Aktuelle Meldungen


Jahresbericht 2021 liegt vor

12. Januar 2022

 

Mit leichter Verspätung steht nun der Jahresbericht 2021 zum Download zur Verfügung. Viel Spaß bei der Lektüre! Die PDF-Datei kann hier heruntergeladen werden.


Die Positionen der überwinternden Senderstörche aus Nordmitteleuropa Anfang Januar - massiver Ausbruch der Vogelgrippe in Israel

Farblegende (Projektverantwortliche): Lila: NABU Hamburg, Rot: Sudestörche/Stork-Foundation, Blau: NABU Schleswig-Holstein, Grün: Storchenhof Loburg. Gelb markiert sind Jungstörche (3 x aus Dänemark, 1 x Storchenhof Loburg). Kartengrundlage: Google Maps.
Farblegende (Projektverantwortliche): Lila: NABU Hamburg, Rot: Sudestörche/Stork-Foundation, Blau: NABU Schleswig-Holstein, Grün: Storchenhof Loburg. Gelb markiert sind Jungstörche (3 x aus Dänemark, 1 x Storchenhof Loburg). Kartengrundlage: Google Maps.

3. Januar 2022

 

Der erste Bericht im neuen Jahr bringt einmal wieder einen Überblick über die Positionen der von uns regelmäßig verfolgten, besenderten Weißstörche aus Nord- und Ostdeutschland sowie Dänemark. Jetzt, Anfang Januar, sollte sich geklärt haben, wer den weiten Weg in den Osten und Süden Afrikas antritt und wer am südlichen Rand der Sahel-Zone verbleibt. Für die letztere Option hat sich die große Masse der Überwinterer entschieden. Besonders der Sudan ist erneut sehr stark frequentiert. Darüber hinaus ist eine 2021 neu besenderte schleswig-holsteinische Störchin nach Tansania geflogen, während ein Jungstorch aus Dänemark bis nach Südafrika geflogen ist. Dort hält sich jetzt auch die Störchin "Gudow" aus dem "Sude-Projekt" auf. Sie folgt damit ihrer Überwinterungstradition des vorletzten und des vorvorletzten Winters, während sie 2020/21 nur bis nach Tansania gezogen war. Senderstorch "Niendorfer" ist bereits aus Afrika nach Europa zurückgekehrt, aber der Weg war - auf der Westroute - auch nicht weit: lediglich von Marokko nach Südspanien ist er gezogen.

Sehr besorgniserregende Nachrichten gibt es aus Israel, wo es in diesem Winter zu massiven Ausbrüchen der Vogelgrippe kommt. Besonders betroffen war zuletzt die etwa 40.000 Individuen umfassende Überwinterungspopulation des Grauen Kranichs im Hula Valley. Es wird aktuell von bis zu 8.000 toten Kranichen ausgegangen, die möglicherweise kontaminiertes Futter gefressen haben. Die Lage ist dort zurzeit außerordentlich ernst, und wir können nur sehr hoffen, dass sich die Situation zur Hauptzugzeit im März deutlich verbessert haben wird. Dann werden dort neben vielen anderen, zum Teil sehr seltenen Zugvögeln, auch wieder tausende Weißstörche rasten. Das Hula Valley ist ein im gesamten Nahen Osten herausragend wichtiges Feucht- und Rastgebiet. Es wird inzwischen von Weißstörchen auch zur Überwinterung genutzt.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein frohes und gesundes Neues Jahr.


Auf der Farm der Familie Grey...

Hiddensee XT845, beringt im Juni 2021 in Rostock-Biestow, abgelesen am 9.12.2021 nahe Johannesburg/Südafrika. Foto: A. Grey
Hiddensee XT845, beringt im Juni 2021 in Rostock-Biestow, abgelesen am 9.12.2021 nahe Johannesburg/Südafrika. Foto: A. Grey

12. Dezember 2021

 

