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Ende der Storchensaison naht - letzte Auswilderung


Neugierig schauen die beiden bei Marlow ausgewilderten Jungstörche in den Himmel - dort kreisen Artgenossen. Foto: B. Becker, 30.8.14

Nahezu alle Störche haben uns inzwischen verlassen. Nur ganz vereinzelt werden jetzt noch Beobachtungen von den "Rotstrümpfen" gemeldet. In Rosenhagen hatte ein Jungstorch aus einer Spätbrut den Anschluss verpasst - die Altvögel waren bereits am letzten Wochenende auf den Zug gegangen. Schnell stellte sich heraus, dass hier wieder einmal gut gemeinte Tierliebe das Gegenteil bewirkt hat. Der Jungstorch, selbst bereits seit fast 3 Wochen flügge, ist im Dorf intensiv gefüttert worden. Wir fanden ihn auf einer Terrasse, durchs Fenster eines Wohnhauses blickend. Die Fluchtdistanz gegenüber Menschen betrug nur ein oder zwei Meter - alles keine guten Voraussetzungen für einen Wildvogel, der sich eigentlich sehr gut allein versorgen kann. Mit einigem Aufwand gelang es, den Jungstorch einzufangen. Zusammen mit einem anderen Jungstorch aus Schwetzin/GÜ, der nach einem Zusammenprall mit einem Motorrad im Zoo Rostock gesund gepflegt worden war, haben wir ihn gestern im Nahbereich des Vogelparks Marlow freigelassen. Beide Störche wurden beringt (HN867 bzw. HN868) und können jetzt frei entscheiden, ob sie sich in Marlow noch Artgenossen anschließen, die jetzt noch spät in den Süden ziehen oder ob sie doch lieber die Fütterungen im Vogelpark bevorzugen. Während der Auswilderung kreisten gleich vier Störche über den Köpfen der Youngster, die interessiert hochschauten und sich schon bald anschlossen. Der Vogelpark Marlow mit seinen vielen Störchen ist nicht nur ein Magnet für menschliche Besucher, sondern zieht auch immer wieder neugierige Wildstörche an, wie bereits zahlreiche Ringablesungen ergeben haben.

Abzug der Störche ist in vollem Gange - Auswilderung bei Neuhof/Parkentin


Drei von vier bei Neuhof/Parkentin ausgewilderten Störchen. 20.8.14

Nachdem wir mittlerweile in der zweiten August-Hälfte angelangt sind, ist der Abzug der Störche in ihre Winterquartiere in vollem Gange. Von der großen Masse der früh geschlüpften Jungstörche sind die meisten bereits in der ersten August-Dekade auf den langen und gefährlichen Zug gegangen. So verließen die Tessiner Jungstörche ihren Horst am 2. bzw. 6. August, während die Altvögel dort letztmalig am 10. August beobachtet wurden. Am Nest Schwaan II blieben die Altvögel bis zum 11. August, der Nachwuchs machte sich bereits eine Woche zuvor auf den Weg. Dass dieser nicht immer direkt in Richtung Afrika oder Spanien führt, zeigen interessante Ringablesungen des Schwaaner Jungstorchs DEH HN084. Er wurde erstmals am 9. August und dann auch am 19. August in Schadeland nahe der Grenze zu Schleswig-Holstein abgelesen. Dort hat er sich offenbar mit den drei einheimischen Jungstörchen vergesellschaftet. Demgegenüber sind in den letzten Tagen vielerorts noch Jungstörche auf den Nestern beobachtet worden, deren Eltern erst mit der zweiten Rückkehrerwelle um den 20. April herum eingetroffen waren. Starker Südwestwind hat sie zusätzlich noch zurückgehalten. Und auf dem Horst in Groß Bölkow sind die beiden erst Mitte Juni geschlüpften Jungvögel gerade einmal kurz vor dem Flüggewerden.
Heute wurden nun auch vier Jungstörche in die Freiheit entlassen, die sich zwischenzeitlich in der Obhut des Zoos Rostock befunden hatten. Ihre Schicksale sind dabei ganz unterschiedlich. DEH HN095 war ursprünglich in Grammow aus dem Nest abgeworfen worden, dann im Zoo Rostock aufgepäppelt und in Satow erfolgreich eingehorstet worden. Leider verunglückte das Stiefgeschwister tödlich und HN095 wurde geschwächt in der Nähe des Horstes aufgegriffen. Jetzt unternimmt er einen zweiten Anlauf in die Freiheit. DEH HN865 stammt aus dem Nest Rostock Zoo I - fürsorgliche Tierpfleger hatten ihn vorsorglich aus dem Luchsgehege geholt, ansonsten wäre sein Leben wahrscheinlich sehr kurz gewesen. Jetzt war er der kräftigste der vier ausgewilderten Störche und erhob sich sofort zu einer großen Runde in die Lüfte. Die anderen drei taten es ihm wenig später nach - ein toller Anblick! Dazu zählte auch DEH HN864, der im Alter von 6 bis 7 Wochen in Kuhs/GÜ flugunfähig aus dem Nest gerutscht war. DEH HN866 aus Groß Wokern/GÜ musste dagegen Anfang August mit zahlreichen blutigen Verletzungen aus dem Horst geholt werden, nachdem das Nest und mitten darin der Jungstorch massiv von Fremdstörchen angegriffen worden war.

