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Wendfeld

Erfolgreiche Auswilderung von neun Jungstörchen


Kurz vor dem Sprung in die Freiheit sind diese neun Jungstörche, die am heutigen Dienstag bei Jürgenshagen/GÜ am Rande einer großräumigen Wiesenlandschaft ausgewildert werden konnten. Foto: B. Becker

Dank der umsichtigen und kameradschaftlichen Hilfe des Güstrower Kreisstorchenbetreuers Paul Thomzick war es möglich, sie ganz in der Nähe eines kleinen, aus fünf Jung- und acht Altstörchen bestehenden Trupps zu platzieren - ein herzliches Dankeschön auch an dieser Stelle! So besteht nun die begründete Hoffnung, dass die neun Youngster Anschluss an ihre erfahrenen Artgenossen finden und mit diesen demnächst gemeinsam in den Süden ziehen werden. Die heute in die Freiheit entlassenen Jungstörche waren zuvor - für unterschiedlich lange Zeiträume - im Zoo Rostock aufgezogen bzw. gepflegt worden:
- HE 651 stammt aus Kuhlrade/RDG und war am 24. Juli unter dem Nest des dortigen Storchenhofs gefunden worden
- HE 680 kam aus Gnewitz, wo er am 23. Juli ebenfalls unterhalb des Nestes entdeckt worden war
- HE 687 und 688 hatten Glück im Unglück, als in Tangrim/RDG der Mast mitsamt dem Storchennest umstürzte und sie dennoch unverletzt in den Rostocker Zoo gebracht werden konnten
- HE 689 schlüpfte etwa Mitte Mai in Rederank aus dem Ei, am 21. Mai fanden wir ihn als winziges Küken unter dem Nest; dank der aufopferungsvollen Pflege der Tierpfleger im Rostocker Zoo ist er zu einem stattlichen Storch herangewachsen
- HE 690, 692 und 693 sind Zöglinge der im Zoo Rostock wild brütenden Störche. Besonders der Baumhorst (Rostock Zoo II) ist für die Fluganfänger schwierig anzufliegen. Als sie Ende Juli im Zoo umherirrten, wurden sie vorübergehend "in Gewahrsam" genommen und jetzt mit ausgewildert
- HE 691 schließlich stammt aus Kavelsdorf/RDG, wo er Anfang Juni unter dem Nest gefunden worden war. Wir wünschen ihnen allen ein möglichst langes und gesundes Storchenleben in Freiheit.
Ein weiterer Jungstorch (HE 694, ebenfalls aus Rostock) konnte aufgrund seines unzureichenden Entwicklungszustandes jetzt noch nicht ausgewildert werden.
Bereits am 31. Juli wurde der flügge Jungstorch HE 637 in einiger Entfernung von seinem Heimathorst Schmadebeck I Opfer eines sehr großen Raubvogels.
Der Wendfelder Jungstorch HE 615, der eine Beinverletzung erlitten hatte, humpelt erfreulicher Weise nicht mehr, berichteten die Anwohner.

Rekordregenmengen im Juli

Fütterung der vier Jungstörche in Wendfeld am Abend des 26. Juli (Foto: B. Becker). Der Jungstorch DEH HE 615, der am Wochenende eine leichte Beinverletzung über dem rechten Intertarsalgelenk erlitten hatte (hier in der Bildmitte) scheint sich mehr und mehr zu erholen. Er ist weiterhin voll flugfähig und nimmt auch voll an den Fütterungen teil. Allerdings schont er nach wie vor sein rechtes Bein, sitzt stattdessen häufiger als seine sehr agilen Geschwister.
Der Monat Juli ist in unserer Region ausgesprochen nass - seit gestern fielen innerhalb von 18 Stunden abermals bis zu 80 Millimeter Niederschlag. Besonders für die beiden sehr spät geschlüpften Jungstörche im Horst Schwaan I sind diese Bedingungen ausgesprochen schwierig. Anwohner berichteten allerdings, dass zumindest gestern noch beide Köpfe der jetzt fünf bis sechs Wochen alten Jungstörche zu sehen seien. Wohl erst Ende August werden wir wissen, ob sie es schaffen, den weiten Weg nach Afrika mit anzutreten.
Im Zoo Rostock sind unterdessen drei weitere "Bruchpiloten" in (hoffentlich nur vorübergehende) Pflege genommen worden. Zwei von ihnen stammen vom Nest Rostock Zoo II, einem für die Jungstörche sehr schwer anfliegbaren Baumhorst, der dritte wurde in Kuhlrade/RDG unter dem Nest gefunden. Hoffen wir, dass sie sich erholen und keine ernsthafteren Verletzungen davongetragen haben. Für den 9. August planen wir eine erste Auswilderungsfahrt.

