Zu Besuch beim schwedischen Weißstorchprojekt

14. August 2018

Im zurückliegenden Urlaub war es mir möglich, einem Standort des schwedischen Wiederansiedlungsprojekts für Weißstörche einen Besuch abzustatten. Hemmestorps Mölla liegt im Süden des Landes, nicht weit entfernt von Malmö und Lund. Insgesamt gibt es hier, in Schonen, vier derartige Stationen, in denen Jungstörche erbrütet und (später zum Großteil freigelassen) werden. Unsere beiden Brutstörchinnen in Bandelstorf (SVS 1962) und Neu Rethwisch (SVS 1899) stammen von hier. 2015 wurden sie von Hemmestorps Mölla aus in einem großen Pulk freigelassen. Auch jetzt sind Ende Juli wieder etwa 80 Jungstörche ausgewildert worden. Vor zwei Jahren war ein solcher Pulk auch für einige Tage bei Parchim in Mecklenburg-Vorpommern zu beobachten. In Schweden war der Weißstorch Mitte des 20. Jahrhunderts praktisch ausgestorben. Das "Storkprojektet" hat es sich zum Ziel gesetzt, mindestens 150 zufütterungsunabhängige, frei lebende Storchenpaare anzusiedeln. Davon ist man zurzeit noch ein gutes Stück entfernt, aber erste Erfolge sind zu erkennen.

Neben der Freilassung der jährlich in den Großvolieren ausgebrüteten Jungstörche, von denen man sich erhofft, dass sie zum Großteil nach Schweden zurückkehren und dort frei brüten,  wird von den Verantwortlichen noch ein zweiter Weg verfolgt. Er lässt sich sehr gut am Beispiel des Storchs SVS 1515 verdeutlichen, den ich - wie berichtet - vorgestern im Vogelpark Marlow angetroffen habe. Petter Albinsson, der neue Projektleiter, hat mir gerade heute seinen Lebenslauf vorgestellt. SVS 1515 wurde 2012 in der Großvoliere Karups Nygård von dort gefangen gehaltenen Störchen ausgebrütet. Bis März 2014 wurde er anschließend in einer anderen Station, Fulltofta, zurückgehalten. Dann kam er nach Hemmestorps Mölla, wo er in den Jahren 2016 und 2017 erfolgreich in der dortigen Großvoliere brütete (drei bzw. vier flügge Jungstörche). Am 15. Februar diesen Jahres wurde er im Nordosten Schonens freigelassen. Dort in der Nähe, in Hovby, hat er auch einen Brutversuch gestartet, diesen jedoch leider im Mai abgebrochen. Seitdem wusste Petter nicht, wo sich SVS 1515 aufhielt. Nun also die Ablesung im Vogelpark Marlow, die zeigt, dass auch dieser Storch, der die ersten fünf Jahre seines Lebens in Gefangenschaft zugebracht hatte, migriert. Es ist sicher eine spannende Frage, ob er nach Schweden zurückkehrt oder sich vielleicht für ein Brutrevier in Deutschland entscheidet. Der Erfolg des schwedischen Wiederansiedlungsprojekts ist langfristig sicher auch ganz entscheidend davon abhängig, wie gut die Lebensräume bzw. Brutreviere der Störche in Schweden ausgestattet sind. Ebenso ist es sehr wichtig, dass die in Gefangenschaft ausgebrüteten Störche möglichst wenig Kontakt mit Menschen haben.


"Einzelkind" aus Pankelower Spätbrut auf gutem Weg

13. August 2018

 Während viele unserer Jungstörche schon längst auf dem Weg in den Süden sind, ist dieser Youngster noch nicht so weit. Er wächst als Ergebnis einer Spätbrut auf dem Schornsteinhorst in Pankelow I heran. Spätestens zum Monatsende und damit immer noch rechtzeitig sollte aber auch er flügge sein.


Vogelpark Marlow ist wieder Hotspot für Störche

12. August 2018

 Auch in diesem Jahr ist der Vogelpark Marlow wieder ein besonderer Treffpunkt für Weißstörche. Besonders zur Abzugszeit, also in der ersten Augusthälfte, finden sich hier zur täglichen Fütterung regelmäßig viele Wildstörche ein. Auch für Ringableser gibt es dabei immer wieder spannende Entdeckungen zu machen. Am heutigen Sonntag zählte ich um 15.45 Uhr insgesamt 50 Störche. Da der Vogelpark selbst nur 19 (flugunfähige) Störche betreut, müssen also 31 zusätzlich eingeflogen sein. Insgesamt 6 von diesen Wildstörchen trugen Vogelwartenringe:

