skip to content

Heiligenhagen

Gutes Nachwuchsjahr bei den Störchen in Vorpommern zu erwarten

Nachdem wir am 20. Juni im Landkreis Bad Doberan schon einen relativ guten Besatz der früh besetzten Horste mit Jungstörchen festgestellt haben, scheint sich dieser positive Trend auch weiter östlich zu bestätigen. So liegen gute Vorberichte von der Insel Rügen (Matthias Bräse) und aus dem Raum Greifswald (Frank Tetzlaff) vor. In vielen Nestern waren drei oder vier Jungstörche zu erkennen. Konkrete Zahlen haben wir bereits von elf Standorten im Altkreis Ribnitz-Damgarten. Dort hat Hans-Heinrich Zöllick am vergangen Donnerstag insgesamt 27 Jungstörche beringt:
- Klockenhagen: 4 (bei einem Abwurf)
- Brünkendorf: 3, besonders kräftig (bei einem Abwurf)
- Forkenbeck: 3 (bei 2 Abwürfen)
- Kavelsdorf: 3 (bei einem Abwurf - dieser wurde lebend geborgen und ist seit gestern im Zoo Rostock)
- Neu Steinhorst: 3
- Tressentin: 3 (bei einem Abwurf)
- Hessenburg: 3
- Kloster Wulfshagen: 3 (bei einem Abwurf)
- Kuhlrade: 2
Außerdem fand sich in Alt Steinhorst noch ein Jungtier im Nest, das zu klein war, um beringt zu werden. In Altenwillershagen ist die Brut (ursprünglich vier Eier) dagegen leider gescheitert. Hier wurden mehrere Abwürfe toter Küken festgestellt.
In Alt-Poppendorf bei Jahnkendorf (RDG) ist es erfreulicher Weise zu einer weiteren Neuansiedlung gekommen, die allerdings ohne Bruterfolg bleiben wird.
Bedauerlicherweise müssen wir aus Heiligenhagen vermelden, dass das letzte verbliebene Küken heute leider tot am Nestrand lag. Ein Altvogel war nicht zu sehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist hier Krankheit als Todesursache des Nestlings anzunehmen. Ursprünglich waren vier Küken geschlüpft. Aus Tessin wurden uns dagegen drei Jungstörche gemeldet.

Polnischer Ringstorch in Kambs stammt von der Insel Wollin

Der hier seinen Partner erwartende männliche Storch in Kambs (rechts im Bild, Foto: A. Borchwardt) wurde nach einer Information polnischer Storchenfreunde 2008 im Ort Laska auf der Insel Wollin beringt. Es handelt sich also um einen dreijährigen Storch, der sich Ende Mai neu das Nest in Kambs ausgesucht hat - wenn auch zu spät, um noch mit einer Brut zu beginnen.
Über Pfingsten erreichten mich noch einige weitere erfreuliche Nachrichten. So soll es in Hohen Schwarfs nach dem Abwurf von drei Jungstörchen immerhin noch zwei lebende Küken im Nest geben, und auch in Heiligenhagen hat entgegen unserer ersten Information bisher zumindest ein Jungtier den Starkregen der vergangenen Woche überlebt. Auch in Berendshagen sieht es günstiger aus als zunächst angenommen: es waren zunächst vier Jungstörche im Horst, von denen jetzt noch drei leben. In Kritzmow wurden heute Teile einer Eischale unter dem Nest gefunden, in dem nach wie vor gebrütet zu werden scheint. Vielleicht klappt es ja hier in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten mit dem Storchennachwuchs!

Verluste beim Storchennachwuchs

In diesen Tagen erreichen uns - wie eigentlich in jedem Jahr um diese Jahreszeit - wiederholt Nachrichten von verendeten Storchenküken. Die Ursachen für diese jeweils sehr traurigen Ereignisse sind dabei vielfältig. So hat der Thulendorfer Jungstorch, der am Montag, vermutlich aus Nahrungsmangel, von einem Altvogel aus dem Nest geworfen wurde, bei seinem Sturz sehr wahrscheinlich innere Verletzungen davon getragen, die gestern zum Tod im Zoo Rostock führten. In Grammow, Fienstorf und Völkshagen/RDG erwischte es jeweils das kleinste, am wenigsten entwickelte Tier. Auch der Starkregen, der am Dienstag besonders westlich von Rostock große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit brachte, forderte seine Opfer. Wir haben noch keinen genauen Überblick, doch wissen wir bereits, dass die beiden (einzigen), erst sieben bis zehn Tage alten Jungstörche in Heiligenhagen sehr wahrscheinlich Opfer der Wetterunbilden wurden. Schon 2007 ereignete sich im gleichen Nest eine ähnliche Tragödie. Danach wurde eine Nestsanierung vorgenommen, doch hat sie offenbar nicht ausgereicht, um eine dauerhafte Besserung der Durchlässigkeit bei Starkregen herbeizuführen. Hoffen wir, dass die Auswirkungen insgesamt nicht so schlimm wie anfangs befürchtet ausgefallen sind. In den nächsten Tagen steht zum Glück ruhiges, weitgehend störungsfreies Wetter bevor. Wir betreuen zurzeit im Altkreis Ribnitz-Damgarten, in der Hansestadt Rostock und im Landkreis Bad Doberan etwas mehr als 100 besetzte Storchennester.

