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Broderstorf I

Ringstörchin A 277 hat ihr Winterquartier erreicht

Heute erreichte uns die Nachricht, dass die Langenhanshäger Brutstörchin DFR A 277 (dieses Jahr mit vierfachem Bruterfolg) vermutlich am 6. September in ihrem alljährlichen Überwinterungsgebiet in Thüringen eingetroffen ist. Noch soll sie sich nachts auf dem Dach eines Wohnhauses in Auleben aufhalten, doch ist zu vermuten, dass sie bald wieder - quasi als Untermieterin - das Nest der Görsbacher Störche nutzen wird. Dort wurden in diesem Sommer drei Jungstörche flügge, die inzwischen in den Süden abgezogen sind. Eventuell ist A 277 demnächst noch live im Internet zu sehen, denn am Görsbacher Storchennest steht eine Webcam.

##Aktualisierung: Am frühen Morgen des 13.9. ist per Webcam ein oben rechts beringter Storch auf dem Görsbacher Nest zu sehen, vermutlich DFR A 277.

Der Storch in Rethwisch ist nach dem 5. September nicht mehr gesehen worden. Wahrscheinlich ist er mit den letzten Altstörchen, die dieses Jahr ungewöhnlich lange blieben (z. B. auch in Biestow bis zum 6. September), in sein Winterquartier aufgebrochen. Weitere Letztbeobachtungsdaten liegen uns aus Kirch Mulsow (24.8./30.8.) und vom Horst Broderstorf I (29.8./29.8.) vor.
Unterdessen haben etliche der diesjährigen Senderstörche, die auf der Südostroute fliegen, bereits ihre erste längere Raststation erreicht. Offensichtlich zieht es sie in diesem Jahr stärker als im Vorjahr in den Sudan statt in den Tschad. Ein Jungstorch aus Loburg hat einen recht ungewöhnlichen Kurs eingeschlagen - er zieht zurzeit entlang der Südküste der arabischen Halbinsel, Kurs Nordost.

Regenfälle kommen gerade noch rechtzeitig

So wie hier in Biestow sind die Störche an vielen Standorten noch am Brüten. Etwa alle 30 Minuten werden die Eier gewendet, um eine gleichmäßige Entwicklung des inzwischen kurz vor dem Schlupf stehenden Nachwuchses zu gewährleisten. An etwa 20 Nestern unserer Region wird das in diesen Tagen der Fall sein. Da ist es sehr von Vorteil, dass nach wochenlanger Trockenheit nun endlich ein feuchterer Witterungsabschnitt begonnen hat. Der Regen wurde ganz dringend gebraucht und kam hoffentlich noch rechtzeitig, um das Nahrungsangebot für die frisch geschlüpften Jungstörche zu verbessern.
In anderen Nestern ist man noch lange nicht so weit bzw. wird gar nicht mehr mit der Brut begonnen. Das gilt mit großer Wahrscheinlichkeit auch für Detershagen, wo seit Mittwoch endlich der zweite Storch am Nest ist. Auch an den Standorten Reinshagen und Broderstorf I, wo jeweils komplette Gelegeverluste zu verzeichnen waren, sieht es bisher nicht nach einem neuen Gelege aus. Zu einem Brutabbruch ist es ganz offensichtlich am Horst Schwaan I gekommen. Hier wird es zum ersten Mal seit 1982 (!) keinen ausfliegenden Storchennachwuchs geben. Wahrscheinlich waren Einrüstungsarbeiten am ehemaligen Pflegeheim, auf dessen Westgiebel sich das Nest seit Jahrzehnten befindet, der Auslöser für das Verhalten der Störche. Anwohner berichteten, dass sie sich während des Einrüstens - auch wenn dies am Ostgiebel stattfand - sehr beunruhigt gezeigt hätten. Solche Störungen zur Brutzeit verstoßen bei einer streng geschützten Vogelart wie dem Weißstorch gegen naturschutzrechtliche Bestimmungen. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises wurde eingeschaltet und war bereits vor Ort. Als ehrenamtliche Storchenschützer können wir nicht direkt eingreifen, sondern nur an die Einsicht und Vernunft appellieren, sowie in extremen Fällen wie hier geschildert die Behörden einschalten.
Aus dem Altkreis Ribnitz-Damgarten gibt es weiterhin eine Reihe positiver Nachrichten. Alle im Vorjahr besetzten Nester sind belegt, darüber hinaus auch die zuletzt verwaisten Horste in Freudenberg Heim, Alt Steinhorst, Carlsruhe, Eixen Oberförsterei und Saatel. Außerdem gibt es Anzeichen für einen Neuansiedlungsversuch in Redderstorf.

