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Sorgen um Zeezer Storchenfamilie

Gleich vier Jungstörche wachsen momentan in Zeez heran. Sie alle wirkten heute altersgerecht entwickelt, munter und agil. Keiner zeigte sich bei einer längeren Beobachtung über Mittag auffällig. Gegen 12.45 Uhr erschien ein Altstorch und fütterte längere Zeit. Die ausführliche Inaugenscheinnahme hat leider einen Grund - aufmerksame Anwohner beobachteten seit einigen Tagen vermeintlich immer den gleichen Altstorch bei der Fütterung. Auch spätabends sei kein zweiter am Nest zu sehen. Da beide Störche in Zeez unberingt sind, ist eine Unterscheidung nicht einfach, aber der Abgleich von Fotos scheint die Beobachtungen zu stützen. Nun sind die Küken bereits in einem Alter von vier Wochen, deshalb ist ein einzelner, erfahrener Altstorch grundsätzlich in der Lage, seinen Nachwuchs allein groß zu ziehen. Aber gleich vier Küken - das könnte doch zu viel sein. Leider kann das Nest nicht per Hebebühne angefahren werden, sodass eventuell ein risikoreicher Einsatz mit Leitern anstünde. Wir werden erst einmal weiter intensiv beobachten (bzw. beobachten lassen), um Gewissheit über den vermeintlich fehlenden zweiten Altstorch zu erlangen. Akuter Handlungsbedarf besteht noch nicht.
Bei dieser Gelegenheit kontrollierten wir auch das Nest in Schwaan und konnte gerade einen Anflug beobachten - es landete der einbeinige Storch, der danach auch nicht weiter auffiel - jedenfalls ist dem Verhalten nach kein deutlich schlechterer Zustand anzunehmen.

Viel Nachwuchs bei den frühen Paaren?

Am kommende Montag, 18. Juni, steht unsere erste diesjährige Beringungsrunde an. Wir planen Station zu machen an 14 Orten meines Betreuungsgebietes sowie noch an drei weiteren im Nachbarbereich. Nach letztem Stand zeichnet sich viel Nachwuchs in diesen Nestern ab. Hier war die Paarbildung bereits vor dem 10. April abgeschlossen, sodass die Jungstörche im Alter von 4 bis 6 Wochen jetzt beringt werden können. Die frühen Paare fanden ganz offensichtlich bisher ausreichend Futter für im Durchschnitt wohl drei Küken. Es folgen weitere Beringungen im Altkreis Ribnitz-Damgarten (23. Juni) sowie nochmals im Altkreis Bad Doberan (3. Juli). Bei den später eingetroffenen Paaren schlägt die anhaltende Trockenheit, die gestern nur kurz durch einen kräftigen Gewitterguss unterbrochen wurde, dagegen schon negativ zu Buche. Während vom Nest Broderstorf I ein tot abgeworfenes Küken gemeldet wurde, scheint in Niendorf Ende letzter Woche der gesamte Nachwuchs verendet zu sein. Er dürfte zu dieser Zeit - bei Temperaturen um 30°C - erst wenige Tage alt gewesen sein. Es gibt momentan noch drei Spätbruten (Moitin, Pankelow I, Liepen), bei denen der Schlupf der Jungen sogar erst noch bevorsteht. Ich denke nicht, dass wir hier viel erwarten können.
Welche positiven Auswirkungen ein zweistündiger Gewitterregen haben kann, war am Sonntag sehr gut an unserem Biestower Webcam-Nest feststellbar. Nachdem es wieder trocken war, flogen und fütterten beide Altvögel wie die Weltmeister, insgesamt kamen in rund fünf Stunden (bis zum Einbruch der Dämmerung) noch zehn Anflüge zusammen.

Mit dreieinhalb Wochen allein zu Hause


Kräftig zugelegt haben die Biestower Storchenküken (hier 2 von 4) in den letzten Tagen.

Die Biestower Storchen-Webcam ermöglicht uns auch weiterhin sehr gute Einblicke in die Entwicklung der Jungen. In den letzten Tagen war die Fütterungsfrequenz langsam zurückgegangen - über elf auf nur noch zehn Anflüge/Fütterungen pro Tag. Da gleichzeitig der Nahrungsbedarf der vier Küken immer mehr zunimmt (und in den nächsten Wochen etwa 1.000 Gramm pro Tag und Küken erreichen wird), war es nicht überraschend, dass die jetzt drei bis dreieinhalb Wochen alten Jungstörche heute erstmals für kurze Zeitspannen allein gelassen wurden. Insgesamt etwa zwei Stunden blieben sie heute ohne Aufsicht, wobei die längste Phase zwischen 11:33 und 12:21 Uhr 48 Minuten dauerte. Auf diese Weise waren heute wieder zwölf Anflüge/Fütterungen möglich. Die "elternlose" Zeit wird sich in den nächsten Tagen weiter ausdehnen, "normal" wäre der Übergang zur Phase der vollständig unbewachten Jungenaufzucht ab einem Alter von etwa vier bis fünf Wochen. Ein Küken des Biestower Storchenpaares scheint etwas kleiner zu sein, aber der Unterschied zu seinen Geschwistern dürfte deutlich geringer ausfallen als beim jüngsten (ebenfalls vierten) Küken der praktisch gleichaltrigen Otterwischer Internetstörche, das heute kurzerhand von einem Altvogel gepackt und nach außerhalb des Nestes geflogen worden ist. Keine 50 Meter entfernt wurde er tot aufgefunden. Nach zwei Minuten war der Otterwischer Altvogel bereits wieder am Nest. Auch solche arttypischen Verhaltensweisen sind jetzt noch möglich, gerade bei weiterhin anhaltender, ausgeprägter Trockenheit. Die Störche spüren instinktiv, dass das Futterangebot nicht ausreicht, um alle Küken groß zu bekommen.
Eine freudige Überraschung erlebte ich gestern Abend in Petschow. Dort war bis Mitte April stets ein unberingtes Storchenpaar am Nest gesichtet worden. Das langjährige, beringte Männchen H2919 schien den Zug nach Afrika nicht überlebt zu haben. Gestern Abend aber entdeckte ich ihn beim "Wachestehen" bei seinen (zuletzt vier) Jungen im Nest. Er muss um den 15. April eingetroffen sein und das Nest für sich zurückerobert haben. Danach muss es ganz schnell gegangen sein, denn am 20. April waren bereits sichere Anzeichen einer Brut feststellbar. Mit jetzt 14 Jahren ist das 2004 in Ostvorpommern beringte Männchen aktuell unser ältester Storch. Durch ihn erhöht sich die Quote der zurückgekehrten Ringstörche auf zwölf von 14.

Nützt der hohe Grundwasserstand den Störchen?

Zwischen Juli letzten Jahres und April diesen Jahres hat es im Landkreis Rostock einen hohen Niederschlagsüberschuss gegeben. In der Folge kam es auch zu einem kräftigen Anstieg des Grundwasserspiegels. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg veröffentlicht monatlich die entsprechenden Daten. Für uns interessant sind die Erhebungsstellen Kühlungsborn (im Nordwesten) und Sanitz (im Osten). Während im April Kühlungsborn eine positive Abweichung von 14cm aufwies, waren es in Sanitz 78cm, die der Grundwasserspiegel dort über dem langjährigen Mittelwert lag. Dies hatte zur Folge, dass viele Kleingewässer einen ungewöhnlich hohen Wasserstand besaßen und zusätzliche Überschwemmungsflächen entstanden, die es in anderen Jahren nicht gab. Durch die ausgeprägte Trockenheit im Mai dürfte es wieder zu einem generellen Absinken des Grundwasserpegels gekommen sein. Etliche der "neuen" Wasserflächen sind bereits wieder ausgetrocknet. Andere aber bestehen weiter und eröffnen unseren Störchen jetzt die Möglichkeit, trotz der lang anhaltenden Trockenheit Nahrungstiere zu erbeuten. Dies bestätigen auch Gespräche mit Landwirten. Ein Beispiel sind gleich drei solcher Vernässungsflächen bei Waldeck. Wie schon mehrfach zuvor, traf ich dort auch heute wieder drei Störche an, die erfolgreich "fischten".


