Aktuelle Meldungen

Erste Welle der Westzieher eingetroffen - aber noch nicht bei uns

21. Februar 2021

 

In der vergangenen Woche ist die erste kräftige Welle westziehender Weißstörche in Deutschland eingetroffen. Besonders in den alten Bundesländern sind zahlreiche Nester besetzt worden. Ausgelöst wurde die massenhafte Ankunft durch eine milde südwestliche Strömung, die rasch die vorher dominierende Frostluft verdrängt hat. Auch der erste Senderstorch ist wohlbehalten an seinem Horst eingetroffen - "Hans Albert" wurde im schleswig-holsteinischen Vaale sogar schon von seinem Weibchen erwartet. Er hat wie die meisten anderen Westzieher auch, in Spanien überwintert. Insbesondere alte, erfahrene Brutstörche mit starker Horstbindung haben es erfahrungsgemäß besonders eilig. Diese Störche erreichen auf der Westroute erfahrungsgemäß bis spätestens Mitte März ihre Nester. Jüngere Westzieher und erst recht solche, die erstmals nach einem Brutplatz Ausschau halten, können auch noch bis weit in den April eintreffen.

Im alten Landkreis Bad Doberan ist bisher noch kein Rückkehrer beobachtet worden. Das ist nicht überraschend, denn in den letzten 15 Jahren ist nur ein einziges Mal - 2008 in Stäbelow - schon ab Februar ein Nest dauerhaft besetzt gewesen. Aber sehr lange wird es jetzt auch bei uns nicht mehr dauern - 2020 war Vorder Bollhagen am 9. März der erste Standort, an dem ein Storch eintraf und dauerhaft blieb. Früh besetzt waren danach auch Groß Bölkow, Satow und Kröpelin.

Wenn wir auf die besenderten Störche aus Nord- und Ostdeutschland schauen, so sind auf der Westroute bis auf eine Störchin alle bereits auf dem Zug, auf der Ostroute zähle ich mindestens acht Störche, die gestartet sind, während das bei der Mehrzahl noch nicht - oder nicht sicher - festgestellt werden konnte. In den nächsten zehn Tagen sollte sich das entscheidend geändert haben.


Die ersten Weißstörche beginnen mit dem Heimzug in ihre Brutreviere

Quellen: siehe Kartenausschnitt beim Eintrag vom 14. Januar 2021.
Quellen: siehe Kartenausschnitt beim Eintrag vom 14. Januar 2021.

11. Februar 2021

 

Der heutige Blick auf die Verteilung der besenderten Altstörche aus Nord- und Ostdeutschland zeigt noch keine großen Veränderungen gegenüber der Karte von vor 4 Wochen an. Doch lässt ein genauerer Blick erkennen, dass die ersten Störche inzwischen aufgebrochen sind - allen voran "Hans-Albert", der schon seit Ende Januar unterwegs ist und sich ganz gemächlich seinem Brutplatz in Schleswig-Holstein nähert. Die Pyrenäen sind überwunden, jetzt wartet er offenbar in Westfrankreich auf eine nachhaltige Wetterbesserung. Weiter nördlich herrscht in Mitteleuropa ja tatsächlich noch tiefster Winter. Auch der Sude-Storch "Niendorfer" ist in Südspanien aufgebrochen. Doch auch sein Zug ist noch von vielen Pausen gekennzeichnet, aktuell ist er im mittleren Spanien angekommen. Und schließlich dürfte in Afrika der schleswig-holsteinische Storchenveteran "Arthur" (ein mindestens 14jähriges Männchen) als erster mit dem Zug begonnen haben. Er war zuletzt wochenlang im Norden Kameruns und hat dementsprechend auch einen besonders weiten Weg vor sich. Bei allen anderen Senderstörchen sind nur kleinere räumliche Veränderungen feststellbar, die allenfalls eine beginnende Zugunruhe anzeigen dürften. Bis zum Monatsende sollte dann aber die Mehrheit der Ostzieher aufgebrochen sein. Bei den Westziehern sollte der Startschuss für die bisher noch rastenden Störche schon in den nächsten Tagen fallen. 


Auf der Deponie in Madrid...

