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Nustrow

Ernüchternde Zwischenbilanz


Einer der wenigen Lichtblicke am Wochenende - ein neu eingetroffener Storch in Hof Tatschow. Foto: B. Becker

Auch wenn es uns am Wochenende nicht möglich war, sämtliche Storchennester im Landkreis Bad Doberan zu kontollieren, so verfestigt sich doch der Eindruck, dass uns sehr wahrscheinlich ein schlechtes Storchenjahr bevorsteht. Die seit fast 4 Wochen anhaltende Trockenperiode fordert offenbar ihren Tribut. Davon betroffen sind insbesondere die Standorte, an denen die Störche spät eintrafen. Hier sieht es an einer ganzen Reihe von Nestern so aus, dass die Störche entweder nicht mit der Brut beginnen oder sogar die Horstbindung aufgegeben haben. Betroffen sind auch mehrere "Traditionsnester", in denen zum Teil seit Jahrzehnten Störche gebrütet haben. Zurzeit komme ich nur noch auf 49 Horstpaare (7 weniger als im Vorjahr). Hinzu kommen noch 5 Einzelstörche, bei denen nach wie vor ein Partner fehlt. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es nach jetzigem Stand folgende Veränderungen:
positiv:
- Kritzmow, neues Paar, brütet aber (noch) nicht
- Pastow, Einzelstorch, Horstbindung fraglich
- Püschow, Einzelstorch, Horstbindung fraglich
negativ:
- Ziesendorf: leer (Traditionsstandort)
- Niendorf: leer
- Parkentin: leer
- Groß Potrems I: seit Tagen wieder verlassen (Traditionsstandort)
- Zeez: seit Tagen wieder verlassen (Traditionsstandort)
- Groß Bölkow: nur Einzelstorch
- Thelkow: nur Einzelstorch
- Detershagen: nur Einzelstorch
- Rukieten, Göldenitz/Amt Schwaan, Griebnitz, Biendorf, Niekrenz II: leer (im Vorjahr jeweils Einzelstorch)
Darüber hinaus haben auch die neu erschienenen Störche in Buchholz keine Horstbindung mehr, und in Reinshagen haben am 7. Mai heftige Horstkämpfe zum Verlust des gesamten Geleges geführt. Da an weiteren Standorten Zweifel bestehen, ob dort (noch) gebrütet wird, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch weniger Jungstörche als im Vorjahr geben. Viel ist natürlich noch von der Witterung der nächsten Wochen und Monate abhängig. Da wäre jetzt sehr bald Regen vonnöten, denn die ersten Jungstörche werden in dieser Woche schlüpfen und vor allem Regenwürmer benötigen.
Deutlich besser ist die Situation weiterhin im Altkreis Ribnitz-Damgarten. Hier könnten es am Ende sogar einige Paare mehr als im Vorjahr sein.

