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Kommen die Fehlenden zu Ostern?

Eine blutige Verletzung an der Schnabelbasis hat dieses Storchenmännchen in Wendfeld - Ergebnis eines heftigen Horstkampfes am gestrigen Dienstag, bei dem viel Nistmaterial, aber glücklicherweise offenbar keine Eier aus dem Nest fielen. 16.4.14

Die Wendfelder Störche gehören zu den inzwischen rund 30 Paaren im alten Landkreis Bad Doberan, die - zum Teil schon seit zehn Tagen - mit dem Brüten beschäftigt sind. Daneben gibt es aber auch weiterhin neun Einzelstörche, die noch auf eine Partnerin bzw. einen Partner warten. Auf eine besonders harte Probe gestellt werden zurzeit die Storchenfreunde in Stäbelow, Petschow, Moitin, Thelkow, Gnewitz, Zarnewanz, Rukieten I, Neu Thulendorf und Fienstorf. Seit mindestens zehn, im Extremfall sogar schon 20 Tagen wird hier auf die Komplettierung des Paares gewartet. Gleichzeitig sind weiterhin noch 14 Nester, die im Vorjahr besetzt waren, vollkommen leer. Unter dem Strich fehlt im Altkreis Bad Doberan weiterhin ein Drittel des Vorjahresbestandes. Dass in den letzten zehn Tagen lediglich der jeweils zweite Storch in Thulendorf und Rukieten II sowie beide Störche in Albertsdorf sicher zurückgemeldet wurden, ist mehr als ungewöhnlich, befinden wir uns doch Mitte April eigentlich in der Hauptrückkehrzeit der Störche. Es verstärkt sich damit die zuletzt geäußerte Vermutung, dass es für die später bzw. in entfernteren Überwinterungsregionen aufgebrochenen Störche einen Zugstau geben muss. In Osteuropa gab es in den letzten zehn Tagen in der Tat schwierige Bedingungen mit Gegenwind und häufigen Niederschlägen. Wenn die Wetterprognosen zutreffen und die noch fehlenden Störche tatsächlich schon über die Karpaten gelangt sind, besteht jetzt endlich Hoffnung auf Besserung - zu Ostern könnte mit Winddrehung auf südliche bis östliche Richtungen die lang erwartete "zweite Welle" der Ostzieher einsetzen. Das wird dann auch höchste Zeit, denn erfahrungsgemäß nimmt die Brutbereitschaft in unserer Region für Störche, die nach dem 25. April an ihrem Nest eintreffen, kontinuierlich ab. Zum Vergleich: im Vorjahr schritten insgesamt 51 Paare zur Brut - darunter nur eines, das nach dem 30. April gemeinsam am Horst war.

Warten auf die zweite Welle

Während wie hier in Reinshagen der Großteil der seit Ende März/Anfang April kompletten Storchenpaare inzwischen mit der Brut begonnen hat bzw. unmittelbar davor steht, wird an etlichen anderen Orten noch sehnsüchtig auf die Rückkehr von "Meister Adebar" gewartet oder es steht nur ein Einzelstorch im Nest. In Stäbelow etwa wartet das Männchen "Hiddensee I453" nun schon über zwei Wochen auf (s)eine Partnerin. Das ist durchaus nicht ungewöhnlich, gelegentlich kann es auch schon einmal vier Wochen dauern, bevor ein Paar komplett ist.
Wie erklärt sich aber die Tatsache, dass in den letzten Tagen nur sehr wenige Störche zurückgekehrt sind? Sehr wahrscheinlich hängt dies mit den Witterungsverhältnissen im östlichen Europa zusammen. Dort herrschte zuletzt Tiefdruckeinfluss mit feuchtem, windigen Wetter vor. Die sehr guten Bedingungen, die die März-Ankömmlinge für sich ausnutzen konnten, sind erst einmal vorüber, und so schnell ist auch noch keine durchgreifende Wetteränderung in Sicht. Die schwierigeren Zugbedingungen spiegeln sich z. B. auch bei den Daten wider, die der Sender der NABU-Störchin "Astrid" übermittelt hat. Obwohl sie schon vor knapp drei Wochen Europa erreicht hat, war sie zuletzt nur bis nach Tschechien vorangekommen. Ähnlich geht es vermutlich vielen anderen Störchen, die jetzt bei uns noch vermisst werden. Dass die vier schon im März eingetroffenen Senderstörche "Albert", "Michael", "Gustav" und "Emma" vom Bosporus bis an ihre heimischen Nester jeweils nur etwa zehn bis zwölf Tage benötigt haben, ist keinesfalls die Regel, sondern zeigt besonders günstige Zugbedingungen an.
Ich rechne ehe erst ab Mitte nächster Woche mit der zweiten größeren Welle zurückkehrender Störche.

Nachdem einige Störche nur kurzfristig Nester besetzt hielten und wieder herausgerechnet werden mussten, zähle ich zurzeit im Altkreis Bad Doberan 33 Horstpaare und 11 Einzelstörche. Alle Details gibt es weiterhin in einer GoogleMaps-Ankunftskarte.

Die ersten Paare haben mit der Brut begonnen

An diesem Wochenende scheinen die ersten, besonders früh eingetroffenen Storchenpaare in unserem Betreuungsgebiet mit der Brut begonnen zu haben. In der Regel erfolgt dies etwa sieben bis zehn Tage nach der Paarbildung. Sichere Anzeichen fand ich heute unter anderem in Niendorf vor, wo sehr wahrscheinlich ein Westzieherpaar (eingetroffen am 25.3.) brütet. Sie haben ihr Nest wesentlich mehr ausgebaut als ihre Vorgänger, deren späte Rückkehr sie allerdings unter Umständen noch zu fürchten haben.

