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Neues aus den Zugtrupps


Dies sind die Beine des inzwischen ausgewachsenen Niekrenzer "Findelkükens", das den Ring AB84 erhalten hat. Foto: A. Hofmann, Warlin, 14.8.17

Zwei interessante Neuigkeiten erreichten uns aus den Zugtrupps, die sich bereits auf den Weg in Richtung Winterquartier gemacht haben: Der Ende Mai als Küken lebend unter dem Niekrenzer Nest geborgene Jungstorch, den wir nach einem zwischenzeitlichen Pflegeaufenthalt im Zoo Rostock am 19. Juni in das Storchennest Grammow zu einem "Einzelkind" eingehorstet hatten, ist gestern von A. Hofmann in einem Zugtrupp von über 100 Störchen nahe Neubrandenburg abgelesen worden. Wir drücken "AB84" die Daumen, dass er alle Strapazen übersteht und eines Tages als Brutvogel wieder in unserer Region auftaucht.
Der polnische Jungstorch mit dem Ring T0322, den ich am Samstag bei Reinstorf/GÜ ablesen konnte, ist dagegen auf ganz ungewöhnlichem Weg. Statt in Richtung Südost abzuziehen, wie es für einen zentralpolnischen Jungstorch üblich ist, hat er sich jetzt erst einmal knapp 400 Kilometer in west-nordwestlicher Richting bewegt. Derartig ausgeprägte Zerstreuungsflüge entgegen der eigentlichen Zugrichtung sind selten beobachtete Eigenarten.

Biestower Jungstorch im Sammeltrupp bei Reinstorf entdeckt

In diesem Storchentrupp bei Reinstorf befindet sich der Biestower "Benjamin" BE94. 13.8.17

Vor drei Tagen habe ich vom jüngsten der drei Biestower Jungstörche berichtet, der seinen elterlichen Horst noch nicht recht verlassen wollte. Inzwischen hat BE94 sich von seinen Eltern gelöst! Durch einen ziemlichen Zufall konnte ich ihn heute Mittag knapp 20 Kilometer südwestlich in einem 28 Störche umfassenden Sammeltrupp bei Reinstorf/GÜ ablesen. Ganz überwiegend befand er sich dabei in Gesellschaft von Jungstörchen, sogar ein polnischer war dabei. Gestern früh gegen 8 Uhr hat ihn die Webcam letztmalig auf dem Horst in Biestow festgehalten. Die letzte Nacht war das Nest von den beiden Altstörchen besetzt. Der Zugtrupp bei Reinstorf existiert nun schon etwa 10 Tage. Insgesamt sechs Ringablesungen zeigen, dass es dort ein ständiges "Kommen und Gehen" geben muss. Der Trupp scheint sich immer wieder zu erneuern, hat seine Zusammensetzung mehrfach stark verändert. Zeitweilig waren die (bis zu 70) Störche bei Selow anzutreffen, der Trupp hat seinen Schwerpunkt jedoch beständig rund um die überschwemmte Neukirchner Plage.
Interessant sind auch drei andere Ablesungen, von denen ich gestern erfuhr. In einem ähnlich großen Zugtrupp bei Wittenburg/LWL entdeckte H. Eggers die beiden Berendshäger Jungstörche BE88 und BE89 sowie den Redderstorfer Jungstorch BF17. Diese Westorientierung ist recht erstaunlich. Wollen die drei in Richtung Spanien ziehen?

Einer will nicht, einer kann (noch) nicht...


Gestern hatte ich noch berichtet, dass nunmehr alle Biestower Jungstörche abgezogen seien. Das hat sich als Irrtum herausgestellt. Während in der vorletzten Nacht beide Altvögel im Nest standen, übernachtete von Mittwoch auf Donnerstag wieder ein Jungstorch auf dem Horst. Auch am heutigen Abend entdeckte ich ihn dort und konnte seinen Ring (BE94) ablesen.

Die Aufnahmen der Biestower Webcam zeigen, dass sich die Altstörche eigentlich schon von ihm verabschiedet hatten. Jedenfalls standen sie heute Vormittag für eine Stunde gemütlich im Nest, als ihr Sprössling angeflogen kam und in alter Gewohnheit um Futter bettelte. "Nicht mit uns", dachten sich offenbar die beiden Alten und suchten fluchtartig das Weite. Anhand der noch fast vollständig schwarzen Schnabelfarbe würde ich annehmen wollen, dass es sich um den jüngsten der drei Youngster handelt. Dieser wurde auch erst einige Tage nach seinen beiden Geschwistern flügge.

Während der Biestower Jungstorch sich also noch nicht recht abnabeln mag, liegen die Verhältnisse beim Schwaaner Jungstorch BE76 offenbar anders. Er dürfte gestern zu einen Trupp von etwa 23 Störchen gezählt haben, die Hans-Heinrich Zöllick am Ortsrand von Groß Kussewitz beobachtete. Heute erhielt ich nun einen Anruf, genau an gleicher Stelle würden am Straßenrand zwei erschöpft wirkende Jungstörche ruhen. Die Storchenfreunde A. Hornburg und T. Sandhoff nahmen sich der Sache dankenswerterweise unverzüglich an und trafen tatsächlich noch auf einen Jungstorch, der sich leicht einfangen ließ. Offenbar reicht seine Kraft momentan noch nicht für den weiten Zug. Er kommt jetzt noch für ein paar Tage in den Rostocker Zoo, wird dort ein wenig aufgepäppelt und soll dann noch im August zusammen mit einem anderen Jungstorch (aus Hohen Sprenz/GÜ) ausgewildert werden. Zu bedenken ist dabei gewesen, dass BE76 aus einer 4er-Brut stammt und seine Mutter Ende Juli für etwa eine Woche wegen einer Gelenkverletzung als Futterbeschafferin ausgefallen war. Vielleicht ist er zuletzt nicht ausreichend versorgt worden.

