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A277 ist zurück in Langenhanshagen

Seit Mittwoch ist im Altkreis Ribnitz-Damgarten der erste Storch zurück an seinem Nest. Es ist fast schon erwartungsgemäß die legendäre Brutstörchin A277, die den Winter in Thüringen und Nordrhein-Westfalen verbracht hat. Dort, in Delbrück, ist sie am 18. Februar aufgebrochen, benötigte also vier Tage, um nach Vorpommern zu fliegen. A277 ist mittlerweile bereits 17 Jahre alt, die Rückkehr an den Brutplatz erfolgt bei ihr üblicherweise Ende Februar/Anfang März. Im Vorjahr zog sie mit ihrem Partner drei Jungstörche groß.
Bereits einen Tag vorher waren in Gothmann bei Boizenburg und in Prohn bei Stralsund die beiden ersten diesjährigen Rückkehrer in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt worden. Der Prohner Storch trägt einen Ring, dieser konnte jedoch noch nicht abgelesen werden.
Inzwischen hat es auch viel Bewegung bei den ostziehenden Senderstörchen gegeben, die in Afrika bzw. Israel überwintert haben: "Leon", Michael" und "Gustav" sind alle im Sudan. Sie ziehen nordwärts und folgen dabei dem Nil. "Arthur" ist ebenfalls auf dem Zug, zuletzt meldete sich sein Sender aus dem äußersten Osten des Tschad. "Albert von Lotto" ist gleichfalls aufgebrochen, hat aber zwischenzeitlich bereits wieder gerastet. Aktuell ist er im Norden Zimbabwes. Der Loburger Storch "Jonas" (in Israel) und der Gülzer Storch 6X812 (im Südosten des Sudan) rasten zurzeit noch. Von "Nobby" und DEH HL449 fibt es weiterhin keine neuen Signale. Die Besitzer Störchin 5X202 ist in Tansania Opfer menschlicher Nachstellung geworden. Es konnte geklärt werden, dass sie zunächst per Köder vergiftet und dann verspeist worden ist. Dabei darf nicht übersehen werden, dass in Tansania eine große Dürre herrscht und die Menschen dort sehr wenig zu essen haben.

Erster Senderstorch auf dem Heimzug

Der erste der von uns beobachteten Senderstörche hat in Afrika seinen Heimzug begonnen. Wie der NABU berichtet, ist Storch "Michael" bereits Ende Januar am Tschadsee gestartet. Seitdem ist er zügig ostwärts vorangekommen und wird voraussichtlich bald den Sudan erreichen. Michael ist jedes Jahr sehr zuverlässig einer der ersten aufbrechenden Weißstörche. Meistens trifft er schon Ende März an seinem Nest in Schleswig-Holstein ein. Ich gehe davon aus, dass in nächster Zeit weitere ostziehende Senderstörche aufbrechen werden. Erfreulicherweise hat sich laut der NABU-Karte auch Senderstorch "Arthur" wieder gemeldet. Er war gestern in Nigeria. Offenbar hatte er zwischenzeitlich den Tschadsee in südlicher Richtung verlassen.
Aus Tansania erreichte uns die Nachricht, dass am 22.1., nur drei Tage nach dem wahrscheinlichen Tod der Besitzer Störchin 5X202, ganz in der Nähe (nur 5 km entfernt) ein Senderstorch aus Bayern verendet ist. Hat die lang anhaltende Trockenheit hier ein weiteres Opfer gefordert oder gab es eine andere Ursache?
Schließlich wurden in dieser Woche an zwei großen Weißstorch-Überwinterungsplätzen bei Madrid unsere beiden Ringstörche HH727 (Jg. 2012, aus Neu Steinhorst/RDG, 2016 Brutvogel in Neddemin/MST) und HR161 (Jg. 2015, beringt als Teil einer Spätbrut in Heiligenhagen/DBR) abgelesen. Der letzte der beiden Fälle zeigt einmal mehr, dass Störche, die unser Betreuungsgebiet erst am Ende des Sommers verlassen, zu einem Zug in südwestliche Richtung tendieren - und dort ganz offensichtlich größere Überlebenschancen haben als auf der Ostroute.

Mecklenburgische Senderstörchin in Tansania vermutlich tot

Eine traurige Nachricht erreichte uns aus Tansania. Die Besitzer Senderstörchin mit dem Ring DEW 5X202 ist sehr wahrscheinlich tot. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sie am 19. Januar in der Savannenlandschaft Zentral-Tansanias verendet ist. Die Todesursache lässt sich ohne weitere Informationen nicht ermitteln. Fakt ist allerdings, dass sie längere Zeit in einem Gebiet unterwegs war, in dem es seit Monaten kaum geregnet hat und aktuell Dürre herrscht.
Die Schweriner Volkszeitung hat vorgestern ausführlich darüber berichtet: http://www.svz.de/lokales/hagenower-kreisblatt/frau-stoerchin-sendet-nic...

Unterdessen rückt für die anderen besenderten Störche die Zeit des Aufbruchs in Richtung Brutgebiete näher. Die meisten von ihnen werden im Monat Februar den Frühjahrszug beginnen. Sie werden dabei aus sehr unterschiedlichen Regionen starten (aktuelle Position der letzten Tage):
- "Michael" vom Tschadsee aus
- "Jonas" aus dem zentralen Israel
- "Gustav" aus dem Südosten des Sudan
- "6X812" aus dem Südosten des Sudan
- "Leon" aus Ost-Uganda
- "Albert von Lotto" aus dem südwestlichen Zimbabwe
Drei weitere Störche haben zuletzt vor einem Monat oder länger gesendet. Hier bleibt abzuwarten, ob sie sich auf dem Zug melden, wenn sie möglicherweise in Regionen mit besseren Datenübertragungsmöglichkeiten kommen. Natürlich können wir nicht ausschließen, dass auch ihnen etwas zugestoßen ist:
- "HL449" Tansania (28.11.)
- "Arthur" Tschadsee (18.12.)
- "Nobby" Zentral-Senegal (1.1.)

Zwischen Delbrück und Botswana

Wieder gibt es einige Neuigkeiten von den in den Überwinterungsgebieten weilenden Senderstörchen. Nach wie vor ist es allerdings so, dass auch einmal längere Zeit keine Daten übermittelt werden.
- "Nobby" (NABU Bergenhusen): meldete sich Anfang Januar aus dem Senegal, hatte da gerade eine leichte Nordverlagerung hinter sich
- "Arthur" (NABU Bergenhusen): dürfte weiter am Tschadsee sein, sein Sender meldet sich nur sehr selten (zuletzt 18.12.)
- "Michael" (NABU Bergenhusen): unverändert Tschadsee, zuletzt im Dreiländereck Niger/Nigeria/Tschad
- "Gustav" (NABU Bergenhusen): vom Südost- in den Süd-Sudan, leichte Veränderung in westlicher Richtung
- "Albert von Lotto" (Storchenhof Loburg): Zug vom nördlichen Uganda über Tansania und Simbabwe bis nach Botswana, wo er sich jetzt schon einige Zeit aufhält und offenbar gute Nahrungsflächen zur Verfügung hat
- "Jonas"/HL457 (Storchenhof Loburg): nach sechswöchiger Funkstille seit gestern im mittleren Israel
- "Leon"/HL452 (Storchenhof Loburg): hält sich seit Wochen im östlichen Uganda auf
- HL449 (Storchenhof Loburg): letzte Meldung aus Tansania am 28.11.; schon vorher fiel sein Sender durch häufige, längere Pausen auf
- 5X202 (Stork Foundation - MV): von Uganda über Kenia nach Zentral-Tansania
- 6X812 (Stork Foundation - MV): von Äthiopien zunächst über Kenia bis nach Nord-Tansania; von dort in den letzten Tagen mit Nordkurs bis an die Grenze vom Sudan zum Südsudan
Die neuesten Witterungsinformationen aus Afrika verraten, dass es in den letzten Monaten im südlichen Afrika reichlich Niederschläge gegeben hat. Dort dürfte es zurzeit nicht nur für Albert von Lotto gute Rastbedingungen geben. Dagegen wird aus Ostafrika (insbesondere aus großen Teilen Tansanias und Kenias) wie schon im Vorjahr eine große Trockenheit gemeldet, die teilweise schon als Dürre anzusehen ist. Hier sind die Überwinterungsbedingungen für unsere Störche mit Sicherheit deutlich ungünstiger.