Viele Storchenpaare ohne Nachwuchs


Dieses Foto aus Hohen Luckow ist beispielhaft für den insgesamt unerfreulichen Verlauf der diesjährigen Storchensaison in unserer Region und weiten Teilen Ostdeutschlands. Die beiden Altstörche stehen beschäftigungslos vor ihrem verlassenen Horst - zum ersten Mal seit 1997 gibt es in Hohen Luckow, einem der erfolgreichsten Standorte der letzten zehn Jahre, keinen Nachwuchs (abgesehen von dem am 6.6. abgeworfenen Küken, das ich lebend in den Rostocker Zoo bringen konnte). Besonders in den letzten Tagen erreichten uns viele Nachrichten über leere Horste. Insgesamt rechnen wir momentan damit, dass etwa 40 % der 58 Horstpaare im Landkreis Bad Doberan ohne flüggen Nachwuchs bleiben werden - ein eindeutiges Indiz für ein so genanntes Störungsjahr (zum Vergleich: im guten Storchenjahr 2007 waren es nur rund 20 %).
Die Gründe sind ganz unterschiedlich. Eine größere Anzahl Storchenpaare hat gar nicht erst mit der Brut begonnen, überwiegend waren sie erst Ende April/Anfang Mai komplett. Dazu zählen die Störche in: Groß Bölkow, Groß Lüsewitz, Kambs, Kirch Mulsow, Klingendorf, Petschow, Roggow, Wischuer und Zarnewanz.
In anderen Fällen wurde die Brut vorzeitig abgebrochen oder war erfolglos, sodass keine Jungen schlüpften: Benitz, Bentwisch, Göldenitz/Amt Schwaan, Nustrow, Thelkow und Ziesendorf.
In Heiligenhagen wurden vor einigen Wochen mehrere befruchtete Eier abgeworfen - ob es die Brutstörche selbst oder Fremdstörche waren, ist ungeklärt. Zumindest ein Storch, erkennbar an einer Wölbung auf der Stirn, ist kontinuierlich am Horst geblieben.
Besonders tragisch erscheint das Schicksal der Küken in Kröpelin - dort waren zu erst vier Junge geschlüpft, die seit kurzem nicht mehr im Nest zu sehen sind. Über die Ursachen ist vorerst nichts bekannt. Auch in Griebnitz fütterten die Altstörche bereits Junge, bevor es am 5. und 6. Juni zu schweren Horstkämpfen mit einem zweiten Paar kam, nach denen die Jungen nicht mehr lebten. Auch die Brutstörche sind seitdem nicht mehr am Horst gesehen worden. Die Trauer vieler Anwohner ist sicher gut nachvollziehbar.
Dennoch wird voraussichtlich eine knappe Mehrheit der Storchenpaare Junge groß bekommen. Die genauen Zahlen werden erst in etwa vier Wochen feststehen, doch gibt es ab heute wieder unsere Bruterfolgskarte, auf der jeder einzelne Standort mit seinem aktuellen Stand eingetragen ist.

Im Osten des Landkreises bessert sich die Lage


In Lieblingshof ist am 20. April ein zweiter Storch eingetroffen - man verstand sich auf Anhieb; Foto: KITA Lieblingshof

Nachdem Hans-Heinrich Zöllick heute praktisch sämtliche Storchennester im östlichen Teil des Landkreises Bad Doberan kontrolliert hat, können wir von dort berichten, dass sich die Lage gebessert hat. Momentan sind hier etwa 85 % der vorjährigen Störche eingetroffen. 2008 gab es im Altkreis Rostock Land 30 Brutpaare. Zurzeit sind 23 Horste komplett (davon neu Vogtshagen). Hinzu kommen noch sechs Einzelstörche (in Bentwisch, Griebnitz, Groß Lüsewitz, Liepen, Neu Thulendorf und Petschow). Noch gänzlich unbesetzt sind momentan nur noch Zarnewanz und Kritzmow (hier wurde allerdings zuletzt vor zehn Tagen kontrolliert). Es gab noch verschiedene Wechsel in der Besetzung der Nester. So ist in Tessin seit gestern ein unberingtes Paar am Nest. Der Ringstorch, der dort seit dem 6. April gewesen war, ist "unerkannt entkommen", vermutlich wurde er bei Horstkämpfen vertrieben. Das Nest in Groß Lüsewitz war mehr als zehn Tage verlassen, jetzt ist dort zumindest wieder ein Einzelstorch gelandet.

Wie die Verhältnisse im Westen und Süden zurzeit sind, ist momentan etwas undurchsichtiger. Während im Amt Schwaan zuletzt nur noch vier von 16 im Vorjahr besetzten Plätzen frei waren, gibt es im Altkreis Bad Doberan auch weiterhin noch etliche Lücken. So ist etwa in Schmadebeck I, dem besten Nest der letzten Jahre, nach wie vor nur ein Vogel (wir vermuten, dass es eine Störchin ist) regelmäßig anzutreffen. Es wurde dort eine Eischale unter dem Nest gefunden, die möglicherweise im Zusammenhang mit kurzfristigem "männlichen Besuch" und anschließenden Paarungen gestanden hat.

Unter dem Strich dürften zurzeit mindestens 39 Paare komplett sein (2008 waren es am Ende der Saison 59). Hinzu kommen noch mindestens zehn Einzelstörche. Alle Details und auch die neuen Ankunftsdaten finden sich auf unserer aktualisierten Ankunftskarte

Zählung der Jungstörche abgeschlossen


Zwei Jungstörche im Thulendorfer Nest (14.7.2008)