Aufbruch in den Süden

Die ersten Störche sind in den Süden aufgebrochen. Besonders gut nachvollziehbar ist der konkrete Ablauf am Beispiel des Webcam-Nestes Rostock-Biestow. Während am 3.8. noch alle drei Jungstörche auf dem Nest übernachteten, waren es am 4.8. nur noch zwei und am 6.8. noch einer. Seit dem 7.8. sind nachts nur noch die beiden Altstörche anwesend, wobei einer von beiden wechselweise auf dem Dach der Biestower Kirche übernachtet. Tagsüber ist das Nest zumeist leer. Auch aus Niekrenz wird vom 4.8. der Abzug der drei dortigen Jungstörche gemeldet. Am Montagabend konnte ich nach der Rückkehr aus meinem Urlaub noch 33 Störche bei Reinstorf/GÜ beobachten. In diesem Trupp befand sich neben etlichen Jungstörchen auch DEH HN057, den wir 2014 in Volkenshagen beringt hatten. Wie der dortige Storchenbetreuerkollege Paul Thomzick berichtet, hat der Trupp offenbar gestern die guten Zugbedingungen genutzt und ist aufgebrochen. Knapp eine Woche lang sammelten sich rund um die überschwemmten Bekewiesen bis zu 55 Störche. Traurig ist leider eine Meldung aus Pastow. Dort wurde schon vergangene Woche einer der beiden Bentwischer Jungstötrche tot aufgefunden - offenbar nach einer Kollision mit einem Gebäude.
Eine kleine Rundfahrt heute Abend zeigte aber auch, dass noch längst nicht alle Jungstörche ihre Nester verlassen haben. So traf ich das Stäbelower "Einzelkind" ebenso zusammen mit seinen Eltern an wie die drei Niendorfer Youngster. Eine interessante Ringablesung gelang noch in Klein Schwaß. Ein aufmerksamer Anwohner hatte berichtet, dass hier bereits seit Mitte Juni regelmäßig ein Paar auf der Nisthilfe übernachtet. Es stellte sich heraus, dass das Männchen DEH HR165, das ich eigentlich als erfolglosen Brutvogel im nahen Rostocker Zoo auf der Bärenburg wähnte (dort am 8. Mai von mir abgelesen) nach Klein Schwaß umgezogen ist. Da das Nest im Zoo weiter kontinuierlich besetzt ist, stellt sich die Frage, wer ihn dort verdrängt haben könnte.

Umzug aus dem Rostocker Zoo nach Klein Schwaß: DEH HR165 mit unberingter Partnerin am 9.8.17.

Zeit des Sammelns hat begonnen

... und schon wieder neigt sich ein Storchenjahr dem Ende zu. In diesen Tagen hat das Sammeln vor dem Abflug in den Süden begonnen. Deutlich wird dies momentan am besten in der Nähe von Neukirchen/Reinstorf, knapp südwestlich unseres Betreuungsgebietes. In einer größeren Zone überschwemmten Grünlandes an der Beke fanden sich in den letzten Tagen immer mehr Störche ein. Gestern wurden dort 55 Störche gezählt, heute 52. Noch überwiegen dort ganz eindeutig Nichtbrüter bzw. solche Altstörche, die keine Jungen groß bekommen haben. Zur ersten Kategorie zählen zwei dort heute abgelesene Ringstörche: DEH HR659 und DEH HN920. Es ist zu erwarten, dass sich dort sehr bald auch schon länger flügge Jungstörche anschließen werden. Diese werden zusammen mit den Nichtbrütern zuerst in den Süden aufbrechen. Die erfolgreichen Brutstörche werden dagegen noch länger bleiben.

Flügge mit 9 Wochen

Wer die Storchenwebcam in Rostock-Biestow auf unserer Startseite regelmäßig aufruft, hat es vielleicht mitbekommen. Zwei der drei Jungstörche haben heute früh für eine kurze Runde das Nest verlassen. Sie sind jetzt etwa 9 Wochen oder 63 Tage alt. Damit sind sie für ihr Alter früh dran, aber noch im Normalbereich, denn die meisten Jungstörche wagen vermutlich zwischen dem Ende ihrer neunten und dem Ende der zehnten Lebenswoche das erste Mal den Abflug. Abhängig ist das von verschiedenen Faktoren, zu denen nicht nur die allgemeine körperliche Entwicklung, sondern zum Beispiel auch die Anzahl der Nestgeschwister und die Witterung zählen. Sicher wird auch der dritte Jungstorch bald fliegen.

Ein neues Kapitel in der Geschichte von Helgoland 716T

Die 2001 im Zoo Rheine/NRW geschlüpfte Störchin mit dem Ring Helgoland 716T sorgt einmal mehr für Furore. Hans-Heinrich Zöllick verfolgt Ihren Lebensweg nun schon seit über zehn Jahren. Nachdem sie jahrelang als Störchin bekannt war, die keine Eier legte, hatte 716T es 2015 tatsächlich geschafft, in einer Spätbrut in Brünkendorf/RDG ein Junges groß zu bekommen. 2016 fand Hans-Heinrich Zöllick im dortigen Nest nur ein unbefruchtetes Zwergenei. Auch 2017 kehrte die Störchin bereits im März nach Brünkendorf zurück, wechselte aber bereits im April mit unberingtem Partner an den benachbarten Standort Alt Guthendorf. Eine Brut wurde dort nicht getätigt.
Dagegen begannen um den 10. Mai in Kloster Wulfshagen zwei unberingte Störche eine späte Brut. Davon zeugen jedenfalls die Beobachtungsprotokolle von Hans-Heinrich Zöllick. Bei einer Nestkontrolle am 24. Juni wurden zwei etwa zehn bis 14 Tage alte Küken gefunden. Eines von ihnen verendete nach den starken Regenfällen Ende Juni/Anfang Juli. Was danach geschah, lässt sich leider nicht mehr genau rekonstruieren. Jedenfalls beobachtet Hans-Heinrich Zöllick seit einigen Tagen, wie Helgoland 716T - zusammen mit einem unberingten Partner - den verbliebenen Jungstorch in Kloster Wulfshagen liebevoll umsorgt und auch füttert. Er ist der festen Überzeugung, dass es hier zu einer "Adoption" gekommen ist. Sollte die "biologische Mutter" des Kükens ihren Nachwuchs aufgegeben haben oder gar verunglückt sein? So etwas ist schon mehrfach nachgewiesen worden. Aber die "Übernahme" durch eine Adoptivmutter - dafür gibt es in der Fachliteratur nur ganz, ganz wenige Beispiele. Helgoland 716T ist jedenfalls immer für eine Überraschung gut! Nur ihr Winterquartier ist all die Jahre unbekannt geblieben.

Vorläufige Zahlen für den Altkreis Bad Doberan

Während einige Jungstörche in Kürze ihre ersten Flugrunden drehen werden, ist der jüngste Storchennachwuchs (in Kröpelin) gerade erst 3 Wochen alt. Es wird noch bis Ende August dauern, bevor diese Youngster flügge sind. Dementsprechend können wir momentan auch für den Altkreis Bad Doberan nur einen vorläufigen Zwischenstand zum Bruterfolg präsentieren. Folgende Zahlen sind aktuell bekannt:
3 x 4 Jungstörche (Schwaan II, Berendshagen, Lieblingshof)
6 x 3 Jungstörche (Cammin, Satow, Niekrenz, Petschow, Niendorf, Zeez)
6 x 2 Jungstörche (Benitz, Kröpelin, Grammow, Kowalz, Hohen Schwarfs, Bentwisch)
8 x 1 Jungstorch (Rosenhagen, Heiligenhagen, Kambs, Wendfeld, Stäbelow, Nustrow, Liepen, Volkenshagen)
Das ergibt:
- 38 HPa (- 8 gegenüber 2016)
- 23 HPa mit Bruterfolg
- 15 HPa ohne Bruterfolg (39,5 %)
- 50 Jungstörche (JZa: 1,32, JZm: 2,17)
Das ist erneut ein schwaches, unterdurchschnittliches Brutergebnis, nunmehr bereits zum dritten Mal in Folge.
Erfahrungsgemäß können sich diese Werte bis zur endgültigen Abrechnung noch verschlechtern, eine Verbesserung ist nicht zu erwarten.

