dortigen Störche gerne an ein anderes Nest. Natürlich hoffen wir sehr, dass auch der Brutplatz Kambs in diesem Jahr wiederbesetzt wird.

Sehr gefreut haben wir uns über den ersten "neuen" Ringträger dieses Jahres, den ich am letzten Wochenende in Groß Lüsewitz entdeckte. Es ist ein Männchen, das wir 2018 im nur wenige Kilometer entfernten Broderstorf beringt hatten. Erfahrungsgemäß werden in den nächsten 14 Tagen unter den jüngeren, spät eintreffenden Störchen auch noch einige neue Ringträger sein. Aktuell zähle ich im Altkreis Bad Doberan 24 Horstpaare und 9 Einzelstörche. Dies entspricht bisher einer (mäßigen) Rückkehrquote von etwas über 70 Prozent.


Die Hauptwelle der Ostzieher ist eingetroffen

Quelle: Siehe Eintrag vom 23. März 2021
Quelle: Siehe Eintrag vom 23. März 2021

17. April 2021

 

Im Zeitraum vom 9. bis 14. April hat die Hauptwelle der Ostzieher ihre Brutgebiete erreicht. Überall in Ostdeutschland ist die Zahl der besetzten Weißstorch-Horste zuletzt sprunghaft angestiegen. Bevor wir einen näheren Blick auf die Entwicklung bei uns werfen, möchte ich letztmalig für dieses Frühjahr auf die Karte der besenderten Störche aus Nord- und Ostdeutschland eingehen. Wie fällt die Zwischenbilanz aus? Auf der Westroute haben vier von sieben Senderstörche ihre Brutgebiete erreicht, einer (mit Handicap) ist noch unterwegs, zwei sind tot oder verschollen. Auf der Ostroute haben 15 von 24 ihr Ziel erreicht, vier weitere sind noch unterwegs und fünf sind tot oder verschollen. Hinzu kommen noch zwei zweijährige Störche, die als Sonderfälle betrachtet werden müssen und zuletzt noch in Afrika waren. Die Rückkehrquote bewegt sich in etwa im Normalbereich, die meisten Ausfälle gab es erneut während des Frühjahrszugs (den Herbstzug hatten alle Senderstörche erfolgreich überstanden). Die drei lila eingefärbten Störche des Hamburger NABU-Projekts, die noch in Osteuropa unterwegs sind, kommen seit Tagen kaum noch voran. Erneut wirkt sich hier kaltes und  niederschlagreiches Wetter negativ auf den Zugverlauf aus. Damit werden wir auf die dritte und letzte Ostzieher-Welle sicher noch einige Tage warten müssen. Sie wird neben verspäteten Brutstörchen vor allem junge, brutunerfahrene Störche zu uns führen, die dann erstmals nach einem Nest Ausschau halten werden. Aufgrund des witterungsbedingt insgesamt recht späten Einflugs der Weißstörche erwarte ich in diesem Jahr auch wieder Mai-Ankünfte, was 2019 und 2020 bei uns selten war.

Am 15. April waren bei uns 24 Horstpaare komplett, hinzu kamen sieben Einzelstörche. Zehn im Vorjahr besetzte Horste waren noch komplett leer. Gehen wir von den 40 Horstpaaren des Vorjahres aus, so hat bis zum Stichtag 15. April an 60 Prozent der Standorte eine dauerhafte Paarbindung stattgefunden. Das ist ein deutlich niedrigerer Wert als in den letzten Jahren, aber er fällt im langjährigen Vergleich auch nicht negativ aus dem Rahmen. Da seit dem 15. April nur noch ein Storch zurückgemeldet wurde, liegen wir aktuell bei einer Rückkehrquote von 67 Prozent. Es fehlt also noch in etwa ein Drittel. Das könnte bis Mitte Mai durchaus noch aufgeholt werden, aber nach einer spürbaren Bestandserholung sieht es bisher nicht aus. Die sehr negativen Witterungseinflüsse auf dem Zug werden sehr wahrscheinlich auch Einfluss auf die Brutbereitschaft der spät eintreffenden Störche haben.


Erfolgreiche Wiederauswilderung

Am 13. April konnte nahe Sildemow der vier Tage zuvor in einer Güllegrube bei Miekenhagen geborgene Storch wieder ausgewildert werden. Es handelt sich offenbar um einen einjährigen Storch, erkennbar an der dunklen Schnabelspitze. Foto: G. Gernhöfer
Am 13. April konnte nahe Sildemow der vier Tage zuvor in einer Güllegrube bei Miekenhagen geborgene Storch wieder ausgewildert werden. Es handelt sich offenbar um einen einjährigen Storch, erkennbar an der dunklen Schnabelspitze. Foto: G. Gernhöfer

Chancen für eine Neuansiedlung in Bad Doberan?

Bad Doberan, 10.4.2021. Foto: T. Sandhoff
Bad Doberan, 10.4.2021. Foto: T. Sandhoff

11. April 2021

 

Diese beiden Störche auf dem Foto halten sich ganz in der Nähe des Nistmasts auf, den wir gemeinsam mit der Stadt Bad Doberan im vergangenen Jahr aufstellen ließen. Die Maßnahme erschien uns sinnvoll, weil sich dort, am Rande der Conventer Niederung, immer wieder Störche zeigten und diese dann auch ganz in der Nähe auf Bäumen übernachteten. Da der Weißstorchbestand in unserer Region leider seit Jahren rückläufig ist und viele Nisthilfen (im Altkreis sicher mehr als 100) leer stehen, macht die Aufstellung neuer Horste in der Regel nur dort Sinn, wo der Storch sein Interesse konkret anzeigt. Dementsprechend müssen wir leider viele gutgemeinte Anfragen enttäuschen. Die Aussichten sind in der Regel zu gering - leider! In Bad Doberan könnte es dagegen tatsächlich etwas werden, wobei sich so ein Prozess auch über einen langen Zeitraum hinstrecken kann. In jedem Fall sollten Menschen gerade bei der Neubesetzung eines Standorts Zurückhaltung üben und Distanz halten. Häufiges Fotografieren aus der Nähe könnte zum Beispiel den grundsätzlich interessierten Storch wieder vertreiben. Erfahrungsgemäß sind Störche gerade in der Findungsphase noch sehr scheu. Auch der Doberaner Mast war nachts schon mehrfach besetzt, tagsüber dagegen nur selten.


Rettung aus der Güllegrube

Geretteter Storch in Miekenhagen. Foto: T. Sandhoff, 9.4.2021
Geretteter Storch in Miekenhagen. Foto: T. Sandhoff, 9.4.2021

10. April 2021

 

Dieser Altstorch wurde am Donnerstag hilflos in einer Güllegrube des Gutes Miekenhagen (bei Satow) aufgegriffen. Er war offenbar gegen eine Wand geprallt, möglicherweise wegen des starken Windes, der zu dieser Zeit herrschte. Das Gefieder war völlig verdreckt, ohne Hilfe wäre er sicher bald zum Opfer eines Beutegreifers geworden.

Wir wurden am Freitag über diesen Vorfall informiert. Da war das Gefieder schon weitgehend gereingt worden. Die Nacht über hatte der Storch in einer warmen Maschinenhalle verbracht. A. Hornburg und T. Sandhoff brachten ihn dann umgehend zur Beobachtung in die Rostocker Tierklinik. Nach unserer vorläufigen Einschätzung hat er sehr gute Chancen auf eine baldige Wiederauswilderung. Wir wissen noch nicht ganz genau, zu welchem Nest er gehört, in Frage kommen wohl Berendshagen und Jürgenshagen/GÜ. 