Aus einer ganz anderen Region erreichte uns heute noch eine weitere interessante Meldung. Die bekannte Störchin A 277 ist heute früh in Delbrück (NRW) eingetroffen. Hier war sie auch schon in den beiden vorangegangenen Wintern. Möglicherweise ist sie dem Wintereinbruch in Thüringen ausgewichen, von wo sie zuletzt gemeldet worden war.

Jahresbericht 2016 liegt vor

Der Jahresbericht für das Weißstorchjahr 2016 im alten Landkreis Bad Doberan und in der Hansestadt Rostock liegt vor und kann hier heruntergeladen werden.

Neues von den Senderstörchen in Afrika

In den letzten vier Wochen ist wieder einiges passiert bei den zehn adulten Senderstörchen aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Sieben von ihnen haben in den letzten Tagen aktuelle Positionsdaten übermittelt, bei dreien gab es die letzten Daten Ende November.
- "Nobby" (NABU Bergenhusen): unverändert Grenzregion Senegal/Gambia
- "Arthur" (NABU Bergenhusen): unverändert Tschadsee (zuletzt 27.11.)
- "Michael" (NABU Bergenhusen): unverändert Tschadsee
- "Gustav" (NABU Bergenhusen): vom Ost- in den Südost-Sudan, leichte Verlagerung
- "Albert von Lotto" (Storchenhof Loburg): Zug vom westlichen Tschad ins nördliche Uganda: will er wie im Vorjahr nach Südafrika?
- "Jonas"/HL457 (Storchenhof Loburg): Nord-Israel (zuletzt 29.11.)
- "Leon"/HL452 (Storchenhof Loburg): vom Süd-Tschad nach Uganda
- HL449 (Storchenhof Loburg): von Ost-Uganda nach Tansania (zuletzt 28.11.)
- 5X202 (Stork Foundation - MV): vom Südwest-Sudan nach Uganda
- 6X812 (Stork Foundation - MV): vom Südwest-Sudan nach Äthiopien
Die fehlenden Datenübertragungen können unterschiedliche Gründe haben und lassen sich für die drei betroffenen Störche momentan nicht eindeutig klären: kein Netz zur Datenübertragung, dauerhafter oder vorübergehender Senderausfall, Tod des Storchs.
Was lässt sich daraus ableiten?
- Die drei NABU-Störche Arthur, Gustav und Michael überwintern wieder in ihren traditionellen Gebieten in der Sahel-Zone (Tschadsee bzw. Südost-Sudan). Sie legen relativ geringe Strecken zurück und finden offenbar genügend Nahrung.
- Fünf weitere Senderstörche sind nach Ostafrika gezogen und haben die Sahel-Zone verlassen. Sie sind in den letzten vier Wochen viel gezogen und haben nur selten längere Zeit in den gleichen Rastregionen verbracht. Dort könnte die Nahrung knapp geworden sein.
- Die in günstigen Jahren stark frequentierte Region Darfur (südwestlicher und südlicher Sudan) wurde von fünf Senderstörchen überflogen, keiner blieb dauerhaft dort, auch nicht "Albert", der dort in früheren Jahren häufig eine lange Zeit lang verbracht hat
- In den nächsten vier Wochen wird sich zeigen, ob bei dem einen oder anderen Senderstorch noch ein Zug bis nach Südafrika erfolgt.

Historischer Tiefststand beim Weißstorchbestand auch auf Landesebene

In dieser Woche hat die Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz ihre Gesamtübersicht über das Weißstorchjahr 2016 in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt. Es geht als das schlechteste aller Zeiten in die Statistiken ein. Landesweit wurden nur noch 724 Horstpaare gezählt, das ist ein historischer Tiefststand und ein erneuter Bestandsrückgang um fast 10 Prozent (nach -7 Prozent 2015). 41 Prozent aller Horstpaare blieben ohne Bruterfolg, die Anzahl der flüggen Jungstörche sank um 344 auf nur noch 866 - auch das ist der niedrigste jemals ermittelte Wert. Der Rückgang betraf alle Regionen, am stärksten waren die Verluste in den Altkreisen Güstrow, Rügen und Nordvorpommern. Beim durchschnittlichen Bruterfolg (JZa) wurde ein Wert von 1,19 erzielt, der schwächste seit 25 Jahren. Unser Betreuungsgebiet (Altkreis Bad Doberan) landete mit 0,74 wieder einmal auf dem letzten Platz. Es hat sich also bewahrheitet, was wir schon seit Anfang Juli angenommen hatten - 2016 ist auch landesweit ein ausgesprochenes Störungsjahr gewesen.

Details gibt es auf der Seite der LAG Weißstorchschutz MV:
http://www.nabu-stoerche-mv.de/aktuelles-1/
http://www.nabu-stoerche-mv.de/der-wei%C3%9Fstorch-in-mv/bestandsentwick...

Erfreuliche Neuigkeiten aus der Ferne

Gute Nachrichten aus Afrika! In den vergangenen drei Tagen gab es von allen zehn besenderten Weißstörchen aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die dort (bzw. 1 x in Israel) überwintern, aktuelle Positionsmeldungen. Wir freuen uns sehr, dass sie nach den im Internet frei zugänglichen Daten alle wohlauf zu sein scheinen, nichts deutet auf einen Verlust hin. Gegenüber unserem letzten Bericht von Anfang Oktober gibt es aber wie zu erwarten etliche räumliche Veränderungen. Im Detail (in Klammern der Projektträger):
- "Nobby" (NABU Bergenhusen): Grenzregion Senegal/Gambia
- "Arthur" (NABU Bergenhusen): Tschadsee
- "Michael" (NABU Bergenhusen): Tschadsee
- "Gustav" (NABU Bergenhusen): Ost-Sudan (Wad Medani)
- "Albert von Lotto" (Storchenhof Loburg): westl. Tschad
- "Jonas"/HL457 (Storchenhof Loburg): Nord-Israel
- "Leon"/HL452 (Storchenhof Loburg): Süd-Tschad
- HL449 (Storchenhof Loburg): Ost-Uganda
- 5X202 (Stork Foundation - MV): Südwest-Sudan
- 6X812 (Stork Foumdation - MV): Südwest-Sudan
Nobby ist also tatsächlich ein "traditioneller" Westsahel-Zieher, Arthur und Michael sind im gleichen Gebiet wie in den Vorjahren unterwegs, auch Jonas scheint wie 2015/16 in Israel überwintern zu wollen. Für die anderen Senderstörche zeichnet sich jeweils eine Ost-Bewegung ab. Erst ein Storch (HL449) hat die Sahel-Zone bisher in südlicher Richtung verlassen. Rund um den Viktoria-See gab es in den letzten Tagen aber auch kräftige Regenfälle. Diese Verteilung kann und wird sich in den nächsten Wochen aber noch verändern.
Die großräumigen Wetterverhältnisse in ganz Afrika lassen sich über die wöchentlich erscheinenden Berichte der amerikanischen Klima-Behörde NOAA recht gut nachvollziehen.
http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/international/africa/africa_hazard...
Dem jüngsten Bericht nach muss leider im Halbjahr 2016/17 in Somalia und Südostäthiopien wieder mit einer Dürre gerechnet werden. Hier hat es in den letzten Monaten nur sehr wenig geregnet. Auch der Großteil Kenias hat deutlich zu wenig Niederschlag abbekommen. Für die dort lebenden Menschen kann das ganz schlimme Folgen haben (insbesondere Ernteausfälle - es drohen große Hungersnöte). Die Masse der Weißstörche nutzt diese Regionen dagegen nur sporadisch, ihre "klassischen" Überwinterungsgebiete liegen nördlicher und westlicher, und hier scheint es bessere Bedingungen zu geben. Auch Südafrika dürfte in diesem Jahr besser dastehen als im großen Dürrehalbjahr 2015/16. Die Heuschreckenplage im Tschad, von der unsere Störche im Oktober mit Sicherheit profitiert haben, scheint vorüber zu sein.
Schließlich können wir noch Positives von einem unserer beringten Störche berichten. HR148, der 2015 als letzter Jungstorch unserer Region in Lieblingshof aus dem Ei schlüpfte und im August 2015 noch vorübergehend im Zoo Rostock aufgepäppelt werden musste, ist jetzt am 16. November unter etwa 1.000 Störchen südlich von Madrid abgelesen worden. Dort überwinterte er auch schon 2015/16.