Vorläufige Zahlen für den Altkreis Ribnitz-Damgarten

Hans Zöllick hat in den letzten Tagen fleißg recherchiert und den aktuellen Stand für den Altkreis Ribnitz-Damgarten zusammengetragen. Er fällt deutlich besser aus als für den alten Landkreis Bad Doberan. Einschließlich der drei zufütterungsabhängigen Horstpaare im Vogelpark Marlow vermeldet der Storchenbetreuer folgenden Zwischenstand:
35 HPa (- 6 gegenüber 2016)
24 HPa mit Bruterfolg
11 HPa ohne Bruterfolg (31,4 %)
58 Jungstörche (JZa: 1,66, JZm: 2,42)
Noch sehr klein sind dabei die Küken aus den Spätbruten in Dudendorf (2) und Kloster Wulfshagen (noch 1). Die drei Jungstörche in Wiepkenhagen sind offenbar Opfer der Starkregenfälle vor einer Woche geworden. Endgültige Zahlen wird es erst in einigen Wochen, nach dem Flüggewerden der letzten Jungstörche, geben.

Akrtualisierung 11.7.: Leider hat es das einzige Küken in Klockenhagen nicht geschafft. Die Zahlen oben wurden aktualisiert.

Letzte Beringungsrunde: Hälfte der Jungstörche tot

Am heutigen Dienstag fand die letzte der diesjährigen Beringungsrunden statt. Im alten Landkreis Bad Doberan wurden nochmals acht Jungstörche beringt. Dabei mussten wir leider feststellen, dass es in mindestens drei Nestern zu einem Totalverlust der Brut gekommen ist. Insgesamt stellten wir acht tote Küken fest, in anderen Nestern, an denen wir nicht waren, könnten noch weitere hinzukommen. Mit einer Verlustquote von 15 bis 20 Prozent dürften wir noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen sein. In anderen Regionen könnte bis zu einem Drittel der Jungstörche Opfer der Witterung geworden sein. Dies hängt damit zusammen, dass es bei uns gleich neun Nichtbrüterpaare gibt und nicht sehr viele Störche, die erst spät mit der Brut begannen. Das ist längst nicht überall so. Im Einzelnen stellten wir fest:
- Cammin: 3 juv. + 1 totes Küken
- Heiligenhagen: 1 juv. + 1 totes Küken
- Rosenhagen: 1 juv. + 1 totes Küken
- Liepen: 1 juv.
- Stäbelow: 1 juv.
- Wendfeld: 1 juv.
- Bandelstorf: 2 tote Küken
- Zarnewanz: 2 tote Küken
- Fienstorf: 1 totes Küken

Etliche Küken fallen dem anhaltenden Starkregen zum Opfer


Konnte im Dauerregen noch erfolgreich gehudert werden: Storchenküken in Kambs, 3.7.17. Foto: A. Borchwardt.

Noch haben wir keine genaue Übersicht, aber zwischen sechs und zwölf Jungstörche dürften im Altkreis Bad Doberan dem anhaltenden und ergiebigen Regen der letzten Tage zum Opfer gefallen sein. Betroffen waren insbesondere die Küken im Alter zwischen drei und fünf Wochen, die bei solchen Wetterlagen immer besonders gefährdet sind. Nach der letzten Beringungsrunde am morgigen Dienstag, die entsprechend kürzer ausfallen wird, werden wir mehr wissen.

"Adoption" in Grammow ist geglückt


Grammow, 28.6.17

Am heutigen Abend konnte ich mich davon überzeugen, dass unser Versuch, einen in Niekrenz abgeworfenen Jungstorch nach zwischenzeitlicher Pflege durch den Zoo Rostock in Grammow in die dortige "Storchenfamilie" zu integrieren, geglückt ist. Während der Beringung am 19. Juni hatten wir ihn eingehorstet. Ich wurde Zeuge einer Fütterung und konnte dabei feststellen, dass beide Jungstörche sich prächtig entwickelt haben. Auch in den Nestern, in denen am kommenden Dienstag die später geschlüpften Küken beringt werden sollen, sieht es momentan gut aus. Nur aus Wendfeld wurde der Abwurf eines sehr kleinen Kükens gemeldet.
Jetzt aber baut sich eine bedrohliche Witterungskonstellation auf. Für die nächsten Tage ist sehr viel Niederschlag vorhergesagt. Besonders am Donnerstag und Freitag ist anhaltender Starkregen zu befürchten. Dieses Szenario ist besonders für die Küken lebensgefährlich, die jetzt im Alter von drei bis fünf Wochen sind und von den Altvögeln nicht mehr gehudert werden können, während gleichzeitig ihr Gefieder noch nicht voll ausgebildet ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass es nicht so schlimm kommen wird.

Ergebnisse der zweiten Beringungsrunde

Am Samstag fand im Altkreis Ribnitz-Damgarten die insgesamt zweite diesjährige Beringungsrunde statt. Das Ergebnis war recht unterschiedlich, aber überwiegend positiv:
- 4 x 4 Jungstörche: Kavelsdorf, Forkenbeck, Wöpkendorf, Ehmkenhagen
- 4 x 3 Jungstörche: Kuhlrade, Kneese, Redderstorf, Freudenberg
- 2 x 2 Jungstörche: Langenhanshagen, Bartelshagen II
- 4 x 1 Jungstorch: Altenwillershagen, Klockenhagen, Gresenhorst, Tressentin.
Bei dieser Gelegenheit wurde noch eine Neuansiedlung in Schulenberg bei Marlow bekannt. Leider wurden die beiden geschlüpften Jungstörche dort tot abgeworfen. Dennoch ist es eine sehr erfreuliche Neuigkeit.

Im Nordmagazin des ndr wurde heute ein Bericht über die Beringungsrunde vom 19.6. gesendet:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Baby-Boom-bei-Stoerch...

Von Bentwisch ins Ermland, von Rostock nach Litauen

In den letzten Tagen erreichten mich aus Nordosteuropa interessante Wiederfundmeldungen zu zwei unserer Weißstörche. Ringstorch DEH HH735 wurde 2012 nestjung in Bentwisch beringt und jetzt erstmals - als erfolgreicher, mittlerweile fünfjähriger Brutvogel - aus Zywkowo zurückgemeldet. Dieses kleine Dorf im Ermland, ganz im Norden Polens, ist ein ganz berühmtes Storchendorf mit 50 und mehr Storchenpaaren und deutlich weniger Einwohnern. 545 Kilometer von seinem Geburtsnest entfernt siedelte sich dieser Storch an!
Einen noch weiteren Weg legte DEH H5529 zurück. Dieser 2007 im Zoo Rostock beringte Vogel war 2011 der erste Hiddensee-Storch, der aus Finnland zurückgemeldet wurde. Jetzt wurde er nahrungssuchend in Joniski/Litauen abgelesen - 770 Kilometer beträgt hier die Entfernung. In einem Alter von zehn Jahren sollte er längst Brutvogel sein, dies ließ sich allerdings bisher (noch) nicht nachweisen.
Beide Beispiele zeigen, dass sich unsere Weißstörche gelegentlich auch sehr weit entfernt von ihrem Schlupfort ansiedeln.

