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Petschow

Spätbruten unter besonderer Beobachtung

Zu den Nestern, in denen spät Jungstörche geschlüpft sind, gehört das Niendorfer.

Während die meisten Jungstörche in unserer Region jetzt schon einen Entwicklungsstand erreicht haben, der ihnen sehr gute Chancen zum Flüggewerden gibt, kämpfen die Küken in den spät besetzten Nestern nach wie vor um ihr Überleben. Sehr häufig sind es junge, unerfahrene Paare, die erst "auf den letzten Drücker" noch Eier legen und sich jetzt erstmals im Brutgeschäft versuchen. Sie kennen sich zumeist auch noch nicht sehr gut in ihrem Nahrungsrevier aus, und sie haben zusätzliche Probleme, wenn es so wie jetzt über einen längeren Zeitraum sehr trocken ist. In den meisten Fällen scheitern solche Spätbruten.
In diesem Jahr sind die Chancen offenkundig besser: von 6 Nestern, auf die die Kategorie "Spätbrut" mit einem Brutbeginn im Mai zutrifft, sind momentan in noch fünf Nestern Jungstörche. Am besten sieht es derzeit in Groß Potrems I aus, wo sich nach den Tragödien des Vorjahres (gebrochenes Bein bei einem Altstorch, später Verlust beider Küken) vermutlich ein ganz neues Paar im Brutgeschäft versucht. Seit dem 27. April sind sie zusammen, und am vergangenen Freitag konnte ich erstmals drei recht quirlige Jungstörche im Nest erkennen. Im Vergleich zu den übrigen fünf "Spätbrut-Standorten" sind die Voraussetzungen, in Horstnähe Nahrung zu finden, sicher am besten. Auch den ein oder zwei fast gleichalten Bentwischer Jungstörchen gebe ich recht gute Überlebenschancen, denn dieser Standort ist ebenfalls ein etablierter mit erwiesenermaßen zufriedenstellenden Nahrungsressourcen. Nummer 3 in meiner Aufzählung ist Thelkow, wo gestern ein schon ganz munterer Jungstorch gesehen wurde. Beide Störche trafen hier erst am 3. Mai ein und sind mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls neu im Revier. Auch hier bewerte ich die Aussichten doch einigermaßen optimistisch. Schwieriger stufe ich die Verhältnisse bei den Niendorfer Störchen ein. Bei dieser kompletten Neuansiedlung gehört schon eine Menge Glück dazu, wenn es gut gehen soll. Immerhin sind schon einmal zwei Schnäbel gesehen worden, und heute früh war ganz regulär ein Altstorch am Nest und spendete Schatten. Die Niendorfer Störche haben den Nestkorb, in dem sie brüten, nicht sehr stark mit Nistmaterial ausgebaut. Daher dauert es so lange, bis sie richtig zu sehen sein werden. Mit einem Alter von fast drei Wochen sollte das aber jetzt nicht mehr sehr lange auf sich warten lassen. In Kirch Mulsow brütet bekanntermaßen eine dreijährige Ringstörchin. Ein Jungtier im Alter von vielleicht knapp drei Wochen ist im Nest. Die Anwohner haben nun festgestellt, dass die Störchin seit Dienstag zwei Tage lang nicht am Nest war. Erst heute am Nachmittag soll sie wieder gefüttert haben. Hier kann die Unerfahrenheit der Störchin und (altersbedingt) ihre Unzuverlässigkeit ein Risiko für den Jungstorch bedeuten. Bereits verloren ist seit dem Wochenende die Brut in Hof Tatschow. Die drei etwa 10-14 Tage alt gewordenen Küken leben leider nicht mehr. Auch hier war es eine Spätbrut und zugleich eine Wiederbesiedlung nach sechs Jahren Unterbrechung. So bleibt hier nur zu hoffen, dass das Paar im nächsten Jahr einen neuen Versuch unternimmt.
Identifiziert ist mittlerweile der neu entdeckte Ringstorch in Petschow. Er trägt rechts unten einen ELSA-Ring mit dem Code "DEH H2919". 2004 hat ihn Frank Tetzlaff in Levenhagen (Ostvorpommern) beringt. Das Geschlecht ist noch unbekannt, in diesem Jahr brütet er/sie erstmals in Petschow. Allerdings ist es nicht die erste Ablesung gewesen. Vor drei Jahren wurde "H2919" bereits einmal bei Stäbelow nahrungssuchend abgelesen. Damals hatte der Storch sicher noch keine Horstbindung, doch ist er unserer Region treu geblieben.
Schließlich erhielten wir noch die Information, dass das Storchennest in Sanitz nach mehreren Jahren jetzt seit einigen Wochen wieder besetzt sein soll. Auch hier darf man auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

