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Eine Neuansiedlung in Rostock

Rostock-Hinrichsdorf, 10.9.16

Vor wenigen Tagen erreichte mich die erfreuliche Nachricht, dass es in diesem Jahr noch eine Neuansiedlung in Rostock-Hinrichsdorf gegeben hat. Dort hatten sich engagierte Anwohner zusammengetan und 2014 eine alte Nisthilfe "renoviert" sowie mit einem neuen Nistkorb ausgestattet. Nachdem im letzten Jahr schon einmal der eine oder andere gefiederte Interessent vorbeigeschaut hatte, trafen in diesem Jahr etwa Anfang Mai nacheinander zwei Störche am idyllisch gelegenen Horst ein. Sie begannen zwar keine Brut mehr, hielten dem Nest aber bis in den August hinein die Treue. Ganz zum Schluss versammelte sich noch mehr als ein Dutzend Störche auf der großen Dorfwiese. Anhand von Fotos, die storcheninteressierte Anwohner im Juli gemacht haben, ist feststellbar, dass einer der zum Nest gehörenden Störche beringt gewesen ist. Leider war es nun für eine Ablesung zu spät. Hoffen wir auf eine Rückkehr und einen ersten Brutversuch im Frühjahr 2017!

Fast alle Störche sind aufgebrochen

In den letzten zehn Tagen sind nochmals viele unserer Störche in den Süden aufgebrochen. Jetzt dürften nur noch sehr wenige bei uns sein. Sie werden aber in den nächsten Tagen auch folgen. Ein beringter Jungstorch aus Klingendorf wird leider nicht dabei sein. Er wurde bei Prisannewitz schwer verletzt auf einer Straße hockend gefunden. Vermutlich gab es eine Kollision mit einem Fahrzeug, leider hat er es nicht geschafft...
Erstmals überhaupt sind in diesem Sommer auch zwei Altstörche aus Mecklenburg-Vorpommern besendert worden. Die Stork Foundation in Preten bei Boizenburg/Elbe betreut ein Projekt, mit dem herausgefunden werden soll, welche konkreten Nahrungsflächen für die beiden besenderten Weißstörche während der Jungenaufzucht besonders wichtig sind. Die Stiftung engagiert sich seit vielen Jahren in besonderer Weise für den Weißstorchschutz. In Mecklenburg-Vorpommern hat sie insbesondere wertvolle feuchte Nahrungsflächen in den Sudewiesen dauerhaft gesichert. Besendert wurde zum einen die siebenjährige Ringstörchin DEW 5X202, die 2016 in Besitz erfolglos gebrütet hatte. Sie ist früh aufgebrochen und jetzt bereits im Tschad. Zum anderen drücken wir dem gleichfalls siebenjährigen Gülzer Männchen DEW 6X812 die Daumen. Dieser Storch, der im Sommer zwei Jungstörche aufgezogen hat, überquerte gestern den Bosporus und ist jetzt im asiatischen Teil der Türkei. Insgesamt können wir in diesem Jahr den Zug von neun besenderten Altstörchen auf der Ostroute verfolgen. Bis auf zwei sind inzwischen alle aufgebrochen.

Freud und Leid...

Freud und Leid liegen manchmal dicht beieinander! Noch vor wenigen Tagen musste ich vom tragischen Schicksal des Schmadebecker Jungstorchs HL904 berichten. Jetzt, nur eine Woche später, erreichte mich die Nachricht, dass ein Nestgeschwister, HL905, vorgestern in der Nähe von Demmin nahrungssuchend und offenkundig gesund und munter abgelesen wurde. Er hat es also schon einmal geschafft, das dritte Lebensjahr zu vollenden, und wir können hoffen, dass er im nächsten Jahr erstmals in Mecklenburg-Vorpommern brüten wird.

Blick in das Storchennest Schmadebeck I während der Aushorstung der Küken und Eier am 24.5.13 - wenige Stunden nach dem Tod der Storchenmutter. Der später im Zoo Rostock aufgepäppelte und mit HL905 beringte Jungstorch ist zu dieser Zeit noch in einem der Eier. Am 24.6.13 erfolgte die Einhorstung in das Storchennest Lieblingshof.

Storchenansammlung im Vogelpark Marlow / die tragische Geschichte von Storch HL904