Erfreuliches Ergebnis der ersten Beringungsrunde: 46 Jungstörche in 16 Nestern

Diese vier "Halbstarken" in Berendshagen gehören zu den insgesamt 46 Jungstörchen, die wir heute im Großraum Rostock beringt haben. Damit konnte wie erwartet bei den frühen Paaren ein deutlich überdurchschnittliches Ergebnis pro Nest erzielt werden. Angesichts der deutlich schwächer einzuschätzenden Nachwuchsrate der späteren Brutpaare, vor allem aber der vielen Nichtbrüterpaare und mehr noch der zahlreichen leer gebliebenen Nester wird die Gesamtzahl der flüggen Jungstörche im alten Landkreis Bad Doberan am Ende dennoch nur den historisch gesehen zweitniedrigsten Wert (nach 2016) erreichen. Insgesamt fünf Abwürfe von toten Küken, die heute bekannt wurden (je zwei in Bentwisch und Hohen Schwarfs und einer in Grammow) zeigen an, dass die Verfügbarkeit von größeren Nahrungstieren längst nicht überall gut ist.
Im Einzelnen haben wir beringt:
5 x 4 Jungstörche: Lieblingshof, Schwaan II, Berendshagen, Groß Belitz/GÜ, Selow/GÜ
5 x 3 Jungstörche: Satow, Petschow, Niekrenz, Niendorf, Biestow/HRO
4 x 2 Jungstörche: Bentwisch, Hohen Schwarfs, Breesen/RDG, Passin/GÜ
2 x 1 Jungstorch: Volkenshagen, Grammow
Das am 31. Mai in Niekrenz abgeworfene Küken, das bis gestern im Zoo Rostock aufgezogen wurde, haben wir in Grammow eingehorstet, sodass dort hoffentlich am Ende zwei Jungstörche ausfliegen.

Zeit der Beringungen beginnt


Erst für den 4. Juli ist die Beringung dieses Kükens in Rosenhagen vorgesehen. 17.6.17.

Wie in jedem Jahr beginnt etwa Mitte Juni die Zeit, in der die noch nicht flüggen Jungstörche in den für uns erreichbaren Nestern beringt werden. Den Anfang macht am Montag der Altkreis Bad Doberan, wo elf Nester mit früh eingetroffenen Paaren auf der Liste stehen. Zusätzlich werden je ein Standort in der Hansestadt Rostock und im Altkreis Ribnitz-Damgarten sowie drei Nester im Altkreis Güstrow (Bereich Bützow) angesteuert. Sponsor sind nun schon im neunten Jahr die Kreisbauernverbände Bad Doberan und Bützow. Begleitet wird der Tross in diesem Jahr von einem NDR-Fernsehteam sowie mehreren Zeitungen. Die Prognosen deuten auf ein sehr gutes, deutlich überdurchschnittliches Ergebnis hin, auch wenn heute aus Hohen Schwarfs erstmals der Abwurf eines toten Kükens gemeldet wurde. Die einzelnen Stationen lauten: Volkenshagen - Bentwisch - Hohen Schwarfs - Petschow - Lieblingshof - Niekrenz - Grammow - Breesen - Niendorf - Schwaan II - Passin - Selow - Groß Belitz - Berendshagen - Satow - Rostock-Biestow.
Am kommenden Samstag, 24. Juni, ist dann der Altkreis Ribnitz-Damgarten an der Reihe, von wo uns jetzt auch einige erfreuliche Zwischeninformationen erreicht haben. So wurden zuletzt in den Nestern Ehmkenhagen, Kavelsdorf und Wöpkendorf je vier Jungstörche beobachtet. Den Abschluss bildet schließlich am 4. Juli eine zweite Runde zu den spät geschlüpften Jungstörchen des Altkreises Bad Doberan.
Wir werden ausführlich berichten!

Nichtbrütertrupp inspiziert verwaiste Brutreviere


Drei Kandidaten für die Beringung am 19. Juni: Jungstörche in Satow, 10.6.17.

In diesem Jahr wurden die langjährigen Brutreviere Broderstorf I, Broderstorf II und Thulendorf leider nicht besetzt. Ein Grund könnte gewesen sein, dass es - zumindest in Broderstorf II und Thulendorf - im so trockenen Vorjahr einen Totalverlust der Brut gegeben hat. Alle Jungstörche verhungerten. In diesem Jahr hat es gerade dort, östlich von Rostock, kontinuierlich und auch ergiebig geregnet. Das Nahrungsangebot ist dementsprechend besonders auf den weitläufigen Dauergrünlandflächen sehr viel besser. Gestern Abend entdeckte ich südlich von Thulendorf einen Trupp von elf Störchen, darunter einen einjährigen beringten Storch aus Schweden und einen vierjährigen Hiddenseestorch. Sie waren vergesellschaftet mit einem großen Trupp Silber- und Sturmmöwen. Auch 19 Kraniche suchten nach Nahrung, und ein Großer Brachvogel überflog laut rufend die Nahrungsfläche. Den Störchen scheint es dort zu gefallen. Jedenfalls besetzte schließlich (wie schon am Abend vorher) ein Paar den verwaisten Horst in Thulendorf, ein Einzelstorch machte es sich im Nest Broderstorf II gemütlich. Es wäre sehr schön, wenn sich hier im Hinblick auf die nächste Brutsaison schon Horstbindungen ergeben könnten. Und das dritte Nest, Broderstorf I? Von dort waren in den letzten Tagen auch bereits zwei Störche gemeldet worden. Ich traf sie im Nahbereich des Horstes auf gemähtem Grünland an. Das Männchen trug den Ring HE613, die Partnerin (sehr wahrscheinlich) DEH HN066. Das sind die Ringnummern der beiden Albertsdorfer Nichtbrüter, die offenbar den Standort gewechselt haben. Da sie beide neu in Albertsdorf waren, besteht für sie noch keine ausgeprägte Horstbindung. An diesen Beobachtungen wird deutlich, welchen erheblichen Einfluss ein plötzlich reichhaltiges Nahrungsangebot auf Weißstörche haben kann.
Auch in den früh besetzten Nestern des Altkreises Bad Doberan sieht es momentan gut aus, aus vielen schauen nach wie vor drei oder mehr Junge heraus. Ungewöhnlicherweise gab es noch keine einzige Meldung eines tot abgeworfenen Kükens. Zur ersten Beringungsrunde, die am 19. Juni stattfinden wird, wissen wir mehr. Im Bereich Ribnitz-Damgarten sieht es nicht so günstig auch. Dort gab es auch deutlich weniger Niederschlag.
Dass es immer noch ganz anders kommen kann, zeigen die immensen Verluste bei den Storchenküken im benachbarten Schleswig-Holstein. Dort fielen in dieser Woche nördlich des Nord-Ostsee-Kanals tragischerweise zahlreiche bereits recht große Jungstörche einem anhaltenden, kalten Starkregen zum Opfer. Besonders im Alter zwischen drei und fünf Wochen sind Storchenküken sehr empfindlich gegen derartige Ereignisse. Hoffen wir, dass bei uns alles gut geht und dass auch die überlebenden Küken in Schleswig-Holstein groß werden!