Findelküken und bevorstehende Beringungstour

Gleich zwei kleine Storchenküken hatten großes Glück, als sie vorgestern in Klingendorf bzw. gestern in Benitz aus dem Nest fielen. Vielleicht war es eine Windböe oder aber das mangelhafte Nahrungsangebot, das einen der Altvögel zum Handeln veranlasst hatte. In jedem Fall haben beide den Sturz offenbar gut überstanden. Der Klingendorfer Jungstorch, etwa 10 Tage alt und links im Bild, wurde für zwei Tage und Nächte bei Familie Hagemeister aufgepäppelt und den Benitzer (etwa 1 Woche älter) hatte ich selbst von gestern auf heute als "Übernachtungsgast". Beide kamen heute in den Rostocker Zoo, in der Hoffnung, dass sie den Sturz ohne innere Verletzungen überstanden haben und dort erst einmal versorgt und aufgezogen werden können. Im August sollen sie dann voraussichtlich wieder ausgewildert werden.
Ansonsten steht dieses Wochenende ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die große Storchenberingungstour, die am Dienstag stattfinden wird. Der vorläufige Zeitplan sieht folgende 22 Stationen vor (zum notieren, falls Interesse am zuschauen besteht):
8.00 Albertsdorf
8.30 Broderstorf Amt
9.00 Wendfeld
9.30 Gnewitz
10.15 Liepen
11.00 Niekrenz
11.30 Lieblingshof
12.00 Petschow
12.30 Pankelow
13.15 Hohen Schwarfs
14.00 Schwaan II (Tannenberg)
14.30 Schwaan I (John-Brinkmann-Str./Pflegeheim)
15.00 Bröbberow
15.30 Biestow
16.15 Stäbelow
16.45 Clausdorf
17.30 Hohen Luckow
18.00 Heiligenhagen
18.45 Schmadebeck I (Hof Diederichs)
19.15 Schmadebeck II (Hof Plate)
(20.00 Detershagen oder Moitin)
(20.30 Wischuer)
Die beiden letzten Stationen sind fraglich, denn es könnte sein, dass uns vorher unsere Ringe aus gehen. Auch dieses Mal wird die Beringungstour großzügigerweise vom Kreisbauernverband Bad Doberan finanziert, dem wir dafür schon jetzt herzlich danken möchten. Spätestens am Mittwoch werde ich über die Ergebnisse berichten.
Heute konnte ich erstmals das neu errichtete Storchennest in Wohrenstorf bewundern - seit 2004 gab es in diesem Ort keine Störche mehr. Vielleicht beginnen sie im kommenden Jahr mit einer Brut?
In Petschow gelang mir die Ablesung des dortigen Ringstorchs - nur die letzte Ziffer ist noch nicht ganz sicher. Unabhängig davon handelt es sich in jedem Fall um einen 2004 im Landkreis Ostvorpommern beringten Storch. Das sagen schon die ersten drei Ziffern aus (H 291.).