Nichtbrütertrupps sind unterwegs


In diesen Tagen häufen sich die Berichte über die Beobachtung von kleineren Storchentrupps. Häufig sind es Nichtbrüter, die gerne auch einmal brütende Störche attackieren. Die hier im Bild gezeigten acht Störche (Foto: A. Hornburg) griffen am 28. April das Storchennest in Reinshagen an, wurden jedoch vom Brutpaar erfolgreich abgewiesen. Weitere Trupps wurden am 26./27. April in der Nähe von Niendorf (6 Störche), am 22. April bei Dettmannsdorf (10 Störche) und am 30. April in Broderstorf (5 Störche) beobachtet.
Nachdem jetzt fast alle Störche, die für das Brutgeschäft noch in Frage kommen, eingetroffen sein sollten, planen wir für das kommende Wochenende größere Erkundungsfahrten, um einen Gesamtüberblick zu bekommen. Noch fehlen uns im Landkreis Bad Doberan sechs Paare, um das Vorjahresergebnis von 56 Horstpaaren zu erreichen. Zuletzt gemeldet wurde die Komplettierung des Benitzer Storchenpaares am 2. Mai. Im Altkreis Ribnitz-Damgarten wurden erfreulicherweise neue Storchenpaare in Carlsruhe und Freudenberg/Altenheim beobachtet. Die näheren Umstände müssen noch geklärt werden, aber beide Nester waren im Vorjahr unbesetzt.
Geklärt ist dagegen mittlerweile die Identität des beringten Storchs in Bröbberow - es handelt sich tatsächlich um DEH HC 981, der im Vorjahr geschwächt aufgegriffen und für mehrere Wochen im Zoo Rostock gepflegt werden musste. Bei Paarungen mit dem Partner konnte festgestellt werden, dass es sich um ein weibliches Tier handelt.

Kompletter Gelegeverlust in Broderstorf

Am Storchenhorst Broderstorf I hat sich in den letzten Tagen Dramatisches ereignet. Anwohner berichteten, dass dort seit dem 25. April keine Ablösung beim Brüten mehr stattfand. Offenbar saß ein Storch allein auf den Eiern, während dem anderen vermutlich etwas zugestoßen sein dürfte. Gestern nun gab es am Nachmittag einen heftigen Kampf, an dem fünf fremde Störche beteiligt waren. Danach stand am Abend dann wieder ein Paar im Horst. Entweder ist ein Partner neu hinzugekommen oder es ist ein komplett neues Paar im Horst. In jedem Fall passierte danach das, was in solchen Fällen üblich ist - die Eier des Vorgängerpaares wurden aus dem Nest geworfen. Heute am frühen Abend fand ich vier kaputte Eier unter dem zu dieser Zeit leeren Horst. Es ist zeitlich schon an der Grenze, jedoch durchaus noch möglich, dass es zu einem zweiten Gelege kommt. In etwa zehn Tagen werden wir es wissen.


Foto: B. Becker
In Kritzmow gelang gestern die Ablesung des unten rechts mit einem ELSA-Ring beringten Storches. Zusammen mit dem 2. Storch (dem Augenschein nach dem Weibchen) stand er für etwa eine Stunde an einer sonnigen, windgeschützten Stelle am Rande eines Ackers. Die Ringablesung ergab DEH H 3107. Dieser 2004 in Holthusen (Landkreis Ludwigslust) beringte Storch ist in unserer Region kein ganz Unbekannter. Bereits im Juli 2007 wurde er - damals dreijährig - ganz in der Nähe, bei Hastorf, nahrungssuchend abgelesen. Wir gehen davon aus, dass er die Gegend dort inzwischen sehr gut kennt und auch derjenige war, der tagelang das Stäbelower Horstpaar angriff.
Geklärt ist auch die Herkunft der diesjährigen Klingendorfer Ringstörchin DEW 5X443. Sie wurde 2008 in Hohne bei Celle/Niedersachsen beringt.

Immer mehr geschlüpfte Jungstörche werden gemeldet

Zum ersten Mal seit 2004 scheint es in Groß Bölkow Storchennachwuchs zu geben. Es wurden eindeutig Fütterungen festgestellt, die Jungen scheinen aber noch sehr klein zu sein. Nachdem seit zwei Tagen nun endlich Sonnenschein das Wetter bestimmt, zeigen sich die vor zwei bis drei Wochen geschlüpften Jungstörche immer häufiger. Dementsprechend erhielten wir auch erste zahlenmäßige Meldungen, wobei das zum einen noch vorläugige (Mindest-)Zahlen sind und zum anderen erst Mitte Juli, zum Zeitpunkt des Flüggewerdens, endgültig abgerechnet wird. Die Zahlen im Detail:
- Schmadebeck I, Zeez: 3
- Schmadebeck II, Biestow Dorf, Broderstorf I: 2
- Clausdorf, Göldenitz/Amt Warnow Ost, Grammow, Lieblingshof: 1
Ab sofort ist unsere "Bruterfolgskarte" wieder verfügbar. In den nächsten Tagen werden die vielen Fragezeichen hoffentlich deutlich weniger werden.

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