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Freud und Leid...

Freud und Leid liegen manchmal dicht beieinander! Noch vor wenigen Tagen musste ich vom tragischen Schicksal des Schmadebecker Jungstorchs HL904 berichten. Jetzt, nur eine Woche später, erreichte mich die Nachricht, dass ein Nestgeschwister, HL905, vorgestern in der Nähe von Demmin nahrungssuchend und offenkundig gesund und munter abgelesen wurde. Er hat es also schon einmal geschafft, das dritte Lebensjahr zu vollenden, und wir können hoffen, dass er im nächsten Jahr erstmals in Mecklenburg-Vorpommern brüten wird.

Blick in das Storchennest Schmadebeck I während der Aushorstung der Küken und Eier am 24.5.13 - wenige Stunden nach dem Tod der Storchenmutter. Der später im Zoo Rostock aufgepäppelte und mit HL905 beringte Jungstorch ist zu dieser Zeit noch in einem der Eier. Am 24.6.13 erfolgte die Einhorstung in das Storchennest Lieblingshof.

Storchenansammlung im Vogelpark Marlow / die tragische Geschichte von Storch HL904

Unter den Weißstörchen der Region hat es sich schon seit längerem "herumgesprochen", dass im Vogelpark Marlow einmal täglich die 17 dort lebenden invaliden Störche mit Eintagsküken gefüttert werden. Diese bequeme und nahrhafte Quelle wird regelmäßig auch von frei lebenden Störche genutzt. Gestern war ich pünktlich um 15 Uhr zur Stelle und zählte insgesamt 52 Störche, dementsprechend also gleich 35 Wildstörche! Zehn von ihnen trugen Ringe von Vogelwarten. Das Ergebnis ist sehr interessant:
- 4 Brutvögel der Umgebung, darunter auch die legendäre Störchin A277 aus Langenhanshagen
- 1 diesjähriger Storch aus Kloster Wulfshagen/RDG
- 5 Nichtbrüter im Alter zwischen 2 und 4 Jahren; vier von ihnen haben wir zwischen 2012 und 2014 selbst beringt, die drei Dreijährigen wurden jeweils das erste Mal überhaupt abgelesen.
Darunter ist auch DEH HL921, den wir 2013 in Wendfeld beringt hatten. Da kürzlich auch der aus dem gleichen Nest stammende Storch DEH HN064 (Jahrgang 2014) in Polen abgelesen wurde, haben wir jetzt bereits vier Nachweise von Nachkommen unserer "alten Brandenburgerin", Hiddensee KA 3528, die die beiden besonders kritischen ersten Lebensjahre überstanden haben. Leider kehrte die alte Storchendame in diesem Jahr nicht nach Wendfeld zurück. Sie wurde 21 Jahre alt und zog mit ihrem unberingten Partner allein in den letzten acht Jahren 23 Jungstörche groß.

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Tragisch ist die Geschichte des Ringstorchs DEH HL904. Im Mai 2013 war er im Horst Schmadebeck I gerade aus dem Ei geschlüpft, als seine Mutter an der Landstraße tödlich von einem PKW verletzt wurde. Zusammen mit zwei Eiern und einem anderen, gerade geschlüpften Küken wurde der kleine Storch in den Rostocker Zoo gebracht. Dort wurde er liebevoll aufgepäppelt und anschließend in Liepen zu zwei gleichaltrigen Küken ins Nest gesetzt. Wir wussten, dass er dort flügge geworden ist, haben danach aber nichts mehr von ihm gehört. Nun erreichte uns die Nachricht, dass HL904 in Ikendorf, östlich von Rostock, hilflos auf einer Wiese liegend aufgefunden wurde. Ein Anwohner informierte das Amt Carbäk, das dankenswerterweise den Transport in die Rostocker Tierklinik übernahm. Leider erwies sich die Verletzung des dreijährigen Storchs als so schwer wiegend, dass er zu unserem großen Bedauern eingeschläfert werden musste. Die Ursache der komplizierten Flügelfraktur ließ sich leider nicht mehr ermitteln. Von den beiden Geschwistern, DEH HL903 und DEH HL905, gibt es bisher noch keine Rückmeldungen.

DEH HL904 mit seinen beiden Geschwistern im Zoo Rostock, kurz vor der Auswilderung, Juni 2013.