In jedem Fall möchten wir uns auch auf diesem Weg sehr herzlich bei Herrn S. vom Gut Miekenhagen bedanken, der überaus umsichtig gehandelt hat und damit diesem wertvollen Altstorch das Leben gerettet haben dürfte!


Starker Gegenwind auf der Schlussetappe bremst erneut die Ostzieher - Brutbeginn am Webcam-Nest Rostock-Biestow

Mit dem sechsjährigen Männchen DEH HR121 ist ein weiterer unserer Ringstörche zurückgekehrt - Gnewitz, 8.4.2021
Mit dem sechsjährigen Männchen DEH HR121 ist ein weiterer unserer Ringstörche zurückgekehrt - Gnewitz, 8.4.2021

8. April 2021

 

Eine kleine Rundfahrt zu Nestern östlich von Rostock bestätigte heute Abend den Eindruck, den die Meldungen unserer treuen und zuverlässigen Horstbetreuer uns schon vermittelt hatten - es gibt weiterhin noch große Lücken auf den Nestern des Altkreises Bad Doberan. Selbst regelmäßig sehr früh besetzte Horste wie Cammin, Lieblingshof oder Grammow sind noch unberührt. Unter dem Strich liegt die Rückkehrquote erst bei knapp 35 Prozent.

 

Die Ursache liegt eindeutig bei den erneut sehr schwierigen Zugbedingungen, jetzt über Polen. Der seit Tagen anhaltende, starke Westwind lässt zusammen mit trübem, zum Teil regenerischen Wetter kaum ein Vorankommen zu. Die Daten von vier dort angekommenenen Senderstörchen des Sude-Projekts zeigen, dass seit Ostermontag kaum noch längere Etappen möglich waren. Zuletzt betrugen die Tagesstrecken oft unter 50 Kilometer oder es wurde gar erneut gerastet. In den nächsten zwei bis drei Tagen wird sich dies nun bei vorübergehend auf Süd bis Ost drehendem Wind ändern, sodass wir ziemlich sicher bis Sonntag mit einem verstärkten Einflug rechnen können. Vermutlich wird dies dann die Hauptwelle sein. Diese Störche kommen dann immer noch rechtzeitig genug an, um erfolgreich zu brüten, doch waren die letzten drei Wochen für sie fast durchweg sehr anstrengend. Möglicherweise hat das Auswirkungen auf die Anzahl der demnächst zu legenden Eier. Ab Anfang nächster Woche werden sich die Zugbedingungen über Mittel- und Osteuropa leider erneut verschlechtern.

Unterdessen hat im Webcam-Nest Rostock-Biestow offenbar heute - neun Tage nach der Paarbildung und damit ganz regulär - die Brut begonnen. Voraussichtlich in etwa 32 Tagen ist mit dem Schlupf des ersten Kükens zu rechnen. Und in der vergangenen Nacht rastete Senderstorch "Gustav" bei uns. Vor seiner letzten Tagesetappe, die ihn heute nach Schleswig-Holstein ans Ziel seines knapp siebenwöchigen Zuges führte, übernachtete er bei Stülow, westlich von Bad Doberan.


Fienstorfer Storchenpaar wiedervereint

In Fienstorf ist das Vorjahrespaar jetzt wiedervereint. Rechts im Bild die schwedische Störchin SVS 2616. 5. April 2021. Foto: C. Pahlke.
In Fienstorf ist das Vorjahrespaar jetzt wiedervereint. Rechts im Bild die schwedische Störchin SVS 2616. 5. April 2021. Foto: C. Pahlke.

Unser erstes Paar brütet - in Kröpelin!

Kröpelin: das unberingte Männchen dreht die Eier - links im Bild die schwedische Störchin SVS 2151. 4. April 2021.
Kröpelin: das unberingte Männchen dreht die Eier - links im Bild die schwedische Störchin SVS 2151. 4. April 2021.

4. April 2021

 

Heute war ich in Kröpelin und konnte feststellen, dass bereits Eier gewendet werden. Es ist in dieser Saison unser erstes Paar, das mit dem Brutgeschäft begonnen hat. Zur Erinnerung: Am 18. März war dort das unberingte Männchen eingetroffen und noch am gleichen Tag hatte sich das beringte schwedische Weibchen SVS 2151 dazugesellt, das 2019 und 2020 erfolgreich im benachbarten Vorder Bollhagen gebrütet hatte. Dorthin war sie bereits am 12. März zurückgekehrt. Damit hat sie nur 6 Tage auf ihr Vorjahresmännchen gewartet, das allerdings bis heute noch nicht am Nest beobachtet werden konnte. Eventuell lebt es nicht mehr - oder es kommt in der kommenden Woche mit der Masse der Ostzieher. Nun versuchen die beiden ehemaligen Nachbarn es also gemeinsam in Kröpelin, während das Nest in Vorder Bollhagen, in dem 2020 gleich 4 Junge heranwuchsen, noch gänzlich unbesetzt ist. Allerdings ist dieses Vorhaben nicht ohne Risiko, denn in den nächsten Tagen könnte das Kröpeliner Vorjahresweibchen eintreffen und der Schwedin den Platz streitig machen. Da es in Kröpelin bereits ein Gelege gibt, würden vermutlich beide Brutstörche gemeinsam die Eier und das Nest verteidigen. Die Situation ist also eine andere als letzte Woche in Rostock-Biestow.

Neu zurückgemeldet wurde heute nur der erste Storch in Wendfeld - kein Wunder bei Westwind der Stärke 4 bis 5. Leider wird sich an diesen ungünstigen Witterungsbedingungen in den nächsten Tagen nur wenig ändern.


Zögerlicher Einflug als Folge des Zugstaus vor den Karpaten und in der Türkei

"Gerade aus Afrika eingetroffen": Das Fienstorfer Männchen DEH HC774, 3. April 2021
"Gerade aus Afrika eingetroffen": Das Fienstorfer Männchen DEH HC774, 3. April 2021

3. April 2021

 

In den letzten drei Tagen hatte sich erwartungsgemäß auf den Nestern bei uns im Nordosten nicht viel getan. Nur ganz vereinzelt wurden Rückkehrer gemeldet, was ganz sicher mit den Auswirkungen des - inzwischen weitgehend aufgelösten - Zugstaus an den  Karpaten und am Bosporus zusammenhängt. In den nächsten Tagen sollten nun aber nach und nach mehr Störche eintreffen. Leider sind die Zugbedingungen in Osteuropa bei einer überwiegend nördlichen bis westlichen Strömung und immer wieder auftretenden Niederschlägen nicht gerade günstig. Dementsprechend selten überschreiten die Tagesetappen der dort ziehenden Senderstörche einmal 250 Kilometer - in anderen Jahren ging es auch schon einmal um bis zu 500 Kilometer pro Tag voran. Aber letztlich kämpfen sich bruterfahrene Zugstörche dann doch durch.