Foto: Elena del Val. Pinto, 30.1.2021
Foto: Elena del Val. Pinto, 30.1.2021

2. Februar 2021

 

So wild durcheinander geht es auf einer Mülldeponie am Stadtrand von Madrid zu. Hier halten sich den ganzen Winter über tausende Weißstörche auf, um sich mit Fressbarem zu versorgen. Die beringten Beine gehören SVS 2616, einer aus Schweden stammenden Störchin, die 2020 als Zweijährige bei uns in Fienstorf Brutvogel war. Hoffen wir, dass sie demnächst wohlbehalten an ihr Nest zurückkehrt. Im letzten Jahr traf sie am 8. April ein. Ihr Partner ist Ostzieher und sehr wahrscheinlich noch in Afrika.


Senderstörche trotzen dem Wintereinbruch in Spanien

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.

14. Januar 2021

 

Etwa vier bis sechs Wochen vor dem Beginn des Frühjahrszuges möchte ich heute einmal wieder einen Überblick über die besenderten Altstörche aus Nord- und Ostdeutschland geben, die ich "per Internet" schon seit geraumer Zeit in ihren Überwinterungsgebieten verfolge. Was hat sich gegenüber dem letzten Bericht Ende November und auch gegenüber dem letzten Winter verändert? Erst einmal zeigt der Blick auf die Karte, dass wir nunmehr - grob betrachtet - von vier und nicht mehr von drei Gruppen ausgehen können. Als vierte Gruppe neu hinzugekommen sind fünf Störche, die sich offenbar auf Tansania als Ziel festgelegt haben. Sie befanden sich vor 6 Wochen noch in der südlichen Sahel-Zone und sind dann nach und nach in Richtung Ostafrika gezogen. Zwei von ihnen kennen wir schon aus den Vorjahren als Tansania-Überwinterer, wohingegen die Sude-Senderstörchin „Gudow“ in den Jahren zuvor stets nach Südafrika gezogen war. Jetzt hält sie sich schon seit Wochen am Nordufer des Lake Natron auf, an dessen Südufer zwei weitere Senderstörche auf Nahrungssuche sind. Sind es die von Flamingos sehr geschätzten, dort massenhaft vorkommenden Salinenkrebse, die sie an den sehr salzhaltigen See geführt haben? Ob auch die beiden übrigen Senderstörche dieser "Gruppe" einer eigenen Überwinterungstradition folgen, können wir nicht sagen, da sie im letzten Winter noch unbesendert waren. Bei der weiterhin größten Gruppe (19 Senderstörche), die sich südlich der Sahelzone (zwischen Nordost-Kamerun und dem östlichen Sudan) aufhält, hat es zwar eine leichte Ost-Verlagerung gegeben, der räumliche Schwerpunkt ist aber wie schon in den Vorjahren der südwestliche Sudan. Gänzlich unverändert zeigen sich die Positionen der drei in Israel bzw. bei Sharm-el-Sheikh rastenden Störche. Ebenfalls nur wenig Bewegung gab es bei den sieben Westziehern, von denen allerdings einer ziemlich sicher und ein weiterer eventuell nicht mehr lebt. Interessant zu beobachten war die Reaktion der drei in Zentralspanien rastenden Störche, die den ungewöhnlich starken und schneereichen Wintereinbruch der letzten Tage nicht als Anlass für eine „Winterflucht“ nach Süden gesehen haben, sondern an Ort und Stelle geblieben sind. Wie es aussieht, haben sie ihre Aktivitäten und damit auch ihren Energieverbrauch (vorübergehend) eingeschränkt. Vermutlich gehen sie davon aus, dass es bald wieder ausreichend Nahrung zu finden gibt.

Ergänzen kann ich noch, dass die inzwischen 18jährige Störchin „Luzie“ (Hiddensee L975, beringt 2002 im Zoo Rostock) auch den Jahreswechsel 2020/21 wieder im nordrhein-westfälischen Schaephuysen verbringt. Dort taucht sie seit Jahren stets im Dezember auf, während sie die Brutzeit üblicherweise in Niedersachsen verbringt.    

 


Jahresbericht 2020 steht zum Download bereit

1. Januar 2021

 

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein gesundes und frohes Neues Jahr!Hoffentlich hält es für uns alle mehr Positives bereit als das zurückliegende.

Pünktlich zum Jahresende kann ich den Weißstorch-Jahresbericht 2020 für unser Betreuungsgebiet vorlegen. Er umfasst insgesamt wieder 24 Seiten und geht dabei auch auf jeden einzelnen Standort ein. Für den schnellen Überblick sind dagegen schon die beiden ersten Seiten ausreichend.

Die PDF-Datei kann hier heruntergeladen werden.