- DEH H8958: Nichtbrütendes Männchen Kneese Hof/RDG

- DEH HL921: Nichtrbrütendes Männchen, im Vorjahr Brutvogel Bartelshagen I/RDG

- DEH HL969: Männlicher Brutvogel Völkshagen/RDG

- Hiddensee BW29: Diesjähriger Jungstorch aus Klockenhagen/RDG

- Hiddensee BW33: Diesjähriger Jungstorch aus Bartelshagen II/RDG

- SVS 1515 (+ Farbringe pink-gelb-pink): schwedischer Altvogel, etwa 5 Jahre alt, bisher bei uns nicht in Erscheinung getreten (siehe Foto)


Früher Abschluss der Brutsaison in Rostock-Biestow

11. August 2018

Nach meinem Urlaub gibt es wieder einige Neuigkeiten von unseren Störchen zu berichten. Beginnen möchte ich mit dem Webcamnest Rostock-Biestow, wo die Storchensaison in diesem Jahr schon recht früh zu Ende gegangen ist. Nach meiner letzten Meldung vom 26. Juli mit den sechs übernachtenden Jungstörchen waren in der darauf folgenden Nacht fünf von ihnen zu erkennen. Ab der nächsten Nacht kehrte dann abends nur die "Stammbesatzung" zurück aufs Nest. Die vier Biestower Jungstörche waren das letzte Mal gemeinsam in der Nacht vom 2. auf den 3. August auf dem Nest. Da verfügten sie alle schon über mindestens zwei Wochen Flugerfahrung und waren damit reif für das große Abenteuer "erster Zug in den Süden". In den folgenden Nächten gehörte das Nest dann wieder dem unberingten Männchen, das offenbar am 9. August aufgebrochen ist - und damit elf Tage früher als im letzten Jahr. Gründe dafür könnten sein, dass die Jungstörche in diesem Jahr besonders früh flügge wurden oder aber dass die anhaltende Hochdruckwetterlage für günstige Abzugsbedingungen gesorgt hat. Trockenheit, Hitze und die frühe Ernte könnten auch eine Rolle gespielt haben.

Außergewöhnlich früh war auf jeden Fall der Abzug des beringten Weibchens. Ich konnte es anhand der Webcambilder letztmalig am 22. Juli auf dem Nest entdecken. Da war der Nachwuchs gerade erst wenige Tage flügge. In der Folge blieben die vier Jungstörche ausschließlich in der Obhut des männlichen Altstorchs, der seine Fütterungen auf dem Nest allerdings stark reduzierte und damit die Eigenständigkeit des Nachwuchses förderte. Häufig ruhte er zur Nacht auf einem benachbarten Reetdach. Ein Grund für das ungewöhnlich frühe Verschwinden des Weibchens könnte ein rücksichtloses Feuerwerk gewesen sein, das am späten Abend des 20. Juli in etwa 150 Meter Entfernung vom Nest stattfand. Zwei der vier Jungstörche sprangen um 22:47 Uhr nachweislich in Panik vom Nest, das von ihnen dann erst am nächsten Abend wieder besetzt wurde. Leicht hätten sie im Dunkeln auch in die benachbarte Hochspannungsleitung fliegen können. Auch die Störchin wird den ohrenbetäubenden Lärm und die Raketen von ihrem Ruheplatz aus mitbekommen haben. Ich konnte sie danach nur noch zweimal auf dem Nest nachweisen.

Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte die feiernde Hochzeitsgesellschaft sogar eine offizielle Sondergenehmigung des Ordnungsamtes der Hansestadtadt Rostock erhalten. Als ich die Verantwortlichen direkt nach dem Vorfall auf ihre eigene Ordnung ansprach, die ausdrücklich auch einen ausreichenden Abstand von besetzten Storchennestern vorsieht, stellte sich heraus, dass man dort den Standort des (einzigen!) aktuell besetzten Nestes im gesamten Rostocker Stadtgebiet gar nicht kannte! Ich erhielt jedoch die schriftliche Zusicherung, dass zukünftig zwischen April und August keine Genehmigung für das Abbrennen von Feuerwerk im Umkreis von 1 Kilometer um das Biestower Storchennest (bzw. ein anderes besetztes auf dem Gebiet der Hansestadt) mehr gewährt wird. Immerhin! Im Landkreis Rostock läuft die Abstimmung in dieser Frage schon seit Jahren sehr viel besser. Grundlage ist übrigens §44,2 Bundesnaturschutzgesetz (Verbot der erheblichen Störung streng geschützter Vogelarten während der Aufzuchtzeiten - der Weißstorch ist eine streng geschützte Vogelart!).

Weitere Neuigkeiten dann in den nächsten Tagen!