Erstes Zugziel Tschad

Jetzt, wo wir mittlerweile im Oktober angelangt sind, haben die allermeisten Störche ihr erstes Zugziel erreicht. Außerordentlich beliebt ist bei den Ostziehern offenbar auch in diesem Herbst der Tschad. Acht von neun erfahrenen Altstörchen mit Sender (drei aus Schleswig-Holstein, zwei aus Mecklenburg-Vorpommern und vier aus Sachsen-Anhalt), deren Zugroute im Internet verfolgt werden kann, haben wohlbehalten den zentralafrikanischen Staat erreicht. Hier hat es in den letzten Wochen wie immer in dieser Jahreszeit viel geregnet, sodass günstige Nahrungsverhältnisse vorliegen dürften. Später im Jahr wird der größere Teil von ihnen in östlicher Richtung weiterziehen. Der neunte besenderte Ostzieher-Storch ist ein dreijähriger Nichtbrüter ("Jonas" aus Loburg/DEH HL457), der den Sommer überwiegend im Drömling verbracht hat. Er hält sich schon seit einigen Wochen in Israel auf. Interessanterweise verbrachte er dort den gesamten letzten Winter. Er scheint also zu den vergleichsweise wenigen Störchen zu gehören, die auf der Ostroute nicht bis nach Afrika fliegen. Unterdessen hat der NABU Schleswig-Holstein einen adulten Storch neu beringt und besendert, der eine ebenfalls sehr interessante Route eingeschlagen hat. Als Westzieher hat sich "Nobby" gegen eine Überwinterung in Spanien entschieden und stattdessen die Straße von Gibraltar überquert. Über Marokko ging es zuletzt bis nach Algerien, hinein in die Sahara. Das genaue Ziel ist noch nicht erkennbar, aber es dürfte sich in der westlichen Sahel-Zone befinden. Dies ist das traditionelle Überwinterungsgebiet westziehender Störche, das seit etwa zehn bis 15 Jahren aber nur noch von einer Minderheit angesteuert wird, während die Mehrheit die Überwinterung in Spanien bevorzugt.
Den Zugweg nicht mehr antreten konnte der Jungstorch mit dem Ring "AB60", den wir Anfang Juli in Kurzen Trechow/GÜ beringt hatten. Er starb bereits Mitte August an einer Windkraftanlage nordöstlich von Bützow/GÜ, wie uns kürzlich gemeldet wurde. Besonders unerfahrene Jungstörche werden immer wieder einmal Opfer der sich drehenden Rotoren, ohne dass bisher allerdings eine besondere Häufung bekannt geworden wäre. Auf den Zugwegen sind es vor allem ungesicherte Strommasten, Erschöpfung und Nachstellung durch den Menschen, die die größten Gefahren darstellen.

Eine Neuansiedlung in Rostock

Rostock-Hinrichsdorf, 10.9.16

Vor wenigen Tagen erreichte mich die erfreuliche Nachricht, dass es in diesem Jahr noch eine Neuansiedlung in Rostock-Hinrichsdorf gegeben hat. Dort hatten sich engagierte Anwohner zusammengetan und 2014 eine alte Nisthilfe "renoviert" sowie mit einem neuen Nistkorb ausgestattet. Nachdem im letzten Jahr schon einmal der eine oder andere gefiederte Interessent vorbeigeschaut hatte, trafen in diesem Jahr etwa Anfang Mai nacheinander zwei Störche am idyllisch gelegenen Horst ein. Sie begannen zwar keine Brut mehr, hielten dem Nest aber bis in den August hinein die Treue. Ganz zum Schluss versammelte sich noch mehr als ein Dutzend Störche auf der großen Dorfwiese. Anhand von Fotos, die storcheninteressierte Anwohner im Juli gemacht haben, ist feststellbar, dass einer der zum Nest gehörenden Störche beringt gewesen ist. Leider war es nun für eine Ablesung zu spät. Hoffen wir auf eine Rückkehr und einen ersten Brutversuch im Frühjahr 2017!

Fast alle Störche sind aufgebrochen

In den letzten zehn Tagen sind nochmals viele unserer Störche in den Süden aufgebrochen. Jetzt dürften nur noch sehr wenige bei uns sein. Sie werden aber in den nächsten Tagen auch folgen. Ein beringter Jungstorch aus Klingendorf wird leider nicht dabei sein. Er wurde bei Prisannewitz schwer verletzt auf einer Straße hockend gefunden. Vermutlich gab es eine Kollision mit einem Fahrzeug, leider hat er es nicht geschafft...
Erstmals überhaupt sind in diesem Sommer auch zwei Altstörche aus Mecklenburg-Vorpommern besendert worden. Die Stork Foundation in Preten bei Boizenburg/Elbe betreut ein Projekt, mit dem herausgefunden werden soll, welche konkreten Nahrungsflächen für die beiden besenderten Weißstörche während der Jungenaufzucht besonders wichtig sind. Die Stiftung engagiert sich seit vielen Jahren in besonderer Weise für den Weißstorchschutz. In Mecklenburg-Vorpommern hat sie insbesondere wertvolle feuchte Nahrungsflächen in den Sudewiesen dauerhaft gesichert. Besendert wurde zum einen die siebenjährige Ringstörchin DEW 5X202, die 2016 in Besitz erfolglos gebrütet hatte. Sie ist früh aufgebrochen und jetzt bereits im Tschad. Zum anderen drücken wir dem gleichfalls siebenjährigen Gülzer Männchen DEW 6X812 die Daumen. Dieser Storch, der im Sommer zwei Jungstörche aufgezogen hat, überquerte gestern den Bosporus und ist jetzt im asiatischen Teil der Türkei. Insgesamt können wir in diesem Jahr den Zug von neun besenderten Altstörchen auf der Ostroute verfolgen. Bis auf zwei sind inzwischen alle aufgebrochen.

Freud und Leid...

Freud und Leid liegen manchmal dicht beieinander! Noch vor wenigen Tagen musste ich vom tragischen Schicksal des Schmadebecker Jungstorchs HL904 berichten. Jetzt, nur eine Woche später, erreichte mich die Nachricht, dass ein Nestgeschwister, HL905, vorgestern in der Nähe von Demmin nahrungssuchend und offenkundig gesund und munter abgelesen wurde. Er hat es also schon einmal geschafft, das dritte Lebensjahr zu vollenden, und wir können hoffen, dass er im nächsten Jahr erstmals in Mecklenburg-Vorpommern brüten wird.