Todesursache "Giftgas"

In diesen Tagen erreichte mich eine Wiederfundmeldung aus dem Nordwesten Syriens. Am 5. April wurde der von uns im letzten Jahr in Klingendorf/DBR beringte Storch Hiddensee AB08 dort tot aufgefunden. Nach den Angaben der Melderin, die der Beringungszentrale auch ein Foto des Ringes gesendet hatte, starb der Vogel an den Folgen von Giftgas. Die Information kam von einem syrischen Flüchtling, der aus der Region stammt. Die internationale Presse hat ausführlich über einen Giftgasangriff auf eine Kleinstadt genau in der Fundregion am 4. April berichtet. Bei diesem verheerenden, völkerrechtswidrigen Angriff sind sehr viele Zivilisten, darunter auch zahlreiche Kinder, gestorben. Vor diesem Hintergrund erscheint der Tod eines Storchs nur als eine Randnotiz, die Meldung macht aber einmal mehr auf die Kriegsverbrechen aufmerksam, die dort immer wieder begangen werden.

Günstige Witterungsverhältnisse sorgen für viel Nahrung

Vier oder sogar fünf Küken? Das ist die Frage auf diesem Foto vom 5. Juni. In jedem Fall ist es ein ungewöhnliches Bild, denn in Petschow, wo es aufgenommen wurde, sind in den letzten Jahren selten mehr als zwei Jungstörche groß geworden. Das feuchtwarme Wetter der letzten Wochen scheint das Nahrungsangebot für die Weißstörche auf jeden Fall sehr positiv beeinflusst zu haben. Verglichen mit dem sehr trockenen und nahrungsarmen Vorjahr machen die Küken in den Nestern der frühen Paare durchweg einen sehr viel besseren Eindruck. Aktuell werden in mindestens vier Nestern des Altkreises DBR vier Jungstörche gezählt: Schwaan II, Berendshagen, Petschow und Lieblingshof. Drei sind es zurzeit in Niendorf, Biestow, Niekrenz und Hohen Schwarfs, zwei in Benitz. Auf unserer Bruterfolgskarte kann der jeweils aktuelle Stand gut nachvollzogen werden.
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/1077

Rettung für Niekrenzer Storchenküken

Der aufmerksamen Beobachtung des Horstbetreuers Manfred Neumann in Niekrenz hat ein etwa 14 Tage altes Storchenküken sein Leben zu verdanken. Es wurde gestern früh unter dem etwa 10 Meter hohen Nistmast gefunden. Der Aufprall muss durch dichte Sträucher entscheidend gebremst worden sein. Den ersten Tag hat der Jungstorch mit Hilfe von Wärme und Katzenfutter gut überstanden. Er machte einen recht robusten Eindruck, als ich ihn heute zur weiteren Pflege in den Rostocker Zoo brachte. Wenn alles gut geht, soll er in knapp drei Wochen in ein geeignetes anderes Wildstorch-Nest eingesetzt werden. Diese Form der Einhorstung hat sich in den letzten Jahren wiederholt bewährt. Im Niekrenzer Nest befinden sich immer noch drei kräftige Küken, das vierte wurde vermutlich abgeworfen, weil die Altvögel das Nahrungsangebot als nicht ausreichend für die Aufzucht von vier Küken eingeschätzt haben. Insgesamt sieht es momentan in den früh besetzten Nestern offenbar deutlich besser aus als im Vorjahr. Aus Berendshagen und Schwaan/Tannenberg wurde jeweils noch ein vierter Jungstorch "nachgemeldet". Der gestrige Regen ist auf jeden Fall für die Nahrungssuche von Vorteil gewesen. Insgesamt brachte der Mai in unserer Region durchschnittliche Niederschlagsmengen, ganz anders als im enorm trockenen Vorjahr.

Viele frühe Paare haben Nachwuchs


Muntere "Dreierbande" in Schwaan/Tannenberg. 28.5.17

Das in letzter Zeit warme und weitgehend störungsfreie Wetter hat dazu beigetragen, dass in vielen Nestern mit früher Paarbindung jetzt Jungstörche zu erkennen sind. Bei einer kleinen Rundfahrt am heutigen Abend kam ich zu folgenden Erkenntnissen:
- Niendorf: Küken im Nest gesehen
- Benitz: Küken im Nest gesehen
- Schwaan II: 3 kräftige Küken
- Zeez: mindestens 2 Küken, noch sehr klein
- Petschow: Küken im Nest, Fütterung
- Lieblingshof: 2 Küken im Nest gesehen
- Niekrenz: 3 kräftige Küken
- Hohen Schwarfs: wachender Altstorch am Nestrand
Auch aus Berendshagen wurden drei Jungstörche gemeldet.
In Biestow hilft uns die dortige Webcam. Am sehr warmen Samstag stand erstmals der jeweils Wache haltende Altvogel über mehrere Stunden am Nestrand. Gegen 19 Uhr war eindeutig eine Fütterung zu sehen, und auch mindestens ein kleines Köpfchen war zu erkennen. Der Schlupf des oder der ersten Küken war für den 24. Mai berechnet worden. Damit dürfte die Brut jetzt abgeschlossen sein. Wir dürfen die weitere Entwicklung mit Spannung beobachten.
Gestern konnte der letzte bisher noch offene Ringstorch im Altkreis Ribnitz-Damgarten identifiziert werden: Auch in Löbnitz gehört ein 2015 in Schweden beringter Storch zum Brutpaar - SVS 2049 hat sogar schon Nachwuchs im Nest, dem gestern fleißig Schatten gespendet wurde.