Jetzt habe ich neue Informationen und auch ein Foto von dem Biestower Jungstorch, der in dieser Woche in der Nähe von Johannesburg/Südafrika abgelesen wurde. Er hielt sich insgesamt zwei Tage auf einer Farm auf und ist inzwischen offenbar weitergezogen. Zwei Dinge, die möglicherweise miteinander zusammenhängen, waren auffällig. Zum einen hat er eine Deformation bzw. Verletzung an der Schnabelspitze. Sie war Ende Juli, als ich ihn zuletzt in Rostock fotografierte, noch nicht vorhanden. Bei Störchen besteht der Schnabel aus Kreatin. Er nutzt im Laufe der Zeit ab und wächst auch ständig ein wenig nach. Von daher bleibt zu hoffen, dass der Storch mit diesem Handicap auf Dauer klarkommt. Zum anderen war der Storch, dessen Schnabel und Beine für sein geringes Alter schon ungewöhnlich rot gefärbt sind, sehr zutraulich. Er umkreiste zunächst längere Zeit zu Fuß das Anwesen der Familie Grey und spazierte dann sogar in das Haus. Selbst gegenüber den Hunden der Familie zeigte er sich nicht ängstlich. Wir würden uns von dem Youngster natürlich etwas mehr Vorsicht und Sicherheitsabstand wünschen, denn nicht immer ist man ihm so wohlgesonnen wie auf der Farm der Familie Grey, die sich mit viel Empathie um ihn gekümmert hat und auch seine beiden Ringe sehr eindeutig ablesen bzw. fotografieren konnte. Es war per E-Mail ein sehr netter Austausch unter Tierfreunden über 9.000 Kilometer Entfernung. So habe ich erfahren, dass vor einiger Zeit der Hund der Familie ein Warzenschwein "adoptiert" und aufgezogen hat. Eine schöne Tiergeschichte in der Vorweihnachtszeit, würde ich denken! 


Biestower Jungstorch in Südafrika abgelesen

Jungstorch XT845: Von Rostock nach Südafrika. Kartengrundlage: Google Maps
Jungstorch XT845: Von Rostock nach Südafrika. Kartengrundlage: Google Maps

11. Dezember 2021

 

Kurz vor Weihnachten kann ich noch über einen ganz besonderen Wiederfund berichten. Einer der vier überlebenden Jungstörche des Jahrgangs 2021 vom Webcam-Nest Rostock-Biestow wurde der Beringungszentrale Hiddensee vorgestern aus der Nähe von Johannesburg in Südafrika gemeldet. Die Ablesung von XT845 erfolgte auf einer Farm nordöstlich der Stadt Ventersdorp. Wie auf der Karte links zu sehen ist, hat der Youngster schon in seinem ersten Lebensjahr mehr als 9.000 Kilometer (Luftlinie) zurückgelegt. Dass gerade junge Weißstörche auf ihrem ersten Zug besonders weit ziehen, ist durchaus bekannt, aber diese große Entfernung ist dann doch ungewöhnlich. Ich bin in Kontakt mit der Finderin und zuversichtlich, in Kürze noch mehr Details mitteilen zu können.

 

Bei dem Storch, der sich inzwischen seit einer Woche bei Ziesendorf aufhält, handelt es sich um einen unberingten Jungstorch. Wir denken, dass es das gleiche Individuum ist, das im November längere Zeit bei Tribsees beobachtet wurde. Inzwischen liegen verschiedene Fotos und auch Filmaufnahmen vor. Vielen Dank dafür! Der Youngster findet auch jetzt noch genügend Futter, und schon ab morgen soll bei uns die erste kurze winterliche Wetterperiode wieder vorbei sein.


Ein Wintergast unterwegs bei Ziesendorf

Beobachtungen von Weißstörchen in den letzten 14 Tagen lt. Beobachtungsportal www.ornitho.de
Beobachtungen von Weißstörchen in den letzten 14 Tagen lt. Beobachtungsportal www.ornitho.de

6. Dezember 2021

 

Wie es aussieht, hält sich seit einigen Tagen ein Weißstorch in unserer Region auf. Er wurde mehrfach im Bereich Nienhusen/Ziesendorf/Buchholz gesichtet. Dabei ist noch unklar, ob es sich um einen Alt- oder einen Jungstorch handelt. Möglicherweise ist das Individuum identisch mit einem diesjährigen Storch, der sich etwa zwei Wochen lang in der Umgebung von Tribsees/NVP aufhielt, dort jetzt aber seit etwa einer Woche nicht mehr gesehen wurde. Besorgte Anrufer erkundigten sich, ob der Storch in Gefahr sei und ob man etwas für ihn tun könne. Da konnte ich beruhigen - so lange wir keine großen Schneehöhen und zugefrorene Bäche haben, findet ein gesunder Storch für sich selbst auch im Winter genug Futter. Sollte es doch deutlich winterlicher werden, ist er in der Lage, in wärmere Gefilde auszuweichen. Während es bei uns bisher nur sehr selten einmal überwinternde Weißstörche gibt, ist dies in vielen anderen Teilen Deutschlands seit einigen Jahren ganz anders. Die aktuelle Verbreitungskarte von ornitho.de zeigt dies deutlich. Allerdings handelt es sich dabei um keine systematische Erfassung, sondern um - teils zufällig erfolgte - Beobachtungen vieler einzelner Melderinnen und Melder. Der Eintrag in Vorpommern bezieht sich auf frei fliegende Störche mit Bindung an den Tierpark Greifswald.