Waldeck bei Dummerstorf, 2.6.18

Möglicherweise sind diese "Nahrungsinseln" jetzt der Grund, warum es bei uns offenbar noch nicht zu einem verstärkten Abwurf von Küken gekommen ist. Auf einer Rundfahrt zu Storchennestern im Großraum Sanitz konnte ich heute in sechs Nestern mit früh eingetroffenen Storchenpaaren folgende Jungenzahlen (= Mindestwerte) ermitteln:
- Bandelstorf: 2 (am 6.6.: 3)
- Petschow: 4
- Lieblingshof: 3
- Niekrenz: 3
- Cammin: 3
- Gnewitz: 4

Da die Wetterprognosen weiterhin Trockenheit und Wärme vorhersagen und gleichzeitig der Nahrungsbedarf der Küken täglich ansteigt, befürchte ich allerdings, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Altvögel verstärkt Abwürfe tätigen werden. Im vergleichbar trockenen Jahr 2016 schafften es bei uns nur drei Paare, mehr als zwei Jungstörche groß zu ziehen, und die Quote der Paare ohne Bruterfolg lag über 60 Prozent. Hoffen wir, dass es dieses Jahr nicht ganz so schlimm kommt - vielleicht mit Hilfe des günstigeren Grundwasserspiegels.

Update/Ergänzung 3.6.:

- Benitz: 2
- Zeez: 4
- Berendshagen: 3 (am 4.6.: 4)
- Satow: 3
- Schmadebeck II: 2 (am 6.6.: 3)
- Neu Rethwisch (am 6.6.: 3)
- Grammow (am 4.6.: 3)


Zeez, 3.6.18

Bilanz Sender- und Ringstörche 2017/18

Nachdem inzwischen wohl alle Störche mit Horstbindung zurückgekehrt sind, ist es Zeit für eine Bilanz bei den besenderten Störchen aus Nord- und Ostdeutschland, über die wir seit dem letzten Spätsommer berichtet hatten. Erfreulicherweise haben 13 von 14 Störchen wohlbehalten ihre Brutgebiete erreicht. Die große Mehrzahl traf dabei schon vor Mitte April und damit auf jeden Fall rechtzeitig ein. Anders die beiden Südafrika-Überwinterer HL440 und HL437, die erst am 2. bzw. 22. Mai in ihrer Brutregion festgestellt werden konnten. Diese Bilanz ist deutlich günstiger als im Vorjahr, als es eine ganze Reihe von Ausfällen zu beklagen gab. Der einzige Verlust 2017/18 betraf einen Altstorch des Sude-Projekts, der möglicherweise bei einer Kollision an einer großen Straße im Sudan getötet wurde. Sein Sender konnte zwischenzeitlich geborgen werden (Information S. Hollerbach).
Auch bei den beringten Brutvögeln in meinem Betreuungsgebiet HRO/DBR ist die Rückkehrquote deutlich günstiger als im Vorjahr (damals kehrten nur 50 % der Ringträger zurück): 12 von 14 Individuen des Jahres 2017 konnten 2018 erneut festgestellt werden. Es fehlen das Ziesendorfer Weibchen HC981, das ja offenbar unfruchtbar war und der Storch HR165, der im letzten Jahr im Rostocker Zoo bzw. in Klein Schwaß beobachtet worden war. Die Störchin HN066 (im Vorjahr Albertsdorf) wanderte nach Hohen Sprenz/GÜ ab und brütet jetzt dort. Neu hinzugekomnmen sind fünf beringte Weibchen, von denen vier 2014 bzw. 2015 in meinem Betreuungsgebiet beringt worden sind. Nur eine von ihnen (HN057) hat einen - erfolglosen - Brutversuch gestartet, die drei anderen gehören zu Nichtbrüterpaaren in Kambs, Göldenitz bei Dummerstorf und Göldenitz bei Rukieten. Die fünfte Störchin ist die bereits mehrfach erwähnte achtjährige H9835, die aktuell in Rostock-Biestow vier Jungstörche im Nest hat.

Übersarbeitet/aktualisiert am 7.6.18

Biestower Storchenpaar harmoniert gut

Besonders in der ersten Phase der Jungenaufzucht bietet die Webcam am Storchennest in Rostock-Biestow eine Menge an aufschlussreichen Informationen. Dankenswerterweise habe ich Zugriff auf das Archiv der einmal pro Minute erfolgenden Fotoaufnahmen. Ich habe jetzt einmal die letzten drei Wochen intensiver ausgewertet. Die Küken sind nach 33 Tagen Brut vermutlich ab dem 13. Mai geschlüpft, es dürften insgesant fünf an der Zahl gewesen sein. Vermutlich am 17. oder 18. Mai wird das letzte Küken sich aus dem Ei gepickt haben. Unser Biestower Storchenpaar ist bekanntlich neu zusammengesetzt. Während das Männchen vom (frühen) Ankunftsdatum und auch von bestimmten Verhaltensweisen her (Affinität zu kurzen Besuchen im Zoo Rostock) sehr wahrscheinlich das gleiche ist wie 2017, ist das Weibchen definitiv neu. Ihr Ring verrät nicht nur ihr Alter (8 Jahre) und ihre Lebensgeschichte (beringt in Sachsen-Anhalt, zuletzt zwei Jahre lang erfolgreiche Brutstörchin in Poggelow/GÜ), sondern ermöglicht auch bei schlechten Sichtverhältnissen eine gute Unterscheidung gegenüber dem Männchen, das allerdings auch durch seinen kräftigeren Körperbau und Schnabel auffällt.
Was ließ sich nun bisher feststellen? Trotz der neuen Paarzusammensetzung harmonieren beide Störche offenbar sehr gut. Sie beteiligen sich nahezu in gleichem Umfang an der Versorgung ihres Nachwuchses, der vermutlich am 23. Mai auf vier reduziert worden ist. Es gibt Aufnahmen, die zeigen, wie das Männchen während einer Fütterung einen kleinen, kükenähnlichen Körper nach hinten zum Nestrand transportiert. Ob das Küken da bereits tot war, lässt sich nicht feststellen, gefunden wurde es jedenfalls nicht. Beide Störche nutzen die in der zweiten Mai-Hälfte sehr lange Helligkeit voll aus. Meistens erfolgt die erste Fütterung - in der Regel durch das Männchen - schon vor 5.00 Uhr. Dieses ist es auch, das abends als letztes ans Nest zurückkehrt. In manchen Nächten schläft der männliche Storch allerdings auch außerhalb des Horstes. Vom 21. bis 26. Mai konnte ich an jedem Tag zwölf Wechsel/Anflüge feststellen. Seitdem hat die Frequenz auf zunächst 14 und dann 16 Anflüge zugenommen. Dabei haben sich auch die Zeiten der Abwesenheit, in denen ja Futter gesucht werden muss, reduziert. Sie liegen jetzt häufig in einem Fenster zwischen 60 und 90 Minuten und nur selten über 120 Minuten. Die beiden Altvögel reagieren damit angemessen auf den größer werdenden Nahrungsbedarf der Jungstörche. Dass sie trotz der wochenlangen Trockenheit immer noch vier Junge versorgen, spricht für ihre Erfahrenheit. Gleichwohl halte ich es natürlich für möglich, dass es auch hier noch zu Abwürfen kommen wird. Eine weitere Erkenntnis ist die, dass besonders in den letzten Tagen immer wieder Fremdstörche in Nestnähe unterwegs gewesen sein müssen. In diesen Phasen sind dann in der Regel beide Altvögel am Nest und beschützen gemeinsam ihren Nachwuchs. Am 26. Mai fing die Webcam sogar einmal einen rechts oben beringten Fremdstorch ein, der das Nest offenbar direkt ansteuerte. Auch er wurde aber erfolgreich vertrieben. Alles in allem bin ich positiv überrascht, wie gut das neu zusammengesetzte Paar die durch die Trockenheit hervorgerufenen Herausforderungen meistert. Aber wie gesagt - im Alter von etwa 12 bis 16 Tagen sind vor allem die jüngeren Küken noch längst nicht "über den Berg". Hoffen wir, dass die nächsten Tage zumindest einige kräftigere Gewitterschauer bringen und sich die Nahrungssituation dadurch etwas entspannt.


