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Droht den Ostziehern ein "Störungsjahr"?

Es ist genau zehn Jahre her, dass wir bei den ostziehenden Weißstörchen ein so genanntes "Störungsjahr" erlebt haben. Im Jahr 2005 wurde im gesamten Einzugsgebiet der über die Südostroute nach Afrika ziehenden Störche ein Bestandsrückgang von bis zu 30 Prozent festgestellt. Selbst viele erfahrene Altstörche trafen erst so spät an ihren Brutplätzen ein, dass sie nicht mehr mit einer Brut begannen. Der Bruterfolg war fast überall weit unterdurchschnittlich. Da es die nach einem witterungsbedingten Störungsjahr übliche Erholung des Bestandes (wie z. B. 1997/98) in den darauf folgenden Jahren nicht gab und auch viele beringte Brutstörche auf Dauer verschollen blieben, muss im Winter 2004/05 eine ungewöhnliche, nicht eindeutig geklärte Sterblichkeit eingetreten sein.
Auch die diesjährige Konstellation hat nach meiner Einschätzung Potenzial für ein Störungsjahr. Bis jetzt sind in verschiedenen, gut beobachteten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns erst maximal 50 Prozent des Vorjahresbestandes eingetroffen. In meinem Betreuungsgebiet sind nach 55 Horstpaaren 2014 aktuell gerade einmal 18 Horstpaare und 11 Einzelstörche bekannt. Das ist für einen 17. April die mit Abstand geringste Rückkehrqoute der letzten neun Jahre (so lange bin ich im Weißstorchschutz aktiv und sammle Ankunftdaten). Es zeichnet sich ein Szenario ab, dass deutlich weniger Storchenpaare als in den Vorjahren mit einer Brut beginnen könnten, was dann auch entsprechende Auswirkungen auf die Anzahl der Jungstörche haben würde.
Wo könnten die Ursachen liegen? Seit mehr als drei Wochen herrschen auf den ost- und mitteleuropäischen Zugwegen ganz überwiegend ungünstige Bedingungen vor. Fast immer hatten die Störche mit starkem Gegenwind zu kämpfen, es gab späte Wintereinbrüche und verschiedene Regenfronten. Die Daten besenderter Störche zeigen, dass unter diesen Voraussetzungen oftmals nur sehr kurze Tagesetappen geschafft werden. Andere Störche driften weit nach Osten ab oder rasten für längere Zeit. Und für die nächsten Tage ist auch weiterhin strammer nördlicher bis westlicher Wind vorausgesagt. Ich rechne daher nicht mehr damit, dass sich die Nester in den kommenden Tagen noch sehr schnell füllen werden. Je weiter wir uns aber dem Monatsende nähern, desto mehr nimmt auch die Brutbereitschaft der Störche ab. Sollte es doch noch anders kommen, wäre das jetzt eine positive Überraschung.
In den westlichen Bundesländern würde ein Störungsjahr der Ostzieher in seiner Wirkung dadurch abgemildert werden, dass hier sehr viele Störche über die Westroute ziehen und damit von den aktuellen negativen Witterungseinflüssen nicht beeinflusst werden. In zehn, spätestens aber 14 Tagen werden wir ziemlich sicher wissen, ob die schlechte Prognose für das Storchenjahr 2015 tatsächlich Realität werden wird.

Alle Daten zu den bisher besetzten und zu den noch leeren Nestern finden sich in unserer Ankunftskarte:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/1864

Sehr wechselhafte Zugbedingungen

Während dieses Storchenpaar in Berendshagen einen Tag nach der Ankunft (1. Storch: 11.4., 2. Storch: 12.4.) schon fleißig bei der Familienplanung ist, kämpfen viele andere Störche weiterhin mit den schwierigen Zugbedingungen über Osteuropa. Fast permanent weht dort ein zum Teil sehr starker Gegenwind aus Nordwest bis West, der die Tagesetappen der Zugvögel erheblich begrenzt. So legte die NABU-Senderstörchin "Emma" in letzter Zeit zumeist nur Tagesetappen unter 100 Kilometern zurück. Noch in dieser Woche wird sie nun zurück in Schleswig-Holstein erwartet. Wenn der Wind dann doch einmal aus der richtigen Richtung weht, macht sich das sogleich durch einen deutlich Anstieg bei den erfassten Ankünften am Brutplatz bemerkbar. Insgesamt ergibt sich geradezu ein Bild wie bei Ebbe und Flut. Während im Zusammenhang mit dem Orkantief "Niklas" zwischen dem 29. März und dem 1. April kein einziger Storch bei uns eingetroffen ist, folgte zwischen dem 2. und dem 5. April eine erste, kleinere Welle mit mindestens 17 Störchen. Vom Ostermontag, 6. April, bis zum 9. April erreichten mich dann wieder nur drei Rückmeldungen, ehe der 10. und der 11. April mindestens 20 Störche "heranspülte". Seitdem herrscht wieder "Ebbe", denn am 12./13./14. April traf nach jetzigem Stand genau ein Storch ein. Morgen könnte mit Winddrehung auf Südwest wieder ein Schwung neuer Rückkehrer folgen, bevor der Wind in den Folgetagen leider erneut stark aus Nordwest bis West wehen wird.
Schaut man sich die bisherige Bilanz mit etwa 40 bis 45 Prozent Rückkehrern (im Altkreis Ribnitz-Damgarten ist die Quote unwesentlich günstiger) an, so zeigt der Vergleich mit den vorangegangenen acht Jahren ab 2007, dass wir uns gerade noch so am unteren Rand des normalen Rückkehr-Korridors bewegen. Es wäre schön, wenn in den nächsten Tagen dringend erwarteter Nachschub eintrifft. Denn eines ist auch klar: nur noch etwa 14 Tage, dann schließt sich das Zeitfenster. Störche, die erst Ende April und im Mai eintreffen, haben zumindest in unserem Betreuungsgebiet nur sehr selten Bruterfolg.