Weiterhin positiver Gesamteindruck


In Bröbberow lag heute ein Jungstorch tot unter dem Horst - es sind aber immer noch drei Jungtiere, die von den Altstörchen versorgt werden

Bei wechselhaftem, für die Versorgung der Jungstörche insgesamt nicht ungünstigem Wetter, verfestigt sich die positive Grundtendenz hinsichtlich der Nachwuchsrate in der Storchensaison 2010 weiter. Aktuell ist aus 40 Nestern bekannt, dass dort Junge geschlüpft sind und zuletzt auch noch mindestens ein Jungtier im Nest war. Dem stehen neun ungeklärte Fälle (darunter sieben Spätbruten) und sieben erfolglose Horstpaare gegenüber. An dieser Verteilung wird sich sicher noch manches ändern, aber die Grundtendenz wird voraussichtlich erhalten bleiben. Dennoch bleibt es nicht aus, die Störche in den Nestern, in denen besonders viele Junge herangewachsen waren, jetzt, wo der Futterbedarf immer größer wird und nicht immer in vollem Umfang erfüllt werden kann, auch vermehrt die schwächsten Jungstörche aussortieren und aus dem Nest werfen. So hat sich Anzahl der Jungstörche zuletzt beispielsweise in Bröbberow von 4 auf 3, in Zarnewanz von 4 auf 2 und in Detershagen von 3 auf einen reduziert. Es werden nicht die letzten Vorfälle dieser Art gewesen sein. Bisher zählen wir 12 solcher Abwürfe.
In Petschow ist einer der Altstörche unten rechts mit einem ELSA-Ring ausgestattet. Dieser konnte bisher noch nicht erfolgreich abgelesen werden. Der Ringstorch ist in Petschow, wo es auch Junge gibt, neu, denn im Vorjahr waren beide Störche unberingt. Die diesjährige Beringungsaktion im Landkreis Bad Doberan wird voraussichtlich am 22. Juni an etwa 20 bis 25 erreichbaren Nestern mit gut entwickelten Jungstörchen stattfinden.

Viele Storchenpaare ohne Nachwuchs


Dieses Foto aus Hohen Luckow ist beispielhaft für den insgesamt unerfreulichen Verlauf der diesjährigen Storchensaison in unserer Region und weiten Teilen Ostdeutschlands. Die beiden Altstörche stehen beschäftigungslos vor ihrem verlassenen Horst - zum ersten Mal seit 1997 gibt es in Hohen Luckow, einem der erfolgreichsten Standorte der letzten zehn Jahre, keinen Nachwuchs (abgesehen von dem am 6.6. abgeworfenen Küken, das ich lebend in den Rostocker Zoo bringen konnte). Besonders in den letzten Tagen erreichten uns viele Nachrichten über leere Horste. Insgesamt rechnen wir momentan damit, dass etwa 40 % der 58 Horstpaare im Landkreis Bad Doberan ohne flüggen Nachwuchs bleiben werden - ein eindeutiges Indiz für ein so genanntes Störungsjahr (zum Vergleich: im guten Storchenjahr 2007 waren es nur rund 20 %).
Die Gründe sind ganz unterschiedlich. Eine größere Anzahl Storchenpaare hat gar nicht erst mit der Brut begonnen, überwiegend waren sie erst Ende April/Anfang Mai komplett. Dazu zählen die Störche in: Groß Bölkow, Groß Lüsewitz, Kambs, Kirch Mulsow, Klingendorf, Petschow, Roggow, Wischuer und Zarnewanz.
In anderen Fällen wurde die Brut vorzeitig abgebrochen oder war erfolglos, sodass keine Jungen schlüpften: Benitz, Bentwisch, Göldenitz/Amt Schwaan, Nustrow, Thelkow und Ziesendorf.
In Heiligenhagen wurden vor einigen Wochen mehrere befruchtete Eier abgeworfen - ob es die Brutstörche selbst oder Fremdstörche waren, ist ungeklärt. Zumindest ein Storch, erkennbar an einer Wölbung auf der Stirn, ist kontinuierlich am Horst geblieben.
Besonders tragisch erscheint das Schicksal der Küken in Kröpelin - dort waren zu erst vier Junge geschlüpft, die seit kurzem nicht mehr im Nest zu sehen sind. Über die Ursachen ist vorerst nichts bekannt. Auch in Griebnitz fütterten die Altstörche bereits Junge, bevor es am 5. und 6. Juni zu schweren Horstkämpfen mit einem zweiten Paar kam, nach denen die Jungen nicht mehr lebten. Auch die Brutstörche sind seitdem nicht mehr am Horst gesehen worden. Die Trauer vieler Anwohner ist sicher gut nachvollziehbar.
Dennoch wird voraussichtlich eine knappe Mehrheit der Storchenpaare Junge groß bekommen. Die genauen Zahlen werden erst in etwa vier Wochen feststehen, doch gibt es ab heute wieder unsere Bruterfolgskarte, auf der jeder einzelne Standort mit seinem aktuellen Stand eingetragen ist.