Niendorf, 6.4.14

Dass es nun endlich wieder regnet, ist hinsichtlich der Brutbereitschaft der Störche sicher kein Nachteil. Unterdessen hat sich die insgesamt frühe und zügige Rückkehr der Ostzieher zwar etwas verlangsamt, doch ist eine Rückkehrquote von 66 Prozent zum 6. April bereits ein sehr guter Wert.
Offensichtlich fehlen zurzeit vor allem noch die jungen, zugunerfahrenen, nachrückenden Störche. Dies ist z. B. daran zu erkennen, dass Hans-Heinrich Zöllick und ich in unseren Betreuungsgebieten DBR und RDG bereits 18 Ringstörche identifizieren konnten, ohne dass darunter auch nur ein "neuer" gewesen wäre. DEH H2919 traf ich übrigens heute in Petschow an, wo er bereits zwischen 2010 und 2012 Brutvogel war. Die These, dass bisher insbesondere die alten, bruterfahrenen Vögel eingetroffen sind, wird auch durch zwei besondere Funde von Storchenfreundin G. Vogel untermauert. Zum einen flog von ihrem Nest ein mit einem ELSA-Ring unterhalb des Intertarsalgelenks beringter Storch ab - diese Beringungsart war nur 2004 und 2005 üblich. Darüber hinaus fotografierte sie in einer kleinen Dreier-Gruppe, ebenfalls in Fienstorf, einen schwedischen Storch, der seine Ringkombination bereits in den 1990er Jahren erhalten haben dürfte.
Aktuell zähle ich im Altkreis Bad Doberan 32 Horstpaare und 11 Einzelstörche. Alle Details gibt es weiterhin in einer GoogleMaps-Ankunftskarte.

Alte Bekannte...

Wie in jedem Jahr ist es eine spannende Frage, welche beringten Störche den Weg zurück in unsere Region gefunden haben. Einige Ringträger sind ihrem Horst schon seit vielen Jahren treu. Dazu zählt zu allererst die aus Brandenburg stammende Störchin Hiddensee KA 3528. In diesem Jahr schickt sie sich an, zum siebenten Mal in Folge in Wendfeld für Storchennachwuchs zu sorgen. Sie vollendet in diesem Jahr ihr 20. Lebensjahr, traf bereits am 27. März mit den ersten Ostziehern ein, ihr Partner folgte erst heute. Ebenso konnten wir bereits ablesen: Hiddensee I453, seit 2011 männlicher Brutstorch in Stäbelow, inzwischen 14jährig sowie DEW 5X443 (Ablesung H. Storn), sechsjähriges Weibchen aus Niedersachsen, jetzt wie im Vorjahr in Benitz.
Einen weiteren alten Bekannten traf ich überraschenderweise heute Abend am Ortsrand von Dummerstorf, wo er sich auf einem frisch gepflügten Acker stärkte. DEH H2919, 2004 in Ostvorpommern am Fußgelenk mit einem ELSA-Ring ausgestattet, war 2010 bis 2012 männlicher Brutvogel in Petschow. Im Vorjahr blieb er verschollen, in Petschow brüteten zwei unberingte Störche. Ich bin gespannt, an welchem Nest ich ihn demnächst wiederfinde. Die ungewöhnliche Gefiederanordnung auf der rechten Seite dürfte dabei helfen.

Inzwischen zähle ich im Altkreis Bad Doberan 21 Horstpaare und 16 Einzelstörche. Das ist exakt die Hälfte der im Vorjahr gezählten Störche mit Horstbindung. Alle Details gibt es weiterhin in einer GoogleMaps-Ankunftskarte.

Starker März-Einflug: mindestens 40 Prozent der Störche schon zurück

In den letzten vier Tagen sind zahlreiche Störche über die Ostroute nach Mitteleuropa zurückgekehrt. Auch aus unserem Betreuungsgebiet liegen schon in großer Anzahl Meldungen bzw. Beobachtungen vor. Zurzeit sind im Altkreis DBR nach meinem Kenntnisstand 15 von im Vorjahr 56 Nestern bereits mit einem Paar besetzt. Hinzu kommen noch 13 Einzelstörche. Es ist aber davon auszugehen, dass es de facto schon erheblich mehr sind - die nächsten Tage werden das deutlich werden lassen. Ich gehe davon aus, dass wir bereits mindestens 40 Prozent des Vorjahresbestandes erreicht haben. Da die Jahre 2004, 2007, 2008 und 2010, in denen auch jeweils eine frühe Rückkehr mit vielen Ankünften im März zu verzeichnen war, gute Brutergebnisse gebracht haben, sind die Startvoraussetzungen für die neue Storchensaison erst einmal nicht schlecht. Bei anhaltend günstigen Zugbedingungen über Mittel- und Osteuropa ist mit weiterem Zuzug in den kommenden Tagen zu rechnen.

Alle Details gibt es auch in diesem Jahr wieder in einer GoogleMaps-Ankunftskarte.

Einer von zahlreichen Rückkehrern der letzten Tage steht auf seinem Horst Rukieten II. Foto: B. Becker, 30.3.14.

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