Jungstörche sorgen für Aufregung


Fienstorf, 6.8.14. Foto: G. Vogel

In den letzten Tagen haben sich an drei Nestern unserer Region besondere, aber auch traurige Ereignisse zugetragen. So erhielten die Fienstorfer Störche heute Besuch von einem aus drei vagabundierenden, adulten Weiß- sowie einem diesjährigen Schwarzstorch bestehenden Trupp. Nach wenigen Minuten beobachtete die Anwohnerin, wie das Fienstorfer Horstpaar die Fremden vertrieb.
In Benitz sind dem dortigen Weißstorchpaar zwei unberingte Jungstörche zugeflogen, die dort jetzt regelmäßig mit gefüttert werden.
Dagegen kam einer der beiden Satower Jungstörche leider bei einer Kollision mit einem Fahrzeug ums Leben. Der zweite Jungstorch aus diesem Nest wurde von einer fleißigen Storchenfreundin geschwächt in den Zoo Rostock gebracht.

Interessante Storchentrupps


Zweijähriger Storch DEH HH785 bei Petersdorf/RDG, 26.7.14. Foto: B. Becker

In den letzten Tagen sind im Raum Ribnitz-Damgarten mehrfach Storchentrupps beobachtet worden. Noch sind die gerade flüggen Jungstörche in diesen Ansammlungen deutlich in der Minderheit, doch wird sich dies demnächst ändern. Am Samstag traf ich am Ortseingang von Ribnitz auf einen zehnköpfigen Trupp, ausschließlich aus Altstörchen bestehend. Die Freude war groß, darin mit DEH HH731 und HH785 zwei Störche ablesen zu können, die wir selbst 2012 in Carlsruhe/RDG bzw. Clausdorf/DBR beringt hatten. Vielleicht sind sie ja im nächsten Jahr schon Bruvögel in unseren Betreuungsgebieten? Hinzu kam noch ein Helgoland-Ringträger, der nur teilweise abgelesen werden konnte, vermutlich aber Brutvogel mit drei Jungstörchen in Bartelshagen II/RDG ist.
Am Nachmittag traf ich HH785 dann noch einmal an, keine zehn Kilometer entfernt in einem 16köpfigen Trupp bei Petersdorf. Hier waren auch erstmals drei Jungstörche vertreten. An der gleichen Stelle, wo eine Grünlandfläche bearbeitet worden war, zählte Hans-Heinrich Zöllick am Montag dann sogar 27 Störche, darunter 25 Alt- und zwei Jungstörche. Leider gelang die Ablesung der vier oder fünf Ringstörche in diesem Trupp wegen starker Verkotung der Ringe bzw. zu großer Entfernung leider nicht.
Erfreulicherweise hat es im alten Landkreis Bad Doberan bisher keine weiteren Verluste unter den jetzt überwiegend flüggen Jungstörchen gegeben, sodass die am 18. Juli veröffentlichten Zahlen weiter Bestand haben.

Von Liepen nach Litauen

Heute erreichte uns wieder einmal eine interessante Ringfundmeldung. Der 2011 in Liepen/DBR beringte Jungstorch HE619 wurde im Juni gleich vier Mal im Osten Litauens abgelesen. Er hielt sich zusammen mit 20 bis 40 anderen Weißstörchen auf der Mülldeponie der Stadt Utena auf. Offensichtlich sind nicht nur westziehende Störche von dieser Form der Nahrungsbeschaffung überzeugt... Störche aus dem Hiddensee-Beringungsbereich sind bisher nur ganz vereinzelt in Litauen nachgewiesen worden. So wurde dort im Mai 2010 ein ebenfalls dreijähriger, aus der Prignitz stammender Storch abgelesen, der dann noch im selben Sommer auch in Brandenburg nachgewiesen wurde. 2011 brütete er in der Nähe von Güstrow! Deutlich wird die ausgeprägte Migration von noch nicht brutreifen Störchen, die in ihren ersten Lebensjahren ein wahres "Vagabunden"-Leben führen. Vielleicht entdecken wir HE619 im nächsten Jahr bei uns!

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