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Kowalz

Aufbruchstimmung bei den Jungstörchen - erneutes Drama in Groß Potrems

Vergleichsweise früh hat in diesem Jahr die Aufbruchstimmung unter den Jungstörchen begonnen. Einige von ihnen (wie z. B. die in Bröbberow, Stäbelow und Wischuer) haben die Bindung zu ihren Ursprungsnestern bereits komplett aufgegeben. Auch aus anderen Teilen Norddeutschlands wird über den beginnenden Abzug der Jungstörche berichtet. Die Altstörche werden wie in jedem Jahr etwas später folgen. Bilder wie dieses (aus der Nähe von Tribsees, 7.8.) mit einer ganzen Storchenfamilie sind jetzt schon selten.

In Groß Potrems hatten es die drei kaum 9 Wochen alten Jungstörche offenbar auch sehr eilig. Jedenfalls verließen sie ihren sicheren Horst, ohne selbst schon über genügend Flugfertigkeit und vor allem -sicherheit zu verfügen. Das hatte leider dramatische Folgen, denn heute früh erreichte mich ein Anruf von sehr aufmerksamen Anwohnern. Sie hatten alle drei Jungstörche über Nacht in einen leeren Hundezwinger gebracht, nachdem gestern zwei von ihnen auf der stark befahrenen, unmittelbar neben dem Storchenhorst verlaufenden B 103 unterwegs waren.

Ein Jungstorch kollidierte dabei leicht mit einem Krankenwagen, während ein zweiter mitten auf der Bundesstraße aufmerksame Urlauber aus der Nähe von Neubrandenburg zu einer gefährlichen Vollbremsung veranlasste. Die Urlauber bargen den unverletzten Youngster im Straßengraben und brachten ihn zu den Anwohnern. Gemeinsam fing man auch noch den dritten Jungstorch ein, der etwas humpelte. Als Storchenbetreuer bedanken wir uns sehr herzlich für das engagierte und tatkräftige Eingreifen der Urlauber und das umsichtige und fürsorgliche Handeln der Anwohner!
Ein wesentlicher Grund für das "frühreife" Verhalten der Jungstörche dürften die Altvögel gewesen sein, die nach Beobachtungen der Anwohner zuletzt nicht mehr zum Füttern am Horst erschienen waren. Möglicherweise haben Sie sich durch den beginnenden Zug zum (vorzeitigen) Aufbruch entschlossen oder aber sie haben eine Fütterungspause eingelegt. Es ist auch sehr gut möglich, dass es sich - angesichts der Tatsache, dass der Brutbeginn in Groß Potrems erst Anfang Mai war - um unerfahrene Erstbrüter gehandelt hat.
Ich brachte die drei Bruchpiloten heute gegen Mittag in die "Notaufnahme" der Rostocker Tierklinik, wo sie untersucht wurden. Der leichteste von ihnen (1.600 g) scheint Glück gehabt zu haben, er ist offenbar unverletzt geblieben und wird unmittelbar in den Zoo Rostock kommen, um dort aufgepäppelt zu werden. Der zweite Jungstorch (1.950 g) hat leider durch die Kollision eine Fraktur im Bereich des rechten Flügels erltten. Sein Schicksal ist zunächst ungewiss. Etwas besser sieht es für Nr. 3 (1.900 g) aus. Dieser Jungstorch scheint sich "nur" eine Verstauchung, aber keinen Bruch seines rechten Ständers zugezogen zu haben. Er tritt mit diesem Bein nicht richtig auf. Bei geeigneter Pflege sollten Nr. 1 und vermutlich auch Nr. 3 wieder voll flugfähig werden können. Sie sollen dann wieder ausgewildert werden. Allerdings liegt das momentane Gewicht deutlich unter dem Mindestgewicht von 3.000 g, das bei einem flüggen Jungstorch, der nach Afrika fliegen will, eigentlich erforderlich ist.
Bereits am gestrigen Samstag ist der drei Tage zuvor mit vier anderen Jungstörchen ausgewilderte Jungstorch mit dem Ring HC823 (vom Horst Schmadebeck I) mit einer Flügelfraktur unweit seines Auswilderungsortes bei Wokrent (Landkreis Güstrow) aufgefunden worden. Er ist in tierärztlicher Behandlung, frisst aber zurzeit leider nur schlecht.
Die Aufbruchstimmung unter den Störchen könnte auch noch für die anderen erfolgreichen Spätbruten ein Problem werden. Jedenfalls hoffen wir sehr, dass der noch nicht flügge Storchennachwuchs in Kirch Mulsow, Bentwisch, Niendorf und Thelkow bis zur Flugfähigkeit in ausreichendem Maße von den "zuständigen" Altvögeln gefüttert wird. Die Anwohner bitten wir dort um besondere Aufmerksamkeit.