Blick in das Storchennest Schmadebeck I während der Aushorstung der Küken und Eier am 24.5.13 - wenige Stunden nach dem Tod der Storchenmutter. Der später im Zoo Rostock aufgepäppelte und mit HL905 beringte Jungstorch ist zu dieser Zeit noch in einem der Eier. Am 24.6.13 erfolgte die Einhorstung in das Storchennest Lieblingshof.

Storchenansammlung im Vogelpark Marlow / die tragische Geschichte von Storch HL904

Unter den Weißstörchen der Region hat es sich schon seit längerem "herumgesprochen", dass im Vogelpark Marlow einmal täglich die 17 dort lebenden invaliden Störche mit Eintagsküken gefüttert werden. Diese bequeme und nahrhafte Quelle wird regelmäßig auch von frei lebenden Störche genutzt. Gestern war ich pünktlich um 15 Uhr zur Stelle und zählte insgesamt 52 Störche, dementsprechend also gleich 35 Wildstörche! Zehn von ihnen trugen Ringe von Vogelwarten. Das Ergebnis ist sehr interessant:
- 4 Brutvögel der Umgebung, darunter auch die legendäre Störchin A277 aus Langenhanshagen
- 1 diesjähriger Storch aus Kloster Wulfshagen/RDG
- 5 Nichtbrüter im Alter zwischen 2 und 4 Jahren; vier von ihnen haben wir zwischen 2012 und 2014 selbst beringt, die drei Dreijährigen wurden jeweils das erste Mal überhaupt abgelesen.
Darunter ist auch DEH HL921, den wir 2013 in Wendfeld beringt hatten. Da kürzlich auch der aus dem gleichen Nest stammende Storch DEH HN064 (Jahrgang 2014) in Polen abgelesen wurde, haben wir jetzt bereits vier Nachweise von Nachkommen unserer "alten Brandenburgerin", Hiddensee KA 3528, die die beiden besonders kritischen ersten Lebensjahre überstanden haben. Leider kehrte die alte Storchendame in diesem Jahr nicht nach Wendfeld zurück. Sie wurde 21 Jahre alt und zog mit ihrem unberingten Partner allein in den letzten acht Jahren 23 Jungstörche groß.

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Tragisch ist die Geschichte des Ringstorchs DEH HL904. Im Mai 2013 war er im Horst Schmadebeck I gerade aus dem Ei geschlüpft, als seine Mutter an der Landstraße tödlich von einem PKW verletzt wurde. Zusammen mit zwei Eiern und einem anderen, gerade geschlüpften Küken wurde der kleine Storch in den Rostocker Zoo gebracht. Dort wurde er liebevoll aufgepäppelt und anschließend in Liepen zu zwei gleichaltrigen Küken ins Nest gesetzt. Wir wussten, dass er dort flügge geworden ist, haben danach aber nichts mehr von ihm gehört. Nun erreichte uns die Nachricht, dass HL904 in Ikendorf, östlich von Rostock, hilflos auf einer Wiese liegend aufgefunden wurde. Ein Anwohner informierte das Amt Carbäk, das dankenswerterweise den Transport in die Rostocker Tierklinik übernahm. Leider erwies sich die Verletzung des dreijährigen Storchs als so schwer wiegend, dass er zu unserem großen Bedauern eingeschläfert werden musste. Die Ursache der komplizierten Flügelfraktur ließ sich leider nicht mehr ermitteln. Von den beiden Geschwistern, DEH HL903 und DEH HL905, gibt es bisher noch keine Rückmeldungen.

DEH HL904 mit seinen beiden Geschwistern im Zoo Rostock, kurz vor der Auswilderung, Juni 2013.

Jahresbilanz - 2016 ist ein Störungsjahr

In den letzten Tagen konnte ich die Zählung unserer Jungstörche abschließen. In Kürze werden auch die letzten von ihnen flügge sein. Es ist daher damit zu rechnen, dass die jetzigen Zahlen auch schon die endgültigen sein werden. Wie bereits in den letzten Wochen geschildert, ist das Storchenjahr 2016 ein ausgeprägtes Störungsjahr. Wir erreichen im alten Landkreis Bad Doberan die geringste jemals ermittelte Horstpaarzahl und auch - mit großem Abstand - einen neuen Tiefststand bei den flüggen Jungstörchen:
- 46 Horstpaare (- 5 gegenüber 2015)
- 18 Horstpaare mit Bruterfolg
- 28 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 61 % HPo)
- 34 flügge Jungstörche: 5 x 1, 11 x 2, 1 x 3, 1 x 4
- JZa: 0,74
- JZm: 1,89
Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass es im alten Landkreis Bad Doberan in anhaltend trockenen Jahren ein besonders schlechtes Nahrungsangebot gibt. Dies verdeutlicht schon der Vergleich mit dem benachbarten Altkreis Ribnitz-Damgarten, in dem es zwischen Anfang Mai und Mitte Juni fast genauso wenig geregnet hat - hier vermeldet Hans-Heinrich Zöllick ein nahezu identisches Ergebnis (ohne Vogelpark Marlow) wie im Vorjahr:
- 37 Horstpaare (+ 1 gegenüber 2015)
- 23 Horstpaare mit Bruterfolg
- 14 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 38 % HPo)
- 47 flügge Jungstörche: 8 x 1, 7 x 2, 7 x 3, 1 x 4
- JZa: 1,27
- JZm: 2,04
Die bisher vorliegenden Zahlen aus anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und Ostdeutschlands deuten überwiegend auf ein gleichfalls schlechtes Nachwuchsjahr hin. Endgültige Zahlen werden hier allerdings erst in einigen Monaten vorliegen.
Die Gründe für das schlechte Storchenjahr in Ostdeutschland sind dabei im Prinzip identisch:
- Dürre und damit Nahrungsknappheit in vielen ost- und südafrikanischen Überwinterungsgebieten
- vielfach verspätete Heimkehr aufgrund schlechter konditioneller Verfassung
- Nahrungsmangel aufgrund verbreiteter, anhaltender Trockenheit im Mai und in der ersten Juni-Hälfte (gilt nicht für ganz Ostdeutschland)

Neuansiedlung in Mönchhagen

Bis vor etwa 20 Jahren war dieser alte Bäckerei-Schornstein in Mönchhagen regelmäßig von brütenden Storchenpaaren besetzt. Danach verfiel die darauf angebrachte Nisthilfe und der Standort geriet weitgehend in Vergessenheit, bevor im vergangenen Jahr ein engagierter Anwohner eine neue Hilfs-Konstruktion aufbringen ließ. Und er wurde auf Anhieb belohnt: Schon in der vergangenen Brutsaison wurde das Nistangebot (wenn auch sehr spät) von einem Storchenpaar entdeckt und umgehend genutzt. In diesem Jahr wurde das Nest sogar schon Ende April von zwei Störchen besetzt und stark ausgebaut. Sie sind bis heute geblieben und haben die Anzahl unserer Horstpaare im Altkreis Bad Doberan auf 46 erhöht. Leider klappte es in diesem Jahr noch nicht mit einer erfolgreichen Brut, aber angesichts recht guter Nahrungshabitate in der näheren Umgebung stehen die Chancen für die kommende Saison gar nicht so schlecht. Durch einen Zufall erfuhr ich gestern von dieser schönen Neuansiedlung, die in einem ansonsten sehr schlechten Storchenjahr eine höchst erfreuliche Ausnahme darstellt (neben Mönchhagen gab es sie nur noch in Sildemow). Eine spannende Frage ist unterdessen noch zu klären, denn einer der Altvögel trägt nach Auskunft der Anwohnerin einen Ring...