Zu diesen zählt auch der inzwischen elfjährige männliche Storch DEH HC774, den ich heute - offenbar kurz nach seinem Eintreffen - in Fienstorf auf seinem Nest entdeckte. Es ist einer "unserer" Störche, hatten wir ihn doch 2010 in Wendfeld selbst beringt. Vor einigen Jahren wurde er von H. Eggers auf der Ostroute abgelesen, er dürfte auch jetzt wieder in Afrika überwintert haben. Sein letztjähriges Weibchen - eine schwedische Westzieherin - war schon vor knapp zwei Wochen eingetroffen. Allerdings hielt sie sich zuletzt nicht konsequent in Fienstorf auf, sondern wurde vorzugsweise im benachbarten Broderstorf gesichtet. Sollte sie die Geduld nicht verloren haben und noch nicht weitergezogen sein, dürfte sie in Kürze auf dem Fienstorfer Nest auftauchen. Dann wäre das Paar des Vorjahres wiedervereint. Wir sind gespannt!

Aktuell zähle ich im Altkreis Bad Doberan vier komplette Paare und neun Einzelstörche. Unter "Aktuelle Karten" gibt es wieder eine entsprechende Übersicht.


Neu Rethwisch, 31. März 2021 - rechts das Männchen, links das Weibchen. Ankunft beider Störche: 30. März. Das schmutzige Gefieder an Kopf und Hals könnte vom Aufenthalt auf Mülldeponien herrühren.
Neu Rethwisch, 31. März 2021 - rechts das Männchen, links das Weibchen. Ankunft beider Störche: 30. März. Das schmutzige Gefieder an Kopf und Hals könnte vom Aufenthalt auf Mülldeponien herrühren.

Letztjährige Webcam-Störchin "Martha" hat sich ihren Platz zurückerkämpft

DEH H9835 am 30. März 2021 in Rostock-Biestow
DEH H9835 am 30. März 2021 in Rostock-Biestow

30. März 2021

 

Dies sind die Beine und der Kopf von "Martha". Wie gestern schon prognostiziert, traf die erfahrene Biestower Altstörchin heute Nachmittag auf "ihrem" Stammnest ein. Der Ring ist - typisch für Ostzieher - zwar erheblich verkotet, ließ sich aber von einer anderen Seite doch eindeutig ablesen. DEH H9835 hat ihren Platz zurückerorbert, und das offenbar zumindest ohne blutigen Kampf. Die mir zugänglichen Einzelbilder der Webcam zeigen einen insgesamt sehr unruhigen Tag mit zahlreichen An- und Abflügen. Gegen 15:00 Uhr war das Nest leer, nachdem kurz zuvor noch die zweijährige Störchin darauf gestanden hatte. Was dann geschah, lässt sich nicht genau klären. Auf jeden Fall trafen wenige Minuten später kurz nacheinander "Martha" und das altbekannte Männchen auf dem Nest ein. Seitdem bilden sie dort wieder das Paar, wie schon 2018, 2019 und 2020. Möglicherweise hielt sich die vertriebene Jungstörchin heute Abend noch in der Nähe auf. Jedenfalls flog das Paar noch um kurz vor 21 Uhr einen kurzen Angriff. Wir können davon ausgehen, dass diese bewährte Konstellation jetzt zusammenbleiben wird. Vielleicht taucht DEW 8T374 ja noch auf einem benachbarten Nest auf. Auch insgesamt war heute ein starker Zugtag, das zeigen verschiedene Meldungen. Über der Conventer Niederung wurden in einiger Höhe angeblich gleich 40 Störche beobachtet (...oder waren es doch Kraniche, die der Melder sah?). Das dortige Nest in Neu Rethwisch ist seit heute jedenfalls auch mit einem Paar besetzt. Sie vertrieben zusammen einen Einzelstorch, der sich dort seit Freitag aufgehalten hatte.


Teilweiser Aufbruch am Bosporus - Junge Störchin 8T374 weiterhin in Biestow

Quelle: siehe Eintrag vom 23. März 2021
Quelle: siehe Eintrag vom 23. März 2021

29. März 2021

 

Nach knapp einer Woche möchte ich alle Storchenfreunde wieder auf einen aktuellen Stand hinsichtlich des bevorstehenden Einflugs der Ostzieher bringen. Der Kartenausschnitt von heute zeigt die aktuelle Verteilung der meisten nord- und ostdeutschen Senderstörche (der Vollständigkeit halber: 4 West- und 3 Ostzieher haben ihre Brutplätze erreicht, 5 weitere Störche sind noch in Afrika bzw. Spanien unterwegs, 7 sind tot oder verschollen). Ganz oben links hat die Hamburger Störchin "Ombeni" Südpolen erreicht und wird in Kürze in ihrem Brutrevier eintreffen. Sie ist damit die zweite Ostzieherin, die den Winter über in Afrika war und noch vor der großen Schlechtwetterfront über die Karpaten gekommen ist. Senderstorch "Sückau 2" erreichte sein Nest im Amt Neuhaus/Elbe als erster dieser Gruppe bereits am Samstag (27. März).

Drei weitere Senderstörche des Sude-Projekts haben "den Absprung geschafft" und umfliegen die Karpaten östlich. Sie dürften ihr Ziel am Wochenende erreichen. Unterdessen sind zwei Hamburger Senderstörche in Bulgarien angelangt, während der "Hausstorch" des Storchenhofs Loburg, "Nobby", eine sehr westliche Route eingeschlagen hat, um die Karpaten zu überqueren. Heute zog er 200 Kilometer die Donau aufwärts nach Westen. Ich denke, auch er wird frühestens um den 5. April herum in Sachsen-Anhalt eintreffen. Zum Vergleich: im letzten Jahr zog er ganz an der Spitze der ostziehenden Afrika-Überwinterer und erreichte damals bereits am 22. März Loburg. Fünf weitere Senderstörche tummeln sich noch am Bosporus, drei weitere sind von Südosten her auf dem Weg dorthin. Sie alle geraten in den nächsten Tagen zunehmend in den Einfluss eines starken Windfelds, das vom Schwarzen Meer aus mit heftigen Nordost-Böen und nachfolgend auch Niederschlag heranzieht. Möglicherweise wird sich ihre Rast - und damit auch die vieler anderer Störche - noch weiter ausdehnen. Wie schon im Vorjahr zeigt sich, dass nicht jeder rastende Storch sofort aufbricht, wenn sich das Wetter deutlich bessert.

Und wie sieht es bei uns aus? Zunächst kann ich berichten, dass der Samstag doch schon mindestens fünf Störche zu uns führte, darunter mit ziemlicher Sicherheit auf der Ostroute die ersten vier Afrika-Überwinterer. Seitdem steht jeweils ein Storch in Berendshagen, Reinshagen, Petschow und Niekrenz auf dem Nest. Auf dem Webcam-Nest in Rostock-Biestow hat es seit dem Eintreffen von DEW 8T374 am Samstag offensichtlich noch keine Veränderung gegeben. Die Zweijährige aus Schleswig-Holstein wird inzwischen vom alteingesessenen Männchen voll akzeptiert. Beide Störche fliegen sowohl zusammen als auch einzeln zur Nahrungssuche ab, wobei "er" insgesamt weitaus häufiger und länger am Nest bleibt. Morgen und übermorgen rechne ich bei günstigen Wetterbedingungen in Deutschland und Polen mit weiteren Rückkehrern - vielleicht gibt es dann auch einen Kampf zweier Weibchen um das Nest in Rostock-Biestow. Da noch keine Eier gelegt wurden, würde ich vermuten, dass das Männchen sich in einem solchen Fall neutral verhalten würde.


