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Thulendorf I

Abschiedsbilder

Nachdem mittlerweile die meisten Störche in den Süden aufgebrochen sind, ist es an der Zeit für einige Abschiedsbilder. Die nachfolgenden Fotos sind am vergangenen Freitag und Samstag am großen Sammelplatz bei Jürgenshagen entstanden. Unter den rund 50 Störchen herrschte schon eine erhebliche Zugunruhe. Wenig später sind sie dann aufgebrochen. Fotos: B. Becker.

Leider hat es der Jungstorch aus Thulendorf, der am letzten Sonntag in der Nähe seines Geburtsnestes mit einer Freileitung kollidiert sein dürfte, nicht geschafft: trotz intensiver tierärztlicher Bemühungen ist er Mitte der Woche in der Rostocker Tierklinik verendet.

Freileitungen stellen weiterhin Gefahrenpunkte dar


Toter Jungstorch unter einem Strommast bei Fienstorf. Foto: G. Vogel, 20.8.11

Trotz aller anerkennenswerten Verbesserungen, die die Energieversorger - in Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags - zur Sicherung von Freileitungen unternommen haben, bleiben diese weiterhin Gefahrenpunkte für Großvögel. Dies wurde einmal mehr am Wochenende deutlich, als sich gleich zwei Fälle in unmittelbarer Nachbarschaft ereigneten. Am Sonntag wurde ich nach Neu Thulendorf gerufen. Dort war ein Jungstorch - offenbar der in diesem Jahr einzige aus dem Horst Thulendorf - flugunfähig und geschwächt unter einer Freileitung gefunden worden. Ursache dürfte ein Leitungsanflug gewesen sein, der häufig zu inneren Verletzungen führt. Ich habe den Storch in die Rostocker Tierklinik gebracht. Sein weiteres Schicksal war gestern noch offen. Tödlich verunglückt ist dagegen am Freitagabend oder Samstagfrüh ein anderer, unberingter Jungstorch. Kurz vor Fienstorf wurde er mit abgetrenntem Flügel direkt unter einem Strommast gefunden. Er wies keine weiteren sichtbaren Verletzungen auf, sodass auch hier Leitungsanflug als Todesursache wahrscheinlich ist. Die Anwohner berichteten, dass es sich wahrscheinlich um einen der vier fremden Jungstörche gehandelt haben dürfte, die sich am Freitag neugierig in der Nähe des Fienstorfer Horstes gezeigt hatten und von den beiden Altstörchen abgewehrt worden waren. Die Fienstorfer Jungstörche waren schon seit etwa einer Woche nicht mehr im Nest gesehen worden.
In Jürgenshagen haben wir zuletzt Sonntag Störche in den dortigen Überschwemmungsflächen gesehen. Der große Trupp mit zeitweise mehr als 60 Jung- und Altstörchen ist zuletzt am Freitagabend gesichtet worden. Am Samstagmittag konnten wir noch sechs Jungstörche bei ihren zum Teil spektakulären Flugübungen beobachten, darunter auch die drei am 9. August ausgewilderten Jungstörche HE 688, HE 689 und HE 693. Nach vielen Tagen mit schlechtem Wetter waren die Voraussetzungen endlich gut, um sich im Thermikflug zu üben. Auch zeigten sie sich überaus aufmerksam. Als sich ein Seeadler näherte und die ebenfalls im Überschwemmungsbereich nach Nahrung suchenden Möwen daraufhin laut rufend aufflogen, schlossen sich die sechs Jungstörche kurz darauf an. Wir sind sehr froh, dass die ausgewilderten Pflegestörche sich augenscheinlich sehr schnell dem Verhalten der "wild" aufgewachsenen Störche angepasst haben.

