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Jahresbilanz - 2016 ist ein Störungsjahr

In den letzten Tagen konnte ich die Zählung unserer Jungstörche abschließen. In Kürze werden auch die letzten von ihnen flügge sein. Es ist daher damit zu rechnen, dass die jetzigen Zahlen auch schon die endgültigen sein werden. Wie bereits in den letzten Wochen geschildert, ist das Storchenjahr 2016 ein ausgeprägtes Störungsjahr. Wir erreichen im alten Landkreis Bad Doberan die geringste jemals ermittelte Horstpaarzahl und auch - mit großem Abstand - einen neuen Tiefststand bei den flüggen Jungstörchen:
- 46 Horstpaare (- 5 gegenüber 2015)
- 18 Horstpaare mit Bruterfolg
- 28 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 61 % HPo)
- 34 flügge Jungstörche: 5 x 1, 11 x 2, 1 x 3, 1 x 4
- JZa: 0,74
- JZm: 1,89
Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass es im alten Landkreis Bad Doberan in anhaltend trockenen Jahren ein besonders schlechtes Nahrungsangebot gibt. Dies verdeutlicht schon der Vergleich mit dem benachbarten Altkreis Ribnitz-Damgarten, in dem es zwischen Anfang Mai und Mitte Juni fast genauso wenig geregnet hat - hier vermeldet Hans-Heinrich Zöllick ein nahezu identisches Ergebnis (ohne Vogelpark Marlow) wie im Vorjahr:
- 37 Horstpaare (+ 1 gegenüber 2015)
- 23 Horstpaare mit Bruterfolg
- 14 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 38 % HPo)
- 47 flügge Jungstörche: 8 x 1, 7 x 2, 7 x 3, 1 x 4
- JZa: 1,27
- JZm: 2,04
Die bisher vorliegenden Zahlen aus anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und Ostdeutschlands deuten überwiegend auf ein gleichfalls schlechtes Nachwuchsjahr hin. Endgültige Zahlen werden hier allerdings erst in einigen Monaten vorliegen.
Die Gründe für das schlechte Storchenjahr in Ostdeutschland sind dabei im Prinzip identisch:
- Dürre und damit Nahrungsknappheit in vielen ost- und südafrikanischen Überwinterungsgebieten
- vielfach verspätete Heimkehr aufgrund schlechter konditioneller Verfassung
- Nahrungsmangel aufgrund verbreiteter, anhaltender Trockenheit im Mai und in der ersten Juni-Hälfte (gilt nicht für ganz Ostdeutschland)

Neuansiedlung in Mönchhagen

Bis vor etwa 20 Jahren war dieser alte Bäckerei-Schornstein in Mönchhagen regelmäßig von brütenden Storchenpaaren besetzt. Danach verfiel die darauf angebrachte Nisthilfe und der Standort geriet weitgehend in Vergessenheit, bevor im vergangenen Jahr ein engagierter Anwohner eine neue Hilfs-Konstruktion aufbringen ließ. Und er wurde auf Anhieb belohnt: Schon in der vergangenen Brutsaison wurde das Nistangebot (wenn auch sehr spät) von einem Storchenpaar entdeckt und umgehend genutzt. In diesem Jahr wurde das Nest sogar schon Ende April von zwei Störchen besetzt und stark ausgebaut. Sie sind bis heute geblieben und haben die Anzahl unserer Horstpaare im Altkreis Bad Doberan auf 46 erhöht. Leider klappte es in diesem Jahr noch nicht mit einer erfolgreichen Brut, aber angesichts recht guter Nahrungshabitate in der näheren Umgebung stehen die Chancen für die kommende Saison gar nicht so schlecht. Durch einen Zufall erfuhr ich gestern von dieser schönen Neuansiedlung, die in einem ansonsten sehr schlechten Storchenjahr eine höchst erfreuliche Ausnahme darstellt (neben Mönchhagen gab es sie nur noch in Sildemow). Eine spannende Frage ist unterdessen noch zu klären, denn einer der Altvögel trägt nach Auskunft der Anwohnerin einen Ring...

Update 23.7.16

Heute hat die Ablesung des beringten Männchens geklappt. DEH HE613 wurde 2011 von uns ganz in der Nähe, im Nachbarort Volkenshagen, beringt. Anwohner berichteten, dass dieser Storch vermutlich auch 2015 schon in Mönchhagen war.

Die ersten Jungstörche sind flügge

Langenhanshagen, 10.7.16

Diese drei Jungstörche in Langenhanshagen/RDG gehören zu den ersten, die in diesem Jahr flügge geworden sind. Seit wenigen Tagen können sie fliegen. Ihre Mutter ist die berühmte Störchin DER A277 ("Schnuckel"), die deutschlandweit bekannt ist. Nach Verlegung der Stromleitungen unter die Erde konnte auch in Langenhanshagen in diesem Jahr erstmals beringt werrden.

Aus einiger Entfernung gut ablesbar sind die neuen Metallringe, die die Beringungszentrale Hiddensee seit diesem Jahr für Weißstörche in ihrem Einzugsgebiet verwendet. Allerdings stehen die großen Bewährungsproben (Bekotung bei großer Hitze und die klimatischen Herausforderungen auf dem Zug nach Afrika und zurück) noch aus.

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Neuhof/Parkentin, 16.7.16. Foto: B. Becker.

