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Nahansiedlung in Neu Thulendorf

In diesem Jahr gibt es erstaunlich viele junge, beringte Störche, die neu im Altkreis Bad Doberan bzw. im Altkreis Ribnitz-Damgarten sind. Abgelesen wurden neue Ringstörche bisher in Semlow, Kneese, Marlow Stadt, Reinshagen, Clausdorf, Detershagen, Broderstorf I, Nustrow, Thelkow und jetzt auch in Neu Thulendorf. Sieben dieser zehn Störche sind 2010 beringt worden, sie vollenden also gerade erst in den nächsten Wochen ihr drittes Lebensjahr. Dazu zählt auch DEH HC774, der heute Abend allein auf dem Horst in Neu Thulendorf stand, aber seit einigen Tagen dort verpaart sein soll. Interessanterweise befindet sich sein Geburtsort nur rund sieben Kilometer entfernt - er (oder sie) schlüpfte 2010 in Wendfeld aus dem Ei. Damit ist HC774 ein direkter Nachkömmling unserer ältesten Ringstörchin, Hiddensee KA3528, die auch in diesem Jahr wieder in Wendfeld brütet. In den nächsten Tagen wird nun auch in unserer Region der Schlupf der Küken beginnen. Hoffen wir auf passende Witterung und genügend Nahrung.

Storchen-WG in Steffenshagen?

Foto: A. Hornburg, 14.5.13

Das nordwestlich von Bad Doberan gelegene Dorf Steffenshagen hat schon seit vielen Jahren kein dauerhaft besetztes Storchennest mehr. Nicht zuletzt aus diesem Grund kam offenbar ein Einwohner vor Jahren auf die Idee, einen Plastik-Storch auf eine nicht genutzte Nisthilfe zu setzen. Im Herbst 2010 biss tatsächlich ein echter Weißstorch an, versuchte sich zu paaren und baute das Nest kräftig aus. Der Wintereinbruch Anfang Dezember 2010 vertrieb ihn. Jetzt scheinen sich neue Interessenten gefunden zu haben. Anwohner berichten, dass seit zwei Tagen gleich zwei Störche Gefallen an dem Nest zeigen. Ihre Bemühungen, den dritten Storch aus dem Nest zu befördern, scheiterten an dessen stabiler Verankerung. Nun darf man gespannt sein, wie sich die ungleiche "Storchen-WG" weiter entwickelt. Der Storchenbetreuer ist von Plaste-/Plastikstörchen in Storchennestern übrigens wenig begeistert...

Wo steckt H7287?

Heute erreichte mich eine sehr interessante Ringwiederfundmeldung, die der Storchenbetreuer-Kollegen F. Schulz aus Cumlosen/Prignitz erhalten hatte. Danach wurde die Störchin mit dem Ring DEH H7287 am 5. April im südlichen Polen in einem Trupp von 38 Störchen abgelesen. Zu dieser Zeit herrschten dort noch spätwinterliche Verhältnisse, die zu einem Zugstau geführt hatten. H7287 wurde 2008 in Kietz an der Elbe beringt, brütete 2011 erfolglos in Petschow/DBR. 2012 entdeckten wir sie dann in Duvendiek bei Stralsund, immerhin 55 Kilometer weiter östlich. Beide Horste sind 2013 schon kontrolliert worden - es brüten dort jeweils unberingte Störche. Wo mag H7287 abgeblieben sein? Eine Teilablesung auf dem Storchenhof Kuhlrade/RDG vom 14. April könnte zu ihr passen - Buchstabe und drei der vier Buchstaben stimmten überein, lediglich die erste Zahl konnte nicht entziffert werden. Doch der Storch blieb dort nur kurz. Noch bleiben einige Monate Zeit - vielleicht bekommen wir ja noch heraus, ob H7287 im dritten Jahr nacheinander in einem anderen Nest brütet.

Eine weitere interessante Ringablesung gelang am Donnerstag in Semlow/RDG - hier wurde DEH HC764 zusammen mit einem unberingten zweiten Storch abgelesen. Hans-Heinrich Zöllick hat diesen Vogel 2010 in Kloster Wulfshagen/RDG beringt. Eine Schwester, DEH HC765, brütet seit wenigen Tagen im nur etwa 7 Kilometer von Semlow entfernten Kneese/RDG. Beide Störche waren schon 2012 - unabhängig voneinander - in der Region abgelesen worden, in der sie jetzt offenbar Horstbindung haben.