Starker Einflug über Ostern


Dieser noch nicht identifizierte Ringstorch dürfte der "Störenfried von Stäbelow" gewesen sein - inzwischen hat er das im Vorjahr unbesetzte Nest im Nachbarort Kritzmow kräftig ausgebaut. Foto: B. Becker

Was aufgrund der stabilen Hochdrucklage über weiten Teilen Mittel- und Osteuropas zu erwarten war, ist eingetreten: in den vergangenen Tagen hat es nochmals einen starken Einflug von spät heimkehrenden Störchen gegeben. Hans-Heinrich Zöllick kann für den Altkreis Ribnitz-Damgarten heute bereits eine Besetzungsrate von über 95 Prozent - gemessen am Vorjahresergebnis - vermelden. Im Landkreis Bad Doberan sieht es noch nicht ganz so gut aus, aber auch hier gab es zwischenzeitlich erfreuliche Verbesserungen. Aktuell sind 46 Paare und 8 Einzelstörche registriert worden. Nur noch fünf im Vorjahr besetzt gewesene Horste sind bisher noch leer. Die Details finden sich in der aktualisierten Ankunftskarte. Ganz erstaunlich ist die Anzahl der Ringstörche - inzwischen sind es acht, die uns bekannt sind. Über Ostern konnten abgelesen werden:
DEW 5X443, Weibchen in Klingendorf (neu)
DEH H 7287, Weibchen in Petschow (neu)
DEH H 1583, Männchen in Tessin (wie 2009, 2010)
In Petschow gelang beim ebenfalls beringten männlichen Storch eine Teilablesung - vermutlich ist es wieder DEH H 2919. Weiterhin gibt es neue Ringstörche in Hohen Schwarfs und Kritzmow, deren Identität noch nicht geklärt werden konnte (beide tragen unten rechts einen ELSA-Ring). Letzterer ist mit ziemlicher Sicherheit der Storch, der über mehrere Tage das brütende Paar im Nachbardorf Stäbelow attakierte. Inzwischen hat er das Kritzmower Nest kräftig ausgebaut.
Der an seiner Kopfwölbung erkennbare männliche Altstorch aus Heiligenhagen pendelte mehrere Tage zwischen seinem Stammnest und dem benachbarten Horst in Satow Hof. Mit beiden Weibchen sind Paarungen beobachtet worden! Seit dem 23. April ist allerdings auch in Satow Hof wieder ein Männchen dauerhaft präsent. Diese interessante Geschichte ist anhand von Fotos im Fotoalbum dokumentiert. Insgesamt wurden dort 20 neue Fotos eingestellt.
Heute früh entdeckte ich überraschenderweise in Buchholz einen Storch in der seit 2004 nicht mehr besetzten Nisthilfe. Offenbar ist dort auch bereits etwas Nistmaterial eingetragen worden. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Nachbarhorste Ziesendorf und Niendorf noch unbesetzt sind?

Turbulenzen und Kuriositäten


Allabendlicher Angriff auf das Stäbelower Nest. Foto: T. Kalbe

Während sich die Nester in unserer Region weiterhin nur sehr zögerlich füllen, gab es an verschiedenen, bereits besetzten Storchenhorsten kuriose, aber auch turbulente Szenen. Dank intensiver Beobachtung durch die Anwohner klärt sich das Geschehen am Stäbelower Horst zunehmend auf. Das in diesem Jahr neue Männchen aus Ostvorpommern (Hiddensee I 453) behauptet bisher seinen Platz, obwohl es heute den dritten Abend nacheinander von einem anderen Storch - vermutlich ebenfalls einem Männchen - attackiert wurde. Auf einem Anwohnerfoto (siehe Fotoalbum) ist zu erkennen, dass es sich offenbar um einen ebenfalls unten rechts beringten, aber mit einem schwarzen ELSA-Ring ausgestatteten Storch handelt. Die Identität dieses Angreifers ist noch nicht geklärt, ebenso wissen wir noch nicht, wo er sich üblicherweise aufhält. Ein Anruf aus dem benachbarten Kritzmow lässt das dortige Storchennest als Standort möglich erscheinen. Das Stäbelower Storchenpaar hat offensichtlich am Sonntag oder Montag mit der Brut begonnen. Es bleibt zu hoffen, dass die Störungen bald aufhören und das Gelege unbeschadet bleibt.

In Satow Hof mussten wir die Freude der Anwohner über das vermeindliche Eintreffen des 1. Storches leider trüben - bei näherer Betrachtung entpuppte sich der im Nest liegende Storch als das durch seine Wölbung am Kopf identifizierbare Männchen aus Heiligenhagen, das zurzeit noch solo ist. Am Abend war das Nest in Satow leer, stattdessen lag der "Wölbungsstorch" in seinem angestammten Nest in Heiligenhagen.


In Schmadebeck I ist das Paar erst seit dem 16. April vollständig. Mit der Eiablage kann frühestens ab dem 4. Tag gerechnet werden. Umso mehr erstaunt es, dass gestern Abend am Nestrand ein Ei zu entdecken war. Die Störche haben es sicher dorthin gerollt. Aus dem Vorjahr kann das Ei kaum stammen, denn wir haben Ende Juni die Jungstörche des Horstes beringt. Wir erklären uns diese Kuriosität vielmehr so, dass das Weibchen vermutlich als erste eingetroffen ist und schon vor der Ankunft ihres jetzigen Partners ein Ei gelegt hat. Ich erinnere an das Jahr 2009, als es in Schmadebeck I zu keiner dauerhaften Horstbindung kam. Damals wurde unterhalb des Nestes ein Ei gefunden. Vielleicht ist die Störchin identisch - und hat die Angewohnheit, gleich nach der Ankunft erst einmal ein Ei zu legen.

Erneut aktualisiert wurde unsere Ankunftskarte - zuletzt wurde die Komplettierung der Paare in Kirch Mulsow, Neu Thulendorf und Reinshagen gemeldet.

Inhalt abgleichen
© Jan Haeupel 2006 - 2011 | Powered by Drupal | CristalX theme created by Nuvio.