Rechts oben beringter Fremdstorch im Nahbereich des Biestower Nestes. Webcam-Aufnahme, 26.5.18

Schwierige Nahrungssituation für die ersten geschlüpften Küken



Eine Heuschrecke und ein Egel für den Nachwuchs in Bandelstorf? 26.5.18

Vor etwa 14 Tagen sind in unserem Betreuungsgebiet die ersten Küken geschlüpft. Zurzeit sollte es Schlag auf Schlag damit weiter gehen. Bis zum Monatsende wird sich schon eine deutliche Mehrheit aus dem Ei gepickt haben. Sie tun das in einer Situation, in der die Altvögel bei der Nahrungsbeschaffung vor große Probleme gestellt werden. Im gesamten Monat Mai sind bei uns gerade einmal 3 mm Niederschlag gefallen, das sind weniger als 10 Prozent der üblichen Menge. Der Boden ist inzwischen knochentrocken und die zu Beginn der Jungenaufzucht besonders wichtigen Regenwürmer haben sich in tiefere Lagen verkrochen. So trifft man die Störche zurzeit fast ausschließlich an Kleingewässern an, wo sie unermüdlich nach etwas Verwertbarem Ausschau halten. Das Bandelstorfer Männchen, das ich heute bei der Fütterung seiner etwa 7-10 Tage alten Küken beobachten konnte, hatte offenbar vor allem Insekten und Egel mitgebracht. Einen erheblichen Teil davon fraß es im Anschluss selbst, für die Jungstörche waren diese Happen offenbar noch zu groß.
In den nächsten Tagen ist ein weiterer Temperaturanstieg bis auf 30 Grad vorhergesagt. Ob uns dann im Anschluss wirklich Gewitterschauer erreichen, ist keineswegs sicher. Wir müssen auf jeden Fall damit rechnen, dass nicht alle Jungstörche diese Verhältnisse überstehen werden. Außer in Bandelstorf sah ich heute auch in Niekrenz und Lieblingshof kleine Köpfe, die sich emporreckten. Ich rechne allerdings damit, dass wir schon bald in etwa 25 Nestern Nachwuchs haben werden.

Täuschungsmanöver bei den Schwaaner Störchen - nur Eier, keine Küken

So kann man sich täuschen! Nach längerer, intensiver Beobachtung war ich am Wochenende zu der Überzeugung gekommen: im Storchennest Schwaan II sind Küken geschlüpft. Alle Anzeichen sprachen aus meiner Sicht dafür. Heute hat sich dies als Irrtum herausgestellt. Wir hatten uns in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde zu einer Teil-Aushorstung der Küken entschieden und fuhren das Nest mit der Drehleiter der Feuerwehr Dummerstorf an. Beide Altvögel waren vor Ort und vertrieben gerade mit eindeutigen Gebärden einen vorbei kommenden Fremdstorch. Von oben ins Nest geschaut, zeigte sich: es sind lediglich vier Eier und keine Küken. Wie konnte es zu dieser Fehlwahrnehmung kommen? Das Horstpaar hatte trotz der schweren Behinderung des Männchens etwa 32 Tage gebrütet und dabei ein ganz "normales" Brutgeschäft gezeigt. Danach waren zwar keine Küken geschlüpft, aber die beiden Störche veränderten ihr Verhalten. Statt des kurzen Aufstehens und Eierwendens folgte jetzt nach dem Anflug und Wechsel eine intensive Beschäftigung mit dem Nestinhalt, die zumindest von "unten" betrachtet große Ähnlichkeit mit einer Fütterung noch ganz kleiner Küken hatte. Demnach muss sich das Männchen am Samstag, als ich die beiden letzten Videos aufnahm, etwa 15 Minuten lang sehr intensiv mit den Eiern beschäftigt haben. Es kommt vermutlich nicht sehr häufig vor und wird auch selten beobachtet, dass ein über Jahre erfolgreiches Paar plötzlich taube Eier unter sich hat.

Schwaaner Storchenpaar hat Nachwuchs!

Das ist schon eine kleine Sensation! Das Schwaaner Storchenmännchen hat trotz seines großen Handicaps - vor zehn Tagen verlor es sein schon seit März schwer verletztes rechtes Bein - nicht nur für befruchtete Eier gesorgt, sondern füttert jetzt auch die erst wenigen Tage alten Küken. Das hätte ich zu Beginn der Schwaaner Storchentragödie vor 8 Wochen niemals für möglich gehalten. Ein vergleichbarer Fall ist mir bisher nicht bekannt. Die Willensstärke dieses Storchs ist schon sehr beeindruckend!

https://youtu.be/mBVRmOcIgsw
https://youtu.be/XGzRDYRXSco

Beide Videos entstanden heute, 19. Mai, in Schwaan/Tannenberg.

Leichte Bestandserholung gegenüber 2017

Nachdem wir inzwischen in der zweiten Maihälfte angelangt sind, können wir eine erste Zwischenbilanz ziehen, denn Störche, die jetzt noch eintreffen, werden nur noch als Horstbesucher gezählt. Aktuell sieht es für den alten Landkreis Bad Doberan tatsächlich nach einer leichten Bestanderholung aus: momentan zähle ich 44 Horstpaare und zwei Einzelstörche (nach 38 Horstpaaren und einem Einzelstorch im Vorjahr). Das muss aber noch nicht gleichbedeutend mit dem Endergebnis sein, denn Voraussetzung, um als Horstpaar gezählt zu werden, ist eine mindestens vierwöchige, durchgängige Horstbindung vor dem 15. Juni. Zurzeit haben wir eine Reihe von Paaren, bei denen das noch sehr ungewiss ist. Dies hängt wiederum mit einer sehr hohen Zahl an Nichtbrüter-Paaren zusammen, die vermutlich auf einen neuen Höchstwert von über 25 Prozent steigen wird. Neben noch nicht ganz vorhandener Brutreife spielt hierbei sicher auch die anhaltend trockene Witterung eine Rolle. Seit Anfang Mai verzeichnete unsere Region gerade einmal 3mm Niederschlag. Und die Wettervorhersage prognostiziert auch weiterhin anhaltend trockene Wärme. Für die vielen Küken, die in den nächsten Tagen schlüpfen werden, sind das keine guten Nachrichten. Wir können nur darauf setzen, dass zumindest der anhaltend hohe Grundwasserstand mit entsprechend gut gefüllten Tümpeln und Teichen genügend Ausgleich bietet. Hier sind unsere Störche jetzt besonders häufig anzutreffen.

Im Einzelnen gab es bisher folgende Veränderungen gegenüber 2017:

Abgang:
- Albertsdorf (2017: HPo)
- Stubbendorf (2017: HPo)

Nur Einzelstörche:
- Hohen Schwarfs (2017: HPm2)
- Detershagen (2017: HPo)

Zuwachs:
- Kritzmow (zuletzt 2012: HE)
- Groß Bölkow (zuletzt 2017: HE)
- Göldenitz bei Schwaan (zuletzt 2010: HE)
- Göldenitz bei Dummerstorf (zuletzt 2015: HE)
- Wolfsberg (zuletzt 2015: HPo)
- Hohen Gubkow (zuletzt 2016: HE)
- Broderstorf I (zuletzt 2015: HPo)
- Groß Lüsewitz (zuletzt 2013: HPo)
- Dummerstorf (zuletzt 2015: HPo)
- Klingendorf (zuletzt 2016: HPm3)

Gleich 23 Störche bei Dummerstorf


Fünf von 23 Störchen, die am 12.5. bei Dummerstorf den Umbruch von Ackergras zur Nahrungssuche nutzten.

Schon seit Anfang Mai werden immer wieder kleinere und größere Storchentrupps aus dem Raum Dummerstorf/Bandelstorf gemeldet. Am gestrigen Samstag zählte ich dort gleich 23, als an der Dummerstorfer Abfahrt der A 20 eine große Fläche mit Ackergras umgebrochen wurde. Vier von ihnen waren beringt und konnten Aufschluss geben über die Zusammensetzung der Gemeinschaft. Erwartungsgemäß konnte ich zwei beringte Brutstörche von den beiden Pankelower Nestern feststellen. Für sie war der Weg zum "reich gedeckten Nahrungstisch" nur sehr kurz und offenbar lohnenswert. Die beiden anderen dürften noch nicht brutreife, vermutlich jüngere Störche gewesen sein. Einer stammt aus dem Einzugsbereich der Beringungszentrale Helgoland (DEW 3T348) und einer aus Polen (grün Z8887). Fast gleichzeitig entdeckte ich aufgrund eines Hinweises von Storchenfreund P. Hölper auch, dass das Dummerstorfer Nest mit zwei unberingten Störchen besetzt ist. Es war auch in der Vergangenheit öfter einmal von jungen Störchen belegt worden, zu einer Brut ist es aber nie gekommen.
Wenige Kilometer weiter, in Niekrenz, wurde ich bereits Zeuge von Fütterungen im Nest. Das dortige Paar war Ende März mit einem Abstand von einer Woche zum nächst vollständigen das früheste Paar in unserem Betreuungsgebiet. Kleine Schnäbel oder gar Köpfe ließen sich noch nicht ausmachen.
Auch in Rostock-Biestow dürften planmäßig gestern oder heute Küken geschlüpft sein. So stand die Störchin lt. Videoaufzeichnung der Webcam zwischen 14.24 und 14.37 Uhr durchgehend und beugte sich dabei tief ins Nest. Ein ganz ähnliches Verhalten gab es beim Männchen zwischen 15.56 und 16.08 Uhr.