Der dreijährige Storch DEH HC764 als Nichtbrüter mit Partner am 9.5.13 in Semlow/RDG.

Großer Nichtbrütertrupp bei Bentwisch

Schwedischer Ringstorch SVS 1230 mit Farbmarkierung in einem Nichtbrütertrupp bei Albertsdorf. Foto: B. Becker

Nach einem gezielten Hinweis entdeckten wir heute Abend in der Nähe von Bentwisch einen großen Nichtbrütertrupp, bestehend aus 25 Störchen. Eine so große Anzahl ist für diese Jahreszeit zumindest in unserer Region eher ungewöhnlich. Nachdem die Störche sich zunächst weiträumig auf einer großen Grünlandfläche zur Nahrungssuche verteilt hatten, tauchten sie wenig später im Nachbardorf Albertsdorf auf. Hier wurden sie vom Brutpaar des Ortes vertrieben, ließen sich dann zunächst auf einem frisch gepflügten Acker und dann nach und nach auf einem großen, zum Teil abgestorbenen Baum westlich von Albertsdorf nieder. Diesen Schlafplatz sollen sie nach Anwohnerangaben auch schon in der Nacht zuvor bezogen haben. Während 23 Störche unberingt waren, trugen zwei oberhalb des Kniegelenks ELSA-Ringe. Einer von ihnen - zusätzlich am anderen Bein mit der Farbringkombination Schwarz-Rot-Weiß markiert - konnte abgelesen werden. SVS 1230 wurde 2011 in Schweden beringt.

Hohe Brutbereitschaft

Vor kurzem wurde auch auf dem E-Mast in Rukieten, auf dem die Störche in diesem Jahr ohne jede Hilfe ein ganz neues Nest errichtet haben, mit der Brut begonnen. 5.5.13

Bei den Weißstörchen ist es keineswegs so, dass alle Paare mit Horstbindung auch tatsächlich zur Brut schreiten. Besonders bei Paaren, bei denen beide Störche jung und brutunerfahren sind, kommt es nicht selten zu keiner Eiablage. Die Quote der Nichtbrüter schwankte in den letzten Jahren in unserem Betreuungsgebiet zwischen 5 und 19 Prozent. In diesem Jahr sieht es bisher nach einer überdurchschnittlich hohen Brutbereitschaft aus. Von den aktuell 49 Horstpaaren im Altkreis Bad Doberan und den vier in der Hansestadt Rostock haben nach letztem Kenntnisstand bisher 51 mit der Brut begonnen. Die beiden Ausnahmen sind Wischuer, wo es zumindest bis vor drei Tagen noch keinen Brutbeginn gab und Thelkow, wo möglicherweise erst kürzlich noch ein Paarwechsel stattgefunden hat. Erfreulicherweise haben auch die Paare mit einer Brut begonnen, die einen im Vorjahr leeren Horst besetzen (Rukieten I/II, Zeez, Ziesendorf, Neu Karin, Nienhagen). Dagegen scheint es am Standort Schmadebeck II, wo es am 28. April zum Abwurf von drei Eiern kam, (zumindest bisher) kein Nachgelege zu geben.
Der Zustrom an nachrückenden Störchen, die jetzt noch Horstbindung entwickeln, hat seit etwa zehn Tagen merklich nachgelassen. Die letzten Beobachtungen stammen aus Parkentin und vom zwischenzeitlich leeren Horst Schwaan I, wo jeweils seit dem 3. Mai ein Einzelstorch auf dem Horst steht (und auch baut). Dagegen ist der zweijährige schwedische Ringstorch, der letzten Sonntag allein auf dem Horst in Groß Bölkow abgelesen wurde, offensichtlich weitergezogen. Als letzter bisher noch nicht kontrolliert gewesener Ringstorch des Vorjahres konnte zwischenzeitlich DEH H3107 wieder am Horst Rostock Zoo I festgestellt werden.

Aktualisierung 7.5.: Jetzt hat auch das Paar in Wischuer mit der Brut begonnen.

Aktualisierte Ankunftskarte.

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