Jahresbilanz - 2016 ist ein Störungsjahr

In den letzten Tagen konnte ich die Zählung unserer Jungstörche abschließen. In Kürze werden auch die letzten von ihnen flügge sein. Es ist daher damit zu rechnen, dass die jetzigen Zahlen auch schon die endgültigen sein werden. Wie bereits in den letzten Wochen geschildert, ist das Storchenjahr 2016 ein ausgeprägtes Störungsjahr. Wir erreichen im alten Landkreis Bad Doberan die geringste jemals ermittelte Horstpaarzahl und auch - mit großem Abstand - einen neuen Tiefststand bei den flüggen Jungstörchen:
- 46 Horstpaare (- 5 gegenüber 2015)
- 18 Horstpaare mit Bruterfolg
- 28 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 61 % HPo)
- 34 flügge Jungstörche: 5 x 1, 11 x 2, 1 x 3, 1 x 4
- JZa: 0,74
- JZm: 1,89
Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass es im alten Landkreis Bad Doberan in anhaltend trockenen Jahren ein besonders schlechtes Nahrungsangebot gibt. Dies verdeutlicht schon der Vergleich mit dem benachbarten Altkreis Ribnitz-Damgarten, in dem es zwischen Anfang Mai und Mitte Juni fast genauso wenig geregnet hat - hier vermeldet Hans-Heinrich Zöllick ein nahezu identisches Ergebnis (ohne Vogelpark Marlow) wie im Vorjahr:
- 37 Horstpaare (+ 1 gegenüber 2015)
- 23 Horstpaare mit Bruterfolg
- 14 Horstpaare ohne Bruterfolg (= 38 % HPo)
- 47 flügge Jungstörche: 8 x 1, 7 x 2, 7 x 3, 1 x 4
- JZa: 1,27
- JZm: 2,04
Die bisher vorliegenden Zahlen aus anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns und Ostdeutschlands deuten überwiegend auf ein gleichfalls schlechtes Nachwuchsjahr hin. Endgültige Zahlen werden hier allerdings erst in einigen Monaten vorliegen.
Die Gründe für das schlechte Storchenjahr in Ostdeutschland sind dabei im Prinzip identisch:
- Dürre und damit Nahrungsknappheit in vielen ost- und südafrikanischen Überwinterungsgebieten
- vielfach verspätete Heimkehr aufgrund schlechter konditioneller Verfassung
- Nahrungsmangel aufgrund verbreiteter, anhaltender Trockenheit im Mai und in der ersten Juni-Hälfte (gilt nicht für ganz Ostdeutschland)

Neuansiedlung in Mönchhagen

Bis vor etwa 20 Jahren war dieser alte Bäckerei-Schornstein in Mönchhagen regelmäßig von brütenden Storchenpaaren besetzt. Danach verfiel die darauf angebrachte Nisthilfe und der Standort geriet weitgehend in Vergessenheit, bevor im vergangenen Jahr ein engagierter Anwohner eine neue Hilfs-Konstruktion aufbringen ließ. Und er wurde auf Anhieb belohnt: Schon in der vergangenen Brutsaison wurde das Nistangebot (wenn auch sehr spät) von einem Storchenpaar entdeckt und umgehend genutzt. In diesem Jahr wurde das Nest sogar schon Ende April von zwei Störchen besetzt und stark ausgebaut. Sie sind bis heute geblieben und haben die Anzahl unserer Horstpaare im Altkreis Bad Doberan auf 46 erhöht. Leider klappte es in diesem Jahr noch nicht mit einer erfolgreichen Brut, aber angesichts recht guter Nahrungshabitate in der näheren Umgebung stehen die Chancen für die kommende Saison gar nicht so schlecht. Durch einen Zufall erfuhr ich gestern von dieser schönen Neuansiedlung, die in einem ansonsten sehr schlechten Storchenjahr eine höchst erfreuliche Ausnahme darstellt (neben Mönchhagen gab es sie nur noch in Sildemow). Eine spannende Frage ist unterdessen noch zu klären, denn einer der Altvögel trägt nach Auskunft der Anwohnerin einen Ring...

Update 23.7.16

Heute hat die Ablesung des beringten Männchens geklappt. DEH HE613 wurde 2011 von uns ganz in der Nähe, im Nachbarort Volkenshagen, beringt. Anwohner berichteten, dass dieser Storch vermutlich auch 2015 schon in Mönchhagen war.

Die ersten Jungstörche sind flügge

Langenhanshagen, 10.7.16

Diese drei Jungstörche in Langenhanshagen/RDG gehören zu den ersten, die in diesem Jahr flügge geworden sind. Seit wenigen Tagen können sie fliegen. Ihre Mutter ist die berühmte Störchin DER A277 ("Schnuckel"), die deutschlandweit bekannt ist. Nach Verlegung der Stromleitungen unter die Erde konnte auch in Langenhanshagen in diesem Jahr erstmals beringt werrden.

Aus einiger Entfernung gut ablesbar sind die neuen Metallringe, die die Beringungszentrale Hiddensee seit diesem Jahr für Weißstörche in ihrem Einzugsgebiet verwendet. Allerdings stehen die großen Bewährungsproben (Bekotung bei großer Hitze und die klimatischen Herausforderungen auf dem Zug nach Afrika und zurück) noch aus.

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Neuhof/Parkentin, 16.7.16. Foto: B. Becker.

Auf dem Weg in die Freiheit befindet sich dieser Altstorch, den wir am 20. Juni am Ortsrand von Pastow in geschwächtem Zustand eingefangen haben. Gut drei Wochen wurde er im Rostocker Zoo aufgepäppelt und jetzt bei Parkentin wieder ausgewildert. Es hat fast den Anschein, dass er oder sie sich wieder nach Pastow begeben hat. Jedenfalls informierte die Anwohnerin, dass auf dem dortigen (Besucher-)Nest nunmehr zwei statt zuvor stets nur ein Storch zu sehen sind. Nachkontrollen vor Ort blieben bisher leider ohne Ergebnis. Dieser Storch hat mit DEH HR165 unseren letzten ELSA-Ring erhalten.

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