Ein bunter Strauß an Neuigkeiten

In den letzten Tagen gab es bei unseren Störchen wieder eine ganze Menge neuer Nachrichten. Fangen wir mit dem weniger Erfreulichen an: in Ziesendorf fanden am 8. Mai heftige Storchenkämpfe statt. Drei Fremdstörche griffen das Brutpaar an. Leider gelang es ihnen, das gesamte Gelege aus dem Nest zu befördern. Demzufolge wird es hier 2018 keinen Bruterfolg geben - für ein Nachgelege ist es mit großer Wahrscheinlichkeit zu spät.


Schwaan II (Tannenberg), 10.5.18: rechts das einbeinige Männchen.

In Schwaan/Tannenberg hat das Männchen heute nun sein gesamtes rechtes Bein verloren. Ungeachtet dieser schweren Verletzung beteiligt es sich jedoch weiterhin am Brutgeschäft. Ob sogar Nachwuchs schlüpft, werden wir in der kommenden Woche erfahren.
Die übrigen Neuigkeiten sind durchweg positiver Natur. Im Zusammenhang mit dem Ende letzter Woche im Raum Bandelstorf beobachteten Storchentrupp sind offenbar mehrere Störche dort "hängen geblieben". Nach der Neuansiedlung Bandelstorf II und der Wiederansiedlung in Göldenitz bei Dummerstorf konnte nun auch in Wolfsberg ein vollständiges Paar festgestellt werden. Die Göldenitzer Störchin trägt den Ring DEH HN092 und wurde von uns 2014 nestjung auf dem (Wildstorch-)Baumhorst des Rostocker Zoos beringt.
Heute entdeckte ich eine weitere Neuansiedlung in Göldenitz bei Schwaan: seit etwa 14 Tagen hält sich dort ein Storchenpaar auf einer vor einigen Jahren neu aufgestellten Nisthilfe auf. Es wurde auch schon gebaut. Und schließlich meldeten auch die Anwohner aus Kambs ein komplettes Storchenpaar, das gestern dort eintraf. Sowohl in Göldenitz als auch in Kambs ist je ein Storch beringt - HR114 (Göldenitz) stammt aus Satow und HR117 (Kambs) aus Rostock-Biestow. Beide sind drei Jahre alt.
Und schließlich wurde nun doch noch das Nest in Volkenshagen von einem Storchenpaar besetzt.

Update 11.5.: Auch aus Hohen Gubkow wird jetzt eine Wiederansiedlung gemeldet - seit einer Woche sind lt. Information der Horstbetreuer zwei unberingte Störche am Nest.

Aufregung rund um Bandelstorf und Pankelow

Bereits seit Tagen werden aus dem Großraum Rostock Storchentrupps gemeldet. Allein 13 Störche waren es vorgestern am Ortsausgang von Rostock-Biestow, die dort nahrungssuchend beobachtet wurden. Während dieser Trupp wieder verschwunden ist, geht es in Bandelstorf, Pankelow und Umgebung zurzeit hoch her. Dort ist in den letzten Tagen schon viel gemäht worden - vielleicht ein Grund, warum dort täglich 8 bis 10 Störche beobachtet werden. Einige scheinen bleiben zu wollen, wie die neuesten Beobachtungen aus diesem Gebiet andeuten:
- Göldenitz (zuletzt besetzt 2015): seit 16.4. Einzelstorch, seit heute 2. Storch - erste gemeinsame Übernachtung
- Bandelstorf: ein zweites Paar versucht im Dorf Fuß zu fassen; von einer Nisthilfe hat sie das "Stammpaar" vertrieben, auf einer zweiten am Rittergut scheinen sie nach blutigen Kämpfen erst einmal geduldet zu werden
- Wolfsberg: ein unberingter Storch baut an der neuen Nisthilfe (auf gekapptem Nadelbaum)
- Pankelow: das am Sonntag eingetroffene Weibchen DEH HN057 scheint nun doch wieder auf den Nistmast gewechselt zu sein; dort sah ich die Vierjährige heute Abend - möglicherweise schon bei Brutvorbereitungen
Spannendes wird auch aus Rukieten gemeldet: dort übernachte in der vorangegangenen Nacht ein Storch auf dem alten Nest und zwei weitere auf einer Laterne. Es sieht so aus, dass jetzt doch noch Störche bei uns eintreffen, die - hoffentlich - auch hier bleiben wollen.


Bauender Storch auf neuer Nisthilfe Wolfsberg. 4.5.18

Zwischenbilanz zum 1. Mai: gebremster Optimismus

Während wir noch Mitte April davon ausgehen konnten, dass wir in diesem Jahr bei uns zumindest eine leichte Erholung des Weißstorchbestandes erleben werden, sind die Erwartungen inzwischen deutlich gedämpft. Aktuell zähle ich im Altkreis Bad Doberan 32 Horstpaare und 8 Einzelstörche - nach 38 Horstpaaren und einem Einzelstorch im Vorjahr, als wir das mit großem Abstand schlechteste Ergebnis aller Zeiten hatten. Mit rund 93 Prozent bestehen durchaus noch Aussichten auf das Erreichen des Vorjahresbestandes, aber viel mehr wird nicht drin sein. Dabei ist die Verteilung der Rückkehrdaten sehr auffällig: bis einschließlich 17. April waren bereits 67 Störche mit Horstbindung eingetroffen, in den folgenden 14 Tagen dagegen nur noch fünf! Daraus lässt sich schließen, dass die große Mehrheit der Störche tatsächlich nördlicher als in den Jahren zuvor überwinterte und dort auch gute Nahrungsbedingungen herrschten. Zusammen mit zumeist guten Zugbedingungen steuerten wir auf eine kompakt-frühe Rückkehr hin, bevor der heftige Wintereinbruch über großen Teilen Mittel-, Ost- und Südosteuropas Ende März dann für einen vorübergehenden Zugstau sorgte. Andererseits fehlt es (bis) jetzt an jungen, nachrückenden Störchen. Hier sind sehr wahrscheinlich die drei schlechten Überwinterungsjahre 2014/15 bis 2016/17 spürbar. Die Ostzieher-Jahrgänge 2014 bis 2016 dürften bereits erheblich ausgedünnt sein und ihre Vertreter uns jetzt fehlen. Im Altkreis Ribnitz-Damgarten sind die Zahlen ein klein wenig besser, aber auch hier fehlen noch einige Störche, um den Vorjahresbestand zu erreichen.

Neues vom Schwaaner Tannenberg

Es gibt Neuigkeiten von unserem Schwaaner Sorgenkind, das eine schwere Verletzung seines rechten Ständers erlitten hat. Das Bein hat sich weiter verfärbt, ist sicher größtenteils bereits nekrotisch. Aber dem Storch geht es den Umständen entsprechend ganz gut. Er wird in einer Kleingartenanlage gefüttert und ist weiter voll flugfähig. Und trotz seines großen Handicaps beteiligt er sich weiter regelmäßig am Brutgeschäft. Die Hauptlast trägt dabei die Störchin. In etwa zweieinhalb Wochen wissen wir, ob die Eier sogar befruchtet worden sind. Der Überlebenswille ist bewundernswert. Das Paar wird von besorgten Storchenfreunden täglich beobachtet.


Kritzmow. Foto: T. Sandhoff, 29.4.18

Unterdessen sind gestern und heute die jeweils zweiten Störche in Kritzmow, Zarnewanz, Pankelow II und Klingendorf eingetroffen. Auch in Göldemitz ist jetzt wieder regelmäßig ein Storch am Nest zu sehen, der dort aktuell auch übernachtet.

Was ist in Volkenshagen los?