Starkregen und Bruchpiloten

Immense Regenmengen sind in den vergangenen Tagen über unser Betreuungsgebiet heruntergegangen. In Rostock-Warnemünde fielen allein am Freitag 111 mm Niederschlag, so große Mengen in so kurzer Zeit wurden dort noch nie gemessen. Gleichzeitig wehte ein heftiger Wind. Diese widrigen Wetterbedingungen blieben nicht ohne Auswirkungen auf die Jungstörche, von denen viele gerade erst flügge sind bzw. kurz davor stehen. So landeten nach Anwohnerinformationen in Göldenitz bei Dummerstorf, in Klockenhagen/RDG und in Wendfeld jeweils flügge Jungstörche unter dem Nest. Mit ihren regennassen Flügeln saßen sie zunächst fest. Inzwischen sind alle zum Glück wieder auf ihre Horste geflogen, wobei der Wendfelder Jungstorch eine leichte Beinverletzung zu haben scheint. Noch nicht flügge waren die beiden Jungtiere, die in Kuhlrade/RDG und Gnewitz unter den Horsten gefunden wurden. Den Gnewitzer Jungstorch DEH HE 680, etwa sieben Wochen alt, brachten wir gestern Abend in die Rostocker Tierklinik. Äußerlich wirkte er unverletzt, jedoch reichlich geschwächt. Es bleibt abzuwarten, welche Folgen der Sturz vom Nest letztlich hatte. Sollte es gut ausgehen, wird er zu sechs weiteren Jungstörchen in den Zoo Rostock kommen, deren Auswilderung wir in etwa 14 Tagen planen.

Vierfacher Nachwuchs in Wendfeld

Mehr als drei ausfliegende Jungstörche pro Nest sind in unserer Region ein relativ seltenes Ereignis - heute entdeckten wir diese sehr agile Viererbande in Wendfeld (Foto: B. Becker). Es ist der Nachwuchs der bereits 17jährigen Ringstörchin Hiddensee KA 3528, die hier gerade füttert. Bereits Ende März war das Wendfelder Paar komplett und begann wenige Tage später mit der Brut. Entsprechend groß sind die Jungen jetzt bereits. Einer aus der Viererbande ist etwas zurückgeblieben, aber ich denke, dass auch er eine realistische Chance hat, groß zu werden. Sollte KA 3528 ihren gesamten Nachwuchs durchbekommen, hätte sie innerhalb von vier Brutjahren in Wendfeld - gemeinsam mit ihrem Partner - nicht weniger als zwölf Jungstörchen erfolgreich groß gezogen - eine stolze Bilanz! Rechnet man hinzu, dass sie sehr wahrscheinlich auch in den acht bis zehn vorangegangenen Jahren weiteren Bruterfolg gehabt haben dürfte, wird ihr besonderer Stellenwert deutlich!

Heute gelang uns nun auch die Identifizierung dieses vermutlich männlichen Brutstorchs in Hohen Schwarfs (im Vordergrund, unten rechts beringt, Foto: B. Becker). Der Vogel mit dem ELSA-Ring DEH H 2189 schlüpfte 2004 in Protzen bei Fehrbellin/Brandenburg aus dem Ei. Das Erstaunliche ist, dass er bereits 2007 im Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) und 2008 zweimal in Sachsen-Anhalt, jeweils in Elbnähe, abgelesen wurde. Nachdem er 2009 und 2010 nicht aufgefallen ist, hat er sich nun in diesem Jahr neu in Hohen Schwarfs angesiedelt. Die Brut ist erfolgreich, es sind mindestens zwei Jungstörche im Horst, ein dritter wurde vergangenen Sonntag tot abgeworfen.

Neuansiedlung in Wolfsberg

Erfreuliches hat sich in Wolfsberg getan - auf der bisher noch nie besetzten Nisthilfe am Rande der Wolfsberger Seewiesen hat sich dieses Storchenpaar angesiedelt (Foto: B. Becker). Die Anwohner berichteten hoch erfreut, dass die Störche seit dem 1. bzw. 11. Mai feste Horstbindung haben. Gebrütet wird in diesem Jahr (noch) nicht, aber während unseres Besuchs wurden schon einmal drei Fremdstörche abgewiesen. Der zwischen Petschow und Teschendorf gelegene Standort sollte im Hinblick auf das Nahrungsangebot vergleichsweise günstige Voraussetzungen besitzen. Hoffen wir, dass die Störche hier dauerhaft bleiben, insbesondere, weil Neuansiedlungen seit Jahren sehr selten geworden sind.
An weiteren Nestern sind entweder kleine Schnäbel beobachtet worden (Pankelow II, Wendfeld, Broderstorf II) oder es wurden andere eindeutige Merkmale einer erfolgreichen Brut festgestellt (Thulendorf, Biestow Dorf, Göldenitz/Dummerstorf, Volkenshagen). Hoffen wir, dass das Nahrungsangebot für möglichst viele Jungstörche ausreicht. Nach kurzer Unterbrechung wiederbesetzt ist jetzt auch der Horst Groß Potrems I. Dort besteht ebenso Brutverdacht wie in Benitz. Dagegen wird es in Albertsdorf mit großer Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr keinen Storchennachwuchs geben.

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