Die Nachkommen der "alten Brandenburgerin"

In den Jahren 2008 bis 2015 brütete eine ganz besondere Störchin bei uns: Hiddensee KA3528 wurde 1994 in Manker/Brandenburg beringt und zog allein in ihren letzten acht Lebensjahren in Wendfeld nicht weniger als 23 Jungstörche groß. 18 davon haben wir beringt. Nach dem Weibchen DEH H8960 aus 2009, das seit 2014 Brutvogel in Redderstorf ist und dem Männchen DEH HC774 aus 2010, das seit 2013 nacheinander in Neu Thulendorf, Thulendorf und jetzt Fienstorf brütet, haben wir mit DEH HL921 in diesen Tagen aus Bartelshagen I/RDG einen dritten Nachkömmling der "alten Brandenburgerin" gemeldet bekommen. Dieses Männchen entstammt dem Jahrgang 2013 und bildet dort mit einer unberingten Störchin ein Nichtbrüterpaar. Damit nicht genug: mit DEH HN064 wurde im letzten Jahr in Polen ein gleichfalls in Wendfeld beringter Jungstorch des Jahrgangs 2014 abgelesen. Fast hat es den Eindruck, als ob unsere alte Storchendame ihrem Nachwuchs besonders gute Voraussetzungen mit auf den Weg gegeben hat...

Die ersten Küken und viele Nichtbrüterpaare


Fütterung des frisch geschlüpften Storchennachwuchses in Berendshagen, 21.5.17

An diesem Wochenende konnten erwartungsgemäß die ersten, noch ganz kleinen Weißstorchkücken in den Nestern unserer Region beobachtet werden. Es ist der Nachwuchs der frühen Paare, die bereits Ende März/Anfang April eingetroffen waren. Zwei kleine Köpfchen waren in Niekrenz zu sehen, ein Schnäbelchen in Schwaan II. Auch in Petschow und Berendshagen gab es sichere Anzeichen einer erfolgreichen Brut. Momentan scheint die Nahrungssituation nach den Regenfällen vom Mittwoch ganz gut zu sein, aber es sollte auch in nächster Zeit immer wieder einmal Niederschläge geben, vor allem, damit die Altvögel Zugriff auf Regenwürmer bekommen.
Auf der anderen Seite zeichnet sich schon jetzt wie in den beiden Vorjahren ein hoher Anteil an Paaren ohne Bruterfolg ab. Dies hängt zunächst vor allem damit zusammen, dass etliche Paare erst im Mai zueinander fanden. So bekamen in den letzten Tagen auch die Einzelstörche in Gnewitz und Pankelow II endlich einen Partner. Von diesen späten Paaren haben viele keine Brut mehr begonnen (und werden das angesichts der schon deutlich voran geschrittenen Brutsaison auch nicht mehr ändern). Das macht auch Sinn, denn bis zum Abflug in die Überwinterungsgebiete spätestens Anfang September muss der Nachwuchs ja noch flügge werden. Nach jetzigem Stand wird es an folgenden Standorten in diesem Jahr zu keiner Brut kommen:
- Albertsdorf (die beringte Störchin wurde inzwischen identifiziert, wir haben sie 2014 in Liepen selbst mit DEH HN066 markiert)
- Detershagen
- Gnewitz
- Moitin
- Neu Rethwisch
- Pankelow I
- Pankelow II
- Reinshagen
- Stubbendorf
Damit haben im Altkreis Bad Doberan nur 29 Paare mit der Brut begonnen, 2015 und 2016 waren es noch jeweils 43. Im Nest Schmadebeck II ist die Brut bereits gescheitert, bei weiteren ist erfahrungsgemäß noch mit einem Misserfolg zu rechnen. Hier spielen Witterung und Nahrungsangebot eine entscheidende Rolle.

Ein Schweizer Storch an der Ostsee?

Dieser hübsche Storch, der sich hier am 13.5.17 im Vogelpark Marlow zeigt, trägt einen in der Schweiz angebrachten ELSA-Ring. Da stellt sich die Frage, ob es tatsächlich eine solch ausgeprägte Fernmigration geben kann. Aber ist es wirklich ein Schweizer Storch? Nachdem die Beringungszentrale Hiddensee heute Datum und Ort der Beringung mitteilte, führte die Spur zur Stiftung Wildstation Landshut im Kanton Bern. Von dort erhielten wir die freundliche Auskunft, dass dieser Storch letztes Jahr Mitte September -
vermutlich als adulter Zugvogel - erschöpft aufgegriffen wurde. Er wurde einige Zeit in der Wildstation gepflegt und aufgepäppelt und dann am 4. Oktober wieder in die Freiheit entlassen. Wir können also nicht mehr klären, woher er ursprünglich stammt. Es ist jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit kein "Schweizer Storch", sondern nur einer, der in der Schweiz beringt wurde!

Endlich eine Partnerin für HE613


Nahe Bentwisch, 13.5.17 - links im Bild DEH HE613

Am 5. April kehrte das 2011 von uns in Volkenshagen beringte Männchen DEH HE613 nach Mönchhagen zurück, wo es die beiden letzten Jahre zusammen mit einer Partnerin eine neue Nisthilfe ausgebaut hatte. Auch in diesem Jahr machte der Beringte sich "an die Arbeit". Als sich jedoch nach zwei Wochen immer noch kein Weibchen eingefunden hatte, orientierte er sich neu. Ich fand ihn in Albertsdorf wieder, wo er offenbar auch um das Nest gekämpft hat. Gestern nun entdeckte ich ihn am Rande des Nachbarortes Bentwisch auf Nahrungssuche - und nun endlich auch mit einer Partnerin. Sie ist auch beringt, konnte jedoch noch nicht identifiziert werden, da der ELSA-Ring stark verkotet ist. Für eine Brut wird es zu spät sein, aber auf eine feste Paar- und Horstbindung können wir zumindest noch hoffen. Dies wäre dann im Altkreis DBR unser 36. Paar.
Bei vier anderen Störchen hat sich dagegen noch kein Partner gefunden - sie sind "noch zu haben":
- Pankelow II (solo seit 28.3.)
- Gnewitz (seit 14.4.)
- Groß Bölkow (seit 2.5.)
- Klingendorf (seit 10.5.)
Die Neuansiedlung in Stubbendorf scheint für dieses Jahr leider schon wieder Geschichte zu sein. Seit Donnerstag hat das Paar das Nest verlassen. Beide Störche waren zusammen immerhin über vier Wochen vor Ort, haben auch versucht, Nistmaterial einzutragen, was jedoch überwiegend scheiterte, da die Nisthilfe zuletzt vor 12 Jahren besetzt gewesen ist und mittlerweile in schlechtem Zustand war. Eine Brut wurde trotz der frühen Paarbildung nicht begonnen. Wir werden jetzt versuchen, hier möglichst bald einen neuen Nistkorb aufsetzen zu lassen. Vielleicht kommen dann ja noch Störche zurück.