Über viele Jahre zählte der Standort Volkenshagen zu den erfolgreichsten im gesamten Bereich DBR. Regelmäßig wurden drei oder vier Jungstörche groß, 2017 war es einer. Weite Wiesenflächen prägen das Brutrevier. Das hat sich auch in diesem Jahr nicht geändert. Das Nahrungsangebot dürfte weiterhin gut bis sehr gut sein. Aber irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Seit März wurden immer wieder einzelne Störche am Nest beobachtet, zeitweise auch einmal zwei. Gebaut wurde allerdings nicht und jetzt ist das Nest seit fast zwei Wochen gänzlich unbesetzt. Volkenshagen ist außer Albertsdorf und Kambs das einzige im Vorjahr besetzte Nest, das jetzt noch ganz leer ist. Ich halte es für wahrscheinlich, dass zumindest das Vorjahresmännchen nicht zurückgekehrt ist. Von ihm wären auf jeden Fall Bauaktivitäten zu erwarten gewesen. Möglicherweise hat ein Weibchen einige Zeit lang "gewartet" und ist dann weitergezogen. Neue Störche könnten sich daran stören, dass es hier inzwischen ein sehr hohes Aufkommen an Greifvögeln und an Kolkraben gibt. Sie werden angelockt durch den vor einigen Jahren in unmittelbarer Nähe entstandenen Bio-Hühnerhof, auf dem freier Auslauf herrscht. Als ich gestern das Nest kontrollierte, zeigte sich nicht nur hoher Grasbewuchs, sondern ein Sperber, der offenbar nach Sperlingen im Nest Ausschau hielt. Auf dem nächsten Baum ruhte ein Schwarzmilan. Regelmäßig steuern auch Rotmilane den Hühnerhof an. So bleibt nur zu hoffen, dass sich doch noch ein Storchenpaar findet, das das Nest annimmt.

Wie schon im Vorjahr - viele Einzelstörche warten noch auf einen Partner

Schon 2017 war aufgefallen, dass Ende April im alten Landkreis Bad Doberan ungewöhnlich viele Störche noch auf einen Partner - in den allermeisten Fällen sicher auf eine Partnerin - warten. Dieses Phänomen, das in so starker Ausprägung sonst eher selten ist, gibt es nun auch in diesem Jahr. Während im benachbarten Altkreis Ribnitz-Damgarten gerade einmal drei Einzelstörche bekannt sind, hoffen im Bereich DBR (Bad Doberan) aktuell gleich 13 Störche auf die möglichst baldige Verpaarung mit einem Artgenossen. Die letzte "Verpaarung", die dauerhaft hielt, liegt bereits neun Tage zurück (17.4., Niendorf). Nun wird es langsam wirklich Zeit, denn die Statistiken der letzten Jahre zeigen, dass Paare, die erst im Mai zusammenfinden, zumindest bei uns nur noch selten Bruterfolg haben.
Gestern Abend war das Nest in Bröbberow leider verwaist, es sah auch so aus, als ob die Störche hier schon vor längerer Zeit weitergezogen sind. Dafür trafen neue Meldungen von Einzelstörchen aus Pastow, Klingendorf und Vorder Bollhagen ein. Aktuell 28 Horstpaare und 13 Einzelstörche lassen trotz der Flaute der letzten Tage durchaus noch auf eine Verbesserung des Vorjahresergebnisses (38 Horstpaare hoffen). Denn am Ende blieb damals nur ein einziger Einzelstorch übrig. Die anderen hatten alle noch Partner gefunden.
Mit Ausnahme von Reinshagen (wie in den Jahren zuvor erneut keine Anzeichen von Brut feststellbar) dürften die bereits vollständigen Paare inzwischen fast alle mit der Brut begonnen haben. Den ersten Nachwuchs erwarten wir in etwa zum ersten Mai-Wochenende in Niekrenz.

Stockende Rückkehr

Wie schon in anderen Jahren, stockt nach dem Abebben der Hauptwelle seit etwa einer Woche die Rückkehr der übrigen Weißstörche, wobei dies vor allem für den Altkreis DBR und weniger den Nachbarkreis RDG gilt. In den letzten Tagen wurden nur ganz vereinzelt Rückkehrer gemeldet. Dies spiegelt sich übrigens auch ganz gut in den Daten der 13 besenderten Störche aus Nord- und Ostdeutschland wider. Als bisher letzte (und insgesamt elfte) traf die Tansania-Überwintererin "Lilly" am 12. April in Schleswig-Holstein ein. Danach tat sich auch dort eine Lücke auf. Nun sind noch zwei Senderstörche unterwegs, die beide im südlichen Afrikas überwintert hatten. Dort waren die Bedingungen in diesem Jahr deutlich schlechter als weiter nördlich, was vielleicht auch den späten Aufbruch erklären mag. Und der Weg aus Botswana bzw. Simbabwe nach Nordostdeutschland ist natürlich auch viel weiter als der aus dem Sudan. Jedenfalls wurde HL440 heute aus dem Norden Bulgariens gemeldet, während HL437 zurzeit in Israel rastet. Beide werden erst zwischen Anfang und Mitte Mai zurückerwartet. Wir können generell davon ausgehen, dass die Südafrika-Überwinterer größtenteils noch unterwegs sind. Ebenso fehlen bei uns noch die jungen, unerfahrenen Drei- und Vierjährigen. Auch sie treffen üblicherweise erst im letzten April-Drittel sowie im Mai bei uns ein. Jedenfalls konnten bisher weder im Betreuungsgebiet DBR noch im Bereich RDG entsprechende Ringträger festgestellt werden. Apropos Ringträger: im alten Landkreis Bad Doberan trafen bisher 10 von 14 Ringträgern des Vorjahres ein. Zwei ältere und zwei jüngere Ringstörche fehlen noch (in Petschow, Ziesendorf, Klein Schwaß und Albertsdorf). Mit gut 70 Prozent ist die bisherige, vermutlich noch nicht endgültige Quote schon annähernd im Normalbereich.
Unterdessen hat in vielen Nestern die Brut begonnen. Überraschenderweise gehört dazu auch der Standort Schwaan II, wo das Männchen aufgrund einer schweren Beinverletzung gehandicapt ist. Die sehr aufmerksame Beobachterin vor Ort vermeldet, dass ungeachtet dessen das Paar seit dem 13. April brütet. Dabei übernimmt das gesunde Weibchen ganz überwiegend das Brutgeschäft. Ob die Eier tatsächlich befruchtet werden konnten und wie lange das Männchen noch durchhält, bleibt abzuwarten. Dass es einen außerordentlich staken Überlebenswillen besitzt, steht für mich außer Frage. In Rostock-Biestow konnte bisher ein sehr ruhiges Brutgeschäft beobachtet werden. Angriffe der letztjährigen Störchin auf das Nest konnte ich auch in den Webcam-Aufzeichnungen noch nicht feststellen.

Update 23.4.: Heute erhielt ich die Meldung, dass auch die vierjährige Störchin HN066 gesund zurückgekehrt ist. Sie ist nach Hohen Sprenz (GÜ) umgesiedelt. 2017 war sie noch in Albertsdorf bzw. Broderstorf I.

Mehrere Wiederansiedlungen machen Hoffnung


In Kritzmow baut seit 14.4.18 ein Storch am Nest (zuletzt besetzt mit Einzelstorch 2012)

Die Hoffnung auf eine Erholung unseres Weißstorch-Bestandes wächst - in den letzten Tagen wurden jetzt auch die ersten Wiederansiedlungen festgestellt. Dass sie schon Mitte April (und nicht erst im Mai) auftreten, ist ein sehr positives Zeichen, denn wir erwarten ja noch mindestens zwei Wochen lang Zuzug an die Nester. Das bedeutet auch, dass wir in diesem Jahr ganz besonders genau hinschauen müssen, denn es sind natürlich auch Neuansiedlungen denkbar. Folgende Wiederansiedlungen erscheinen momentan stabil:
- Broderstorf I (zuletzt 2015): Ankunft 7.4. und 14.4.
- Groß Lüsewitz (zuletzt 2013): Ankunft: 6.4./14.4.
- Bröbberow (zuletzt 2013): Ankunft 6.4./15.4.
Darüber hinaus wurden Einzelstörche dieser Kategorie in Göldenitz und Kritzmow beobachtet. In den nächsten Tagen sind wieder günstige Witterungsbedingungen für die etwas späteren Heimkehrer vorhergesagt.