Update 23.7.16

Heute hat die Ablesung des beringten Männchens geklappt. DEH HE613 wurde 2011 von uns ganz in der Nähe, im Nachbarort Volkenshagen, beringt. Anwohner berichteten, dass dieser Storch vermutlich auch 2015 schon in Mönchhagen war.

Die ersten Jungstörche sind flügge

Langenhanshagen, 10.7.16

Diese drei Jungstörche in Langenhanshagen/RDG gehören zu den ersten, die in diesem Jahr flügge geworden sind. Seit wenigen Tagen können sie fliegen. Ihre Mutter ist die berühmte Störchin DER A277 ("Schnuckel"), die deutschlandweit bekannt ist. Nach Verlegung der Stromleitungen unter die Erde konnte auch in Langenhanshagen in diesem Jahr erstmals beringt werrden.

Aus einiger Entfernung gut ablesbar sind die neuen Metallringe, die die Beringungszentrale Hiddensee seit diesem Jahr für Weißstörche in ihrem Einzugsgebiet verwendet. Allerdings stehen die großen Bewährungsproben (Bekotung bei großer Hitze und die klimatischen Herausforderungen auf dem Zug nach Afrika und zurück) noch aus.

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Neuhof/Parkentin, 16.7.16. Foto: B. Becker.

Auf dem Weg in die Freiheit befindet sich dieser Altstorch, den wir am 20. Juni am Ortsrand von Pastow in geschwächtem Zustand eingefangen haben. Gut drei Wochen wurde er im Rostocker Zoo aufgepäppelt und jetzt bei Parkentin wieder ausgewildert. Es hat fast den Anschein, dass er oder sie sich wieder nach Pastow begeben hat. Jedenfalls informierte die Anwohnerin, dass auf dem dortigen (Besucher-)Nest nunmehr zwei statt zuvor stets nur ein Storch zu sehen sind. Nachkontrollen vor Ort blieben bisher leider ohne Ergebnis. Dieser Storch hat mit DEH HR165 unseren letzten ELSA-Ring erhalten.

Ergebnisse der zweiten und dritten Beringungsrunde

In Bandelstorf werden 2016 zwei Jungstörche groß. 4.7.16

Bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen wurden vorgestern und heute in unserer Region die zweite und die dritte Beringungsrunde gefahren. Dabei zeigte sich, dass der von Hans Zöllick betreute Altkreis Ribnitz-Damgarten in diesem Jahr deutlich besser abschneidet als der alte Landkreis Bad Doberan. Hier die Beringungszahlen im Einzelnen:

2.7., Altkreis Ribnitz-Damgarten:
- Ehmkenhagen: 4 juv.
- Freudenberg: 3 juv.
- Kneese: 3 juv.
- Forkenbeck: 3 juv.
- Langenhanshagen: 3 juv.
- Kavelsdorf: 3 juv.
- Klockenhagen: 2 juv.
- Kloster Wulfshagen: 2 juv.
- Alt Guthendorf: 2 juv.
- Kuhlrade: 1 juv.
- Völkshagen: 1 juv.
- Gresenhorst: 1 juv.
- Wiepkenhagen: 1 juv.
- Marlow Stadt: 1 juv.
- Brünkendorf: 1 Zwergenei

4.7., alter Kreis Bad Doberan:
- Wendfeld: 3 juv.
- Zarnewanz: 2 juv.
- Pankelow II: 2 juv.
- Fienstorf: 2 juv. + 2 Eier
- Cammin: 2 juv. + 1 Ei
- Bandelstorf: 2 juv.
- Albertsdorf: 1 juv.
- Moitin: 1 juv.
In Sildemow konnten vier nicht ausgebrütete Eier festgestellt werden. Vermutlich hat es dem Paar hier an Brutreife gefehlt.

außerdem im Altkreis Bützow:
- Jürgenshagen: 3 juv.
- Kurzen Trechow: 2 juv.
- Horst bei Bützow: 2 juv. + eine Einhorstung (aus Gnemern, zwischenzeitlich im Zoo Rostock gepflegt)

Was machen eigentlich die Senderstörche...?

In den Monaten Februar bis April haben wir an dieser Stelle immer wieder über den Zug ausgewählter ostziehender besenderter Weißstörche berichtet, deren Routen im Internet verfolgbar sind. Jetzt, wo das Ende der Brutsaison in gar nicht mehr so weiter Ferne liegt, möchte ich einen kurzen Überblick über ihr weiteres Schicksal geben.
- "Michael", der Ende März an seinem "Stammnest" in Bargen/Schleswig-Holstein eingetroffen war, hat dort wie in den Vorjahren erfolgreich mit der westziehenden Senderstörchin "Ronja" gebrütet. Das Ergebnis ist überaus erfreulich, am 6. Juni konnten die dortigen Storchenbetreuer gleich fünf Jungstörche beringen, die auch zuletzt noch im Nest beobachtet werden konnten
- "Gustav" war ebenfalls schon Ende März an seinem Stammnest in Pahlen/Schleswig-Holstein eingetroffen, musste aber bis zum 4. Mai auf das Eintreffen einer Partnerin warten. Nach letztem Stand ziehen beide immerhin zwei Jungstörche groß
- "Peter" (ebenfalls vom NABU Schleswig-Holstein besendert) ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit während des Heimzuges im Libanon abgeschossen worden
- "Albert von Lotto" kehrte, aus Südafrika kommend, erst in den letzten Mai-Tagen nach Loburg/Sachsen-Anhalt zurück. Er eroberte sein langjähriges Nest nicht zurück, sondern hält sich als Nichtbrüter in der Umgebung Loburgs auf
- "Leon", beringt 2013 in Sachsen-Anhalt, startete nach früher Rückkehr in dem Dorf Derwitz bei Potsdam erstmals einen Brutversuch, der jedoch fehl schlug. Er hält sich momentan weiterhin im Umfeld seines Brutplatzes auf
- "Jonas", ebenfalls 2013 in Sachsen-Anhalt beringt, kehrte in seine Herkunftsregion "Drömling" zurück und trieb sich dort die meiste Zeit nahrungssuchend herum. Zwischendurch unternahm er allerdings mehrere große Ausflüge in verschiedene Regionen Nord- und Westdeutschlands
- Senderstorch DEH "HL449", gleichfalls Jahrgang 2013 und aus Sachsen-Anhalt, zog es vor, als Nichtbrüter die Brutsaison in Osteuropa zu verbringen. Auf seinen ausgedehnten Flügen besuchte er Russland, Weißrussland, Litauen, die Ukraine und zuletzt Polen, wo er sich auch momentan noch aufhält.

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Inzwischen ist auch klar, dass das neue Storchenpaar in Sildemow ohne Nachwuchs bleibt. Vor wenigen Tagen wurde dort die (überlange) Brut abgebrochen.

