skip to content

Anhaltende Trockenheit gefährdet den Storchennachwuchs

Kröpelin, 21.5.16. Foto: A. Hornburg

Seit Anfang Mai hat es in unserem Betreuungsgebiet nur sehr wenig Niederschlag gegeben. In Rostock-Warnemünde etwa waren es weniger als 5 mm. Die Folge ist ein stark ausgetrockneter Erdboden. Regenwürmer, die gerade jetzt die wichtigste Nahrung für die frisch geschlüpften Jungstörche darstellen, haben sich in tiefere Bodenzonen zurückgezogen. Wir müssen daher ab sofort auch wieder mit dem Abwurf von Küken rechnen. Die Altvögel regulieren bei mangelnder Nahrungsverfügbarkeit auf diese Weise instinktiv die Anzahl ihrer Jungen.
Unterdessen hat heute das am 10. Mai zusammengefundene Storchenpaar in Sildemow offenbar noch mit der Brut begonnen. Auch in Hohen Luckow scheinen die Störche sich noch für diesen Schritt entschieden zu haben. In beiden Fällen gehört viel Glück dazu, wenn daraus am Ende noch flügger Nachwuchs hervorgehen soll. Ein positives Zeichen für die beiden neuen Standorte ist es in aber jedem Fall.
Zwei Neuigkeiten sind erfreulich: in Kröpelin scheinen die Embryonen in den dort bebrüteten Eiern die schwere, am 11. Mai durch einen Brand in Horstnähe entstandene Störung schadlos überstanden zu haben (die Ostsee-Zeitung hatte darüber berichtet). Obwohl die Brut seinerzeit für längere Zeit unterbrochen worden war, konnten gestern eine Eischale am Nestrand und auch deutliche Anzeichen von Fütterungen festgestellt werden. Außerdem sind seit vorgestern an dem wohl am stärksten frequentierten Storchennest unserer Region - dem auf der Wasserburg im Zoo Rostock - wieder zwei Störche zu sehen. Es hat sich herausgestellt, dass sich darunter auch das beringte Männchen der Vorjahre befindet. DEH H3107 traf erst am 13. Mai und damit mehr als einen Monat später als üblich an seinem Stammnest ein. Damit konnten in diesem Jahr nunmehr 14 von 17 Ringstörchen nachgewiesen werden, die bei uns 2015 Horstbindung hatten.

Das Schlüpfen der Küken hat begonnen

Grammow, 16.5.16

Bei Weißstörchen schlüpfen die Küken nach durchschnittlich 32 Tagen aus dem Ei. Bei dem Paar in Grammow, das bereits seit dem 2. April komplett ist, war es jetzt so weit. Ich konnte heute eindeutige Zeichen der Fütterung entdecken. Zunächst wird ganz kleinteilige Nahrung benötigt. Besonders Regenwürmer sind in den ersten zwei Wochen sehr gefragt. So war es sehr wichtig, dass es nach mehr als 14 tägiger Trockenheit zu Pfingsten endlich wieder geregnet hat. Die Schauer fielen allerdings sehr ungleichmäßig - der Osten unseres Betreuungsgebietes hat deutlich mehr abbekommen als der Westen und die Mitte. Nach aktuellem Stand brüten im alten Landkreis Bad Doberan 35 Paare (bzw. sind dort vor kurzem die ersten Jungen geschlüpft). Darüber hinaus ist bei drei bis vier Paaren noch unklar, ob sie noch mit der Brut beginnen werden. Die Chancen sinken dafür von Tag zu Tag - gesteuert durch den Hormonhaushalt der Störche. Die daraus resultierenden Nichtbrüterpaare gibt es in jedem Jahr. In einigen Nestern ist die Brut bereits gescheitert, was in erster Linie auf Horstkämpfe zurückzuführen sein dürfte. Dazu zähle ich die Paare in Liepen, Lieblingshof und Reinshagen. Den jeweils aktuellen Stand zum Verlauf der Brut fasse ich ab sofort wieder in einer "Bruterfolgskarte" zusammen:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/902

Nachtrag: Wer sich ein Bild von der Fütterung noch ganz kleiner Weißstorch-Küken machen will, dem empfehle ich eine sehr schöne Video-Sequenz vom Pfingstwochenende aus Otterwisch/Sachsen:
http://www.storchennest-otterwisch.de/images/Videos_2016/Storch20160514-...