Gleich drei Störche haben "Beinprobleme" - Moitiner Männchen zieht nach Ostvorpommern um

Neben dem Männchen vom Nest Schwaan II, über dessen Schicksal wir schon ausführlich berichtet haben, scheinen noch zwei weitere Störche Probleme mit einem ihrer Ständer zu haben. So wurde sowohl aus Kröpelin als auch aus Hohen Schwarfs berichtet, dass die dortigen Einzelstörche ein Bein nachziehen bzw. es nicht voll belasten. Darin könnte auch ein Grund liegen, dass sich jeweils noch keine Partnerin eingefunden hat. Alle drei Störche sind voll flugfähig, sodass wir zumindest bei den beiden letztgenannten nur hoffen können, dass es keine schwere Verletzung, sondern vielleicht nur eine Prellung ist.
Inzwischen zeigt sich, dass noch an weiteren Nestern Veränderungen stattgefunden haben. Längst nicht alle Störche, die während des "Storchen-Booms" vom 4. bis 8. April bei uns eintrafen, sind auch geblieben. Das gilt neben Detershagen auch für Moitin. Ab und an schaut der Storch, der das Nest zunächst etwas ausgebaut hatte, noch vorbei, es sind aber nur kurze Stippvisiten. Zu vermuten ist, dass er irgendwo in der Umgebung ein anderes Nest besetzt hält. Ein solches Verhalten würde nicht zu einem Storch mit mehrjähriger Horstbindung passen. Und in der Tat ist der Moitiner Storch neu, denn sein beringter Vorgänger DEW 9X427, der 2016 und 2017 den Brutplatz besetzt hielt (und 2015 im Nachbarort Kirch Mulsow war), wurde heute von J. Köhler in Groß Kiesow, südlich von Greifswald, abgelesen. Dort ist er schon seit einigen Tagen mit einer unberingten Störchin verpaart. Eine solche Umsiedlung über eine Distanz von mehr als 100 Kilometern ist eher ungewöhnlich. Auch hier aber gilt: kommt der Horstinhaber des Vorjahres verspätet zurück, könnten die Karten noch einmal neu gemischt werden.


Tierfreunde versorgen das stark gehandicapte, bemitleidenswerte Schwaaner Weißstorchmännchen in einer Kleingartenanlage. Sein Zustand ist unverändert. 14.4.18

Kompakte Rückkehr - aber nicht alle bleiben


Ein Unberingter verteidigt nach der ersten Übernachtung sein Nest in Klein Schwaß. Foto: A. Hornburg, 12.4.18

Die Haupteinflugphase der ostziehende Störche scheint vorüber zu sein. In den Tagen vom 4. bis zum 8. April ist allein im Altkreis DBR mit etwa 40 Störchen mehr als die Hälfte des gesamten Vorjahresbestandes eingetroffen. Diese kompakte Rückkehr, die wir zuletzt 2014 beobachten konnten, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: günstige Überwinterungsbedingungen in Afrika und früher Aufbruch dort, Zugstau an den Karpaten nach Wintereinbruch in der Woche vor Ostern und sehr gute Zugbedingungen in Ost- und Mitteleuropa seit Anfang April. Dadurch trafen viele Störche fast zeitgleich bei uns ein. Mittlerweile haben auch elf von 13 nord- und ostdeutschen Senderstörchen ihre Nester erreicht, die meisten ebenfalls in den letzten Tagen. Einige von ihnen hatten so günstige Bedingungen, dass sie vom Bosporus bis nach Schleswig-Holstein gerade einmal acht Tage benötigten. Das ist im Vergleich mit anderen Jahren extrem wenig. Selbst die in Tansania überwinternde Störchin "Lilly" ist mit Unterstützung durch viel Thermik und Rückenwind bereits zurück an ihrem Nest in Gribbohm.
Zu einer solchen kompakten Rückkehr gehört aber auch, dass nicht alle Störche, die zunächst an einem Nest gesehen werden, dort auch bleiben. Es waren mit Sicherheit auch etliche "Fremde" darunter, die inzwischen weitergezogen sind. So sind bei uns z. B. die Störche in Volkenshagen, Wendfeld, Niendorf, Kröpelin und Broderstorf I wieder allein, in Heiligenhagen kam heute nach einigen Tagen mit nur einem Storch wieder ein zweiter dazu. In allen Fällen sind die Chancen aber sehr gut, dass sich noch ein Partner findet. Schließlich haben wir erst den 12. April und der Einzug der Störche wird sich noch mindestens vier weitere Wochen lang fortsetzen, wenn auch sicher in abgeschwächter Form. Die aktuelle Zwischenbilanz ist sehr erfreulich: im Altkreis Bad Doberan mit seinen 38 HPa im Vorjahr sind momentan bereits 37 Nester besetzt, davon 24 mit einem Paar. Eine Rückkehrquote von nahezu 80 Prozent schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison lässt auf einen Wiederanstieg unseres in den letzten Jahren so stark geschrumpften Storchenbestandes hoffen.
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/1864
Dementsprechend ist auch der Ausblick auf die Brutsaison erst einmal optimistisch - viele frühe Paare sind häufig eine gute Basis für überdurchschnittlich viel Nachwuchs gewesen. Wir konnten mittlerweile auch schon 8 der 14 beringten Störche bei uns begrüßen, die im Vorjahr hier Nestbindung hatten. Weitere Kontrollen stehen noch aus.
Und bei unserem neu zusammen gesetzten Storchenpaar in Rostock-Biestow wird seit dem 10. April fest gebrütet. Es gibt bisher keinerlei Hinweise, dass die Vorjahresstörchin versucht hätte, das Nest zurückzuerobern. Aber Vorsicht! 2017 traf sie erst am 15. April ein.

31 aus 39 - erfreulich starker Einflug

In den letzten Tagen hat sich der erfreulich starke Einflug von Störchen in unserem Betreuungsgebiet DBR fortgesetzt. Mittlerweile kommen wir auf mindestens 51 Rückkehrer, das sind schon zwei Drittel des Vorjahresbestands. Für einen 8. April ist das ein wirklich gutes Ergebnis, deutlich besser als in den letzten drei Jahren. Wenn man sich die Rückkehrorte im Detail anschaut, dann sind es bisher ausschließlich Nester, die auch schon 2017 besetzt waren. Davon hatten wir im alten Landkreis Bad Doberan 39, jetzt sind es bisher 20 Paare und 11 Einzelstörche, demzufolge ergibt die Rechnung 31 aus 39! Nur noch acht Nester sind gänzlich leer, was sich aber in den letzten Stunden auch schon wieder geändert haben kann.
Details gibt es hier:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/1864
Ein wesentlicher Grund für dieses positive Zwischenergebnis ist mit Sicherheit die für Störche äußerst attraktive Beschaffenheit der Nahrungsflächen. Im gesamten Altkreis gibt es zahllose ausgedehnte Überschwemmungsflächen - Folge starker Regenfälle im März und der Schneeschmelze vom letzten Wochenende (da lagen noch 30cm Neuschnee). So blicken die beiden Brutstörche in Neu Rethwisch (links im Bild die schwedische Ringträgerin SVS 1899) dann auch auf riesige, flach überflutete Wiesenflächen. Dort hielten sich heute zahlreiche Wasservögel auf. Die Störche wird es freuen und ihren Bruttrieb hoffentlich verstärken. Im Ergebnis könnten dieses Jahr zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert im ehemaligen Storchenparadies Conventer Niederung Jungstörche flügge werden.


Conventer Niederung (Ausschnitt), 8.4.18

Erste starke Rückkehrerwelle erreicht unsere Region


Seit einem Tag zurück: Petschow, 5.4.18. Foto: A. Schwart

Seit gestern hat nun die erste starke Rückkehrerwelle auch unsere Region erreicht. Mit bisher 29 zurückgemeldeten Störchen (davon 13 gestern und heute) steuern wir im Altkreis DBR aktuell auf die Marke von 40 Prozent Rückkehrern zu. Vermutlich wird sie sogar schon überschritten sein, denn wir erhalten nicht von allen Horsten immer sogleich eine Information. Mit zehn Paaren und elf Einzelstörchen ist erst einmal ein guter Anfang gemacht. Und besonders zum Wochenende hin werden weitere Rückkehrer folgen, denn es sind ideale Zugbedingungen mit strahlendem Sonnenschein und strammem Südostwind vorhergesagt. Auch zwei bekannte Ringstörche dürften unter den Rückkehrern sein. Aus Benitz wurde die aus Niedersachsen stammende Störchin DEW 5X443 gemeldet (sie brütet dort seit 2013) und in Neu Rethwisch ist mit großer Wahrscheinlichkeit die schwedische Störchin SVS 1899 zurück. Da auch schon verschiedene kleinere Auseinandersetzungen um die Nester gemeldet wurden, sind offenbar auch schon Störche dabei, die hier neu sind. Von oben betrachtet müsste unsere Region wie eine kleine Seenplatte aussehen. Nach den starken Niederschlägen der letzten Zeit stehen viele Äcker und Wiesen großflächig unter Wasser. Die Störche werden durch solche Bedingungen eher angelockt, versprechen sie doch langfristig gute Nahrungsverhältnisse.
Weitere interessante Details gibt es unterdessen auch von der beringten Störchin H9835, die auch weiterhin am Biestower Nest zu beobachten ist. Eine Nachfrage bei Storchenbetreuer R. Schmahl in der Schaalsee-Region ergab, dass sie vermutlich schon am 24. März am Nest in Krohnshof war und damit doch sehr wahrscheinlich aus dem Westen kam. Ihr dortiger Partner ist momentan allein am Nest, das sie demnach wohl freiwillig geräumt hat. Freundlicherweise darf ich hier zwei Fotos wiedergeben, die H9835 mit ihrem "Verflossenen" bei Krohnshof zeigt und zugleich anschaulich macht, dass Störche durchaus auch einmal ein Vollbad nehmen.