Schlechte Aussichten im Westen

Der frühere Kreis Bad Doberan (in seinen alten Grenzen bis 1995) zählte noch in den 1970er Jahren zu den am dichtesten von Weißstörchen besiedelten Regionen in ganz Deutschland. Damals brüteten hier regelmäßig über 50 Horstpaare, die auch schon einmal 100 Jungstörche in einem Jahr groß bekamen (1971). Wer sich für diese "alten Zeiten" und auch Fotos von damals interessiert, dem sei ein spezieller Bereich unserer Website empfohlen:
http://www.stoerche-doberan.de/historisches.htm


Bahrenhorst in der Conventer Niederung, um 1975, mit zwei Storchennestern auf dem Reetdachgebäude. Foto: Hans-Heinrich Zöllick

Schon zu DDR-Zeiten ging der Bestand stark zurück. 1988 zählte Hans Zöllick noch 22 Horstpaare. Danach erholte sich der Bestand vorübergehend, sodass 2003 wieder 38 Paare ermittelt werden konnten. Seitdem geht es kontinuierlich abwärts. 2016 waren es nur noch 14 Horstpaare, und in diesem Jahr zähle ich aktuell noch 11 und einen Einzelstorch. Noch erschreckender ist der Rückgang des Bruterfolgs: waren es im Jahre 2004 immerhin noch 62 Jungstörche, die flügge wurden, gab es 2016 gerade einmal sechs ausfliegende Junge. Und in diesem Jahr sieht es leider nicht viel besser aus. Lediglich in drei Nestern haben wir momentan gute Hoffnung auf Bruterfolg:
- Satow
- Berendshagen
- Heiligenhagen
Hier hat die Brut rechtzeitig begonnen und ist bisher auch nicht abgebrochen worden.
In vier anderen Nestern kam der zweite Storch erst Ende April/Anfang Mai. Hier ist zum Teil noch gar nicht absehbar, ob überhaupt noch mit einer Brut begonnen wird:
- Moitin
- Neu Rethwisch
- Rosenhagen
- Vorder Bollhagen
Sicher ohne Bruterfolg werden die Paare in
- Reinshagen (vermutlich Brutabbruch/Partnerwechsel)
- Schmadebeck II (Brutabbruch)
bleiben. Auch an den beiden übrigen Standorten Kröpelin und Detershagen machen die Störche bisher noch keinerlei Anstalten für eine Brut. Stattdessen kam es hier zu zahlreichen Wechseln, bei denen auch mindestens drei beringte Störche mit im Spiel waren. Keiner von diesen ist aktuell noch am Nest.
Schließlich ist in Groß Bölkow seit etwa einer Woche ein Einzelstorch anwesend, der auch fleißig gebaut hat, heute Abend aber immer noch allein war. Im Unterschied zum Vorjahr noch gar nicht besetzt sind:
- Rederank
- Clausdorf
- Hohen Luckow
Das ist ein sehr trüber Zwischenstand, und es gehört wenig Phantasie dazu, für die nächsten Jahre einen weiteren Rückgang zu prognostizieren - leider!

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Aus Bandelstorf kann ich vermelden, dass das Brutgeschäft offenbar weiter ruhig verläuft und bei dem Männchen mit der Drahtschlinge um den Hals zumindest bis jetzt keine weiteren alarmierenden Vorfälle beobachtet wurden.

Tierparkbeobachtungen und eine Neuansiedlung (?)

Während in diesen Tagen unsere ersten Storchenküken schlüpfen (z. B. in Schwaan II), richtet sich andernorts der Blick immer noch auf Neuankömmlinge. So hat sich im Zoo Rostock offenbar ein Nachfolger für das beringte Männchen H3107 auf dem Wasserturm gefunden, das dort mehrere Jahre lang Brutvogel war. Und der Neue ist kein Unbekannter: er trägt den Ring DEH HR165 und war im letzten Jahr vier Wochen zur Pflege im Rostocker Zoo, bevor wir ihn im Juli bei Parkentin wieder auswilderten. Zuvor hatte ich ihn gemeinsam mit Storchenfreund Christoph Roscher bei Pastow stark geschwächt in einem Rapsfeld eingefangen, nachdem uns aufmerksame Anwohner informiert hatten. Da hat sich der Einsatz gelohnt und die Freude über den nachhaltigen Rettungserfolg ist groß! Nun hoffen wir, dass er und seine unberingte Partnerin sich durch den Baulärm im Zoo nicht von einer Brut abhalten lassen. Der nach dem Abriss der alten Eisbärenanlage allein stehende Wasserturm ist und bleibt offenbar ein begehrter Brutplatz für die Weißstörche.

Spannendes konnte gestern Hans-Heinrich Zöllick aus dem Vogelpark Marlow vermelden. Auf der Storchenwiese gibt es ein Baumnest, in dem jetzt ein in der Schweiz beringter Storch brütet. Wir werden zunehmend internationaler, sind auf Zuwanderung aber auch ganz bitter angewiesen. Darüber hinaus entdeckte er u. a. noch vier weitere Störche mit ELSA-Ringen, die bisher noch keinem Nest zugeordnet werden konnten, aber sehr wohl schon im brutfähigen Alter sind (3, 4, 5 und 6 Jahre). Zwei von ihnen stammen aus der Region, einer aus Ostvorpommern und einer aus Sachsen. Vielleicht lässt sich das mit der Nestzugehörigkeit noch klären. Der Vogelpark Marlow ist auf jeden Fall auch weiterhin ein Hotspot, und es überrascht nicht, das zwei offenkundige Neuansiedlungsversuche aus seiner Umgebung gemeldet wurden. In Fahrenhaupt/RDG stand zumindest zuletzt ein Storch auf der lange verwaisten Nisthilfe, während aus Stubbendorf/DBR sogar ein bauendes Paar gemeldet wurde. Letztmalig vor zwölf Jahren war dieses Nest besetzt. Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein.

Ein Nichtbrütertrupp macht Hoffnung

Dieser einjährige schwedische Storch (Ringnummer SVS 2122) ist Bestandteil eines Nichtbrütertrupps, der gestern tagsüber mehrfach aus unserem Betreuungsgebiet gemeldet wurde. Ich entdeckte ihn dann schließlich gegen 17 Uhr im Bereich Jürgenshagen/GÜ, wo sich elf Störche nahrungssuchend kurz vor Krugland auf Grünland fortbewegten. Die anderen zehn Störche waren leider unberingt. Da zugleich weitere Beobachtungen (unter anderem neues Storchenpaar in Detershagen ab 5.5., Einzelstorch in Groß Bölkow am 6.5.) gemacht wurden, hat es den Anschein, dass aktuell junge, nachrückende Störche eingetroffen sind. Nicht jeder von ihnen wird in diesem Jahr schon konkret nach einem Nistplatz suchen, aber es besteht doch die Hoffnung, dass sich der eine oder andere verwaiste Platz in unseren Nestern noch füllen wird. Für eine erfolgreiche Brut wird es jetzt aber in aller Regel schon zu spät sein. Hoffen können wir in solchen Fällen auf eine möglichst lange Horstbindung und eine Wiederkehr im kommenden Jahr.

