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Spätbruten komplett ohne Erfolg

Zarnewanz, 26.6.16

Diese beiden Jungstörche in Zarnewanz sind vermutlich die jüngsten, die sich momentan in den Nestern des Altkreises Bad Doberan befinden. Da sie allerdings bereits rund drei Wochen alt sind, heißt dies zugleich, dass sämtliche Spätbruten in diesem Jahr gescheitert sind (es sei denn, das vom Schlupftermin her überfällige Neuansiedlungspaar in Sildemow hat noch sehr späten Erfolg). Genauer gesagt hatte kein einziges Paar Bruterfolg, das nach dem 18. April zusammengefunden hatte! Dies ist im langjährigen Vergleich schon sehr ungewöhnlich. Hier zeigen sich besonders deutlich die gravierenden Auswirkungen der lang anhaltenden Trockenheit im Mai und in der ersten Juni-Hälfte. 2015 brachten dagegen noch etliche Paare Nachwuchs zum Ausfliegen, die erst im Mai eine feste Horstbindung eingegangen waren.
Unter dem Strich gibt es zurzeit nur in 18 Nestern Nachwuchs, elf Paare brachen die Brut ab, zwölf Paare verloren ihren gesamten Nachwuchs und drei Paare hatten gar nicht erst mit der Brut begonnen. Das 45. Paar ist das in Sildemow. Die HPo-Quote liegt damit bei deprimierenden 60 Prozent. Die Anzahl der Jungstörche schätzen wir momentan auf 33 bis 36, das ist sehr weit unter dem bisherigen "Minusrekord" von 66 Jungstörchen aus dem Störungsjahr 1997. Noch genauere Zahlen können wir nach der zweiten Beringungsrunde nennen. Sie findet in acht Tagen, am 4. Juli statt. Dann sollen die Küken in Albertsdorf, Fienstorf, Wendfeld, Zarnewanz, Cammin, Pankelow II, Bandelstorf und Moitin beringt werden.

Storchentrupp ist nicht gleich Storchentrupp...

Der Juni ist ein Monat, in dem öfter einmal kleinere oder größere Storchentrupps beobachtet werden können. Besonders bei der Wiesenmahd versuchen die Störche einen nahrhaften Happen zu ergattern. Wenn mehrere beringte Störche dabei sind und auch identifiziert werden können, kann man etwas über die Zusammensetzung der Gruppe aussagen.
Im vergangenen Jahr gab es im Bereich der Conventer Niederung und in den Waidbachwiesen zwischen Konow und Parkentin des Öfteren derartige Trupps zu beobachten. Etliche Zwei- und Dreijährige waren feststellbar, darunter mehrere Störche mit Helgoland-Ringen und gleich vier Schweden. Auf ihren großen Erkundungsrunden sind diese noch nicht brutreifen Störche mal hier und mal dort, aber immer da, wo es viel zu fressen gibt. Vor allem Mäuse gab es 2015 in erheblicher Anzahl.
2016 ist es ganz anders. In unsere lange Zeit ausgesprochen trockene Region verirrte sich kaum ein nichtbrütender Zwei- oder Dreijähriger. Woran das liegt, wurde dieser Tage in den Waidbachwiesen bei Konow deutlich, wo der zweite Wiesenschnitt anstand. Wieder versammelte sich rund ein Dutzend Störche, um nach Nahrungstieren Ausschau zu halten. Ein Storchenfreund, der auf dem Trecker saß, konnte dabei sehr genau beobachten, was erbeutet wurde. Es waren fast ausschließlich Insekten, vor allem Grashüpfer und weder Regenwürmer noch Mäuse. Sehr wahrscheinlich ist nach dem Gravationsjahr 2015 wieder einmal die Mäusepopulation zusammengebrochen. Das ist eine regelmäßige Erscheinung, die natürlich erheblichen Einfluss auf das Beutespektrum der Störche hat. Und auch die Zusammensetzung des Trupps ist ein ganz anderer als im Vorjahr gewesen. Fünf Störche waren beringt, vier konnten identifiziert werden. Sie alle stammten aus Nestern der näheren und etwas weiteren Umgebung (Stäbelow, Klein Schwaß, Ziesendorf). Es zeigt sich, dass das Nahrungsangebot trotz einiger Regenfälle in diesem Jahr auch weiterhin sehr dürftig ist.
Auch in Detershagen fanden die Störche offenbar keine geeigneten Nahrungstiere für ihre beiden noch kleinen Jungen mehr. Diese leben leider ebenfalls nicht mehr - unter dem Nest wurden dagegen mehrere große Schlangen gefunden. Damit konnten die Küken (noch) nichts anfangen.

Sehr mäßiges Ergebnis der ersten Beringungsrunde

Dieser Altstorch in Grammow beobachtet von einem Hausdach aus kritisch die Beringung seiner beiden Jungstörche. Foto: B. Becker.

