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Historischer Tiefststand beim Weißstorchbestand auch auf Landesebene

In dieser Woche hat die Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz ihre Gesamtübersicht über das Weißstorchjahr 2016 in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt. Es geht als das schlechteste aller Zeiten in die Statistiken ein. Landesweit wurden nur noch 724 Horstpaare gezählt, das ist ein historischer Tiefststand und ein erneuter Bestandsrückgang um fast 10 Prozent (nach -7 Prozent 2015). 41 Prozent aller Horstpaare blieben ohne Bruterfolg, die Anzahl der flüggen Jungstörche sank um 344 auf nur noch 866 - auch das ist der niedrigste jemals ermittelte Wert. Der Rückgang betraf alle Regionen, am stärksten waren die Verluste in den Altkreisen Güstrow, Rügen und Nordvorpommern. Beim durchschnittlichen Bruterfolg (JZa) wurde ein Wert von 1,19 erzielt, der schwächste seit 25 Jahren. Unser Betreuungsgebiet (Altkreis Bad Doberan) landete mit 0,74 wieder einmal auf dem letzten Platz. Es hat sich also bewahrheitet, was wir schon seit Anfang Juli angenommen hatten - 2016 ist auch landesweit ein ausgesprochenes Störungsjahr gewesen.

Details gibt es auf der Seite der LAG Weißstorchschutz MV:
http://www.nabu-stoerche-mv.de/aktuelles-1/
http://www.nabu-stoerche-mv.de/der-wei%C3%9Fstorch-in-mv/bestandsentwick...

Erfreuliche Neuigkeiten aus der Ferne

Gute Nachrichten aus Afrika! In den vergangenen drei Tagen gab es von allen zehn besenderten Weißstörchen aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die dort (bzw. 1 x in Israel) überwintern, aktuelle Positionsmeldungen. Wir freuen uns sehr, dass sie nach den im Internet frei zugänglichen Daten alle wohlauf zu sein scheinen, nichts deutet auf einen Verlust hin. Gegenüber unserem letzten Bericht von Anfang Oktober gibt es aber wie zu erwarten etliche räumliche Veränderungen. Im Detail (in Klammern der Projektträger):
- "Nobby" (NABU Bergenhusen): Grenzregion Senegal/Gambia
- "Arthur" (NABU Bergenhusen): Tschadsee
- "Michael" (NABU Bergenhusen): Tschadsee
- "Gustav" (NABU Bergenhusen): Ost-Sudan (Wad Medani)
- "Albert von Lotto" (Storchenhof Loburg): westl. Tschad
- "Jonas"/HL457 (Storchenhof Loburg): Nord-Israel
- "Leon"/HL452 (Storchenhof Loburg): Süd-Tschad
- HL449 (Storchenhof Loburg): Ost-Uganda
- 5X202 (Stork Foundation - MV): Südwest-Sudan
- 6X812 (Stork Foumdation - MV): Südwest-Sudan
Nobby ist also tatsächlich ein "traditioneller" Westsahel-Zieher, Arthur und Michael sind im gleichen Gebiet wie in den Vorjahren unterwegs, auch Jonas scheint wie 2015/16 in Israel überwintern zu wollen. Für die anderen Senderstörche zeichnet sich jeweils eine Ost-Bewegung ab. Erst ein Storch (HL449) hat die Sahel-Zone bisher in südlicher Richtung verlassen. Rund um den Viktoria-See gab es in den letzten Tagen aber auch kräftige Regenfälle. Diese Verteilung kann und wird sich in den nächsten Wochen aber noch verändern.
Die großräumigen Wetterverhältnisse in ganz Afrika lassen sich über die wöchentlich erscheinenden Berichte der amerikanischen Klima-Behörde NOAA recht gut nachvollziehen.
http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/international/africa/africa_hazard...
Dem jüngsten Bericht nach muss leider im Halbjahr 2016/17 in Somalia und Südostäthiopien wieder mit einer Dürre gerechnet werden. Hier hat es in den letzten Monaten nur sehr wenig geregnet. Auch der Großteil Kenias hat deutlich zu wenig Niederschlag abbekommen. Für die dort lebenden Menschen kann das ganz schlimme Folgen haben (insbesondere Ernteausfälle - es drohen große Hungersnöte). Die Masse der Weißstörche nutzt diese Regionen dagegen nur sporadisch, ihre "klassischen" Überwinterungsgebiete liegen nördlicher und westlicher, und hier scheint es bessere Bedingungen zu geben. Auch Südafrika dürfte in diesem Jahr besser dastehen als im großen Dürrehalbjahr 2015/16. Die Heuschreckenplage im Tschad, von der unsere Störche im Oktober mit Sicherheit profitiert haben, scheint vorüber zu sein.
Schließlich können wir noch Positives von einem unserer beringten Störche berichten. HR148, der 2015 als letzter Jungstorch unserer Region in Lieblingshof aus dem Ei schlüpfte und im August 2015 noch vorübergehend im Zoo Rostock aufgepäppelt werden musste, ist jetzt am 16. November unter etwa 1.000 Störchen südlich von Madrid abgelesen worden. Dort überwinterte er auch schon 2015/16.

