
Toter Jungstorch unter einem Strommast bei Fienstorf. Foto: G. Vogel, 20.8.11
Trotz aller anerkennenswerten Verbesserungen, die die Energieversorger - in Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags - zur Sicherung von Freileitungen unternommen haben, bleiben diese weiterhin Gefahrenpunkte für Großvögel. Dies wurde einmal mehr am Wochenende deutlich, als sich gleich zwei Fälle in unmittelbarer Nachbarschaft ereigneten. Am Sonntag wurde ich nach Neu Thulendorf gerufen. Dort war ein Jungstorch - offenbar der in diesem Jahr einzige aus dem Horst Thulendorf - flugunfähig und geschwächt unter einer Freileitung gefunden worden. Ursache dürfte ein Leitungsanflug gewesen sein, der häufig zu inneren Verletzungen führt. Ich habe den Storch in die Rostocker Tierklinik gebracht. Sein weiteres Schicksal war gestern noch offen. Tödlich verunglückt ist dagegen am Freitagabend oder Samstagfrüh ein anderer, unberingter Jungstorch. Kurz vor Fienstorf wurde er mit abgetrenntem Flügel direkt unter einem Strommast gefunden. Er wies keine weiteren sichtbaren Verletzungen auf, sodass auch hier Leitungsanflug als Todesursache wahrscheinlich ist. Die Anwohner berichteten, dass es sich wahrscheinlich um einen der vier fremden Jungstörche gehandelt haben dürfte, die sich am Freitag neugierig in der Nähe des Fienstorfer Horstes gezeigt hatten und von den beiden Altstörchen abgewehrt worden waren. Die Fienstorfer Jungstörche waren schon seit etwa einer Woche nicht mehr im Nest gesehen worden.
In Jürgenshagen haben wir zuletzt Sonntag Störche in den dortigen Überschwemmungsflächen gesehen. Der große Trupp mit zeitweise mehr als 60 Jung- und Altstörchen ist zuletzt am Freitagabend gesichtet worden. Am Samstagmittag konnten wir noch sechs Jungstörche bei ihren zum Teil spektakulären Flugübungen beobachten, darunter auch die drei am 9. August ausgewilderten Jungstörche HE 688, HE 689 und HE 693. Nach vielen Tagen mit schlechtem Wetter waren die Voraussetzungen endlich gut, um sich im Thermikflug zu üben. Auch zeigten sie sich überaus aufmerksam. Als sich ein Seeadler näherte und die ebenfalls im Überschwemmungsbereich nach Nahrung suchenden Möwen daraufhin laut rufend aufflogen, schlossen sich die sechs Jungstörche kurz darauf an. Wir sind sehr froh, dass die ausgewilderten Pflegestörche sich augenscheinlich sehr schnell dem Verhalten der "wild" aufgewachsenen Störche angepasst haben.