Alle Daten zu den bisher besetzten und zu den noch leeren Nestern finden sich in unserer Ankunftskarte:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/1864

Die erste größere Ostzieher-Welle

Mit Winddrehung auf Süd und hohem Luftdruck über Osteuropa scheint es nun tatsächlich die erste größere Ostzieher-Welle zu geben. Allein seit gestern Mittag erreichten mich Informationen zu 17 Rückkehrern, die frisch an ihrem Nest angelangt waren. Und es werden sicherlich noch mehr eingetroffen sein, von denen ich es nur noch nicht erfahren habe. Leider folgen jetzt erst einmal zwei Tage mit kräftigen westlichen Winden, aber die weitere Wetterentwicklung ist dann wieder positiv. Wie unterschiedlich das Gefieder eines Storchs aussehen kann, zeigt sich bei diesem Storchenpaar, das ich heute in Benitz fotografierte. Das Männchen (hinten), schon ein paar Tage vor Ort, hat ganz offensichtlich schon etwas Zeit für die Gefiederpflege gehabt, während das Weibchen gerade erst wenige Stunden vor der Aufnahme des Fotos - und noch ganz struppig - das Nest erreicht hat. Es ist übrigens nicht die Störchin der beiden Vorjahre, denn die war beringt. Allerdings gehen wir davon aus, dass es in den nächsten Tagen noch an etlichen Horsten zu Auseinandersetzungen und auch zu Wechseln in der Zusammensetzung kommen wird.

Alle Daten zu den bisher besetzten und zu den noch leeren Nestern finden sich in unserer Ankunftskarte:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/1864

Starke Schneefälle in den Karpaten zu Ostern halten die Störche auf

Inzwischen fragen immer mehr Storchenfreunde wo die Rotschnäbel denn bleiben. Die Frage ist insoweit berechtigt, als auch gestern und heute nur ganz wenige Rückkehrer gemeldet wurden. Insgesamt werden es bisher kaum mehr als 20 Prozent sein, die an den Nestern eingetroffen sind. Eine Erklärung findet sich bei Betrachtung des nachfolgenden Videos, das zeigt, dass es auf dem Balkan (und auch in den Karpaten) über Ostern einen ungewöhnlich späten und heftigen Wintereinbruch mit sehr viel Schnee gegeben hat. Dies wird einen Zugstau ausgelöst haben. Ab morgen/übermorgen soll sich die Großwetterlage über Osteuropa umstellen und sich hoher Luftdruck und deutlich wärmere Temperaturen etablieren. Wer jedoch wie Senderstörchin "Emma" zu Ostern noch vor den Südkarpaten stand, wird einige weitere Tage benötigen, um die Brutregion in Schleswig-Holstein zu erreichen.

http://www.wetteronline.de/wetter-videos/2015-04-07-ve?cat=29&sort=date

Rückkehr der alten Storchendame in Wendfeld

Unsere mit Abstand älteste beringte Störchin hat einmal mehr die Zugstrapazen heil überstanden und ist zu Ostern - nahezu zeitgleich mit ihrem unberingten Partner - auf ihrem Stammhorst in Wendfeld eingetroffen. Mit nunmehr 21 Jahren hat Hiddensee KA3528, beringt 1994 in Manker/Brandenburg, inzwischen ein stolzes, seltenes Alter für einen Weißstorch erreicht. Da hat sie es sich auch verdient, ein wenig zu verschnaufen und zuzuschauen, während ihr "Gatte" fleißig den Horst ausbessert:

Auch heute kann ich lediglich vermelden, dass ein weiterer Storch (am Horst Pankelow II) eingetroffen ist. Das Warten auf den Haupteinflug der Ostzieher geht also weiter.

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