6 Jungstörche übernachten im Biestower Webcamnest

26. Juli 2018

Munteres Treiben auf dem Biestower Webcam-Nest - und doch stimmt hier einiges nicht! Das gilt zunächst für den Jungspund ganz rechts. Er ist offensichtlich unberingt und gehört hier also gar nicht her, denn alle Biestower Jungstörche sind am rechten Bein beringt. Und dann muss da noch ein "blinder Passagier" mit im Nest sein, denn die "Stammbesatzung" besteht bekanntlich aus vier flüggen Jungstörchen. Einer der Liegenden dürfte ebenfalls ein Fremder sein. Übrigens beobachtet einer der beiden Altstörche die Szenerie zeitgleich in aller Seelenruhe von einem benachbarten Hausdach aus. Dass Jungstörche nach dem Flüggewerden in anderen Nestern vorbeischauen und dort auch geduldet werden, ist durchaus bekannt. Das kommt immer wieder einmal vor. Die Aufnahmen der Webcam zeigen nun aber auch den genauen Ablauf an. Um 19.40 Uhr landeten die vier beringten Jungstörche, der erste Fremde kam dann um 19.50 Uhr dazu und der zweite schließlich um 20.37 Uhr. Sie dürften sich also nicht bei der Nahrungssuche "zur gemeinsamen Übernachtung verabredet haben". Wir dürfen gespannt sein, wie es morgen weitergeht...


Tot mit 6 Wochen

26. Juli 2018

Auch im Alter von 6 Wochen können noch Storchenküken sterben, die eigentlich auf einem guten Weg waren. Diese Erkenntnis bewahrheitete sich heute leider ein zweites Mal in dieser Saison. In Moitin wurde das einzige Küken heute Nachmittag tot unter dem Nest gefunden. Noch am Morgen war es "quicklebendig durchs Nest geturnt", berichtete die sichtlich betroffene Horstbetreuerin. Vielleicht lag es an zu viel Übermut? Jedenfalls gehen wir hier von einem Unglücksfall aus, genauso wie im Juni bei einem der Zeezer Jungstörche. Wer mit 8 oder 9 Wochen vom Nest rutscht, fängt den Sturz oft noch durch Flattern mit den Flügeln ab (siehe vorgestern in Satow), bei sechswöchigen Küken sieht die Sache leider oftmals ungünstiger aus. Schade um den Youngster!


25. Juli 2018

Dieser Ring gehört zu einem Jungstorch aus Satow, der gestern von aufmerksamen Anwohnern unter dem Nest laufend entdeckt wurde. Eine Nacht verbrachte er in einem Stall, heute früh kam er dann in die Tierklinik Rostock. Wenn alles gut geht, wird auch er im August mit ausgewildert. Foto: A. Hornburg. 


23. Juli 2018

Diesen beringten Nichtbrüter konnte ich heute in einem kleinen Trupp bei Zeez ablesen. Der Metallring mit der Kennung "AB11" verrät, dass er 2016 in einer Viererbrut am Schwaaner Tannenberg, nur wenige Kilometer vom heutigen Fundort entfernt, von uns beringt wurde.



Die vier Jungstörche aus Rostock-Biestow sind flügge und auf einem Nachbardach gelandet! 22.7.18

Vorläufiges Ergebnis: wenige Paare, aber ein gutes Nachwuchsjahr im Altkreis Bad Doberan

22. Juli 2018, aktualisiert am 26. Juli

An diesem Wochenende habe ich die Zählung der Jungstörche an allen Nestern des Altkreises Bad Doberan zum Abschluss bringen können. Etliche von ihnen sind bereits flügge, viele werden in den kommenden Tagen ihre ersten Runden drehen. Nur der Einzelstorch aus der Spätbrut in Pankelow I ist noch so klein, dass hier vorerst noch etwas Zurückhaltung geboten ist. Aber viel sollte sich an den Zahlen jetzt nicht mehr ändern.

Das Jahr 2018 bringt bei den Horstpaaren mit 39 statt 38 (im Vorjahr) letztlich doch nur das zweitschlechteste Ergebnis aller Zeiten. Das hängt auch damit zusammen, dass vier Einzelstörche nur vorübergehend eine Partnerin/einen Partner an sich binden konnten.