In der vergangenen Woche haben Hans-Heinrich Zöllick und ich die alljährliche Zählung der Jungstörche im Landkreis Bad Doberan durchgeführt. Das Ergebnis weist leider sowohl bei den Horstpaaren als auch bei den Jungstörchen einen Rückgang gegenüber 2007 auf. Gezählt wurden 59 Paare mit fester Horstbindung (2007: 62). Von ihnen hatten 41 Paare Bruterfolg - das ist ein für unseren Landkreis durchschnittliches Ergebnis. Aktuell befinden sich 92 Jungstörche in den Nestern - 24 weniger als im Vorjahr. Diese Zahl kann sich in den nächsten Tagen aber noch verändern, denn die Jungstörche sind besonders in den ersten Tagen nach dem Flüggewerden gefährdet (Kollisionen, Bruchlandungen, Abstürze etc.). Vorläufig liegt der JZa-Wert (durchschnittliche Anzahl der Jungen pro Horstpaar) bei 1,56 (2007: 1,88), der JZm-Wert (durchschnittliche Anzahl der Jungen pro erfolgreichem Horstpaar) bei 2,24. Im langjährigen Mittel sind beide Werte leicht unterdurchschnittlich. Zu den genauen Ursachen werden wir nach Ende der Storchensaison im Jahresbericht 2008 ausführlich Stellung beziehen. Offenkundig ist in jedem Fall ein deutliches Ost-West-Gefälle, nicht nur im Landkreis Bad Doberan selbst, sondern auch darüber hinaus. So werden im Altkreis Ribnitz-Damgarten bei 44 Nestern momentan 88 Jungstörche gezählt. Der JZa-Wert liegt damit in dieser Region deutlich höher als im Vorjahr!
Alle Details zu den einzelnen Nestern finden sich in unserer wieder aktualisierten Bruterfolgskarte. Während der Zählung habe ich an vielen Standorten Fotos mit den Jungstörchen aufgenommen. Sie befinden sich wie üblich im Fotoalbum.
Aus Benitz ist zu vermelden, dass der dort bei einem Angriff von Altstörchen verletzte Jungstorch offenbar alles gut überstanden hat, denn er wurde beim Flugmuskeltraining auf gleicher Höhe wie sein Nestbruder (bzw- seine Nestschwester) beobachtet. In Fienstorf war vor einigen Tagen ein Jungtier vom Nest geweht worden, ohne anschließend aus eigener Kraft wieder hinaufzukönnen. Am nächsten Tag glückte dann jedoch die Rückkehr.

Anhaltende Trockenheit bereitet Störchen Probleme bei der Nahrungsbeschaffung für ihre Kücken


In Grammow haben Anwohner bereits zwei kleine Schnäbel im Nest erkennen können. Der Nachwuchs ist dort jetzt etwa 14 Tage alt.

Der Monat Mai war in unserer Region bisher außerordentlich sonnig und trocken. Mit Ausnahme eines einzigen Regentages am 17. Mai ist seit über drei Wochen vielerorts praktisch kein Niederschlag gefallen. Für die Störche ist dieser Zustand besonders jetzt problematisch, wo in vielen Nestern Nachwuchs geschlüpft ist. Die für die kleinen Schnäbel besonders wichtigen Regenwürmer sind für die Altvögel nur sehr schwer zu finden. Sie schaffen es nicht, genügend Nahrung für alle geschlüpften Jungen heranzuschaffen und reagieren instinktiv mit dem Reduzieren ihres Nachwuchses. So fand ich am Freitag in Kowalz zwei und in Thelkow ein abgeworfenes Jungtier (jeweils im Alter von vielleicht fünf bis zehn Tagen). In Gnewitz beobachteten Anwohner, wie einer der Altstörche kurz nacheinander gleich zwei Jungtiere verschlang. Auch dieses Verhalten (Kronismus) ist arttypisch, wird jedoch selten direkt beobachtet. In allen drei genannten Nestern befindet sich weiterer Nachwuchs, ebenso in vielen weiteren. Konkrete Beobachtungen gibt es von diesem Wochenende aus Clausdorf, Grammow, Kröpelin und Wendfeld. An vielen weiteren Standorten gibt es sichere Hinweise. Für eine Bestimmung von Jungenzahlen sind die Kücken jedoch noch immer zu klein. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die später eingetroffenen Storchenpaare in Kritzmow, Altenhagen I, Parkentin und Vorder Bollhagen auch weiterhin brüten. Wir dürfen sehr gespannt sein, wie sich das Storchenjahr weiter entwickelt. Regenfälle - nur kein Starkregen - wären sehr erwünscht.

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