Spätbruten komplett ohne Erfolg

Zarnewanz, 26.6.16

Diese beiden Jungstörche in Zarnewanz sind vermutlich die jüngsten, die sich momentan in den Nestern des Altkreises Bad Doberan befinden. Da sie allerdings bereits rund drei Wochen alt sind, heißt dies zugleich, dass sämtliche Spätbruten in diesem Jahr gescheitert sind (es sei denn, das vom Schlupftermin her überfällige Neuansiedlungspaar in Sildemow hat noch sehr späten Erfolg). Genauer gesagt hatte kein einziges Paar Bruterfolg, das nach dem 18. April zusammengefunden hatte! Dies ist im langjährigen Vergleich schon sehr ungewöhnlich. Hier zeigen sich besonders deutlich die gravierenden Auswirkungen der lang anhaltenden Trockenheit im Mai und in der ersten Juni-Hälfte. 2015 brachten dagegen noch etliche Paare Nachwuchs zum Ausfliegen, die erst im Mai eine feste Horstbindung eingegangen waren.
Unter dem Strich gibt es zurzeit nur in 18 Nestern Nachwuchs, elf Paare brachen die Brut ab, zwölf Paare verloren ihren gesamten Nachwuchs und drei Paare hatten gar nicht erst mit der Brut begonnen. Das 45. Paar ist das in Sildemow. Die HPo-Quote liegt damit bei deprimierenden 60 Prozent. Die Anzahl der Jungstörche schätzen wir momentan auf 33 bis 36, das ist sehr weit unter dem bisherigen "Minusrekord" von 66 Jungstörchen aus dem Störungsjahr 1997. Noch genauere Zahlen können wir nach der zweiten Beringungsrunde nennen. Sie findet in acht Tagen, am 4. Juli statt. Dann sollen die Küken in Albertsdorf, Fienstorf, Wendfeld, Zarnewanz, Cammin, Pankelow II, Bandelstorf und Moitin beringt werden.

Storchentrupp ist nicht gleich Storchentrupp...

Der Juni ist ein Monat, in dem öfter einmal kleinere oder größere Storchentrupps beobachtet werden können. Besonders bei der Wiesenmahd versuchen die Störche einen nahrhaften Happen zu ergattern. Wenn mehrere beringte Störche dabei sind und auch identifiziert werden können, kann man etwas über die Zusammensetzung der Gruppe aussagen.
Im vergangenen Jahr gab es im Bereich der Conventer Niederung und in den Waidbachwiesen zwischen Konow und Parkentin des Öfteren derartige Trupps zu beobachten. Etliche Zwei- und Dreijährige waren feststellbar, darunter mehrere Störche mit Helgoland-Ringen und gleich vier Schweden. Auf ihren großen Erkundungsrunden sind diese noch nicht brutreifen Störche mal hier und mal dort, aber immer da, wo es viel zu fressen gibt. Vor allem Mäuse gab es 2015 in erheblicher Anzahl.
2016 ist es ganz anders. In unsere lange Zeit ausgesprochen trockene Region verirrte sich kaum ein nichtbrütender Zwei- oder Dreijähriger. Woran das liegt, wurde dieser Tage in den Waidbachwiesen bei Konow deutlich, wo der zweite Wiesenschnitt anstand. Wieder versammelte sich rund ein Dutzend Störche, um nach Nahrungstieren Ausschau zu halten. Ein Storchenfreund, der auf dem Trecker saß, konnte dabei sehr genau beobachten, was erbeutet wurde. Es waren fast ausschließlich Insekten, vor allem Grashüpfer und weder Regenwürmer noch Mäuse. Sehr wahrscheinlich ist nach dem Gravationsjahr 2015 wieder einmal die Mäusepopulation zusammengebrochen. Das ist eine regelmäßige Erscheinung, die natürlich erheblichen Einfluss auf das Beutespektrum der Störche hat. Und auch die Zusammensetzung des Trupps ist ein ganz anderer als im Vorjahr gewesen. Fünf Störche waren beringt, vier konnten identifiziert werden. Sie alle stammten aus Nestern der näheren und etwas weiteren Umgebung (Stäbelow, Klein Schwaß, Ziesendorf). Es zeigt sich, dass das Nahrungsangebot trotz einiger Regenfälle in diesem Jahr auch weiterhin sehr dürftig ist.
Auch in Detershagen fanden die Störche offenbar keine geeigneten Nahrungstiere für ihre beiden noch kleinen Jungen mehr. Diese leben leider ebenfalls nicht mehr - unter dem Nest wurden dagegen mehrere große Schlangen gefunden. Damit konnten die Küken (noch) nichts anfangen.

Sehr mäßiges Ergebnis der ersten Beringungsrunde

Dieser Altstorch in Grammow beobachtet von einem Hausdach aus kritisch die Beringung seiner beiden Jungstörche. Foto: B. Becker.

Viel gefahren - wenig beringt, so könnte man die gestrige erste Beringungsrunde im alten Landkreis Bad Doberan zusammenfassen. Das Ergebnis war doch überaus mäßig. Nur in acht Nestern wurden dort Jungstörche angetroffen:
- Schwaan II: 4 juv.
- Klingendorf: 3 juv. (zugefüttert)
- Groß Bölkow: 2 juv.
- Kröpelin: 2 juv.
- Grammow: 2 juv.
- Niendorf: 2 juv.
- Niekrenz: 1 juv.
- Schmadebeck II: 1 juv.
In Volkenshagen lag der letzte Jungstorch tot unter dem Nest, in Satow fanden wir wie befürchtet vier tote Jungstörche im Horst. Aufgrund des offenbar schon länger zurückliegenden Todes ließ sich die Ursache für das kollektive Sterben nicht mehr genauer ergründen. Am wahrscheinlichsten ist ein Verenden aufgrund einer Darmverstopfung, hervorgerufen durch Grasschnitt, der bei großem Futtermangel von den Küken gefressen wird und dann nicht verdaut werden kann. Die Satower Altstörche wurden mehrfach beobachtet, wie sie Grasschnitt ins Nest transportierten.
Zusätzlich erhielten drei kräftige Jungstörche in Rostock-Biestow, einer in Breesen/RDG sowie sieben weitere in Selow (3), Langen Trechow (3) und Groß Belitz (1) je einen der neuen Metallringe. Diese Orte liegen im Altkreis Güstrow, dessen äußerster Nordwesten von der Beringungszentrale Hiddensee ab diesem Jahr mit zum Weißstorch-Beringungsgebiet erklärt wurde. Die zweite Beringungsrunde findet in diesem Gebiet voraussichtlich am 4. Juli statt. Zuvor sollen unter der Regie von Hans-Heinrich Zöllick in der kommenden Woche auch noch etwa 20 Jungstörche im Altkreis Ribnitz-Damgarten beringt werden.

Dr. H.-W. Nehls (li.) und F. Renne (re.): Beringung mit den neuen Metallringen in Biestow, 20.6.16

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Gestern Abend wurde aufgrund einer Anwohnerinformation bei Pastow noch ein stark geschwächter Altstorch von uns gegriffen und zur weiteren Untersuchung in die Rostocker Tierklinik gebracht. Wir hoffen, dass er nicht ernsthafter erkrankt ist und nach vorübergehender Pflege im Rostocker Zoo wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Das hoffen wir auch für ein in Gnemern/GÜ lebend abgeworfenes Küken, das sich bereits seit einigen Tagen in der Obhut des Zoos befindet.

Was ist in Satow passiert?

