skip to content

Tödlicher Horstkampf in Thulendorf

Am 1. Mai fanden in Thulendorf außergewöhnlich heftige Kämpfe um das Storchennest statt. Die Horstinhaber setzten sich dabei offenbar durch, jedenfalls wurde die Brut ohne Verlust von Eiern fortgesetzt, wie sich heute vor Ort herausstellte. Für einen der Angreifer endete der Kampf indes tödlich. Ein aufmerksamer Anwohner fand ihn gestern in einigem Abstand zum Horst in der Nähe des Dorfteichs. Heute Abend habe ich mir den toten Storch angeschaut - er wies eine deutliche, blutige Verletzung im Bereich des linken Brustkorbs auf - vielleicht ein Stich in die Lunge. Tödlich verlaufende Horstkämpfe sind nicht sehr häufig, kommen aber immer wieder einmal vor.
Unterdessen kam es gestern und heute erfreulicherweise zu Paarbildungen an den Nestern Schwaan I, Kambs, Clausdorf und Hohen Schwarfs.

Eine erste Zwischenbilanz

Reinshagen, 1.5.16. Foto: T. Sandhoff.

Wie in jedem Jahr möchte ich auch jetzt wieder zum 1. Mai eine erste Zwischenbilanz ziehen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass wir es wie schon im Vorjahr mit einer verzögerten Rückkehr der Weißstörche zu tun haben. Nach jetzigem Kenntnisstand zähle ich im Altkreis Bad Doberan 41 Horstpaare und 5 Einzelstörche. Das ist fast identisch mit dem Zwischenstand vom 1. Mai 2015. Im Vorjahr waren es in der Endabrechnung 50 Horstpaare und 4 Einzelstörche, sodass wir jetzt bei einer Rückkehrquote von etwa 84 Prozent liegen. Insoweit bleibt erst einmal nur die Hoffnung auf abermals viele "Mai-Störche", wobei es in den letzten Tagen auch schon etliche Nachzügler gab. Unter dem Strich bedeutet dies, dass wir nur mit viel Glück den (schwachen) Vorjahresbestand werden halten können. Als Ursache für die abermals enttäuschende Zwischenbilanz der ostziehenden Störche vermute ich eher Probleme in den Überwinterungsgebieten (ausgeprägte Dürre in Teilen Ost- und Südafrikas) als auf dem Heimzug.
Von unseren 17 beringten Störchen mit Horstbindung aus 2015 sind 12 sicher zurück, fünf sind offen bzw. werden vermisst. Von den 12 Rückkehrern haben nicht weniger als sechs das Nest gewechselt, dazu zählen jetzt auch die beiden letztjährigen Störchinnen aus Vorder Bollhagen (nach Altenwillershagen/RDG) und Klein Schwaß (nach Stäbelow). Auch insgesamt herrscht der Eindruck vor, dass es viel Bewegung an den Nestern gegeben hat. An etlichen Standorten gab es zuletzt auch noch Partnerwechsel oder Eiabwürfe nach Horstkämpfen. Ein heute tot in Thulendorf gefundener Storch ist vermutlich Opfer eines solchen Kampfes geworden.
Im Altkreis Ribnitz-Damgarten sieht es insgesamt günstiger aus, hier erreicht die Rückkehrquote bereits über 90 Prozent.
Wir hoffen natürlich noch auf nachrückende Störche, die bisher ohne Nestbindung waren. Allerdings ist der dafür vor allem wichtige Jahrgang 2013 in unserem vorrangigen Einzugsgebiet (neue Bundesländer plus Niedersachsen) aufgrund von Witterungsereignissen im Sommer 2013 ungewöhnlich schwach auf den ersten Zug gegangen (etwa 20 Prozent weniger flügge Jungstörche als in den Jahrgängen 2010, 2011, 2012 und 2014).