Eine fremde Störchin im Biestower Webcam-Nest

Rostock-Biestow, 27.3.2021
Rostock-Biestow, 27.3.2021

27. März 2021

 

Auf diesen Moment hatten Beobachter der Webcam Rostock-Biestow sicher schon gewartet - heute gegen 12:00 Uhr landete eine beringte Störchin auf dem Nest. Und da sie links oben einen schwarzen ELSA-Ring trug, musste eigentlich klar sein: das ist die Störchin, die hier in den letzten drei Jahren gebrütet hat. Ein Foto vor Ort klärte dann aber schnell auf, dass es sich um eine andere Störchin handelt. DEW 8T374 wurde 2019 nestjung in Burg/Dithmarschen und damit in Schleswig-Holstein beringt. Als Zweijährige (und ganz sicher Westzieherin) ist sie offenbar auf der Suche nach einem ersten Brutplatz. Das unberingte Männchen verhielt sich zunächst auffällig reserviert. Anfangs wurde sie sogar vom Nest vertrieben, später duldete er sie am Nestrand, während er die Mitte des Nestes besetzte. Bald danach waren jedoch schon erste Annäherungsversuche zu beobachten. Völlig unsympathisch scheint sie ihm nicht zu sein. Wie lange diese Zweisamkeit anhält, ist sehr davon abhängig, ob die Brutstörchin der letzten Jahre zurückkehrt. Vor zwei Jahren gab es eine ähnliche Konstellation. Da machte DEH H9835 ("Martha") kurzen Prozess und vertrieb eine junge schwedische Störchin, die kurz zuvor einen Platz im Nest zu erobern versucht hatte. Die nächsten Tage werden es wohl zeigen. Aktuell lässt er sich auch gut an einem größeren Schmutzfleck rechts am Hals identifizieren. Und DEW 8T374 fällt durch eine recht schlanke Gestalt und ein sehr weißes Gefieder auf.

Interessantes konnte ich heute auch in Kröpelin beobachten. Dort haben sich das angestammte, stets früh aus dem Winterquartier eintreffende Kröpeliner Männchen und die schwedische Störchin SVS 2151 zusammengetan, die 2019 und 2020 erfolgreich im benachbarten Vorder Bollhagen gebrütet hatte. Offenbar pendeln sie als Paar auch dorthin, sodass wir fälschlicherweise von zwei verschiedenen Paaren ausgingen. Entscheidend wird auch hier sein, ob die jeweiligen Partner des Vorjahres zurückkehren.

Die Fienstorfer Störchin SVS 2616 wurde übrigens auf ihrem Heimzug am 17. März im brandenburgischen Storchendorf Rühstädt abgelesen (Information F. S.). Dort paarte sie sich mit mindestens zwei verschiedenen Männchen, bevor sie dann doch in ihr letztjähriges Brutrevier hier bei uns zurückkehrte. Aktuell übernachtet sie allerdings wohl zumeist auf dem Nachbarnest Broderstorf I.

Als unseren ersten ostziehenden Afrika-Rückkehrer stufe ich den heute in Berendshagen zurückgekehrten Storch ein. An diesem Standort traf der erste Storch zuletzt immer ganz zu Beginn des einsetzenden Ostzieher-Einflugs ein. Auch der erste besenderte Storch aus dieser Kategorie dürfte heute seinen heimischen Horst in Sückau/Amt Neuhaus erreichen. Von diesen frühen Afrika-Ostziehern erwarten wir in den nächsten Tagen noch einige mehr, die Hauptmasse allerdings erst ab Ostern. Nur Durchzieher waren die zuletzt beobachteten Störche in Nustrow und Schmadebeck II. 


Schwedische Westzieherin zurück in Fienstorf

24. März 2021

 

Am heutigen Abend gelang die Identifizierung des Storchs, der seit drei Tagen wechselweise von den Nestern in Fienstorf und Broderstorf I gemeldet wird. Am Ortsrand von Broderstorf entdeckte ich SVS 2616 bei der Nahrungssuche. Das ist die in Schweden beringte Vorjahresstörchin aus Fienstorf, die den Winter in Spanien verbracht hat - sie war im Januar auf einer Mülldeponie am Stadtrand von Madrid abgelesen worden. Als Dreijährige hat sie sich beim Zug etwas Zeit gelassen und ist nun als erste am Nest eingetroffen. Ihr Partner ist ein gleichfalls beringter, erfahrener Ostzieher, der in den letzten Jahren immer mit zu den ersten Rückkehrern aus (Ost)-Afrika zählte.  So lange er noch nicht zurück ist, schaut sie mal bei dem einen oder anderen Nest in der Nachbarschaft vorbei und löst dort dann oftmals Begeisterung aus - "unser Storch ist zurück" heißt es dann regelmäßig. Wie sich jetzt wieder zeigt, ist es zu Saisonbeginn oftmals doch etwas komplizierter als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Übrigens hat die Störchin bisher weder in Fienstorf noch in Broderstorf ernsthaft am Nest gebaut - auch das sehen wir bei zuerst eintreffenden Störchinnen häufiger.


Zugstau bei den Ostziehern

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.

23. März 2021

 

Auch in diesem Jahr kommt es bei den ostziehenden Weißstörche - fast zur gleichen Zeit wie im Vorjahr -  zu einem Zugstau. Das schon im letzten Blog-Eintrag angekündigte Tiefdruckgebiet ist doch nachhaltiger und umfassender wirksam als zunächst vorhergesagt. Seit gestern ruht dadurch praktisch in der gesamten Türkei und auch nordwestlich davon bis in die Karpaten hinein das Zuggeschehen. Neben heftigen Niederschlägen hat es dort auch einen markanten Temperatursturz gegeben, sodass nicht nur Regen, sondern in höheren Lagen auch Schnee fiel. Wenn unsere Senderstörche aus Nord- und Ostdeutschland halbwegs repräsentativ für den Gesamtbestand der Ostzieher sind, könnten aktuell bis zu 100.000 Störche gleichzeitig in der Türkei eine Zwangspause eingelegt haben! Erst ab dem Wochenende ist mit einer Wetterbesserung und damit dann auch mit einer Wiederaufnahme des Zuges zu rechnen. Sicherlich werden noch einige Trupps vor der heranziehenden Kaltfront "durchgerutscht" sein, aber unter dem Strich werden wir einige Tage länger auf den Haupteinzug der Ostzieher warten müssen. Die Vorhersage "ab Ostern" scheint allerdings nach jetzigem Stand noch realistisch zu sein.

Mit "Jan" hat unterdessen der allererste Senderstorch auf der Ostroute gestern sein Ziel in Hamburg-Fünfhausen erreicht. Auf dem Sinai gestartet, brauchte er für seine Reise immerhin 5 Wochen und damit vergleichsweise lange. Der erste Afrika-Überwinterer ("Sückau 2") meldete sich heute aus Ungarn und kam zuletzt ebenfalls nur sehr langsam voran.

In unserem Betreuungsgebiet wurden zuletzt der zweite Storch in Vorder Bollhagen und der erste in Nustrow gemeldet. Außerdem hält sich seit vorgestern ein beringter Storch östlich von Rostock auf. Er pendelt offenbar zwischen den Nestern in Fienstorf und Broderstorf I. Wir hoffen, ihn bald identifizieren zu können. Auch unser Biestower Webcam-Storch ist noch allein. Ich denke, er wird noch einige Tage auf seine Partnerin - ziemlich sicher eine Afrika-Überwintererin - warten müssen.


Wann treffen die Ostzieher bei uns ein?

Quellen: siehe Kartenausschnitt beim Eintrag vom 13. März 2021.
Quellen: siehe Kartenausschnitt beim Eintrag vom 13. März 2021.