Noch am letzten Samstag zeigten sich im Satower Storchennest vier muntere Storchenküken im Alter von etwa vier Wochen. Ein Foto von ihnen zierte einige Zeit unsere Homepage. Gestern Abend nun erreichte mich ein Anruf des Horstbetreuers. Es sind keine Küken mehr zu sehen, beide Altvögel sind am Nest, einer umkreist zu Fuß den Rand und schaut immer wieder in die Mitte hinein. Es gibt weder Bettelverhalten der Jungen noch Fütterungen. Leider müssen wir davon ausgehen, dass alle vier Jungen tot sind. Über die Ursachen kann man nur spekulieren - ein nachhaltiges Starkregenereignis ist nicht bekannt und auch der bis Dienstag anhaltende große Futtermangel (danach hat es wieder geregnet) hätte kaum zum Tod gleich aller vier Küken geführt. Am wahrscheinlichsten ist hier eine Krankheit der Küken oder aber eine Verstopfung des Darmtraktes nach der Aufnahme von Grünschnitt. Wir haben uns vorgenommen, das Nest am Montag im Rahmen unserer ersten Beringungsrunde anzufahren und die dort vermuteten sterblichen Überreste zu bergen. Möglicherweise lässt sich dabei auch die Ursache des plötzlichen Kükensterbens klären.
Zumindest ist der ganz große Starkregen heute knapp östlich an unserem Betreuungsgebiet vorbeigezogen. Viel Niederschlag in kurzer Zeit brachte dagegen gestern Abend ein etwa einstündiger Gewitterregen. Am Montag wissen wir mehr, werden dann im Anschluss über den noch vorhandenen Nachwuchs berichten. Allerdings ist schon jetzt klar, dass es im alten Landkreis Bad Doberan 2016 das schlechteste Nachwuchsergebnis seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen in den 1970er Jahren geben wird.

Küken jetzt auch von Starkregen bedroht

Nachdem die Anzahl der in den Nestern befindlichen Küken in den letzten Tagen durch zahlreiche Abwürfe aufgrund von Nahrungsmangel bereits stark reduziert worden ist (zuletzt auch Totalverlust der Brut in Neu Rethwisch), droht den Verbliebenen jetzt große Gefahr durch Starkregen. Für Freitag ist für weite Teile Ostdeutschlands lang anhaltender, ergiebiger Dauerregen angekündigt. Auch für unsere Region sind momentan 30 bis 60 mm Niederschlag im Bereich des Möglichen. Hinzu soll ein Sturmstärke erreichender Nordwestwind kommen. Bedroht sind dabei vor allem diejenigen Küken, die aufgrund ihrer Größe nicht mehr gehudert werden können. Genau diese Küken im Alter von 4 bis 5 Wochen sind am Montag Ziel unserer ersten Beringungsrunde. Wir werden die Nester sicher mit mulmigen Gefühlen anfahren und müssen auf jeden Fall mit weiteren Todesfällen unter den Küken rechnen.
Auch überregional muss in ganz Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sowie im Osten Niedersachsens und in der Westhälfte Brandenburgs mit ähnlichen Witterungsverhältnissen und damit erheblichen Jungstorch-Verlusten gerechnet werden. 2016 ist wahrlich kein gutes Storchenjahr!

Brutabbrüche, Brutverluste und zwei gute Nachrichten

Ein solches Bild mit einem prall gefüllten Nest wie hier am 11.6. in Schwaan am Tannenberg - wer genau hinschaut, entdeckt vier Küken - gibt es in unserem Betreuungsgebiet leider nur an wenigen Standorten. Immerhin: auch in Satow zeigten sich heute gleich vier muntere Jungstörche. Wir hoffen, diese auch zur geplanten Beringung am 20. Juni noch gesund und munter vorzufinden.
Neben diesen beiden sehr erfreulichen Nachrichten gibt es leider aber auch eine Reihe negativer. Die anhaltende Trockenheit fordert offenbar ihren Tribut und hat zu weiteren Brutabbrüchen (in Ziesendorf, Bentwisch und Hohen Luckow) sowie leider auch zu zwei Totalverlusten der Brut (in Berendshagen und jetzt auch in Zeez) geführt. Dort waren bereits Ende April/Anfang Mai bei heftigen Kämpfen drei Eier aus dem Nest geworfen worden. Aus dem vermutlich letzten, vierten Ei schlüpfte ein Küken, das heute leider tot unter dem Nest gefunden wurde. In den westlichen und südlichen Teilen unseres Betreuungsgebietes zeichnet sich mittlerweile eine HPo-Quote von 50 Prozent und mehr ab. Im Ostteil scheint es etwas besser auszusehen, aber hier gibt es erst sehr wenige Paare mit älteren Küken.

Update 12.6.16: auch in Vogtshagen, Thulendorf und Petschow, wo vor einer Woche noch sehr kleine Jungstörche gefüttert wurden, sind die Nester heute leer, leider auch hier: Brutverlust!

Großer Nahrungsmangel bei anhaltend trockener Hitze

Während im Süden Deutschlands viele Storchenküken aufgrund der sintflutartigen Regenfälle in den Nestern verendet sind, ist es bei uns weiterhin umgekehrt. Die seit Anfang Mai anhaltende große Trockenheit, zu der in den letzten Tagen noch sehr hohe Temperaturen gekommen sind, gefährdet unsere Küken. Dass ich die beiden etwa drei Wochen alten Küken in Grammow (siehe oben) am Samstag über einen längeren Zeitraum bei 28 Grad ohne einen schützenden Altvogel im Nest antraf, ist ein sicheres Zeichen für akuten Futtermangel. Üblicherweise beginnt die Phase der unbewachten Jungenaufzucht erst im Alter von etwa 4 bis 5 Wochen. Leider ist auch für die nächsten Tage kein Niederschlag in Sicht. Die meisten Brutpaare haben inzwischen Küken. In den ersten drei Wochen benötigen sie insbesondere Regenwürmer, die momentan jedoch nur sehr schwer aufzuspüren sind. Dass stattdessen jetzt vielfach Insekten gefüttert zu werden scheinen, dürfte kein ausreichender Ausgleich sein. Es fällt auch auf, dass sich auf den gemähten Wiesen in diesem Jahr kaum Weißstörche zeigen - ebenfalls ein Hinweis auf ein fehlendes Nahrungsangebot. Wir erwarten inzwischen ein schwaches Nachwuchsergebnis und auch wieder einen hohen Anteil erfolgloser Paare.

Auch 2016 Bestandsrückgang um 10 Prozent

Im Satower Storchennest sind am 28.5.16 (mindestens) zwei Storchenküken zu sehen.

Nachdem in den letzten Tagen noch die eine oder andere Nachmeldung eingetrudelt ist (so gibt es beispielsweise doch seit etwa 3 Wochen in Tessin zumindest ein Nichtbrüterpaar), können wir jetzt ziemlich sicher davon ausgehen, dass es in unserem Betreuungsgebiet in diesem Jahr wie schon 2015 einen Bestandsrückgang um fünf Horstpaare (= 10 Prozent) geben wird. Mit nur noch 45 Horstpaaren und zwei Einzelstörchen sind wir an einem historischen Tiefststand angelangt. So wenige Horstpaare wie in diesem Jahr sind seit dem Beginn der Weißstorchzählungen im Gebiet rund um Rostock (dem alten Landkreis Bad Doberan) zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nie registriert worden. Ähnlich schlechte Zahlen sind auch aus allen anderen Regionen zu erwarten, in denen wie bei uns die Ostzieher eindeutig dominieren.
Was den Verlauf der Brutsaison anbelangt, so haben wir zurzeit drei Nichtbrüterpaare und sechs Paare, bei denen die Brut bereits vor dem Schlupf von Küken gescheitert ist. In etwa 20 Nestern gibt es sicher oder sehr wahrscheinlich schon Nachwuchs, und an den übrigen 16 Standorten wird noch gebrütet. In drei bzw. fünf Wochen planen wir nach jetzigem Stand die Beringung der Jungstörche. Unverändert ist die Nahrungssituation durch die lang anhaltende Trockenheit stark angespannt. Ob sich das in den nächsten Tagen grundlegend ändern wird, ist sehr fraglich. So wird es sicher noch weitere Abwürfe abgeben, wie z. B. in Biestow, wo am 25.5. und 28.5. je ein Küken tot unter dem Nistmast gefunden wurde. Es wurden dort allerdings noch drei weitere Küken im Nest beobachtet. Details zu den einzelnen Standorten gibt es weiterhin in unserer Bruterfolgskarte:

http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/902

Sind Storchenweibchen nicht nachtragend?