Ostziehende Senderstörche weiter am Rande der Sahel-Zone

Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.
Quelle: www.movebank.org, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stoerche-auf-reisen/index.html; Farblegende: rot: Sudewiesen-Projekt, grün/gelb: Loburg-Projekt, blau: NABU-SH; lila: NABU-HH. Kartengrundlage: Google Maps.

27. November 2020

 

Nach längerer Zeit möchte ich gerne einmal wieder über die besenderten Störche aus Nord- und Ostdeutschland berichten. Sie teilen sich inzwischen in drei halbwegs zusammenhängende Gruppen auf. Insgesamt sieben Störche sind weiterhin auf der Westroute aktiv, davon haben sich je drei für Marokko und die Region Madrid entschieden. Eine weitere Störchin überwintert in Südspanien. In der Regel spielen hier Mülldeponien die entscheidende Rolle bei der Nahrungssuche. Das gilt auch für die beiden in Israel überwinternden Senderstörche "Robert" und "Jonas", die dort übrigens auch schon im letzten Winter waren. Die letzte Meldung des gelb markierten Storchs "Mose" (Jg. 2019) liegt schon rund drei Monate zurück. Wir wissen nicht, ob er noch lebt. Dagegen dürfte Senderstorch "Leon", der auf der Karte noch mit seiner letzten Meldung aus dem September in Ägypten angezeigt wird, längst weiter in Richtung Süden gezogen sein. Auch 2019/20 verschwand er für viele Wochen "vom Radar", um sich dann doch wieder zu melden. Die Masse der ostziehenden Störche hält sich in einem breiten Streifen vom Tschad bis Äthiopien und damit am Rande der Sahel-Zone auf. Ihr Schwerpunkt hat sich inzwischen vom Tschad in den Sudan verlagert. Besonders in der Region Süd-Dafur dürften jetzt sehr viele Weißstörche anzutreffen sein. Sie alle profitieren von den ergiebigen Niederschlägen, die es während der Regenzeit im August, September und Oktober hier gegeben hat. Wir können damit rechnen, dass viele von ihnen bis zum Aufbruch Richtung Norden im Februar hier bleiben werden. Einige wenige Störche werden jedoch vermutlich davon abweichen und wieder ihre weiter südlich gelegenen, aus den Vorjahren gewohnten Überwinterungsregionen  aufsuchen. So erwarte ich "HL440" wieder in Tansania, und die in Gudow/MV beheimatete Störchin aus dem Sude-Projekt ist offenbar schon auf dem Weg in Richtung Südafrika (auch wenn sie sich gerade noch im nördlichen Süd-Sudan aufhält). Vielleicht ist sie kurz nach Neujahr sogar wieder bei Kapstadt anzutreffen? So war es jedenfalls in den beiden letzten Wintern. Grundsätzlich bleibe ich bei meiner Prognose, dass die Masse der ostziehenden Weißstörche wie schon im letzten Winter am Rande der Sahel-Zone gute bis sehr gute Überwinterungsbedingungen vorfindet und daher auf den weiteren Zug nach Ost- und Südafrika verzichtet. 


Von Moitin nach Spanien

Foto: Gonzalo Criado Alonso, Sylvestris Association, 11.11.2020
Foto: Gonzalo Criado Alonso, Sylvestris Association, 11.11.2020
Von Moitin nach Salamanca. Kartengrundlage: OpenStreetMap.
Von Moitin nach Salamanca. Kartengrundlage: OpenStreetMap.

13. November 2020

 

Gestern erreichte uns wieder einmal eine sehr spannende Wiederfund-Meldung. Ein spanischer Ornithologe fotografierte östlich der Stadt Salamanca "XT832" gelb. Diesen Jungstorch haben wir am 29. Juni in Moitin beringt. Fast 2.000 Kilometer hat er auf dieser Strecke zurückgelegt. Er war damals das kleinste aller Küken, die einen Farbring von uns bekommen haben. Erst am 8. August war er flügge und dürfte danach relativ spät auf den Zug gegangen sein. Dass er dann sicher von anderen Störchen mit auf die Westroute "genommen" wurde, ist nicht so überraschend, das haben wir auch in anderen Jahren schon bei spät ausgeflogenen Jungstörchen erlebt. Übrigens war XT832 offenbar allein unterwegs. In der Nähe wurde aber ein großer Trupp Kraniche beobachtet, dem er sich auch angeschlossen haben könnte. Wir lernen: Nicht jeder Storch, der nach Spanien zieht, ernährt sich auf einer Mülldeponie.