19. März 2021

 

Heute möchte ich mich wieder mit der wie in jedem Jahr spannenden Frage beschäftigen, wann wir wohl mit dem Einflug der ostziehenden Störche rechnen können. Momentan unterscheide ich drei Gruppen. Die beiden Nahost-Überwinterer hatten es in den letzten Tagen bei anhaltendem Gegenwind recht schwer, zum Teil wurde auch mehrere Tage lang gerastet. Jetzt aber haben sowohl "Jan" als auch "Jonas" die Nordkarpaten überwunden. Nun ist der Weg bis zum heimischen Nest nicht mehr weit, Sonntag oder Montag sollte es so weit sein. Dass vor ihnen vermutlich schon weitere Nahost-Überwinterer im Norden und Osten Deutschlands eingetroffen sein dürften, habe ich ja schon bei den letzten Berichten aus unserer Region erläutert.

Aufgrund der ungünstigen Witterungsverhältnisse ist die Spitze der in Afrika aufgebrochenen Ostzieher zuletzt etwas aufgehalten worden. Andere Senderstörche haben "von hinten aufgeholt". Insgesamt gesehen dürfte die große Masse aktuell zwischen dem Sinai und dem Bosporus unterwegs sein. Weiter nördlich entwickelt sich über den Südkarpaten am Wochenende ein kräftiges Tief mit anhaltenden Regen- und auch Schneefällen. Bis etwa Mittwoch wird es den Zug unserer Ostzieher aufhalten. Vielleicht schlüpfen aber auch vorher noch einige durch, bevor dann mehrere Tage nichts mehr gehen wird. Stimmen die langfristigen Wetterprognosen, so wird es nach Abzug des Tiefs über den Südkarpaten zu einer deutlichen und anhaltenden Wetterbesserung kommen. Dann wäre der Weg frei für den Zug nach Mittel- und Osteuropa! Ich rechne nach jetzigem Stand mit einem starken Einflug bei uns in der Karwoche und an Ostern. Das wäre dann auf jeden Fall erfreulich früh, allerdings im völlig üblichen Rahmen (Anfang April). Warten wir es ab und drücken den Störchen die Daumen, dass es ihnen dabei besser ergeht als Senderstorch "Arthur", der am 11. März sehr plötzlich - während er parallel zum Ufer des Toten Meeres flog - zu Boden segelte oder trudelte und wohl kurz darauf starb. Inzwischen wurden sein Kadaver und der Sender geborgen. Die Todesursache wird vermutlich noch von israelischen Experten geklärt. Ob er abgeschossen wurde oder aufgrund akuter gesundheitlicher Probleme den Tod fand, ist momentan wohl noch offen. Von ihm wissen wir aufgrund seiner Beringung als Brutstorch im Jahre 2010, dass er mindestens 14 Jahre alt gewesen sein muss. Als Senderstorch konnten wir seinen Weg, der ihn jedes Jahr von Schleswig-Holstein in den Tschad und nach Nigeria führte, seit 2014 begleiten. Es ist wirklich schon sehr viel Pech, was sich in diesem Jahr beim schleswig-holsteinischen NABU-Besenderungsprojekt konzentriert.

Zum Abschluss des heutigen Überblicks werfen wir noch einen Blick auf die übrigen Störche, die sich auch jetzt noch in Afrika befinden. Wie ich neulich schon schrieb, haben sich die Sender von "Leon" und "Fred" schon sehr lange nicht mehr gemeldet. Ihr Schicksal ist fraglich. Senderstorch "Stefan", der erst Anfang März in Kamerun aufbrach, plante vom Tschad aus den direkten Überflug über die Sahara. Das hat jedoch im ersten Anlauf nicht geklappt. Vermutlich hat starker Gegenwind ihn nach 200 Kilometern zu einer Zugumkehr veranlasst. Jetzt dürfte er einen zweiten Anlauf für diese gefährliche Etappe gestartet haben. Der brandenburgische Senderstorch "DEH HL440" rastet dagegen immer noch in Tansania und wird - einen erfolgreichen Zug vorausgesetzt - dementsprechend erst weit nach der Hauptmasse der Ostzieher in Mitteleuropa eintreffen. Von den beiden auf unserer Karte gelb markierten Zweijährigen ist "Waldemar" nun offenbar auch auf dem Weg in Richtung Norden. Gestern meldete sich sein Sender vom Nil, ein gutes Stück nördlich von Khartum. Vielleicht trifft er im Mai zusammen mit anderen noch nicht brutreifen Störchen in Nordostdeutschland ein? "Mose" rastet dagegen auch weiterhin noch im Südwest-Sudan.


Arbeitseinsatz an vier Storchennestern - Rückkehrer auch in Kowalz und Kröpelin

Horstsanierung in Fienstorf, 18.3.2021. Foto: T. Sandhoff
Horstsanierung in Fienstorf, 18.3.2021. Foto: T. Sandhoff

18. März 2021

 

Noch rechtzeitig vor dem Einflug der Ostzieher sind am heutigen Donnerstag vier Storchennester in unserer Region instand gesetzt worden. Für die Storchenfreunde G. Gernhöfer und C. Roscher, die diesen körperlich durchaus beanspruchenden Einsatz gefahren sind, ging es dabei um unterschiedliche Aufgaben. In Fienstorf war das seit vielen Jahren regelmäßig besetzte und inzwischen hoch aufgeschichtete Nest mittlerweile so verdichtet, dass nach stärkeren Niederschlägen kaum noch Wasser abfließen konnte. Hier wurde das gesamte Nest in der Höhe um etwa zwei Drittel abgetragen. In Detershagen war das dortige Nest letztmalig 2017 von einem Storchenpaar besetzt gewesen. 2018 kam dann nur noch ein Einzelstorch. Seitdem hatten die Spatzen "das Regiment" übernommen und für einen starken Verfall gesorgt. Dieser wurde auch durch sehr viele Fremdkörper begünstigt - unter anderem war ein leerer Blutplasmabeutel verbaut worden. Die Fotos unten zeigen, dass ein neues Storchenpaar, auf das in Detershagen gehofft werden muss, jetzt wesentlich attraktivere Bedingungen vorfinden wird. In Hohen Luckow, wo letztmalig 2016 ein Brutversuch unternommen worden war, wurde ein neuer Nistkorb aufgesetzt und befüllt. In der Umgebung des Dorfes hielten sich im letzten Sommer zahlreiche Nichtbrüter auf. Vielleicht wird das nun "optmierte" Nest in diesem Jahr neu entdeckt (Fotos im "Fotoalbum"). Schließlich wurde auch der ebenfalls zuletzt 2016 besetzt gewesene Standort Broderstorf II ausgebessert. Wir danken den freundlichen Spendern, die das Anmieten der Hebebühne möglich gemacht haben.

Nachtragen kann ich, dass in Kowalz und in Kröpelin heute der erste Storch eingetroffen ist - jeweils in Übereinstimmung mit sehr frühen Rückkehrdaten in den Vorjahren. In Kröpelin stand abends sogar schon ein zweiter Storch mit auf dem Nest.

Fotos unten: T. Sandhoff (2)/G. Gernhöfer; Detershagen, 18.3.2021


Weitere Rückkehrer in Vorder Bollhagen und in Rostock-Biestow eingetroffen

Webcam-Nest Rostock-Biestow: Das erste Foto 2021 mit Storch - 15. März, 15:35 Uhr.
Webcam-Nest Rostock-Biestow: Das erste Foto 2021 mit Storch - 15. März, 15:35 Uhr.