Wesentlich erfreulicher fällt das Brutergebnis aus. Hier erreichen wir nach jetzigem Stand den besten JZa-Wert seit 2007. Bei 69 Jungstörchen und 39 Horstpaaren liegt der Quotient bei 1,77 - das ist in unserer Region auf jeden Fall ein gutes Ergebnis. Die Quote der erfolglosen Paare (HPo) liegt mit 33,3 % noch im Normalbereich. Per 26. Juli gelten folgende Zahlen:

3 x 4 juv. (Gnewitz, Schmadebeck II, Wendfeld)

15 x 3 juv. (Bandelstorf, Bentwisch, Berendshagen,  Cammin, Fienstorf, Grammow, Lieblingshof, Neu Rethwisch, Niekrenz, Nustrow, Petschow, Rosenhagen, Satow, Zarnewanz, Zeez)

4 x 2 juv. (Benitz, Broderstorf I, Liepen, Stäbelow)

4 x 1 juv. (Heiligenhagen, Kowalz, Kröpelin, Pankelow I)

13 x HPo (darunter 7 Paare ohne Brutversuch)

Hervorheben möchte ich dabei die beiden "Vierer" in Gnewitz und Schmadebeck II, wo der letzte derartig gute Bruterfolg Jahrzehnte zurückliegt. Und auch die drei flüggen Jungstörche in Neu Rethwisch verdienen eine Hervorhebung: es ist nicht nur der erste Bruterfolg an diesem Standort, sondern zugleich auch der erste in der gesamten Conventer Niederung seit einem Vierteljahrhundert. Auf der anderen Seite schmerzt besonders, dass mit Volkenshagen einer der Top-Standorte der letzten 10 Jahre kein kontinuierlich anwesendes Horstpaar hatte, sondern lediglich zwei Horstbesucher. Und die Talfahrt im Westen (DDR-Altkreis Bad Doberan) erreicht mit nur noch 9 Horstpaaren einen neuen Tiefpunkt. Hoffen wir, dass möglichst zahlreiche der diesjährigen Jungstörche in drei oder vier Jahren erfolgreich ihre Karriere als Brutstörche beginnen!


Der erste "Bruchpilot" der Saison...

18. Juli 2018

Jetzt fängt sie wieder an - die Zeit der "Bruchpiloten". Gemeint sind Jungstörche die nach dem ersten Ausfliegen aus dem Nest Probleme haben und sich nicht selbst helfen können. Unser erster Fall in dieser Storchensaison stammt aus Zeez. Dort ist ein etwa 8 Wochen alter, noch nicht flügger Jungstorch in einem Baum fest hängend gefunden worden. Die engagierten Horstbetreuer haben ihn mit Hilfe einer Leiter bergen können - ein großes Dankeschön dafür! Der Youngster ist offenkundig unverletzt und kam inzwischen in den Rostocker Zoo, wo er für einige Zeit aufgepäppelt wird. Im August wollen wir ihn wieder auswildern.

Demgegenüber sind in Rostock-Biestow jetzt schon alle vier Jungstörche flügge. Nummer 1 und Nummer 2 fliegen seit Samstag, Nummer 3 seit Montag und Nummer 4 schließlich seit gestern.


Ein neugiereriger Jungstorch in Biestow und sein erster Ausflug

14. Juli 2018

Am heutigen Samstag dürften nach 63 Tagen die beiden ersten Biestower Jungstörche erstmalig einen Ausflug unternommen haben. Jedenfalls zeigte die Webcam gegen 14.00 Uhr nur noch zwei Youngster auf dem Nest an. Nach gut zehn Minuten waren sie wieder zu dritt. Der vierte Jungstorch aber blieb vorerst verschollen. Dass ein Jungstorch nach seinem ersten Ausflug nicht bald darauf wieder aufs Nest zurückkehrt, ist in der Regel kein gutes Zeichen. Ich machte mich daher gegen 17.00 Uhr auf die Suche. Nach einiger Zeit fand ich ihn am Ortsausgang auf einer Wiese - zusammen mit einem Altstorch. Dieser stellte sich anhand seiner Beringung als Mutter des unternehmungslustigen Jungstorchs heraus. Da eine Verletzung durchaus im Bereich des Möglichen lag, näherte ich mich etwas an, woraufhin sich beide Störche in die Luft erhoben. Jungstorch BW23 wies keine Anzeichen einer Behinderung oder Verletzung auf. Er flog souverän in Richtung Nest ab. Hier konnte ich kurz darauf ein recht sonderbares Verhalten feststellen. Der männliche Altstorch war gerade gelandet und fütterte die drei verbliebenen Jungvögel. Jungstorch BW23 kreiste über dem Nest, wurde aber von seinem beschäftigten Vater mit eindeutigen Gesten (Klappern und Flügelschlagen) abgewiesen. Davon ließ er sich offenbar so deutlich beeindrucken, dass er auch Stunden später noch nicht wieder auf dem Nest gelandet war. Schließlich kehrte er aber doch wieder heim - um 21.36 Uhr - und damit fast 8 Stunden nach seinem ersten Ausflug...