Krohnshof/LWL, 27.3.18. Vorne im Bild: DEH H9835, jetzt Rostock-Biestow. Fotos: R. Schmahl

Wiedervereinigung in Schwaan - H9835 weiter in Biestow

Am Nest am Schwaaner Tannenberg ist heute die Störchin eingetroffen. Dem Verhalten nach spricht vieles dafür, dass es die vertraute Partnerin des Vorjahres ist. Es gab freudiges Begrüßungsklappern, kein langsames "Herantasten", wie es sonst üblich gewesen wäre. Allerdings hindert die schwere Beinverletzung das beringte Männchen zu "mehr" - und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Ich würde vermuten, dass es noch zu einem Wechsel kommt und er früher oder später von einem anderen (gesunden) Männchen verdrängt wird.
Unterdessen tut unser männlicher Biestower Storch offenbar alles, um seinem neuen Weibchen H9835 zu imponieren. Wie ein Weltmeister schleppt er Nistmaterial heran und polstert das Nest aus. Die beringte Storchendame hat die letzte Nacht tatsächlich mit im Nest verbracht und plant dies offenbar auch für die jetzt beginnende. Tagsüber war sie viel unterwegs, zwischendurch aber auch immer wieder mal am Nest. Es bleibt an beiden Nestern spannend - wir werden berichten!

Eine fremde Storchendame im Biestower Webcam-Nest

Am heutigen Ostermontag stand nachmittags erstmals ein zweiter Storch mit im Webcam-Nest Rostock-Biestow. Ein Blick auf die Beine verriet allerdings sofort, dass es sich nicht um die Vorjahresstörchin handeln konnte. Die war nämlich unberingt, während die "Neue" links oben einen ELSA-Ring trug. Ich konnte die Ringnummer identifizieren: DEH H9835 wurde 2010 in Wahrenberg/Sachsen-Anhalt, einem Storchendorf an der Elbe, beringt. 2014 war sie in Werben (Elbe) Brutvogel, 2016 und 2017 (mit jeweils drei flüggen Jungstörchen) dann in Poggelow bei Teterow. Und am 27. März diesen Jahres wurde sie - zusammen mit einem unberingten Partner - in Krohnshof/LWL abgelesen. Es handelt sich also offenbar um eine recht "umtriebige" Storchendame. Dieses Vorurteil bestätigte sie auch sogleich, schritten beide doch alsbald zur Paarung. Nun ist es spannend, was passieren wird: bleibt die Beringte (vielleicht eine Westzieherin?) dauerhaft in Biestow oder ist sie eigentlich nur auf der Durchreise nach Poggelow? Wie wird die vorjährige Biestower Brutstörchin reagieren, wenn sie möglicherweise demnächst zurückkehrt? Da wären erbitterte Kämpfe vorprogrammiert. Dank der Webcam werden wir es recht genau verfolgen können.

Kein Aprilscherz: 30 Zentimeter Neuschnee am 1. April


Rostock-Biestow, 1.4.18, 2:00 Uhr. www.biestow-info.de

Das Wetter in unserem Betreuungsgebiet ist weiterhin spätwinterlich. 30 Zentimeter Neuschnee sind in den letzten 24 Stunden gefallen. Tief verschneit zeigen sich auch die Storchennester, auf denen die früh zurückgekehrten "Rotstrümpfe" ausharren. Eine Gefahr zu verhungern besteht für sie trotz der Schneemassen nicht. Selbst der Nordosten Deutschlands steht vor einem kräftigen Temperaturanstieg um bis zu 20 Grad innerhalb der nächsten drei Tage. So lange werden die Störche durchhalten. Es wird eine massive Schneeschmelze geben, und die Felder und Wiesen werden für längere Zeit sehr feucht sein. Eigentlich sollte das mittelfristig betrachtet sogar recht gute Voraussetzungen für ein gutes Nahrungsangebot während der Aufzuchtzeit des Storchennachwuchses nach sich ziehen. Aktuell sind im Altkreis Bad Doberan mindestens 13 Störche zurück, im Altkreis Ribnitz-Damgarten wurden schon 17 zurückgemeldet.
Die angekündigte warme Frühlingsluft wird voraussichtlich auch die zur Zeit noch in Südosteuropa befindlichen Störche "beflügeln". Ich rechne mit einem starken Einflug spätestens zum nächsten Wochenende. Inzwischen sind unter guten Zugbedingungen über dem Nahen Osten und der Türkei auch schon viele weitere Storchengruppen bis an die Südkarpaten vorangekommen. Die dort noch verbliebenen Störche aus dem Wintereinbruch von vor etwa 14 Tagen werden sich vermutlich anschließen. Während mit dem NABU-Storch "Michael" der dritte von (noch) 13 nord- und ostdeutschen Senderstörchen gestern an seinem Stammnest in Bargen/Schleswig-Holstein eintraf, sind sechs weitere bereits in Südosteuropa, während "Robert" und "Lilly" gerade die Türkei durchqueren. Noch im Sudan befinden sich die beiden Schlusslichter, die vom Storchenhof Loburg besenderten Störche HL440 und HL437. Mit ihrer Rückkehr ist nicht vor Anfang Mai zu rechnen.


Schwaan II, 30.3.18

Noch vor dem neuerlichen Wintereinbruch war ich am Karfreitag am Storchennest Schwaan II und konnte dort den am Bein verletzten Storch längere Zeit beobachten. Es stellte sich heraus, dass es doch das beringte Männchen der Vorjahre ist. Der Storch ist weiter voll flugfähig und frisst auch, obwohl er sich nur auf einem Bein hüpfend fortbewegen kann. Die Beinverletzung (vermutlich eine Fraktur im oder oberhalb des Intertarsalgelenks) ist so gravierend, dass eine Heilung als ausgeschlossen gelten muss. Das ergaben auch Rückfragen bei ausgewiesenen Fachleuten anhand von aussagefähigen Fotos. Es ist immer eine Gewissensfrage, wie man mit solch einem Tier umgeht. 2014 haben wir gerade diesen Storch eingefangen, da war er aber nur leicht verletzt und ihm konnte konkret geholfen werden. In den Jahren danach zog er zwölf Jungstörche groß! Wir haben uns entschlossen, jetzt nicht einzugreifen. Der Storch ist voll flugfähig und praktisch nicht einzufangen. Ich möchte ihm auf jeden Fall zusätzlichen Stress und Angst ersparen. Es ist ein sehr trauriges Schicksal, aber auch das gehört leider zur Natur.

Der Zugstau an den Karpaten löst sich auf

Während es bei uns in den nächsten Tagen noch wenig frühlingshaft ist, gibt es in Südosteuropa einen kräftigen Temperaturanstieg und viel Sonnenschein. Das ist der Moment, auf den die dort seit etwa zehn Tagen rastenden Störche gewartet haben. Bereits heute haben sich die ersten besenderten Störche auf den Weg gemacht, und in den nächsten Tagen wird sich dieser Trend noch deutlich verstärken. Ich denke, in acht bis zehn Tagen werden wir sie in ihren nord- und ostdeutschen Brutgebieten begrüßen dürfen. Auch die bulgarischen Storchenfreunde, die etwa 100 Tiere von den Folgen des Eisregens befreit und noch eine Zeitlang versorgt hatten, haben die Zeichen der Natur erkannt und ihre Schützlinge wieder dorthin entlassen, wo sie hingehören - in die Freiheit. Die beiden früh aufgebrochenen Senderstörche "Jonas" und "Blue" haben wie erwartet gestern ihre vorjährigen Brutplätze im Drömling bzw. in Neu Bleckede/Elbe erreicht. Damit sind jetzt noch elf "unserer" ostziehenden Senderstörche unterwegs.
Unterdessen müssen doch schon deutlich mehr Störche als gedacht vor dem Wintereinbruch die Südkarpaten überwunden haben. Jedenfalls gibt es seit dem Wochenende an jedem Tag neue Meldungen von frisch an ihren Nestern eingetroffenen Störchen. Im Altkreis Ribnitz-Damgarten sind es bereits mindestens 17, in meinem Betreungsgebiet (DBR/HRO) mindestens elf. Darunter sind neben zwei kompletten Paaren in Niekrenz und Reinshagen Einzelstörche in Rostock-Biestow, Kröpelin, Schwaan II, Niendorf, Wenfeld, Berendshagen und Kowalz. Wir dürfen gespannt sein, wie rasch sich die Nester nun füllen werden. Wie gesagt, mit einer größeren Welle rechne ich eher erst zum übernächsten Wochenende.