Selbstrettung aus höchster Not - Bandelstorfer Männchen mit Drahtschlinge um den Hals


Unterschnabel verfängt sich in Drahtschlinge am Storchenhals. Bandelstorf, 5.5.17

Bei der heutigen Kontrolle des Bandelstorfer Storchenpaares kam es zu einer höchst dramatischen Situation. Das unberingte Männchen, das sich putzend auf dem Nest stand, schlug plötzlich wie toll mit den Flügeln umher und verrenkte den ganzen Körper, bevor es vom Nest abflog. Auf der nahen Wiese entdeckten wir die Ursache - er hatte sich mit dem Unterschnabel in einer Drahtschlinge verfangen, die ihm sehr eng um den Hals sitzt. Nach etwa zehn Minuten gelang es ihm zu unserer großen Erleichterung, den Unterschnabel aus der Schlinge zu bekommen. Danach beruhigte er sich, und wir sahen noch, wie er einige Zeit später das Brutgeschäft von seinem Weibchen übernahm. Wieso der Storch die Schlinge um den Hals hat, ist völlig unklar. Möglicherweise hat er sie sich bei der Nahrungssuche eingehandelt. Ihn davon zu befreien, wird kaum möglich sein, denn er ist voll flugfähig. Wir werden diesen Storch aber besonders unter Beobachtung halten. Erst einmal können wir nur hoffen, dass das schlimme Missgeschick nicht noch einmal auftritt. Anwohner berichten, dass die Schlinge schon mindestens zwei Wochen lang am Hals festsitzt.


Der Unterschnabel ist wieder frei - der Storch hat sich beruhigt, die Schlinge ist auf dieser Aufnahme gar nicht mehr zu erkennen. Sie sitzt aber weiter eng am Hals fest.

Leider müssen wir auch schon die beiden ersten Brutabbrüche vermelden. In Schmadebeck II stehen beide Störche seit wenigen Tagen auf dem Nest, nachdem davor schon längere Zeit gebrütet worden war. Die wahrscheinlichste Ursache ist ein Gelegeverlust nach Horstkämpfen, vermutlich am letzten Wochenende. Wenn jetzt nicht ein neues Weibchen am Nest ist, wird es leider in Schmadebeck in diesem Jahr keinen Storchennachwuchs geben. In Reinshagen ist das Paar bereits seit Ende März zusammen, eine Brut wurde bisher jedoch noch gar nicht sicher festgestellt. So ähnlich sah es auch im letzten Jahr aus. Auch hier kann es (unbeobachtete) Kämpfe, vielleicht auch mit Partnerwechsel gegeben haben. Es erscheint jedoch auch möglich, dass das Weibchen (wie eventuell schon im Vorjahr) nicht in der Lage ist, Eier zu legen.
Dieses Schicksal würde sie mit der beringten Störchin Helgoland 716T teilen, die in über zehn Jahren (bei diversen Kontrollen) nur zweimal ein einziges Ei gelegt haben dürfte. Lediglich 2015 brachte sie in Brünkendorf/RDG ein Junges durch. In diesem Jahr ist sie mit Partner ins benachbarte Alt Guthendorf umgezogen. Das frei gewordene Nest in Brünkendorf war dabei am Wochenende sehr umkämpft. Ein dreijähriger Storch, beringt in der Region Uecker-Randow, erlitt dabei eine Flügelfraktur. Er kam in den Zoo Stralsund, der Flügel musste leider amputiert werden.
Eine interessante Beobachtung gelang am Abend noch am Schornsteinhorst Pankelow I. Dort hatte über Wochen das beringte Männchen DEH H9768 gebaut, war aber am 20. April nach Cammin zu einem Weibchen umgezogen. Heute wurde dort augenscheinlich fest gebrütet. Den Platz im "gemachten Nest" hat nun ein anderer Storch eingenommen: DEH HH198, geschlüpft 2012 im Landkreis Ludwigslust, ist bei uns kein Unbekannter. Ich las seinen Ring bereits im Juli 2015 ganz in der Nähe bei der Getreideernte ab. Im Vorjahr war er kurzzeitig in Hohen Schwarfs auf dem Nest, wurde dort aber vom langjährigen Nestinhaber DEH H2189 vertrieben. Seit etwa 14 Tagen besetzt er nun wieder den Schornsteinhorst in Pankelow, wartet aber ebenso wie das Männchen im benachbarten Nest Pankelow II immer noch vergeblich auf ein Weibchen.

Zwischenbilanz zum 1. Mai: noch große Lücken


Eines der wenigen Paare, das am Wochenende zusammengefunden hat: Moitin. Foto: A. Hornburg, 2.5.17

Wie jedes Jahr möchte ich auch jetzt wieder eine erste Zwischenbilanz zum Stichtag 1. Mai ziehen. Im Vorjahr hatten im Altkreis Bad Doberan 46 Horstpaare und 2 Einzelstörche eine mindestens vierwöchige Nestbindung. Aktuell zähle ich erst 32 Horstpaare und 4 Einzelstörche (= 72 Prozent). Das wäre ein Bestandseinbruch um rund 30 Prozent. Allerdings wurden im Vorjahr zwischen dem 1. Mai und dem endgültigen Zähl-Stichtag 18. Mai noch fünf weitere Horstpaare komplett, 2015 waren es sogar zehn. Es bleibt also noch etwas Hoffnung, dass es nicht ganz so schlimm kommt wie es jetzt aussieht. Diese späten Paare werden aber nur noch ausnahmsweise Bruterfolg haben.
Am letzten Wochenende waren die Zugbedingungen zwar tatsächlich sehr günstig, aber es fanden sich nur sehr wenige Störche neu ein. Somit blieben im Vergleich zum Vorjahr folgende Nester (noch) unbesetzt:
- Mönchhagen
- Thulendorf
- Broderstorf II
- Vogtshagen
- Tessin
- Sildemow
- Schwaan I
- Rukieten II
- Clausdorf
- Groß Bölkow
- Detershagen
- Rederank
- Hohen Luckow
- Klingendorf
In Albertsdorf, Gnewitz, Pankelow I und Pankelow II fehlte immer noch der zweite Storch.
Demgegenüber stehen nur zwei Wiederansiedlungen: Kambs und Vorder Bollhagen.
Die Gründe für die sehr schlechte Zwischenbilanz, die im Übrigen auch in vielen anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns ähnlich ausfällt, habe ich an dieser Stelle bereits wiederholt diskutiert. Wir müssen davon ausgehen, dass die anhaltende, große Dürre in den wichtigen ostafrikanischen Überwinterungsgebieten erhebliche Verluste gefordert hat. Außerdem gab es ab dem 10. April über Mittelosteuropa etwa drei Wochen lang sehr widrige Zugbedingungen. Hinzu kommen sicher auch die vielen schlechten Erfahrungen, die brütende Storchenpaare 2016 bei uns gemacht haben. Mehr als 60 Prozent blieben ohne Bruterfolg, gleich reihenweise gab es Totalverluste - verursacht durch ein katastrophal geringes Nahrungsangebot nach wochenlanger Trockenheit.

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