Auf dem Weg in die Freiheit befindet sich dieser Altstorch, den wir am 20. Juni am Ortsrand von Pastow in geschwächtem Zustand eingefangen haben. Gut drei Wochen wurde er im Rostocker Zoo aufgepäppelt und jetzt bei Parkentin wieder ausgewildert. Es hat fast den Anschein, dass er oder sie sich wieder nach Pastow begeben hat. Jedenfalls informierte die Anwohnerin, dass auf dem dortigen (Besucher-)Nest nunmehr zwei statt zuvor stets nur ein Storch zu sehen sind. Nachkontrollen vor Ort blieben bisher leider ohne Ergebnis. Dieser Storch hat mit DEH HR165 unseren letzten ELSA-Ring erhalten.

Ergebnisse der zweiten und dritten Beringungsrunde

In Bandelstorf werden 2016 zwei Jungstörche groß. 4.7.16

Bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen wurden vorgestern und heute in unserer Region die zweite und die dritte Beringungsrunde gefahren. Dabei zeigte sich, dass der von Hans Zöllick betreute Altkreis Ribnitz-Damgarten in diesem Jahr deutlich besser abschneidet als der alte Landkreis Bad Doberan. Hier die Beringungszahlen im Einzelnen:

2.7., Altkreis Ribnitz-Damgarten:
- Ehmkenhagen: 4 juv.
- Freudenberg: 3 juv.
- Kneese: 3 juv.
- Forkenbeck: 3 juv.
- Langenhanshagen: 3 juv.
- Kavelsdorf: 3 juv.
- Klockenhagen: 2 juv.
- Kloster Wulfshagen: 2 juv.
- Alt Guthendorf: 2 juv.
- Kuhlrade: 1 juv.
- Völkshagen: 1 juv.
- Gresenhorst: 1 juv.
- Wiepkenhagen: 1 juv.
- Marlow Stadt: 1 juv.
- Brünkendorf: 1 Zwergenei

4.7., alter Kreis Bad Doberan:
- Wendfeld: 3 juv.
- Zarnewanz: 2 juv.
- Pankelow II: 2 juv.
- Fienstorf: 2 juv. + 2 Eier
- Cammin: 2 juv. + 1 Ei
- Bandelstorf: 2 juv.
- Albertsdorf: 1 juv.
- Moitin: 1 juv.
In Sildemow konnten vier nicht ausgebrütete Eier festgestellt werden. Vermutlich hat es dem Paar hier an Brutreife gefehlt.

außerdem im Altkreis Bützow:
- Jürgenshagen: 3 juv.
- Kurzen Trechow: 2 juv.
- Horst bei Bützow: 2 juv. + eine Einhorstung (aus Gnemern, zwischenzeitlich im Zoo Rostock gepflegt)

Was machen eigentlich die Senderstörche...?

In den Monaten Februar bis April haben wir an dieser Stelle immer wieder über den Zug ausgewählter ostziehender besenderter Weißstörche berichtet, deren Routen im Internet verfolgbar sind. Jetzt, wo das Ende der Brutsaison in gar nicht mehr so weiter Ferne liegt, möchte ich einen kurzen Überblick über ihr weiteres Schicksal geben.
- "Michael", der Ende März an seinem "Stammnest" in Bargen/Schleswig-Holstein eingetroffen war, hat dort wie in den Vorjahren erfolgreich mit der westziehenden Senderstörchin "Ronja" gebrütet. Das Ergebnis ist überaus erfreulich, am 6. Juni konnten die dortigen Storchenbetreuer gleich fünf Jungstörche beringen, die auch zuletzt noch im Nest beobachtet werden konnten
- "Gustav" war ebenfalls schon Ende März an seinem Stammnest in Pahlen/Schleswig-Holstein eingetroffen, musste aber bis zum 4. Mai auf das Eintreffen einer Partnerin warten. Nach letztem Stand ziehen beide immerhin zwei Jungstörche groß
- "Peter" (ebenfalls vom NABU Schleswig-Holstein besendert) ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit während des Heimzuges im Libanon abgeschossen worden
- "Albert von Lotto" kehrte, aus Südafrika kommend, erst in den letzten Mai-Tagen nach Loburg/Sachsen-Anhalt zurück. Er eroberte sein langjähriges Nest nicht zurück, sondern hält sich als Nichtbrüter in der Umgebung Loburgs auf
- "Leon", beringt 2013 in Sachsen-Anhalt, startete nach früher Rückkehr in dem Dorf Derwitz bei Potsdam erstmals einen Brutversuch, der jedoch fehl schlug. Er hält sich momentan weiterhin im Umfeld seines Brutplatzes auf
- "Jonas", ebenfalls 2013 in Sachsen-Anhalt beringt, kehrte in seine Herkunftsregion "Drömling" zurück und trieb sich dort die meiste Zeit nahrungssuchend herum. Zwischendurch unternahm er allerdings mehrere große Ausflüge in verschiedene Regionen Nord- und Westdeutschlands
- Senderstorch DEH "HL449", gleichfalls Jahrgang 2013 und aus Sachsen-Anhalt, zog es vor, als Nichtbrüter die Brutsaison in Osteuropa zu verbringen. Auf seinen ausgedehnten Flügen besuchte er Russland, Weißrussland, Litauen, die Ukraine und zuletzt Polen, wo er sich auch momentan noch aufhält.

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Inzwischen ist auch klar, dass das neue Storchenpaar in Sildemow ohne Nachwuchs bleibt. Vor wenigen Tagen wurde dort die (überlange) Brut abgebrochen.

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