Ab sofort gibt es wieder unsere bewährten Ankunftskarten, wo man sich über alle Veränderungen informieren kann:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/1864 (DBR/HRO)
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/819 (RDG)

Unsere ersten Ostzieher sind da

Da bin ich mir ziemlich sicher - bereits gestern sind unsere ersten Ostzieher eingetroffen! Sie müssen zu denjenigen Störchen gehören, die die Karpaten bereits hinter sich gelassen hatten, als der heftige Wintereinbruch erfolgte. Dort wird übrigens auch jetzt noch weiter gerastet. Das zeigen die aktuellen Daten von fünf der besenderten Störche, die sich alle in Ungarn bzw. Südrumänien aufhalten.
Nun zu unseren Störchen: In Niekrenz traf gestern der erste und heute der zweite ein. Dieser Standort ist in den letzten Jahren immer ganz früh mit den ersten Ostziehern besetzt gewesen. Das dürfte jetzt hier auch der Fall sein. Noch sicherer ist der zweite Fall. Am Nest Schwaan II (Tannenberg) traf gestern der erste Storch ein - und zeigte sich kurz darauf mehrfach an ganz vertrauten Stellen. Aus seinem Verhalten geht deutlich hervor, dass es einer der beiden Brutstörche des Vorjahres sein muss. Leider hat dieser Storch ein noch nicht näher geklärtes Problem mit dem rechten Bein. Er belastet es nicht, steht immer nur auf dem linken Bein. Immerhin kann er das verletzte Bein anziehen, sodass das Hüftgelenk wohl nicht ausgekugelt sein dürfte. Es kommt eine schwere Verstauchung in Frage, ebenso natürlich auch eine Fraktur. Da der Storch voll flugfähig ist und sich ernährt, bleibt jetzt nichts anderes übrig als ihn weiter zu beobachten. Sollte sich sein Zustand verschlechtern und er nicht mehr flugfähig sein, würden wir versuchen, ihn einzufangen und in die Tierklinik zu bringen. Noch wissen wir nicht, ob es das Männchen oder das Weibchen ist. Dieses hatte ganz am Ende der letzten Brutsaison ebenfalls Probleme mit dem rechten Ständer, schien sich jedoch noch vor dem Abflug in den Süden erholt zu haben.
Weiterhin gemeldet wurden die jeweils ersten Störche in Forkenbeck/RDG und Altenwillershagen/RDG.

Update 26.3.: Bei dem verletzten Storch am Nest Schwaan II handelt es sich um die - unberingte - Vorjahresstörchin. Das verletzte Bein ist bereits deutlich dunkler als in gesundem Zustand, stellte eine aufmerksame Storchenbeobachterin fest. Damit müssen wir annehmen, dass es sich doch um eine schon alte Verletzung handelt, an der die Störchin vermutlich schon seit letztem Sommer laboriert. Eine kurzfristige Besserung ihres Zustandes ist daher eher nicht zu erwarten, ebenso wenig eine erfolgreiche Beteiligung am Brutgeschäft. Andererseits hat sie die höchst anstrengenden Monate des Zuges unter diesen Voraussetzungen überlebt. Die Perspektive ist nicht günstig...

Weiterhin Zugstau an den Südkarpaten

Auch in den letzten Tagen gab es weitere Schneefälle und eine insgesamt winterliche Witterung in weiten Teilen Südosteuropas. Das hat dazu geführt, dass ein Großteil der frühen Ostzieher (nach vorheriger Zugumkehr) auch weiterhin am Rande der Südkarpaten rastet. Die Störche haben sich in unterschiedlich großen Gruppen weiträumig verteilt und nach geeigneten Plätzen (z. B. Deponien oder offenen Flussläufen) Ausschau gehalten. Hier versuchen sie ihren Energieverbrauch zu reduzieren und auf besseres Wetter zu warten. In verschiedenen Regionen Bulgariens, Rumäniens und der Ukraine haben Menschen begonnen, den Storchentrupps Nahrung anzubieten. Wenn die Wettervorhersagen richtig liegen, soll es zum Osterwochenende zu einer grundlegenden Umstellung der Großwetterlage und einem Hochdruckgebiet über dem Balkan kommen. Warme südliche Winde würden dann ideale Voraussetzungen für den Weiterzug der Störche bieten. Vielleicht versuchen sie es aber auch schon vorher, denn der Zugtrieb (in Richtung heimatliches Brutrevier) ist in dieser Jahreszeit stark ausgebildet.
Einige Störche hatten die Südkarpaten schon hinter sich gelassen als der Wintereinbruch einsetzte. Auch sie haben zwischenzeitlich gerastet, profitieren nun aber von Wetterbesserung weiter nördlich. So hat Senderstorch "Jonas" (der Israel-Überwinterer) nach einigen Tagen der Zwischenrast in Österreich heute Franken erreicht. Er wird morgen oder übermorgen an seinem vorjährigen Nest im Drömling/Sachsen-Anhalt zu erwarten sein. Auch der Storch "Blue" (Stork Foundation) ist zuletzt wieder gut vorangekommen. Vom südlichen Polen aus trennen ihn jetzt nur noch etwa 550 Kilometer von seinem Ziel in der niedersächsischen Elbtalaue. Ich denke, in drei bis vier Tagen könnte er es geschafft gaben. Mit ihm wird dann der erste kleine Schwung Ostzieher in Nord- und Ostdeutschland erwartet. So wie es jetzt aussieht, könnte dann in der Woche nach Ostern die erste richtige Welle folgen.
Unterdessen kann ich für den Altkreis Bad Doberan den dritten Rückkehrer vermelden. Er traf bereits am 20. März in Niendorf ein. Es wird ein Westzieher sein und damit vermutlich ein dort neuer Storch.

Neues aus Bulgarien

Heute waren Mitarbeiter eines bulgarischen "Wildlife Rescue Centres" im Nordosten des Landes unterwegs. Dort hauptsächlich scheint es für die Störche Probleme zu geben (während es weiter im Süden Bulgariens heute schon wieder 6 bis 11 Grad warm war). Die Aktion wurde auf der Facebook-Seite der Organisation in etwa so beschrieben (Basis: Google Übersetzer):
(Unser Ziel ist es, alle Häuser zu besuchen, in denen es Störche gibt [soll wohl heißen: vorübergehend untergebracht wurden]. Das Team hat zwei Tierärzte dabei und wird die Vögel überprüfen und entscheiden, welche von ihnen in einem wirklich schlechten Zustand sind und spezielle Hilfe benötigen. Diese Vögel werden in das Rettungszentrum transportiert, wo sie untergebracht und behandelt werden. Vögel in einem guten Zustand werden gleich freigelassen. Wir lassen genug Fisch zurück, damit wir es den Menschen leicht machen können [sie noch eine Zeit lang zuzufüttern?]. All dies ist natürlich mit den zuständigen Behörden [im Rahmen der bestehenden Gesetze?] vereinbart worden.)
Dann folgen etliche Fotos und Videos mit den eingefangenen Störchen, die heute (und in den letzten Tagen) vor Ort aufgenommen wurden. In zwei Fällen sind auch beringte Störche abgebildet. Einer von ihnen trägt den Ring DEW 9X039, wurde 2011 im Landkreis Lüchow-Dannenberg beringt und ist seit Jahren Brutvogel in Götemitz auf der Insel Rügen. Hoffen wir, dass die Störche in den nächsten Tagen ihren Zug nach Norden fortsetzen können.
https://ze.tt/wie-ein-bulgarisches-dorf-zugvoegel-vor-dem-erfrieren-rettet/


Gesamtansicht Storchennest Rostock-Biestow, 21.3.18

Auch vom Biestower Storch gibt es Neuigkeiten. Er scheint tatsächlich einen Bezug zum Zoo Rostock zu haben, möglicherweise war er dort früher Brutvogel am Baumhorst Vogelhaus. In diese Richtung weisen Ankunftsdaten der letzten Jahre. Jedenfalls wurde am Montag von dort ein Storch gemeldet, ich denke nicht, dass es ein zweites Individuum ist, sondern unser Biestower war. Nachdem er die letzte Nacht "außer Haus" verbracht hat, liegt er heute Abend brav in seinem Nest, das er heute weiter ausgebaut hat.

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