15. März 2021

 

Nach dem ersten Rückkehrer, der seit gut einer Woche das Nest in Groß Bölkow besetzt hält, kann ich für unser Betreuungsgebiet DBR/HRO nun die Störche 2 und 3 zurückmelden. Bereits am Freitag traf in Vorder Bollhagen die beringte schwedische Brutstörchin der beiden Vorjahre, SVS 2151, ein. Das war insoweit nicht so überrschend als dass dieser Standort im letzten Jahr als erster überhaupt besetzt war (damals am 9. März).

Heute dann traf - wie das Fotoarchiv verriet exakt um 15:35 Uhr - ein unberingter Storch am Webcamnest Rostock-Biestow ein. Dieser Storch steht heute Abend auch zur Übernachtung noch auf dem Nest. Wir denken, dass es das Vorjahresmännchen ist. Dieses traf in den letzten Jahren immer vor der Hauptwelle der Ostzieher, aber deutlich nach den erfahrenen Westziehern ein. Im letzten Jahr war es der 14. März, dieses Jahr ist es nun einen Tag später. Wir werden es nie sicher klären können, aber eine Überwinterung im Nahen Osten ist zumindest naheliegend. Nun hoffen wir, dass auch seiner beringte Partnerin wieder früh eintrifft. Damit wäre eine gute Grundlage für eine erneut erfolgreiche Brutsaison im Webcamnest Rostock-Biestow gelegt. In den bisherigen drei Jahren seines Zusammenseins zog das Paar immerhin zehn Jungstörche erfolgreich groß.


Frühes Eintreffen der ostziehenden Weißstörche?

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.

13. März 2021

 

Beim Frühjahrszug der ostziehenden Störche ist jetzt in etwa "Halbzeit". Da bietet sich ein erneuter Blick auf unsere gewohnte Überblickskarte an. Die beiden Nahost-Überwinterer "Jan" und "Jonas" haben die Karpaten erreicht. Sie sind aktuell beide in Rumänien. Da die Zugbedingungen in Osteuropa in der nächsten Woche nicht so günstig sein werden, rechne ich mit ihrem Eintreffen erst ab dem 20. März und damit etwas später als im letzten Jahr. Von den Afrika-Überwinterern erreichen die ersten jetzt den Bosporus. Auch in Israel sind inzwischen viele Weißstörche eingetroffen. Eine weitere große Gruppe "unserer" Senderstörche wird in den nächsten zwei bis drei Tagen den Golf von Suez erreichen. Sie alle können in nächster Zeit mit recht störungsarmen Zugbedingungen im Nahen Osten und in der Türkei rechnen. Damit ist die "Masse" der Ostzieher so zeitig und gut unterwegs, dass mit ihrem Eintreffen recht früh, also Ende März/Anfang April gerechnet werden kann. Die 2018 und 2020 witterungsbedingt aufgetretenen Zugstaus erinnern aber daran, dass wir auch in diesem Jahr grundsätzlich noch mit Störungen rechnen müssen (vor allem in den Karpaten), die dann zu Verzögerungen führen könnten. Entscheidend wird wohl sein, wie in der übernächsten Woche das Wetter in Südosteuropa ist.

Die übrigen vier besenderten Altstörche, die erst spät oder noch gar nicht aufgebrochen sind, werden wie jedes Jahr die "Nachhut" der spät eintreffenden Ostzieher abbilden. Von "Leon" (zuletzt Südwest-Sudan) und "Fred" (zuletzt Süd-Tansania) gab es allerdings leider schon seit längerer Zeit keine neuen Positionsdaten, sodass wir nicht wissen, ob sie wohlauf sind.

Bei den beiden gelb markierten Störchen handelt es sich um zwei Zweijährige. "Waldemar" und "Mose" haben sich erwartungsgemäß noch nicht den aus dem Südwestsudan abziehenden Brutstörchen angeschlossen. Sie sind noch nicht brutreif und  haben dementsprechend (noch) kein festes Ziel. Beide werden auch in diesem Jahr zu den "vagabundierenden" Störchen gehören. Während "Waldemar" 2020 ja auch längere Zeit in Mecklenburg-Vorpommern umherstreifte, zog "Mose" nur bis nach Syrien, um im Herbst dann auch nach Afrika zu fliegen.

Aus unserem Betreuungsgebiet ist bisher noch kein zweiter Storch mit fester Horstbindung festgestellt worden. Dafür meldeten aufmerksame Beobachter in den letzten Tagen einen kleinen Vierer-Trupp bei Kritzmow sowie Einzelstörche bei Pankelow und Petschow. Sie alle wurden bei der Nahrungssuche beobachtet und werden vermutlich auf dem Durchzug gewesen sein.


Unser erster Storch ist da!

Groß Bölkow, 8.3.2021. Foto: T. Sandhoff.
Groß Bölkow, 8.3.2021. Foto: T. Sandhoff.

8. März 2021

 

Nun hat auch bei uns die Storchensaison begonnen! Gestern traf der erste "Rotschnabel" ein - und zwar in Groß Bölkow. Er blieb auch über Nacht und hat heute dann auch schon fleißig das Nest ausgebessert. Einen Ring trägt er nicht, wir halten ihn für das Vorjahresmännchen. 2020 war zunächst das beringte, aus Schweden stammende Weibchen am 14. März dort eingetroffen, das unberingte Männchen dann drei Tage später. Dieses Paar begann Ende März als erstes in unserer Region mit der Brut und zog zwei Jungstörche groß.

Wer jetzt eintrifft, ist mit großer Wahrscheinlichkeit noch ein Westzieher. Die beiden besenderten Störche "Jonas" und "Jan", die im Nahen Osten überwintert haben, rasten momentan gemeinsam auf einer Mülldeponie im europäischen Teil der Türkei. Anschließend werden sie noch mindestens zehn Tage bis an ihren Brutplatz im Drömling/Sachsen-Anhalt bzw. in Hamburg benötigen. Noch vor dem Bosporus hat übrigens ein Natur-Fotograf den Senderstorch "Jonas" ablichten können. Er befand sich in einem Trupp mit etwa 50 Artgenossen. Die ersten Afrika-Überwinterer haben jetzt gerade Israel erreicht. Dort wird der Höhepunkt des Frühjahrszuges der Weißstörche in etwa 7 bis 10 Tagen erwartet.

Die Biestower Storchen-Webcam läuft nun doch schon jetzt. Die unabweislichen Wartungsarbeiten mussten auf Juni verschoben werden. Im Vorjahr traf das unberingte Männchen am 14. März in Rostock-Biestow ein. Da könnte es also bald wieder spannend werden.


Frühjahrszug in vollem Gange - Start der Biestower Webcam-Übertragungen verzögert sich

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.

1. März 2021

 

Der Frühjahrszug der Weißstörche schreitet voran. Mittlerweile sind auf der Westroute drei Senderstörche wohlbehalten auf ihren Nestern im Norden eingetroffen. Störchin "Regina", die gestern in Nordost-Frankreich war, wird ebenfalls in Kürze ihr Ziel in Hamburg-Vier- und Marschlande erreichen. Dagegen ist "Trunca" bis jetzt noch nicht in Marokko aufgebrochen. Ihre Verzögerung beim Aufbruch könnte sich aus einer Beinverletzung erklären, die sie im Vorjahr erlitten hat.

