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Auswilderung von fünf Jungstörchen

Startklar für die "Entlassung" in die Freiheit: 5 Jungstörche bei Parkentin-Neuhof, 26.8.15.

Auch in diesem Jahr hat uns der Zoo Rostock dank einer Ausnahmegenehmigung wieder sehr in unserer ehrenamtlichen Arbeit zum Wohl der Störche unterstützt. Insgesamt fünf Jungstörche wurden dort zwischen Anfang Juli und Mitte August aufgenommen und gepflegt. Jetzt war es an der Zeit, sie wieder in die Freiheit zu entlassen, denn der Zug der Weißstörche in ihre Winterquartiere ist in vollem Gange. Noch sind allerdings auch Brutstörche in der Nähe. So wurden in den letzten Tagen u. a. noch Altstörche in Vorder Bollhagen (dort noch mit beiden Jungstörchen), Biestow, Klein Schwaß, Rukieten I, Bandelstorf und Klingendorf gesehen.
Am Mittwoch wurden nun auf einer großen Wiese bei Parkentin-Neuhof, weit entfernt von Stromleitungen, großen Straßen und Windkraftanlagen, ausgewildert:
- HR 144 aus Thulendorf: war noch flugunfähig und damit zu früh vom Nest abgesprungen und lief zwei Tage lang durchs Dorf
- HR 148 aus Lieblingshof: war ebenfalls flugunfähig im Dorf umherlaufend gefunden worden
- HR 155 und 156: mussten mit schweren Verletzungen nach dem Angriff des vorjährigen Brutstorchs in Ziesendorf ausgehorstet werden
- HR 164: war bei Remlin/GÜ in eine Güllegrube geraten und musste daraus befreit werden
Als erstes fingen sie sich erst einmal Grashüpfer, die sich dort in großer Anzahl befanden. Später beobachteten wir, wie alle fünf ihre ersten Flugrunden drehten - ein schönes Bild!
Von einem Jungstorch aus Rosenhagen, den wir im vergangenen Jahr Ende August bei Marlow ausgewildert hatten, liegen übrigens inzwischen interessante Wiederfunde vor. Schon am 5. September war er in Rheinhessen und muss dann weiter in südwestlicher Richtung gezogen sein. Jedenfalls erfolgte die nächste Beobachtung am 10. April dieses Jahres in Frankreich. Am 7. Mai schließlich wurde er von M. Bräse in einem Trupp Nichtbrüter auf Rügen abgelesen.

Bereits fünf Jungstörche vorübergehend in Pflege

Auch in diesem Jahr gibt es eine ganze Reihe von Jungstörchen, die vorübergehend menschliche Hilfe benötigen, bevor sie anschließend ausgewildert und noch mit auf den Zug in Richtung Süden geschickt werden können. Dankenswerterweise hat der Rostocker Zoo, der im Winter leider von einem Ausbruch der Geflügelpest/Vogelgrippe betroffen war, eine Sondergenehmigung für die Aufnahme von Störchen erwirkt. Unter großen Vorsichtsmaßnahmen sind inzwischen bereits fünf Jungstörche dorthin gebracht worden. Zuletzt brachte Storchenfreundin A. Hornburg in meinem Auftrag den noch nicht flügge Lieblingshofer Jungstorch in Sicherheit. Es ist vorgesehen, dass noch Ende August alle fünf in die Freiheit entlassen werden.