Ansiedlungen unserer Störche in nah und fern

3. Dezember 2021

 

Ich nutze die ereignisarme Wintermonate, um einmal einen Überblick über die Brutplätze der bei uns im alten Landkreis Bad Doberan beringten Weißstörche zu geben. Eingetragen habe ich alle 29 Individuen, die entweder 2020 oder 2021 (bzw. in beiden Jahren) als Brutvögel nachgewiesen wurden. Nur fünf von ihnen siedelten sich in unserem Betreuungsgebiet an, deutlich mehr waren es im alten Nachbarlandkreis Nordvorpommern (8) und ebenfalls fünf im alten Landkreis Güstrow. Zwei wurde im alten Landkreis Ludwigslust und einer im alten Landkreis Demmin abgelesen. Außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern kamen Rückmeldungen aus Schleswig-Holstein (3) und Brandenburg (1). Ins Ausland zog es vier Brutstörche: nach Polen (2), in die Niederlande (1) und nach Litauen (1). Die beiden letzten Einträge sind auf der Karte unten zu erkennen.   

Brutstörche mit Herkunft/Beringung in DBR 2020/2021. Kartengrundlage: Google Maps
Brutstörche mit Herkunft/Beringung in DBR 2020/2021. Kartengrundlage: Google Maps

Ein Blick auf die Senderstörche

Farblegende (Projektverantwortliche): Lila: NABU Hamburg, Rot: Sudestörche/Stork-Foundation, Blau: NABU Schleswig-Holstein, Grün: Storchenhof Loburg. Gelb markiert sind Jungstörche (3 x aus Dänemark, 1 x Storchenhof Loburg). Kartengrundlage: Google Maps.
Farblegende (Projektverantwortliche): Lila: NABU Hamburg, Rot: Sudestörche/Stork-Foundation, Blau: NABU Schleswig-Holstein, Grün: Storchenhof Loburg. Gelb markiert sind Jungstörche (3 x aus Dänemark, 1 x Storchenhof Loburg). Kartengrundlage: Google Maps.

21. Oktober 2021

 

Auch in diesem Winterjahr möchte ich wieder einen Überblick über das Zug- und Rastverhalten von insgesamt 33 besenderte Weißstörchen geben. 29 von ihnen starteten im Spätsommer in Nord- und Ostdeutschland, vier in Dänemark. Unter ihnen befanden sich anfangs sechs diesjährige Störche. Leider leben von ihnen aktuell nur noch vier. Die beiden übrigen sind ebenso wie zwei Altstörche des Hamburger Projekts auf dem Herbstzug ums Leben gekommen. Brutstörchin "Regina" (NABU Hamburg) wurde dabei Opfer einer Windkraftanlage bei Bremen, in zwei weiteren Fällen starben die Störche (in Polen und in der Türkei) an Stromleitungen. Die aktuelle Karte verrät uns, dass sechs Störche auf der Westroute unterwegs sind, fünf davon halten sich zurzeit in Spanien auf, der sechste in Marokko. Auf der Ostroute war wieder der Tschad das Hauptziel der ersten Zugetappe. Dabei fiel auf, dass in diesem Jahr Rastplätze bevorzugt wurden, die nördlicher und auch östlicher als in den Vorjahren liegen. Dies korrespondiert mit den dort verstärkt aufgetretenen Niederschlägen während der Regenzeit im August/September. Mittlerweile sind fast alle dort eingetroffenen Störche schon wieder auf Ostkurs - früher als 2019/20 und 2020/21. Die seit Juli gefallenen Niederschlagsmengen sind im Tschad in etwa durchschnittlich, nur im Osten des Landes höher als üblich. Genau dort und im angrenzenden Südwesten des Sudan scheinen sich jetzt besonders viele Weißstörche aufzuhalten. Es ist eine spannende (und zugleich auch wichtige) Frage, ob sie dort auch in den kommenden Monaten genügend zu fressen finden oder - zumindest zum Teil - nach Ost- bzw. Südafrika weiterziehen.

Senderstorch "Jonas" überwintert dagegen wie schon seit Jahren in Israel, während drei weitere besenderte Weißstörche erst im Oktober den Golf von Suez überquert haben und jetzt zu ihren Artgenossen im Sudan und im Tschad unterwegs zu sein scheinen. Schließlich haben sich die beiden Hamburger Senderstörchinnen "Mimi" und "Ombeni" als erstes Etappenziel gegen den Tschad und für den Osten des Sudan entschieden.