Auf der Ostroute sind "Jonas" und "Jan" fast zeitgleich im Inneren der Türkei unterwegs. Wenn alles gut geht, werden sie etwa Mitte März die beiden ersten ostziehenden Senderstörche sein, die ihr Ziel erreichen. Der dritte Nahost-Überwinterer, Senderstorch "Robert", wird leider nicht in Gribbohm eintreffen - er verendete Mitte Februar in der Türkei an einer frisch errichteten Mittelspannungsleitung, die in der für Großvögel gefährlichen Stützerbauweise konstruiert worden war. Sehr schade!

Bei den Afrika-Überwinterern ist es noch nicht so weit. Immerhin steuern die ersten von ihnen jetzt den Golf von Suez an, und auf der Karte ist der Zugweg nilabwärts schon gut zu erkennen. Dort eingereiht hat sich auch "Arthur" aus Schleswig-Holstein, der die Sahara erfolgreich überquert hat. Wie jedes Jahr lassen sich auch jetzt wieder einige Störche viel Zeit mit dem Aufbruch. "Stefan" in N-Kamerun und zwei in Tansania rastende Störche werden voraussichtlich nicht vor der zweiten April-Hälfte bei uns eintreffen.

Am letzten Freitag wurde erstmals in diesem Jahr auch in unserem Betreuungsgebiet ein Storch beobachtet. Er übernachtete auf einem Hausdach, mitten in der ehemaligen Kreisstadt Bad Doberan. Dieses Verhalten deutet auf einen rastenden Durchzieher hin. Besonders häufig tauchen bei uns schwedische Störche auf, die sich - aus Südosteuropa kommend - auf dem Weg in ihr Heimatland befinden.

Und schließlich muss ich alle Freunde der Biestower Storchen-Webcam noch ein wenig um Geduld bitten. Aufgrund einer unvermeidbaren technischen Anpassung kann sie voraussichtlich erst in etwa 3 Wochen ihren Betrieb aufnehmen. Wir sind dem Verein "Leben in Biestow e. V." weiterhin sehr dankbar, dass die mit erheblichem Aufwand verbundene Übertragung auch in dieser Brutsaison möglich ist.  


Erste Welle der Westzieher eingetroffen - aber noch nicht bei uns

21. Februar 2021

 

In der vergangenen Woche ist die erste kräftige Welle westziehender Weißstörche in Deutschland eingetroffen. Besonders in den alten Bundesländern sind zahlreiche Nester besetzt worden. Ausgelöst wurde die massenhafte Ankunft durch eine milde südwestliche Strömung, die rasch die vorher dominierende Frostluft verdrängt hat. Auch der erste Senderstorch ist wohlbehalten an seinem Horst eingetroffen - "Hans Albert" wurde im schleswig-holsteinischen Vaale sogar schon von seinem Weibchen erwartet. Er hat wie die meisten anderen Westzieher auch, in Spanien überwintert. Insbesondere alte, erfahrene Brutstörche mit starker Horstbindung haben es erfahrungsgemäß besonders eilig. Diese Störche erreichen auf der Westroute erfahrungsgemäß bis spätestens Mitte März ihre Nester. Jüngere Westzieher und erst recht solche, die erstmals nach einem Brutplatz Ausschau halten, können auch noch bis weit in den April eintreffen.

Im alten Landkreis Bad Doberan ist bisher noch kein Rückkehrer beobachtet worden. Das ist nicht überraschend, denn in den letzten 15 Jahren ist nur ein einziges Mal - 2008 in Stäbelow - schon ab Februar ein Nest dauerhaft besetzt gewesen. Aber sehr lange wird es jetzt auch bei uns nicht mehr dauern - 2020 war Vorder Bollhagen am 9. März der erste Standort, an dem ein Storch eintraf und dauerhaft blieb. Früh besetzt waren danach auch Groß Bölkow, Satow und Kröpelin.

Wenn wir auf die besenderten Störche aus Nord- und Ostdeutschland schauen, so sind auf der Westroute bis auf eine Störchin alle bereits auf dem Zug, auf der Ostroute zähle ich mindestens acht Störche, die gestartet sind, während das bei der Mehrzahl noch nicht - oder nicht sicher - festgestellt werden konnte. In den nächsten zehn Tagen sollte sich das entscheidend geändert haben.


Die ersten Weißstörche beginnen mit dem Heimzug in ihre Brutreviere

Quellen: siehe Kartenausschnitt beim Eintrag vom 14. Januar 2021.
Quellen: siehe Kartenausschnitt beim Eintrag vom 14. Januar 2021.

11. Februar 2021

 

Der heutige Blick auf die Verteilung der besenderten Altstörche aus Nord- und Ostdeutschland zeigt noch keine großen Veränderungen gegenüber der Karte von vor 4 Wochen an. Doch lässt ein genauerer Blick erkennen, dass die ersten Störche inzwischen aufgebrochen sind - allen voran "Hans-Albert", der schon seit Ende Januar unterwegs ist und sich ganz gemächlich seinem Brutplatz in Schleswig-Holstein nähert. Die Pyrenäen sind überwunden, jetzt wartet er offenbar in Westfrankreich auf eine nachhaltige Wetterbesserung. Weiter nördlich herrscht in Mitteleuropa ja tatsächlich noch tiefster Winter. Auch der Sude-Storch "Niendorfer" ist in Südspanien aufgebrochen. Doch auch sein Zug ist noch von vielen Pausen gekennzeichnet, aktuell ist er im mittleren Spanien angekommen. Und schließlich dürfte in Afrika der schleswig-holsteinische Storchenveteran "Arthur" (ein mindestens 14jähriges Männchen) als erster mit dem Zug begonnen haben. Er war zuletzt wochenlang im Norden Kameruns und hat dementsprechend auch einen besonders weiten Weg vor sich. Bei allen anderen Senderstörchen sind nur kleinere räumliche Veränderungen feststellbar, die allenfalls eine beginnende Zugunruhe anzeigen dürften. Bis zum Monatsende sollte dann aber die Mehrheit der Ostzieher aufgebrochen sein. Bei den Westziehern sollte der Startschuss für die bisher noch rastenden Störche schon in den nächsten Tagen fallen. 


Auf der Deponie in Madrid...

Foto: Elena del Val. Pinto, 30.1.2021
Foto: Elena del Val. Pinto, 30.1.2021

2. Februar 2021

 

So wild durcheinander geht es auf einer Mülldeponie am Stadtrand von Madrid zu. Hier halten sich den ganzen Winter über tausende Weißstörche auf, um sich mit Fressbarem zu versorgen. Die beringten Beine gehören SVS 2616, einer aus Schweden stammenden Störchin, die 2020 als Zweijährige bei uns in Fienstorf Brutvogel war. Hoffen wir, dass sie demnächst wohlbehalten an ihr Nest zurückkehrt. Im letzten Jahr traf sie am 8. April ein. Ihr Partner ist Ostzieher und sehr wahrscheinlich noch in Afrika.


Senderstörche trotzen dem Wintereinbruch in Spanien

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.