2015 ist ein schlechtes Storchenjahr

Pressemitteilung

Jetzt steht fest: 2015 ist im alten Landkreis Bad Doberan ein schlechtes Storchenjahr geworden. Die Zahl der Horstpaare ist gegenüber dem Vorjahr um fünf auf 50 zurückgegangen. Damit wurde der historische Tiefststand aus dem Jahr 2012 eingestellt. Es haben auch nur 29 Paare Nachwuchs, während gleich 21 (42 Prozent) ohne Bruterfolg blieben. Die Zahl der in den Nestern heranwachsenden Jungstörche beträgt 67, das ist – nach 91 im Vorjahr – der niedrigste Wert seit 1997. Langjährig besetzte Nester wie z. B. in Thelkow, Neu Thulendorf und Clausdorf blieben leer, während an anderen Traditionsstandorten, wie in Göldenitz bei Dummerstorf und in Groß Potrems an der B 103 nur Einzelstörche festgestellt wurden. Positiv hervorzuheben ist eine Neuansiedlung in Klein Schwaß. Auch auf die zuletzt verwaiste Reetdachscheune in Parkentin und das Dach des ehemaligen Pflegeheims in Schwaan (John Brinkman-Straße) kehrten in diesem Jahr Storchenpaare zurück, sie blieben jedoch ohne Bruterfolg. Jeweils vier flügge Jungstörche gab es in Volkenshagen, am zweiten Schwaaner Nest (am Tannenberg) und in Wendfeld. Dort brütet seit Jahren eine inzwischen 21jährige Störchin, die 1994 in Brandenburg beringt wurde. Ein so hohes Alter ist bei Weißstörchen sehr selten. Ein inzwischen fünfjähriger Abkömmling der „alten Dame“ brütete in diesem Jahr in Thulendorf. In Ziesendorf mussten zwei verletzte Jungstörche ausgehorstet und in den Rostocker Zoo gebracht werden, nachdem die spät aus dem Winterquartier zurückgekehrte Brutstörchin des Vorjahres das Nest attackiert und das diesjährige Paar vertrieben hatte.
Überhaupt war die verspätete Rückkehr in diesem Jahr das Hauptproblem: schlechtes Wetter mit viel Gegenwind, Regen und Schnee in Südosteuropa hielt einen Großteil der in Afrika überwinternden Störche zum Teil wochenlang auf. Vielerorts trafen die Brutvögel erst Ende April oder im Mai ein, woraufhin an etlichen Nestern erst gar nicht mehr mit der Brut begonnen wurde. Hinzu kamen – ebenfalls bedingt durch die späte Rückkehr vieler Störche – heftige Kämpfe mit Gelegeverlusten (z. B. in Gerdshagen, Bentwisch, Groß Bölkow und Rukieten). Auch in anderen Teilen Mittel- und Osteuropas rechnen die Storchenbetreuer aufgrund der im Durchschnitt späten Rückkehr 2015 mit einem so genannten „Störungsjahr“. Witterungsbedingte Verluste gab es dagegen vergleichsweise wenige, auch wenn besonders die erste Juni-Hälfte zu trocken war. Für die wenigen früh zurückgekehrten Störche gab es in diesem Jahr ein reichhaltiges Angebot an Kleinsäugern – Landwirte beobachteten besonders viele Mäuse auf den Feldern. Davon profitierten die Spätbrüterpaare aber kaum noch, hier wuchs oftmals nur noch ein Jungstorch heran.
Zum siebten Mal seit 2009 konnten mit freundlicher Unterstützung der Bauernverbände Bad Doberan und Bützow Jungstörche beringt werden – insgesamt 54 waren es in diesem Jahr. Einige Jungstörche der Vorjahre siedelten sich im Altkreis an: so stammt das vierjährige Parkentiner Männchen aus Schmadebeck, und das Weibchen in Klein Schwaß wurde 2011 in Cammin beringt. Bemerkenswert ist der Bruterfolg eines erst zweijährigen Storchs in Vorder Bollhagen (zwei Jungvögel). Üblicherweise beginnen Störche frühestens im dritten Lebensjahr mit ihrer ersten Brut.

Jungstorch in Wendfeld verunglückt tödlich

Einer der Jungstörche aus der erfolgreichen Viererbrut in Wendfeld wird den Weg in den Süden leider nicht antreten können. DEH HR091 verunglückte am Wochenende beim Anflug an sein Nest tödlich. Bei stürmischem Wind ist er offenbar mit Wucht gehe eine hohe Hauswand geprallt. Unglücke dieser Art sind gerade bei Jungstörchen, die erst wenige Tage flügge sind und denen es noch an "Flugtauglichkeit" mangelt, nicht selten.
Das verwitwete Weibchen in Detershagen scheint es erwartungsgemäß gut zu schaffen, seine beiden Jungen allein groß zu bekommen. Auch hier dauert es nicht mehr lange bis zum Flüggewerden.
Unterdessen konnte ich in den letzten Tagen erneut einen von uns beringten Storch als Brutvogel ablesen. DEH H8985 schlüpfte 2009 in Schmadebeck/Hof Plate aus dem Ei. Er zieht in diesem Jahr erstmals am Forsthof Lüttenhagen/Mecklenburgische Seenplatte zwei Junge auf. Sein Partner musste vorübergehend auf dem Storchenhof Papendorf gepflegt werden, kehrte jedoch vor kurzem an sein Brutnest zurück.

Erntebeginn verbessert das Nahrungsangebot für die Störche

Wie in jedem Jahr bedeutet der Beginn der Getreideernte für die Störche eine schlagartige Verbesserung der Nahrungssituation. Häufig findet man sie jetzt hinter den Mähdreschern, immer auf der Suche nach einer möglichst "fetten Beute". Am östlichen Ortsrand von Dummerstorf, einem Gebiet mit sehr hoher Storchendichte, beobachtete ich heute einen Trupp von 12 Störchen als Begleiter des Wintergerstedrusches. Immer wieder gab es jedoch Auseinandersetzungen und ein Wegjagen einzelner Störche. Ganz offensichtlich empfanden mehrere Störche das Getreidefeld als zugehörig zu ihrem Brutrevier und versuchten, "Eindringlinge" zu vertreiben. Dieser Eindruck bestätigte sich auch durch die Ablesung zweier Ringe (ein dritter war zu verkotet): neben dem Männchen DEH H9768 vom Nest Pankelow I war mit DEH HH198 ein dreijähriger, aus dem Altkreis Ludwigslust stammender Storch dabei.
Aus dem Rostocker Zoo gab es die erfreuliche Nachricht, dass die beiden verletzten Jungstörche aus Ziesendorf sich sehr gut entwickeln und gute Chancen auf eine Auswilderung in der zweiten August-Hälfte haben.

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