Ein alter Bekannter in fremdem Revier

Als "local player" würde man den Ringstorch DEH HE640 in der Fußballersprache wohl bezeichnen. 2011 schlüpfte er auf dem Hof Plate in Schmadebeck, wo er von uns beringt wurde. Drei Jahre später wurde er mehrfach in einem kleinen Nichtbrütertrupp im Raum Parkentin - Bad Doberan - Conventer Niederung beobachtet. Eine feste Horstbindung gab es da noch nicht. Wieder ein Jahr später bezog er - zur großen Freude der Familie Schuldt - mit einer unberingten Storchendame den Weichdachhorst in Parkentin. Kurz vor dem Abzug in den Süden testeten beide noch für eine Woche den verlassenen Clausdorfer Horst. In diesem Jahr dürfte HE640 am 25. April aus dem Süden zurückgekehrt sein. Von diesem Tag gibt es ein Foto mit einem links oben beringten Storch auf dem Parkentiner Nest. Am nächsten Tag war er jedoch schon wieder verschwunden. Heute stellte sich nun heraus, dass er der Storch ist, der seit drei Tagen den Horst in Heiligenhagen besetzt. Dieser Traditionshorst stand bisher noch ganz leer, sodass HE640 wohl hofft, in diesem Revier, das erfahrungsgemäß besseren Bruterfolg verspricht, Fuß zu fassen. Aber ich denke, die Karten könnten auch noch einmal neu gemischt werden. Viel wird davon abhängen, wo zuerst ein Weibchen eintreffen wird, mit dem unser heimischer Storch, jetzt immerhin schon fünfjährig, seinen ersten Brutversuch starten kann. Bereits seit dem letzten Wochenende ist auch der Horst in Gerdshagen mit einem Paar besetzt, erfuhr ich heute.

Einer der beiden Gerdshäger Störche auf Nahrungssuche, 29.4.16

Rederanker Störchin hat wieder einen Partner

Heute erreichte uns die erfreuliche Nachricht, dass die Rederanker Störchin einen neuen Partner gefunden hat. An diesem Nest war der männliche Brutstorch vor etwa zehn Tagen unter tragischen Umständen verschwunden. Sehr wahrscheinlich ist er Opfer eines achtlos weggeworfenen Kunststoffnetzes geworden, in dem sich seine Beide verwickelt hatten. Ob die Störchin indes noch ein Nachgelege tätigen wird, bleibt abzuwarten.
Horstkämpfe gab es am Montag in Petschow. Dabei attackierten drei Fremdstörche sehr heftig das bereits brütende Paar. Mindestens ein Ei ging dabei verloren, doch scheint die Brut inzwischen fortgesetzt worden zu sein.
Leider fehlt uns immer noch rund ein Viertel des Vorjahresbestandes. Leer waren zuletzt auch noch mehrere langjährig erfolgreiche Traditionsnester wie Hohen Schwarfs, Broderstorf I und Bentwisch. Wir können nur hoffen, dass mit der angekündigten Wetterbesserung noch recht viele Nachzügler zu uns gelangen.

Aus dem Wildpark Eekholt nach Moitin

Moitin, 23.4.16

Im Sommer 2012 wurde im Wildpark Eekholt (Schleswig-Holstein) ein Weißstorch-Küken erfolgreich aufgezogen und anschließend ausgewildert. Danach verlief sich seine Spur zunächst. Ab Ende Juni vergangenen Jahres freundete sich dieser Storch jedoch - inzwischen dreijährig - mit unserem westlichsten Storchennest in Kirch Mulsow an. Bis Ende August blieb DEW 9X427 dort zusammen mit einer unberingten Partnerin. In diesem Jahr nun kehrte er in unsere Region zurück und besetzt seit rund einer Woche mit einer wiederum unberingten Storchendame das benachbarte Storchennest Moitin. Wer das Paar momentan beobachtet, hat den Eindruck, es könnte in diesem Jahr mit dem Nachwuchs klappen, wobei es natürlich noch Auseinandersetzungen mit dem Moitiner Männchen des Vorjahres geben könnte, sollte dieses noch zurückkehren.
Aus Liepen kann ich vermelden, dass das neue Paar offenbar dauerhaft Gefallen an dem Nest gefunden hat und kurz vor dem Brutbeginn steht. DEW 1T724 hat sich als Weibchen entpuppt.
Sehr bedauerlich ist das spurlose Verschwinden des Storchenmannes in Rederank, wo die Brut schon begonnen hatte. Es ist von den Anwohnern beobachtet worden, dass sich ein rotes Kunststoff-Netz um die Stelzen geschlungen hatte. Leider war es nicht möglich, den flugfähigen Altvogel einzufangen und ihn davon zu befreien. Nun bleibt nur die Hoffnung auf ein neues Männchen und eventuell noch ein Nachgelege.
Neue Paarbildungen gab es in den letzten Tagen in Detershagen, Stäbelow, Wolfsberg und Thulendorf.

Aktuelle Ankunftskarte:
http://www.stoerche-doberan.de/drupal/node/749

Inhalt abgleichen
© Jan Haeupl 2006 - 2013 | Powered by Drupal | CristalX theme created by Nuvio.