Sildemow hat nach über 40 Jahren wieder ein Storchenpaar

Über 40 Jahre ist es her, dass in dem südlich von Rostock gelegenen Dorf Sildemow zuletzt Störche gebrütet haben. Nur noch die älteren, langjährigen Dorfbewohner werden sich an die 1960er und frühen 1970er Jahre erinnern können, als die Rotschnäbel hier regelmäßig Bruterfolg hatten, 1971 waren es - nach der Statistik von Hans Zöllick - sogar fünf Jungstörche, die erfolgreich ausflogen. Bald darauf stürzte der Baum an dem kleinen Dorfteich, auf dem sich das Nest befand, um. Ein Ersatzangebot wurde nie wieder angenommen. Noch einige Jahre länger zurück liegt die Zeit, als die Störche auf einer Fachwerkscheune des Gutshofes ihr hoch aufgeschichtetes Nest hatten. Das historische Foto oben stammt aus den späten 1950er Jahren.
Dem hartnäckigen Einsatz von Storchenfreund G. Gernhöfer ist es zu verdanken, dass den Störchen vor wenigen Jahren zwei neue Nistangebote gemacht wurden. Die Aussichten auf eine Wiederbesiedlung waren in einer Zeit des ständigen Bestandsrückgangs allerdings sehr gering, zumal sich auch das Nahrungsangebot in der näheren Umgebung gegenüber den 1960er und 1970er Jahren ganz eindeutig verschlechtert hat. Dennoch fand sich am 14. April diesen Jahres ein erster Storch ein, der zwar nicht baute, aber dem Nest (bzw. beiden Nistangeboten) doch kontinuierlich die Treue hielt. War dies vielleicht ein Weibchen? Seit gestern nun ist ein zweiter Storch da. Zumindest eine erste gemeinsame Übernachtung gab es schon, auch "Storchenhochzeit" wurde bereits gefeiert. Ob sie beide bleiben und sich vielleicht noch mehr entwickelt? Das muss sicher erst einmal abgewartet werden. Aber wir drücken den Sildemower Storchenfreunden auf jeden Fall fest die Daumen, dass die Rückkehr der Störche in ihr Dorf nach über 40 Jahre von Dauer ist.

Foto: G. Gernhöfer, 11.5.16

Jetzt ist er doch noch zurückgekommen...

In meinem letzten Eintrag hatte ich noch berichtet, dass in Hohen Schwarfs das langjährige Männchen mit dem Ring DEH H2189 als verschollen eingestuft wurde. Nun ist dieser zwölfjährige Storch doch noch zurückgekommen! Er traf am Samstag an seinem "Stammnest" ein und machte seinen Anspruch offenbar unmissverständlich deutlich. Die beiden neuen Störche wurden vertrieben, wir wissen noch nicht, wohin. Am Abend stand dann auch ein Weibchen mit im Nest. Ich denke, dass H2189 den letzten Winter in Südafrika verbracht haben könnte, so wie Senderstorch "Albert von Lotto", der immer noch auf dem Zug ist und zuletzt kurz vor dem Bosporus stand. Dass es in Hohen Schwarfs in diesem Jahr noch zu einer Brut kommen wird, ist eher unwahrscheinlich.
Bereits am Donnerstag gab es einen schweren, blutigen Horstkampf um das Nest Schmadebeck II. Glücklicherweise scheint die Brut fortgesetzt worden zu sein. Dagegen müssen wir aus Reinshagen leider einen Brutabbruch melden. Seit mindestens gestern wird nicht mehr gebrütet. Über die Gründe können wir nur rätseln, es wurden allerdings keine Eier unter dem Nest gefunden.
Erfreulich ist dagegen die Meldung aus Hohen Luckow, dass dort seit Mittwoch zwei Störche am Nest sind und auch bauen. Hohen Luckow ist ein alter Traditionsstandort, an dem jedoch seit einigen Jahren keine Störche mehr waren. Im März hatte unser Partner im Storchenschutz, der Netzbetreiber edis, das Nistangebot, das bis dahin ungewöhnlich weit draußen im Wiesenbereich gestanden hatte, auf meinen Wunsch und in Absprache mit den Verantwortlichen des Gutes näher an die Stallungen herangerückt. Wir drücken die Daumen, dass das Paar bleibt!

