
Am vergangenen Mittwoch gelang es nach zahlreichen Versuchen endlich, die Identität dieses beringten Brutstorchs in Veelböken (Landkreis Nordwestmecklenburg) zu klären. Er trägt oben links noch einen DDR-Metall-Ring mit der Nummer B 0217 der Vogelwarte Hiddensee. Vor 23 Jahren, im Juli 1986, ist er in der Nähe von Goldberg bei Lübz beringt worden. Damit ist er aktuell der mit Abstand älteste nachweisbare Weißstorch Mecklenburg-Vorpommerns. Darüber hinaus gibt es auch in ganz Ostdeutschland zurzeit keinen älteren frei lebenden Weißstorch mit Hiddensee-Ring. Auf die Spur gebracht hatte uns eine Anwohnerin aus Veelböken, und dann war Ulf Bähker, der zuständige Gebietsbetreuer, dem "Methusalem" von Veelböken schon ganz dicht auf den Fersen. Als sein Auto streikte, haben Hans-Heinrich Zöllick und ich uns gerne auf den Weg gemacht, um zu helfen, denn die Zeit bis zum Abflug in den Süden drängte schon sehr. Unser großes Glück war das Erscheinen von drei Fremdstörchen, die das Nest mit den beiden Jungen überflogen und daraufhin von den Brutstörchen vertrieben wurden.

Auf dem höchsten Punkt des Ortes, der Feuersirene, ließen sie sich anschließend nieder. Dort gelang die Ablesung der Ringnummer (auf dem zweiten Foto nur zum Teil erkennbar).


Die Ostsee-Zeitung hat in ihrer heutigen Ausgabe ausführlich über den "Methusalem" berichtet und freundlicher Weise die Genehmigung zur Zweitveröffentlichung erteilt:
Methusalem der Störche
Der Ring offenbarte es — ein Storch in Veelböken ist 23 Jahre alt. Der älteste Adebar Ostdeutschlands zieht zwei Junge auf.
Gadebusch (OZ) - Vier Stunden lagen sie auf der Pirsch. Dann gelang Hans-Heinrich Zöllick (85) und Dr. Stefan Kroll (44) das, worauf sie so sehr gehofft hatten: Der Storch stellte sich endlich so auf sein Nest in Veelböken bei Gadebusch, dass sie durchs Spezialfernrohr die Nummer DDR B0217 auf dem Ring lesen konnten. Ein anderer Storchenfreund hatte dies zuvor bereits mehrfach versucht, immer aber hatten Nistmaterial oder die Jungen einen Teil des Rings am Bein des Altvogels verdeckt. Für die beiden Storchenkenner war sofort klar, dass es sich um ein sehr altes Tier handeln musste. Denn diese Art Aluminium-Ringe stammte aus DDR-Zeiten. Eine Anfrage in der Beringungszentrale Hiddensee des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie brachte schnell Aufschluss: Adebar ist 23 Jahre alt, er wurde 1986 in Langenhagen bei Lübz beringt. Damit gilt er als ältester lebender Storch Mecklenburg-Vorpommerns. Nach Angaben der Beringungszentrale Hiddensee ist das Tier zudem der älteste Storch in ganz Ostdeutschland, der in diesem Sommer bislang gemeldet wurde. Besonders überraschte die Fachwelt, dass das Tier seit seiner Beringung nie in der Ringstorch-Statistik auftauchte. „Er wurde nie zuvor abgelesen“, bestätigte Dr. Ulrich Köppen, Chef der Beringungszentrale. Und das Schöne: „Methusalem“ brütet noch. Im Nest saßen zwei Jungvögel. In der Beringungszentrale Hiddensee wurden in diesem Sommer bisher 324 Ringstörche registriert. Viele Storchenzähler melden ihre Ergebnisse aber erst im Herbst. Möglicherweise seien auch in den storchenreichen Gegenden Brandenburgs über 20 Jahre alte Tiere gesehen worden. Der mit 29 Jahren älteste