Erstes Zugziel Tschad

Jetzt, wo wir mittlerweile im Oktober angelangt sind, haben die allermeisten Störche ihr erstes Zugziel erreicht. Außerordentlich beliebt ist bei den Ostziehern offenbar auch in diesem Herbst der Tschad. Acht von neun erfahrenen Altstörchen mit Sender (drei aus Schleswig-Holstein, zwei aus Mecklenburg-Vorpommern und vier aus Sachsen-Anhalt), deren Zugroute im Internet verfolgt werden kann, haben wohlbehalten den zentralafrikanischen Staat erreicht. Hier hat es in den letzten Wochen wie immer in dieser Jahreszeit viel geregnet, sodass günstige Nahrungsverhältnisse vorliegen dürften. Später im Jahr wird der größere Teil von ihnen in östlicher Richtung weiterziehen. Der neunte besenderte Ostzieher-Storch ist ein dreijähriger Nichtbrüter ("Jonas" aus Loburg/DEH HL457), der den Sommer überwiegend im Drömling verbracht hat. Er hält sich schon seit einigen Wochen in Israel auf. Interessanterweise verbrachte er dort den gesamten letzten Winter. Er scheint also zu den vergleichsweise wenigen Störchen zu gehören, die auf der Ostroute nicht bis nach Afrika fliegen. Unterdessen hat der NABU Schleswig-Holstein einen adulten Storch neu beringt und besendert, der eine ebenfalls sehr interessante Route eingeschlagen hat. Als Westzieher hat sich "Nobby" gegen eine Überwinterung in Spanien entschieden und stattdessen die Straße von Gibraltar überquert. Über Marokko ging es zuletzt bis nach Algerien, hinein in die Sahara. Das genaue Ziel ist noch nicht erkennbar, aber es dürfte sich in der westlichen Sahel-Zone befinden. Dies ist das traditionelle Überwinterungsgebiet westziehender Störche, das seit etwa zehn bis 15 Jahren aber nur noch von einer Minderheit angesteuert wird, während die Mehrheit die Überwinterung in Spanien bevorzugt.
Den Zugweg nicht mehr antreten konnte der Jungstorch mit dem Ring "AB60", den wir Anfang Juli in Kurzen Trechow/GÜ beringt hatten. Er starb bereits Mitte August an einer Windkraftanlage nordöstlich von Bützow/GÜ, wie uns kürzlich gemeldet wurde. Besonders unerfahrene Jungstörche werden immer wieder einmal Opfer der sich drehenden Rotoren, ohne dass bisher allerdings eine besondere Häufung bekannt geworden wäre. Auf den Zugwegen sind es vor allem ungesicherte Strommasten, Erschöpfung und Nachstellung durch den Menschen, die die größten Gefahren darstellen.

Eine Neuansiedlung in Rostock

Rostock-Hinrichsdorf, 10.9.16

Vor wenigen Tagen erreichte mich die erfreuliche Nachricht, dass es in diesem Jahr noch eine Neuansiedlung in Rostock-Hinrichsdorf gegeben hat. Dort hatten sich engagierte Anwohner zusammengetan und 2014 eine alte Nisthilfe "renoviert" sowie mit einem neuen Nistkorb ausgestattet. Nachdem im letzten Jahr schon einmal der eine oder andere gefiederte Interessent vorbeigeschaut hatte, trafen in diesem Jahr etwa Anfang Mai nacheinander zwei Störche am idyllisch gelegenen Horst ein. Sie begannen zwar keine Brut mehr, hielten dem Nest aber bis in den August hinein die Treue. Ganz zum Schluss versammelte sich noch mehr als ein Dutzend Störche auf der großen Dorfwiese. Anhand von Fotos, die storcheninteressierte Anwohner im Juli gemacht haben, ist feststellbar, dass einer der zum Nest gehörenden Störche beringt gewesen ist. Leider war es nun für eine Ablesung zu spät. Hoffen wir auf eine Rückkehr und einen ersten Brutversuch im Frühjahr 2017!

Fast alle Störche sind aufgebrochen

In den letzten zehn Tagen sind nochmals viele unserer Störche in den Süden aufgebrochen. Jetzt dürften nur noch sehr wenige bei uns sein. Sie werden aber in den nächsten Tagen auch folgen. Ein beringter Jungstorch aus Klingendorf wird leider nicht dabei sein. Er wurde bei Prisannewitz schwer verletzt auf einer Straße hockend gefunden. Vermutlich gab es eine Kollision mit einem Fahrzeug, leider hat er es nicht geschafft...
Erstmals überhaupt sind in diesem Sommer auch zwei Altstörche aus Mecklenburg-Vorpommern besendert worden. Die Stork Foundation in Preten bei Boizenburg/Elbe betreut ein Projekt, mit dem herausgefunden werden soll, welche konkreten Nahrungsflächen für die beiden besenderten Weißstörche während der Jungenaufzucht besonders wichtig sind. Die Stiftung engagiert sich seit vielen Jahren in besonderer Weise für den Weißstorchschutz. In Mecklenburg-Vorpommern hat sie insbesondere wertvolle feuchte Nahrungsflächen in den Sudewiesen dauerhaft gesichert. Besendert wurde zum einen die siebenjährige Ringstörchin DEW 5X202, die 2016 in Besitz erfolglos gebrütet hatte. Sie ist früh aufgebrochen und jetzt bereits im Tschad. Zum anderen drücken wir dem gleichfalls siebenjährigen Gülzer Männchen DEW 6X812 die Daumen. Dieser Storch, der im Sommer zwei Jungstörche aufgezogen hat, überquerte gestern den Bosporus und ist jetzt im asiatischen Teil der Türkei. Insgesamt können wir in diesem Jahr den Zug von neun besenderten Altstörchen auf der Ostroute verfolgen. Bis auf zwei sind inzwischen alle aufgebrochen.

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