Verluste beim Storchennachwuchs

In diesen Tagen erreichen uns - wie eigentlich in jedem Jahr um diese Jahreszeit - wiederholt Nachrichten von verendeten Storchenküken. Die Ursachen für diese jeweils sehr traurigen Ereignisse sind dabei vielfältig. So hat der Thulendorfer Jungstorch, der am Montag, vermutlich aus Nahrungsmangel, von einem Altvogel aus dem Nest geworfen wurde, bei seinem Sturz sehr wahrscheinlich innere Verletzungen davon getragen, die gestern zum Tod im Zoo Rostock führten. In Grammow, Fienstorf und Völkshagen/RDG erwischte es jeweils das kleinste, am wenigsten entwickelte Tier. Auch der Starkregen, der am Dienstag besonders westlich von Rostock große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit brachte, forderte seine Opfer. Wir haben noch keinen genauen Überblick, doch wissen wir bereits, dass die beiden (einzigen), erst sieben bis zehn Tage alten Jungstörche in Heiligenhagen sehr wahrscheinlich Opfer der Wetterunbilden wurden. Schon 2007 ereignete sich im gleichen Nest eine ähnliche Tragödie. Danach wurde eine Nestsanierung vorgenommen, doch hat sie offenbar nicht ausgereicht, um eine dauerhafte Besserung der Durchlässigkeit bei Starkregen herbeizuführen. Hoffen wir, dass die Auswirkungen insgesamt nicht so schlimm wie anfangs befürchtet ausgefallen sind. In den nächsten Tagen steht zum Glück ruhiges, weitgehend störungsfreies Wetter bevor. Wir betreuen zurzeit im Altkreis Ribnitz-Damgarten, in der Hansestadt Rostock und im Landkreis Bad Doberan etwas mehr als 100 besetzte Storchennester.

44 Störche in einem Trupp

Am gestrigen Montag konnten wir unweit von Dummerstorf direkt an der A 20 einen Trupp mit 44 (!) nahrungssuchenden Störchen, sehr wahrscheinlich alles nicht-brütende Vögel, beobachten. Um diese Jahreszeit sind Ansammlungen dieser Größenordnung in Mecklenburg-Vorpommern sehr selten. Es dürfte sich einerseits um noch junge, nicht brutreife Störche handeln, andererseits dürften auch etliche Störche vertreten sein, die bei Kämpfen um Storchennester unterlegen waren. In jedem Fall bilden sie eine Brutreserve für die kommenden Jahre. Mindestens zwei der Störche waren oben rechts mit einem ELSA-Ring beringt. Ablesungen gelangen leider nicht. Nach einiger Zeit brach der Trupp geschlossen auf, schraubte sich in der Thermik hoch und zog dann nach Norden weiter. (Foto: B. Becker)
Aus Kambs wurde uns von aufmerksamen Anwohnern ein polnischer Ringstorch (Männchen) gemeldet. POLAND VN 4409 ist dort erst seit wenigen Tagen zusammen mit einem weiteren Storch am Horst.
In Thulendorf ist ebenfalls gestern ein Jungstorch abgeworfen worden. Er hat den Sturz zunächst überlebt und wurde dann in die Tierklinik Rostock gebracht. Von dort soll er - wenn alles gut geht und nicht doch noch innere Verletzungen wirksam werden - zur Pflege und Aufzucht in den Zoo Rostock gelangen.
Seit heute steht unseren Lesern nun auch wieder eine "Bruterfolgskarte" zur Verfügung. Die Eintragungen sind in jedem Fall noch mit vielen Unsicherheiten behaftet und als vorläufig anzusehen.

Neuansiedlung in Wolfsberg

Erfreuliches hat sich in Wolfsberg getan - auf der bisher noch nie besetzten Nisthilfe am Rande der Wolfsberger Seewiesen hat sich dieses Storchenpaar angesiedelt (Foto: B. Becker). Die Anwohner berichteten hoch erfreut, dass die Störche seit dem 1. bzw. 11. Mai feste Horstbindung haben. Gebrütet wird in diesem Jahr (noch) nicht, aber während unseres Besuchs wurden schon einmal drei Fremdstörche abgewiesen. Der zwischen Petschow und Teschendorf gelegene Standort sollte im Hinblick auf das Nahrungsangebot vergleichsweise günstige Voraussetzungen besitzen. Hoffen wir, dass die Störche hier dauerhaft bleiben, insbesondere, weil Neuansiedlungen seit Jahren sehr selten geworden sind.
An weiteren Nestern sind entweder kleine Schnäbel beobachtet worden (Pankelow II, Wendfeld, Broderstorf II) oder es wurden andere eindeutige Merkmale einer erfolgreichen Brut festgestellt (Thulendorf, Biestow Dorf, Göldenitz/Dummerstorf, Volkenshagen). Hoffen wir, dass das Nahrungsangebot für möglichst viele Jungstörche ausreicht. Nach kurzer Unterbrechung wiederbesetzt ist jetzt auch der Horst Groß Potrems I. Dort besteht ebenso Brutverdacht wie in Benitz. Dagegen wird es in Albertsdorf mit großer Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr keinen Storchennachwuchs geben.

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