je in Ostdeutschland beobachtete Ringstorch wurde vor sechs Jahren aus der Elbe-Havel-Region in Brandenburg gemeldet. Weißstörche können sogar noch älter werden. Der für das westliche Norddeutschland zuständigen Beringungszentrale Helgoland liegt vom 27. Februar 2009 die Meldung eines Storches vor, der sogar 31 Jahre alt ist. „Dabei handelt es sich aber um einen Überwinterer“, ergaben Stefan Krolls Recherchen. In den alten Bundesländern, wo es viel weniger Weißstorchpaare als in Ostdeutschland gibt, würden diese häufig gefüttert. Dann zögen sie im Winter nicht mehr in den Süden. „Weil sie sich Strapazen und Risiken des 8000 Kilometer langen Fluges ersparen, werden die dann auch oft älter“, weiß Kroll. Während „echte“ Wildstörche über 20 Jahre schon als „Methusalem“ gelten, werden Weißstörche in Tierparks auch über 30 Jahre alt. Einen älteren als den Veelböker Storch hat auch Hans-Heinrich Zöllick schon abgelesen — in Lehnenhof bei Neubukow, wo ein Vogel 18 Jahre auf dem selben Nest brütete und 24 Jahre alt wurde. 2004 traf Zöllick ihn dort zum letzten Mal an. Der Veelböker Storch ist 1986 nur wenige Kilometer von seinem jetzigen Nistort geschlüpft, beringt hatte ihn Hobby-Ornithologe Walter Kintzel, der damals als Lehrer arbeitete und Schüler oft zum Beringen mitnahm. „Das Nest befand sich auf einer rohrgedeckten Scheune“, erinnert sich der 73-Jährige. „Es war das älteste Storchennest in der Region Lübz.“ Schon 1864 wurde es erwähnt. Bundesweit gibt es rund 4000 Weißstorch-Brutpaare, die meisten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Ende August ziehen die ersten Störche wieder gen Afrika. 2009 war jedoch kein gutes Jahr für sie. „Nach ersten Mitteilungen aus den Kreisen haben wir den niedrigsten Storchenbestand seit Beginn der landesweiten Statistik 1983“, sagt Kroll, der im Landkreis Bad Doberan ehrenamtlich die Störche zählt. Landeskoordinator Zöllick vermutet, dass nur etwa 1200 Jungvögel flügge wurden — halb so viel wie 2004. Schuld daran sei vor allem Nahrungsmangel wegen der Trockenheit im April. Außerdem würden Landwirte verstärkt Wiesen als Acker nutzen und den Tieren damit Lebensraum entziehen. „Umso glücklicher sind wir über Überraschungen wie aus Veelböken“, meint Kroll. „Wir freuen uns immer, wenn Anwohner uns Hinweise auf Ringstörche geben.“ Auch in Veelböken kam die entscheidende Information von einer Dorfbewohnerin — sie hatte den Naturschutzbund verständigt.
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1500 Störche beringt
2009 wurden in den neuen Bundesländern 1500 Störche beringt, davon 400 in MV. Erstmals wurden nach jahrelanger Pause im Landkreis Bad Doberan wieder Jungvögel beringt. Neben der Vogelberingungszentrale Hiddensee in Stralsund gibt es bundesweit nur zwei ähnliche Einrichtungen, die Zentralen Helgoland in Wilhelmshaven und Radolfzell am Bodensee. Stralsund arbeitet als Beringungszentrale für ganz Ostdeutschland. Radolfzell betreut zudem ein Projekt, das Störche auch über Satellitentelemetrie beobachtet. Durch Beringung erhalten Ornithologen bessere Kenntnisse über Vogelzug, Lebensdauer, Sterblichkeit und Fortpflanzung der Vögel. Die Ergebnisse fließen in ein weltweites Netzwerk von Datenbanken ein.
ELKE EHLERS