Wie viele Störche können jetzt noch kommen?

Eines der zuletzt eingetroffenen Storchenpaare steht seit dem 3. Mai auf dem Nest in Rosenhagen. Zwei Tage später wird immerhin schon gemeinsam am Nest gebaut.

Sorgenvoll richtet sich der Blick mancher Storchenfreunde dieser Tage auf das immer noch leere heimische Nest. Kommt doch noch ein Pärchen oder bleibt es unbesetzt? Gebangt wird z. B. noch an den "Traditionsstandorten" Broderstorf I (Amt), Tessin und Pankelow I, wo man seit vielen Jahren immer ein Storchenpaar begrüßen konnte. Auch sechs andere Nester, die 2015 mit einem Paar besetzt waren, sind aktuell noch leer: Wolfsberg, Parkentin, Klein Schwaß, Vorder Bollhagen, Rukieten I und Dummerstorf. In Rukieten II wurde zumindest ein Einzelstorch beobachtet. Dass im Gegenzug nach Clausdorf, Neu Rethwisch und Kambs zusätzliche Paare zurückgekehrt sind, wiegt den Abgang nicht auf. Hartnäckig stand zuletzt auch der Einzelstorch in Sildemow noch auf seinem Nest, und das schon seit drei Wochen. Schade, dass noch kein Partner hinzugefunden hat. Auch im Zoo Rostock gibt es ein völlig ungewohntes Bild - lediglich ein Storch am Baumnest Vogelhaus wurde uns von dort bis Anfang Mai zurückgemeldet. Das traditionsreiche Nest auf der Eisbärenburg, das jährlich Tausende Zoobesucher im Blick haben, war noch immer unbesetzt.
Da stellt sich natürlich die Frage: wie viele Störche können jetzt überhaupt noch eintreffen und anschließend Horstbindung erlangen? Wenn wir uns die letzten acht Jahre zum Vergleich anschauen, kamen nach dem 6. Mai noch zwischen keinem einzigen (2012) und neun Störchen, wobei es in den Jahren vergleichsweise später Rückkehr (2013 und 2015) am meisten waren. Am Wetter wird es jedenfalls nicht liegen, für die nächsten Tage sind in Mittel- und Osteuropa optimale Zugbedingungen vorhergesagt. Die Zwischeninformationen aus anderen Regionen lassen jedoch immer mehr befürchten, dass wir 2016 bei den ostziehenden Störchen das zweite schlechte Jahr, vermutlich sogar Störungsjahr nacheinander haben werden. Die Ursachen werden anders als 2015 eher nicht auf dem Frühjahrszug, sondern in den Winterquartieren vermutet. Hat die verbreitete Dürre in Ost- und Südafrika auch unter den Störchen viele Opfer gefordert? Fast sieht es so aus.
Ein Blick auf die Daten unserer zwölf zurückgekehrten Ringstörche zeigt an, dass elf von ihnen (zum Teil deutlich) früher als 2015 in unserer Region eintrafen. Nur das Petschower Männchen DEH H2919 verspätete sich um vier Tage. Sie kamen also fast alle besser mit den Frühjahrs-Zugbedingungen zurecht als im Vorjahr. Dafür fehlen mehrere Störche mit langjähriger Horstbindung: unsere "alte Dame" Hiddensee KA3528 in Wendfeld, "Zoostorch" DEH H3107 im Zoo Rostock und auch das langjährige Männchen in Hohen Schwarfs (DEH H2189). Weitere Ringstörche mit zumindest schon dreijähriger Bruterfahrung werden momentan in Pankelow I und Bandelstorf vermisst.
Unter dem Strich steuern wir zurzeit sowohl im Altkreis Bad Doberan als auch in Mecklenburg-Vorpommern auf einen historischen Tiefststand bei der Anzahl der Horstpaare hin.

Inhalt abgleichen
© Jan Haeupl 2006 - 2013 | Powered by Drupal | CristalX theme created by Nuvio.