Deutlich weniger Storchenpaare als im Vorjahr


Dieses Storchenpaar in Bröbberow ist erst seit wenigen Tagen zusammen - ob es noch mit einer Brut beginnen wird, ist fraglich.

Nachdem mittlerweile die ersten Mai-Tage hinter uns liegen und von jetzt an erfahrungsgemäß nur noch sehr wenige zusätzliche Störche eine dauerhafte Nestbindung eingehen werden, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Die Tendenz der vergangenen Wochen hat sich in den letzten Tagen nicht mehr umgekehrt. Auch wenn in Bröbberow (22.4.), Petschow (30.4.) und heute endlich auch in Schmadebeck I jeweils noch ein zweiter Storch eintraf, so sind es damit doch nur 49 Horstpaare, die uns im Landkreis Bad Doberan bis heute bekannt geworden sind. Das ist gegenüber dem Vorjahr (59 Paare) ein Rückgang von fast 20 Prozent. Nach allem, was wir wissen, hat es in unserem Landkreis in den vergangenen 100 Jahren nie so wenige Störche gegeben wie in diesem Jahr. Es sind herbe, zum Teil auch ganz unerwartete Lücken entstanden. So ist der Standort Gerdshagen, eigentlich eine "sichere Bank" und auch im Vorjahr mit Bruterfolg, immer noch unbesetzt. Das gleiche Bild ergibt sich beim Blick nach Roggow, wo seit 1976 mit Ausnahme eines Jahres (1990) immer Störche waren. Besonders der Altkreis Bad Doberan ist mit einem Verlust von sechs Horstpaaren gegenüber dem Vorjahr (außer den beiden genannten noch Ivendorf, Altenhagen I, Vorder Bollhagen und Rosenhagen) besonders stark betroffen. Im Amt Schwaan sieht es etwas besser aus (hier ist Kassow unbesetzt), und im Altkreis Rostock Land besteht noch eine gewisse Resthoffnung für die zurzeit von einem Einzelstorch besetzten Nester Bentwisch, Groß Lüsewitz, Zarnewanz und eventuell auch Reppelin. In Kritzmow gibt es keine Störche, dafür aber nach einjähriger Pause wieder in Vogtshagen - dieses Jahr der einzige wirkliche Lichtblick.
Ein großes Dankeschön gebührt allen Storchenfreunden, die uns bisher (und hoffentlich auch weiterhin) unermüdlich mit Nachrichten und auch Fotos versorgt haben (siehe dazu auch neue Fotos im Fotoalbum)! Immer wieder hat das kurzzeitige Erscheinen von Störchen Hoffnung geschürt, so zuletzt in Hof Tatschow und in Klein Grenz, doch nach drei oder vier Tagen waren sie wieder verschwunden. Man kann dann ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Prüfung der Nahrungsverhältnisse im Umfeld des Nestes negativ ausgegangen ist. Sie ziehen weiter, weil die Störche davon ausgingen, nicht genug Nahrung für die erfolgreiche Aufzucht ihres Nachwuchses zu finden. Die lang anhaltende Trockenheit hat sicher auch ihren Teil dazu beigetragen. Es fehlt also vor allem an brutbereiten Paaren. Dagegen sind seit Wochen immer wieder und an vielen Standorten unseres Landkreises Ansammlungen von bis zu zehn Störchen gesichtet worden, die offenbar Ausschau nach geeigneten Brutrevieren hielten. Von diesen Störchen und weiteren Spätheimkehrern geht weiterhin ein nicht zu unterschätzendes Störpotenzial für die brütenden Paare aus. Den ersten Nachwuchs erwarten wir in etwa einer Woche.
In anderen Teilen Ostdeutschlands zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab - im Einzugsbereich der Ostzieher kann mit keinem guten Storchenjahr mehr gerechnet werden.

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