Unter den Weißstörchen der Region hat es sich schon seit längerem "herumgesprochen", dass im Vogelpark Marlow einmal täglich die 17 dort lebenden invaliden Störche mit Eintagsküken gefüttert werden. Diese bequeme und nahrhafte Quelle wird regelmäßig auch von frei lebenden Störche genutzt. Gestern war ich pünktlich um 15 Uhr zur Stelle und zählte insgesamt 52 Störche, dementsprechend also gleich 35 Wildstörche! Zehn von ihnen trugen Ringe von Vogelwarten. Das Ergebnis ist sehr interessant:
- 4 Brutvögel der Umgebung, darunter auch die legendäre Störchin A277 aus Langenhanshagen
- 1 diesjähriger Storch aus Kloster Wulfshagen/RDG
- 5 Nichtbrüter im Alter zwischen 2 und 4 Jahren; vier von ihnen haben wir zwischen 2012 und 2014 selbst beringt, die drei Dreijährigen wurden jeweils das erste Mal überhaupt abgelesen.
Darunter ist auch DEH HL921, den wir 2013 in Wendfeld beringt hatten. Da kürzlich auch der aus dem gleichen Nest stammende Storch DEH HN064 (Jahrgang 2014) in Polen abgelesen wurde, haben wir jetzt bereits vier Nachweise von Nachkommen unserer "alten Brandenburgerin", Hiddensee KA 3528, die die beiden besonders kritischen ersten Lebensjahre überstanden haben. Leider kehrte die alte Storchendame in diesem Jahr nicht nach Wendfeld zurück. Sie wurde 21 Jahre alt und zog mit ihrem unberingten Partner allein in den letzten acht Jahren 23 Jungstörche groß.

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Tragisch ist die Geschichte des Ringstorchs DEH HL904. Im Mai 2013 war er im Horst Schmadebeck I gerade aus dem Ei geschlüpft, als seine Mutter an der Landstraße tödlich von einem PKW verletzt wurde. Zusammen mit zwei Eiern und einem anderen, gerade geschlüpften Küken wurde der kleine Storch in den Rostocker Zoo gebracht. Dort wurde er liebevoll aufgepäppelt und anschließend in Liepen zu zwei gleichaltrigen Küken ins Nest gesetzt. Wir wussten, dass er dort flügge geworden ist, haben danach aber nichts mehr von ihm gehört. Nun erreichte uns die Nachricht, dass HL904 in Ikendorf, östlich von Rostock, hilflos auf einer Wiese liegend aufgefunden wurde. Ein Anwohner informierte das Amt Carbäk, das dankenswerterweise den Transport in die Rostocker Tierklinik übernahm. Leider erwies sich die Verletzung des dreijährigen Storchs als so schwer wiegend, dass er zu unserem großen Bedauern eingeschläfert werden musste. Die Ursache der komplizierten Flügelfraktur ließ sich leider nicht mehr ermitteln. Von den beiden Geschwistern, DEH HL903 und DEH HL905, gibt es bisher noch keine Rückmeldungen.

DEH HL904 mit seinen beiden Geschwistern im Zoo Rostock, kurz vor der Auswilderung, Juni 2013.

Jahresbilanz - 2016 ist ein Störungsjahr

In den letzten Tagen konnte ich die Zählung unserer Jungstörche abschließen. In Kürze werden auch die letzten von ihnen flügge sein. Es ist daher damit zu rechnen, dass die jetzigen Zahlen auch schon die endgültigen sein werden. Wie bereits in den letzten Wochen geschildert, ist das Storchenjahr 2016 ein ausgeprägtes Störungsjahr. Wir erreichen im alten Landkreis Bad Doberan die geringste jemals ermittelte Horstpaarzahl und auch - mit großem Abstand - einen neuen Tiefststand bei den flüggen Jungstörchen:
- 46 Horstpaare (- 5 gegenüber 2015)
- 18 Horstpaare mit Bruterfolg
- 28 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 61 % HPo)
- 34 flügge Jungstörche: 5 x 1, 11 x 2, 1 x 3, 1 x 4
- JZa: 0,74
- JZm: 1,89
Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass es im alten Landkreis Bad Doberan in anhaltend trockenen Jahren ein besonders schlechtes Nahrungsangebot gibt. Dies verdeutlicht schon der Vergleich mit dem benachbarten Altkreis Ribnitz-Damgarten, in dem es zwischen Anfang Mai und Mitte Juni fast genauso wenig geregnet hat - hier vermeldet Hans-Heinrich Zöllick ein nahezu identisches Ergebnis (ohne Vogelpark Marlow) wie im Vorjahr:
- 37 Horstpaare (+ 1 gegenüber 2015)
- 23 Horstpaare mit Bruterfolg
- 14 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 38 % HPo)
- 47 flügge Jungstörche: 8 x 1, 7 x 2, 7 x 3, 1 x 4
- JZa: 1,27
- JZm: 2,04
Die bisher vorliegenden Zahlen aus anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und Ostdeutschlands deuten überwiegend auf ein gleichfalls schlechtes Nachwuchsjahr hin. Endgültige Zahlen werden hier allerdings erst in einigen Monaten vorliegen.
Die Gründe für das schlechte Storchenjahr in Ostdeutschland sind dabei im Prinzip identisch:
- Dürre und damit Nahrungsknappheit in vielen ost- und südafrikanischen Überwinterungsgebieten
- vielfach verspätete Heimkehr aufgrund schlechter konditioneller Verfassung
- Nahrungsmangel aufgrund verbreiteter, anhaltender Trockenheit im Mai und in der ersten Juni-Hälfte (gilt nicht für ganz Ostdeutschland)

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