14. Januar 2021

 

Etwa vier bis sechs Wochen vor dem Beginn des Frühjahrszuges möchte ich heute einmal wieder einen Überblick über die besenderten Altstörche aus Nord- und Ostdeutschland geben, die ich "per Internet" schon seit geraumer Zeit in ihren Überwinterungsgebieten verfolge. Was hat sich gegenüber dem letzten Bericht Ende November und auch gegenüber dem letzten Winter verändert? Erst einmal zeigt der Blick auf die Karte, dass wir nunmehr - grob betrachtet - von vier und nicht mehr von drei Gruppen ausgehen können. Als vierte Gruppe neu hinzugekommen sind fünf Störche, die sich offenbar auf Tansania als Ziel festgelegt haben. Sie befanden sich vor 6 Wochen noch in der südlichen Sahel-Zone und sind dann nach und nach in Richtung Ostafrika gezogen. Zwei von ihnen kennen wir schon aus den Vorjahren als Tansania-Überwinterer, wohingegen die Sude-Senderstörchin „Gudow“ in den Jahren zuvor stets nach Südafrika gezogen war. Jetzt hält sie sich schon seit Wochen am Nordufer des Lake Natron auf, an dessen Südufer zwei weitere Senderstörche auf Nahrungssuche sind. Sind es die von Flamingos sehr geschätzten, dort massenhaft vorkommenden Salinenkrebse, die sie an den sehr salzhaltigen See geführt haben? Ob auch die beiden übrigen Senderstörche dieser "Gruppe" einer eigenen Überwinterungstradition folgen, können wir nicht sagen, da sie im letzten Winter noch unbesendert waren. Bei der weiterhin größten Gruppe (19 Senderstörche), die sich südlich der Sahelzone (zwischen Nordost-Kamerun und dem östlichen Sudan) aufhält, hat es zwar eine leichte Ost-Verlagerung gegeben, der räumliche Schwerpunkt ist aber wie schon in den Vorjahren der südwestliche Sudan. Gänzlich unverändert zeigen sich die Positionen der drei in Israel bzw. bei Sharm-el-Sheikh rastenden Störche. Ebenfalls nur wenig Bewegung gab es bei den sieben Westziehern, von denen allerdings einer ziemlich sicher und ein weiterer eventuell nicht mehr lebt. Interessant zu beobachten war die Reaktion der drei in Zentralspanien rastenden Störche, die den ungewöhnlich starken und schneereichen Wintereinbruch der letzten Tage nicht als Anlass für eine „Winterflucht“ nach Süden gesehen haben, sondern an Ort und Stelle geblieben sind. Wie es aussieht, haben sie ihre Aktivitäten und damit auch ihren Energieverbrauch (vorübergehend) eingeschränkt. Vermutlich gehen sie davon aus, dass es bald wieder ausreichend Nahrung zu finden gibt.

Ergänzen kann ich noch, dass die inzwischen 18jährige Störchin „Luzie“ (Hiddensee L975, beringt 2002 im Zoo Rostock) auch den Jahreswechsel 2020/21 wieder im nordrhein-westfälischen Schaephuysen verbringt. Dort taucht sie seit Jahren stets im Dezember auf, während sie die Brutzeit üblicherweise in Niedersachsen verbringt.    

 


Jahresbericht 2020 steht zum Download bereit

1. Januar 2021

 

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein gesundes und frohes Neues Jahr!Hoffentlich hält es für uns alle mehr Positives bereit als das zurückliegende.

Pünktlich zum Jahresende kann ich den Weißstorch-Jahresbericht 2020 für unser Betreuungsgebiet vorlegen. Er umfasst insgesamt wieder 24 Seiten und geht dabei auch auf jeden einzelnen Standort ein. Für den schnellen Überblick sind dagegen schon die beiden ersten Seiten ausreichend.

Die PDF-Datei kann hier heruntergeladen werden.


Ostziehende Senderstörche weiter am Rande der Sahel-Zone

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.

27. November 2020

 

Nach längerer Zeit möchte ich gerne einmal wieder über die besenderten Störche aus Nord- und Ostdeutschland berichten. Sie teilen sich inzwischen in drei halbwegs zusammenhängende Gruppen auf. Insgesamt sieben Störche sind weiterhin auf der Westroute aktiv, davon haben sich je drei für Marokko und die Region Madrid entschieden. Eine weitere Störchin überwintert in Südspanien. In der Regel spielen hier Mülldeponien die entscheidende Rolle bei der Nahrungssuche. Das gilt auch für die beiden in Israel überwinternden Senderstörche "Robert" und "Jonas", die dort übrigens auch schon im letzten Winter waren. Die letzte Meldung des gelb markierten Storchs "Mose" (Jg. 2019) liegt schon rund drei Monate zurück. Wir wissen nicht, ob er noch lebt. Dagegen dürfte Senderstorch "Leon", der auf der Karte noch mit seiner letzten Meldung aus dem September in Ägypten angezeigt wird, längst weiter in Richtung Süden gezogen sein. Auch 2019/20 verschwand er für viele Wochen "vom Radar", um sich dann doch wieder zu melden. Die Masse der ostziehenden Störche hält sich in einem breiten Streifen vom Tschad bis Äthiopien und damit am Rande der Sahel-Zone auf. Ihr Schwerpunkt hat sich inzwischen vom Tschad in den Sudan verlagert. Besonders in der Region Süd-Dafur dürften jetzt sehr viele Weißstörche anzutreffen sein. Sie alle profitieren von den ergiebigen Niederschlägen, die es während der Regenzeit im August, September und Oktober hier gegeben hat. Wir können damit rechnen, dass viele von ihnen bis zum Aufbruch Richtung Norden im Februar hier bleiben werden. Einige wenige Störche werden jedoch vermutlich davon abweichen und wieder ihre weiter südlich gelegenen, aus den Vorjahren gewohnten Überwinterungsregionen  aufsuchen. So erwarte ich "HL440" wieder in Tansania, und die in Gudow/MV beheimatete Störchin aus dem Sude-Projekt ist offenbar schon auf dem Weg in Richtung Südafrika (auch wenn sie sich gerade noch im nördlichen Süd-Sudan aufhält). Vielleicht ist sie kurz nach Neujahr sogar wieder bei Kapstadt anzutreffen? So war es jedenfalls in den beiden letzten Wintern. Grundsätzlich bleibe ich bei meiner Prognose, dass die Masse der ostziehenden Weißstörche wie schon im letzten Winter am Rande der Sahel-Zone gute bis sehr gute Überwinterungsbedingungen vorfindet und daher auf den weiteren Zug nach Ost- und Südafrika verzichtet. 


Von Moitin nach Spanien

Foto: Gonzalo Criado Alonso, Sylvestris Association, 11.11.2020
Foto: Gonzalo Criado Alonso, Sylvestris Association, 11.11.2020
Von Moitin nach Salamanca. Kartengrundlage: OpenStreetMap.
Von Moitin nach Salamanca. Kartengrundlage: OpenStreetMap.

13. November 2020

 

Gestern erreichte uns wieder einmal eine sehr spannende Wiederfund-Meldung. Ein spanischer Ornithologe fotografierte östlich der Stadt Salamanca "XT832" gelb. Diesen Jungstorch haben wir am 29. Juni in Moitin beringt. Fast 2.000 Kilometer hat er auf dieser Strecke zurückgelegt. Er war damals das kleinste aller Küken, die einen Farbring von uns bekommen haben. Erst am 8. August war er flügge und dürfte danach relativ spät auf den Zug gegangen sein. Dass er dann sicher von anderen Störchen mit auf die Westroute "genommen" wurde, ist nicht so überraschend, das haben wir auch in anderen Jahren schon bei spät ausgeflogenen Jungstörchen erlebt. Übrigens war XT832 offenbar allein unterwegs. In der Nähe wurde aber ein großer Trupp Kraniche beobachtet, dem er sich auch angeschlossen haben könnte. Wir lernen: Nicht jeder Storch, der nach Spanien zieht, ernährt sich auf einer Mülldeponie.