Viel gefahren - wenig beringt, so könnte man die gestrige erste Beringungsrunde im alten Landkreis Bad Doberan zusammenfassen. Das Ergebnis war doch überaus mäßig. Nur in acht Nestern wurden dort Jungstörche angetroffen:
- Schwaan II: 4 juv.
- Klingendorf: 3 juv. (zugefüttert)
- Groß Bölkow: 2 juv.
- Kröpelin: 2 juv.
- Grammow: 2 juv.
- Niendorf: 2 juv.
- Niekrenz: 1 juv.
- Schmadebeck II: 1 juv.
In Volkenshagen lag der letzte Jungstorch tot unter dem Nest, in Satow fanden wir wie befürchtet vier tote Jungstörche im Horst. Aufgrund des offenbar schon länger zurückliegenden Todes ließ sich die Ursache für das kollektive Sterben nicht mehr genauer ergründen. Am wahrscheinlichsten ist ein Verenden aufgrund einer Darmverstopfung, hervorgerufen durch Grasschnitt, der bei großem Futtermangel von den Küken gefressen wird und dann nicht verdaut werden kann. Die Satower Altstörche wurden mehrfach beobachtet, wie sie Grasschnitt ins Nest transportierten.
Zusätzlich erhielten drei kräftige Jungstörche in Rostock-Biestow, einer in Breesen/RDG sowie sieben weitere in Selow (3), Langen Trechow (3) und Groß Belitz (1) je einen der neuen Metallringe. Diese Orte liegen im Altkreis Güstrow, dessen äußerster Nordwesten von der Beringungszentrale Hiddensee ab diesem Jahr mit zum Weißstorch-Beringungsgebiet erklärt wurde. Die zweite Beringungsrunde findet in diesem Gebiet voraussichtlich am 4. Juli statt. Zuvor sollen unter der Regie von Hans-Heinrich Zöllick in der kommenden Woche auch noch etwa 20 Jungstörche im Altkreis Ribnitz-Damgarten beringt werden.

Dr. H.-W. Nehls (li.) und F. Renne (re.): Beringung mit den neuen Metallringen in Biestow, 20.6.16

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Gestern Abend wurde aufgrund einer Anwohnerinformation bei Pastow noch ein stark geschwächter Altstorch von uns gegriffen und zur weiteren Untersuchung in die Rostocker Tierklinik gebracht. Wir hoffen, dass er nicht ernsthafter erkrankt ist und nach vorübergehender Pflege im Rostocker Zoo wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Das hoffen wir auch für ein in Gnemern/GÜ lebend abgeworfenes Küken, das sich bereits seit einigen Tagen in der Obhut des Zoos befindet.

Was ist in Satow passiert?

Noch am letzten Samstag zeigten sich im Satower Storchennest vier muntere Storchenküken im Alter von etwa vier Wochen. Ein Foto von ihnen zierte einige Zeit unsere Homepage. Gestern Abend nun erreichte mich ein Anruf des Horstbetreuers. Es sind keine Küken mehr zu sehen, beide Altvögel sind am Nest, einer umkreist zu Fuß den Rand und schaut immer wieder in die Mitte hinein. Es gibt weder Bettelverhalten der Jungen noch Fütterungen. Leider müssen wir davon ausgehen, dass alle vier Jungen tot sind. Über die Ursachen kann man nur spekulieren - ein nachhaltiges Starkregenereignis ist nicht bekannt und auch der bis Dienstag anhaltende große Futtermangel (danach hat es wieder geregnet) hätte kaum zum Tod gleich aller vier Küken geführt. Am wahrscheinlichsten ist hier eine Krankheit der Küken oder aber eine Verstopfung des Darmtraktes nach der Aufnahme von Grünschnitt. Wir haben uns vorgenommen, das Nest am Montag im Rahmen unserer ersten Beringungsrunde anzufahren und die dort vermuteten sterblichen Überreste zu bergen. Möglicherweise lässt sich dabei auch die Ursache des plötzlichen Kükensterbens klären.
Zumindest ist der ganz große Starkregen heute knapp östlich an unserem Betreuungsgebiet vorbeigezogen. Viel Niederschlag in kurzer Zeit brachte dagegen gestern Abend ein etwa einstündiger Gewitterregen. Am Montag wissen wir mehr, werden dann im Anschluss über den noch vorhandenen Nachwuchs berichten. Allerdings ist schon jetzt klar, dass es im alten Landkreis Bad Doberan 2016 das schlechteste Nachwuchsergebnis seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen in den 1970er Jahren geben wird.

Küken jetzt auch von Starkregen bedroht

Nachdem die Anzahl der in den Nestern befindlichen Küken in den letzten Tagen durch zahlreiche Abwürfe aufgrund von Nahrungsmangel bereits stark reduziert worden ist (zuletzt auch Totalverlust der Brut in Neu Rethwisch), droht den Verbliebenen jetzt große Gefahr durch Starkregen. Für Freitag ist für weite Teile Ostdeutschlands lang anhaltender, ergiebiger Dauerregen angekündigt. Auch für unsere Region sind momentan 30 bis 60 mm Niederschlag im Bereich des Möglichen. Hinzu soll ein Sturmstärke erreichender Nordwestwind kommen. Bedroht sind dabei vor allem diejenigen Küken, die aufgrund ihrer Größe nicht mehr gehudert werden können. Genau diese Küken im Alter von 4 bis 5 Wochen sind am Montag Ziel unserer ersten Beringungsrunde. Wir werden die Nester sicher mit mulmigen Gefühlen anfahren und müssen auf jeden Fall mit weiteren Todesfällen unter den Küken rechnen.
Auch überregional muss in ganz Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sowie im Osten Niedersachsens und in der Westhälfte Brandenburgs mit ähnlichen Witterungsverhältnissen und damit erheblichen Jungstorch-Verlusten gerechnet werden. 2016 ist wahrlich kein gutes Storchenjahr!

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