Es bahnt sich viel Storchennachwuchs an


4 Jungstörche sind am Samstag in Hohen Luckow zu sehen gewesen.

Es sieht bisher gut aus in den meisten Storchennestern des Landkreises Bad Doberan! Am Wochenende konnte ich fast 50 Nester kontrollieren und habe dabei eine überraschend positive Zwischenbilanz ziehen können. Von den 56 Horstpaaren (Niekrenz II wird doch nur als Einzelstorch zu werten sein), haben bisher 36 nachweislich Bruterfolg, in sieben Fällen wird noch gebrütet, an sechs Nestern ist die Lage unklar bzw. noch unbekannt und nur an sieben Nestern ist bisher Bruterfolg ausgeschlossen worden. Ins Fotoalbum habe ich zahlreiche Aufnahmen vom Wochenende eingestellt.
Neben vier Paaren, die gar nicht erst mit der Brut angefangen haben, hat in Tessin ein Brutabbruch stattgefunden, während das Kowalzer Paar aus ungeklärten Ursachen seinen gesamten Nachwachs verloren hat. 1 Jungstorch wurde tot unter dem Nest gefunden. In Rederank hat am 30. Mai ein Fremdstorch den Brutvogel attakiert und dabei ein Jungtier aus dem Nest geworfen sowie vermutlich das gesamte restliche Gelege zerstört. Die Störche sind aber noch am Nest, sodass noch eine geringe Resthoffnung auf vielleicht ein noch schlüpfendes Küken besteht.
Erstaunlich ist die Tatsache, dass nicht nur in Hohen Luckow 4 Jungstörche im Nest stehen, sondern auch aus Biestow Dorf vierfacher erfolgreicher Nachwuchs gemeldet wurde. Hoffen wir, dass das Wetter in den kommenden zwei bis drei Wochen mitspielt. Dann könnte es ein gutes Storchenjahr werden (zumindest was die Anzahl der Jungstörche anbelangt).

Inzwischen 42 Rückkehrer gemeldet

Inzwischen hat sich die Anzahl der zurückgemeldeten Störche im Landkreis Bad Doberan auf 42 erhöht. Damit ist bis zum 31. März - Nachträge vorbehalten - ziemlich genau ein Drittel aller horstgebundenen Störche des Vorjahres wieder im Brutgebiet eingetroffen. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr, aber weniger als 2008. Alle Details finden sich in der aktualisierten "Ankunftskarte".

Zu den mindestens zwölf Paaren, die bereits komplett sind, zählt auch dieses in Schwaan I, das heute am frühen Morgen ausgiebig "Storchenhochzeit" feierte.
Im Bereich der Hansestadt Rostock sind bisher vier von sechs Brutstörchen wieder da.

Vorläufiges Jahresergebnis steht fest: 58 Horstpaare haben 72 Jungstörche

Dieser Altstorch in Wendfeld gehört zu den nur 34 Horstpaaren, die dieses Jahr im Landkreis Bad Doberan erfolgreich gebrütet haben. 24 Paare blieben dagegen ohne Nachwuchs - die Quote liegt mit 41 % deutlich über den beiden Vorjahreswerten. Mit 58 Horstpaaren wurde wiederum ein Paar weniger als im vorangegangenen Jahr gezählt. Der seit 2003 anhaltende Abwärtstrend - damals lebten im Landkreis noch 94 Horstpaare - setzt sich damit weiter fort.
Die jetzt abgeschlossene Zählung hat ergeben, dass lediglich 72 Jungstörche flügge geworden sind (im Vorjahr waren es noch 93, 2007 sogar 116). Dieser Wert ist im Landkreis der schlechteste seit dem "Störungsjahr" 1997. Die ersten, jetzt aus anderen Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns veröffentlichten Zahlen sehen ähnlich aus - 2009 ist zweifelsohne ein schlechtes Storchenjahr. Eine eingehendere Darstellung und Analyse erfolgt nach dem Ende der Storchensaison in etwa vier Wochen.
In Kneese und in Eixen im Nachbarlandkreis Nordvorpommern (Altkreis Ribnitz-Damgarten) konnten in den letzten Tagen noch zwei bisher unbekannte Ringstörche abgelesen werden. Zumindest der in Kneese ist bereits eindeutig identifiziert - "DEH H 3066" wurde 2004 im Landkreis Ludwigslust beringt.

Ein paar erfreuliche Neuigkeiten

Große Überraschung in Groß Potrems II - dieser Storch hält seit einer Woche dem letztmalig vor fünf Jahren besetzten Horst die Treue. Nach Anwohnerberichten gibt es sogar einen Konkurrenten, mit dem es regelmäßig zu Auseinandersetzungen um den Horst kommt. Die Unterlage ist in jedem Fall noch in Ordnung, das Nest selbst durch den Leerstand der letzten Jahre nur noch ein Fragment, aus dem ein ansiedlungswilliger Storch allerdings sehr wohl ein passables Storchennest machen könnte.
Die Entdeckung dieses Wiederbesiedlungsversuchs gelang im Rahmen mehrerer ausgedehnter Erkundungsfahrten, die Hans-Heinrich Zöllick (samt Begleitern) und ich in den letzten drei Tagen unternommen haben. Dabei gab es weitere erfreuliche Entdeckungen: in Zarnewanz ist bereits seit längerem ein zweiter Storch am Horst, das Paar brütet aber nicht. Auch in Kirch Mulsow war am Samstag ein Paar im Nest, hier müssen noch weitere Erkundigungen eingezogen werden. Auch die Anzahl der erfolgreich abgeschlossenen Bruten nimmt erfreulicherweise von Tag zu Tag zu. So konnte zusätzlich zu den schon bekannten Standorten Nachwuchs auch in den Storchenhorsten Stäbelow (mindestens zwei Junge), Clausdorf, Rederank (mindestens drei Junge), Parkentin und Moitin festgestellt werden. In Thelkow und sehr wahrscheinlich auch in Pankelow wird es dagegen in diesem Jahr keine Jungstörche geben.
Durch die doch recht zahlreichen Ankünfte im Mai hat sich die Anzahl der Horstpaare in unserem Landkreis mittlerweile auf 54 erhöht, das ist jetzt noch ein Minus von fünf Horstpaaren gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen noch fünf bis sechs Einzelstörche, die ihr Nest allein besetzt halten. Von diesen 54 Horstpaaren werden mindestens neun keinen Bruterfolg haben, in den übrigen Nestern besteht momentan noch Hoffnung.
Im Fotoalbum gibt es dieses Mal aktuelle Fotos aus Groß Potrems I, Klingendorf, Kowalz, Stäbelow und Clausdorf.

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