Heiligenhagen, 26.5.16

Keine 24 Stunden nach dem schweren Horstkampf in Heiligenhagen, bei dem ein unberingtes Männchen das Nest eroberte und das gesamte Gelege zerstörte, hat das "geschädigte" Weibchen die neue Situation offenkundig akzeptiert. Obwohl sie selbst allem Anschein nach nicht nur im Bereich des Brustkorbs eine blutige Wunde davontrug, sondern zusätzlich eine erhebliche Verletzung am rechten Ständer erlitt und dieses Bein zurzeit nicht aufsetzen mag, scheint sie nicht "nachtragend" zu sein. Ähnliches beobachteten wir zuletzt auch in Redderstorf/RDG, wo das beringte Weibchen ebenfalls das neue Männchen akzeptierte, obwohl ihr Gelege von dem siegreichen Angreifer aus dem Nest geworfen worden war. Da das Weibchen in Heiligenhagen weiter flugfähig ist, können wir nur hoffen, dass ihre Verletzung nicht so schwer wiegend ist und von allein ausheilt.
Unterdessen hat sich unsere Vermutung hinsichtlich des vertriebenen Storchenmännchens DEH HE640 bestätigt. Storchenfreundin A. Hornburg konnte diesen Storch heute Abend in Parkentin auf einer Wiese am Dorfrand identifizieren - dort hatte er im Vorjahr das Nest besetzt.

Erneut ein Storchendrama in Heiligenhagen

Heiligenhagen, 24.5.16. Foto: A. Hornburg.

Am Montagabend ereignete sich in Heiligenhagen ein außerordentlich schwerer, blutiger Horstkampf, bei dem ein einzelner Angreifer mit großer Vehemenz in das Nest drängte, in dem seit etwa 14 Tagen das beringte Männchen DEH HE640 und ein unberingtes Weibchen brüteten. So wie sich die Situation am gestrigen Dienstag darstellte, hat der unberingte Fremdstorch den Kampf gewonnen. Morgens stand er allein im Nest. Die Brut ist abgebrochen, ein defektes Ei wurde unter dem Nest gefunden. Am Ortsrand stand ein zweiter, unberingter Storch, der offensichtlich Mühe hatte, sein rechtes Bein zu belasten. Wir vermuten hier das Weibchen des Brutpaares, das sicher das Gelege mit verteidigt hat. Am Abend standen wieder zwei Störche im Nest, von DEH HE640 war dabei nichts zu sehen.
Es spricht vieles dafür, dass es sich auch in diesem Fall um das sehr spät heimgekehrte Männchen des Vorjahres handelt, das den beringten Nachfolger verdrängt hat. Hoffen wir, dass DEH HE640 nicht zu viel passiert ist und er bald unversehrt irgendwo wieder auftaucht - vielleicht in Parkentin, wo er im Vorjahr über drei Monate Horstbindung hatte. Dieses Nest ist noch leer.
Unterdessen gelang es mir heute Abend, den seit etwa vier Wochen am Nest Groß Potrems I anwesenden Einzelstorch zu identifizieren. Es ist DEH H9768, der im Vorjahr am Schornsteinnest Pankelow I erfolgreich gebrütet hat und schon 2013 und 2014 in Groß Potrems war.

Anhaltende Trockenheit gefährdet den Storchennachwuchs

Kröpelin, 21.5.16. Foto: A. Hornburg

Seit Anfang Mai hat es in unserem Betreuungsgebiet nur sehr wenig Niederschlag gegeben. In Rostock-Warnemünde etwa waren es weniger als 5 mm. Die Folge ist ein stark ausgetrockneter Erdboden. Regenwürmer, die gerade jetzt die wichtigste Nahrung für die frisch geschlüpften Jungstörche darstellen, haben sich in tiefere Bodenzonen zurückgezogen. Wir müssen daher ab sofort auch wieder mit dem Abwurf von Küken rechnen. Die Altvögel regulieren bei mangelnder Nahrungsverfügbarkeit auf diese Weise instinktiv die Anzahl ihrer Jungen.
Unterdessen hat heute das am 10. Mai zusammengefundene Storchenpaar in Sildemow offenbar noch mit der Brut begonnen. Auch in Hohen Luckow scheinen die Störche sich noch für diesen Schritt entschieden zu haben. In beiden Fällen gehört viel Glück dazu, wenn daraus am Ende noch flügger Nachwuchs hervorgehen soll. Ein positives Zeichen für die beiden neuen Standorte ist es in aber jedem Fall.
Zwei Neuigkeiten sind erfreulich: in Kröpelin scheinen die Embryonen in den dort bebrüteten Eiern die schwere, am 11. Mai durch einen Brand in Horstnähe entstandene Störung schadlos überstanden zu haben (die Ostsee-Zeitung hatte darüber berichtet). Obwohl die Brut seinerzeit für längere Zeit unterbrochen worden war, konnten gestern eine Eischale am Nestrand und auch deutliche Anzeichen von Fütterungen festgestellt werden. Außerdem sind seit vorgestern an dem wohl am stärksten frequentierten Storchennest unserer Region - dem auf der Wasserburg im Zoo Rostock - wieder zwei Störche zu sehen. Es hat sich herausgestellt, dass sich darunter auch das beringte Männchen der Vorjahre befindet. DEH H3107 traf erst am 13. Mai und damit mehr als einen Monat später als üblich an seinem Stammnest ein. Damit konnten in diesem Jahr nunmehr 14 von 17 Ringstörchen nachgewiesen werden, die bei uns 2015 Horstbindung hatten.

Das Schlüpfen der Küken hat begonnen

Grammow, 16.5.16

Bei Weißstörchen schlüpfen die Küken nach durchschnittlich 32 Tagen aus dem Ei. Bei dem Paar in Grammow, das bereits seit dem 2. April komplett ist, war es jetzt so weit. Ich konnte heute eindeutige Zeichen der Fütterung entdecken. Zunächst wird ganz kleinteilige Nahrung benötigt. Besonders Regenwürmer sind in den ersten zwei Wochen sehr gefragt. So war es sehr wichtig, dass es nach mehr als 14 tägiger Trockenheit zu Pfingsten endlich wieder geregnet hat. Die Schauer fielen allerdings sehr ungleichmäßig - der Osten unseres Betreuungsgebietes hat deutlich mehr abbekommen als der Westen und die Mitte. Nach aktuellem Stand brüten im alten Landkreis Bad Doberan 35 Paare (bzw. sind dort vor kurzem die ersten Jungen geschlüpft). Darüber hinaus ist bei drei bis vier Paaren noch unklar, ob sie noch mit der Brut beginnen werden. Die Chancen sinken dafür von Tag zu Tag - gesteuert durch den Hormonhaushalt der Störche. Die daraus resultierenden Nichtbrüterpaare gibt es in jedem Jahr. In einigen Nestern ist die Brut bereits gescheitert, was in erster Linie auf Horstkämpfe zurückzuführen sein dürfte. Dazu zähle ich die Paare in Liepen, Lieblingshof und Reinshagen. Den jeweils aktuellen Stand zum Verlauf der Brut fasse ich ab sofort wieder in einer "Bruterfolgskarte" zusammen:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/902

Nachtrag: Wer sich ein Bild von der Fütterung noch ganz kleiner Weißstorch-Küken machen will, dem empfehle ich eine sehr schöne Video-Sequenz vom Pfingstwochenende aus Otterwisch/Sachsen:
http://www.storchennest-otterwisch.de/images/Videos_2016/Storch20160514-...

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