>>> Die Storchennester des Altkreises Bad Doberan 1901 bis 1999

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Die Storchennester des Altkreises Bad Doberan 1901 bis 1999

Dieser Teil der Website beschäftigt sich mit den Storchennestern im ehemaligen Kreis (Altkreis) Bad Doberan in den Jahren 1901 bis 1999. Er war nach der Auflösung der Länder am 25. Juli 1952 aus Teilen der ehemaligen Kreise Wismar und Rostock neu gebildet worden und gehörte dem Bezirk Rostock an. Westlich der Hansestadt Rostock gelegen, besaß er eine Fläche von 550 km². 1985 lebten hier 49.700 Menschen. Der Kreis (seit 1990 als Landkreis bezeichnet) wurde am 12. Juni 1994 um den aufgelösten Kreis Rostock-Land und Teile des aufgelösten Kreises Bützow (Bezirk Schwerin) erweitert.

Im Jahre 1901 fand in den beiden Großherzogtümern Mecklenburgs erstmals eine Zählung aller vorhandenen, besetzten wie unbesetzten Storchennester statt. Bereits im gleichen Jahr veröffentlichten Carl Wüstnei (1843-1902) und Gustav Clodius (1866-1944) die Ergebnisse, und zwar im Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, auf dessen Anregung die Zählung zustande gekommen war. Für die Fläche des Altkreises Bad Doberan wurden 250 besetzte Nester festgestellt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass tatsächlich nicht alle Nester erfasst wurden, da die Initiatoren auf die Meldungen der Pastoren, Bürgermeister und anderer freiwilliger angewiesen waren. 1912 wurde die Zählung wiederholt, allerdings traten verstärkt Lücken auf. Die Ergebnisse veröffentlichte 1913 wiederum Clodius in der Zeitschrift "Archiv des Vereins…", für den Altkreis Bad Doberan ergaben sich auf dieser Basis nur noch 66 besetzte Nester. Als Ursache für den drastischen Rückgang kann die rigorose Verfolgung der Störche, vor allem in ihren Brutgebieten, angenommen werden.

Angeregt durch die Initiative der damaligen Vogelwarte in Rossiten (Ostpreußen), führte das Zoologische Institut der Universität Rostock in den Jahren 1933 und 1934 im damaligen Land Mecklenburg mit Hilfe einer Fragebogenaktion eine erneute großräumige Bestandserfassung durch, bei der erstmals auch die Anzahl der in diesen Jahren flügge gewordenen Jungstörche berücksichtigt wurde. Rudolf Kuhk (1901-1989) hat die Ergebnisse in seiner Dissertation von 1939 ausgewertet. Die Zahl der besetzten Nester betrug danach auf dem Gebiet des hier interessierenden, späteren Altkreises Bad Doberan, 1933 69 und 1934 83.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte sich vermutlich als erster der Ornithologe Heinrich Thorbeck (1901-1980) systematisch mit den Storchennestern westlich von Rostock. Gemeinsam mit dem Arzt Dr. Rudolf Weise unternahm er im Juli 1952 Rundfahrten, die ihn an insgesamt 20 Orte innerhalb des neu gegründeten Kreises Bad Doberan führten. Thorbeck nahm hier erstmals auch Beringungen von Jungstörchen vor, während Weise notierte, was die Anwohner über die Entwicklung und Belegung des jeweiligen Storchennestes in den Vorjahren, vor allem 1950 und 1951, zu berichten wussten. Dabei fotografierte Rudolf Weise auch viele der Storchennester. Diese für den Altkreis Bad Doberan bisher ältesten "historischen" Bildaufnahmen stellte dankenswerter Weise dessen Sohn (und Schwiegersohn Heinrich Thorbecks), Dr. Friedemann Weise, zur Verfügung.

Heinrich Thorbeck (mit einem Weißstorch auf dem Arm) während der Erkundung von Storchennestern 1952 westlich von Rostock;
Foto: Dr. Rudolf Weise

Thorbeck setzte seine Datenerfassungen und Beringungen in den folgenden Jahren fort. Dabei wurde er von verschiedenen Ornithologen, so etwa Dr. Hans-Wolfgang Nehls (Rostock), unterstützt. Im Archiv von Hans-Heinrich Zöllick haben sich Angaben aus den Jahren 1953, 1956 bis 1962 und 1963 erhalten. Allerdings kann die Bestandserfassung für den Altkreis Bad Doberan nur für die Jahre 1958 bis 1960 sowie 1962 und 1963 als vollständig angenommen werden. Die Anzahl der Horstpaare (HPa) entwickelte sich dabei von 46 (1958) über 50 (1959), 48 (1960) und 53 (1962) auf 54 im Jahre 1963 leicht positiv.

Nach einigen Jahren der Unterbrechung begannen im Jahre 1970 erneute und von nun an zunehmend systematischer werdende Bemühungen, den Weißstorchbestand in der damaligen DDR zu erfassen. Als Auftraggeber fungierte anfangs die Zentrale Kommission Natur und Heimat beim Kulturbund der DDR. Das Gebiet des Altkreises Bad Doberan übernahm Hans-Heinrich Zöllick, der von nun an (und bis heute) nicht nur die jährliche Statistik führte, sondern auch an vielen Nestern Fotos anfertigte. Gemeinsam mit Gert Graumann und anderen "Storchenfreunden" wurden verschiedene Aktivitäten zum Schutz des Großvogels unternommen. So entstand eine spezielle Nisthilfe für Elektromasten, die das erste Mal - und mit Erfolg - 1974 am Standort Satow Dorf auf einen Strommast aufgesetzt wurde. Bereits 1971 und 1972 waren auch erstmals systematische Erfassungen von Eiablage, Ei- und Jungenverlusten vorgenommen worden. 1972 erfolgte in 24 Storchenhorsten des Altkreises Bad Doberan und in sechs des Altkreises Rostock-Land zusätzlich zur Zählung auch eine Vermessung der Eier.

Hans-Heinrich Zöllick während der Eizählung 1971 auf dem Dach der Kirche von Reez (Altkreis Rostock-Land). Neben einem normal großen befand sich ein ungewöhnlich kleines Ei im Nest;
Foto: Archiv H.-H. Zöllick

Während anfangs noch überwiegend zusammengesteckte Leitern genutzt wurden, um die zumeist auf reetgedeckten Gebäuden befindlichen Nester zu erreichen, setzte man 1980 bei einem vergleichbaren Vorhaben (Kontrolle von 47 Standorten) zusätzlich eine andere Technik ein. Da die Störche mittlerweile in zunehmendem Maße auf Elektromasten nisteten, mussten auch diese Horste in die Kontrolle mit einbezogen werden. Mitarbeiter des Energiekombinats Nord Rostock beteiligten sich an diesen Aktionen, indem sie zur Eizählung kurzfristig den Strom abstellten und selbst die Masten bestiegen. Da die Horste auf den Masten wegen des großen Umfangs nicht einzusehen waren, wurde ein Spiegel aus Hochglanzfolie konstruiert, die ihrerseits auf einer Hartfaserplatte befestigt war. Dadurch konnte eine ausreichend große Spiegelfläche bei geringem Gewicht erzielt werden. Der Spiegel wurde an einer Halterung befestigt, die mit zusammensteckbaren Zeltstangen auf 6 Meter verlängert werden konnte. Dieser Spiegel erleichterte auch die Zählung bei Nestern auf Dächern und Bäumen, denn durch seinen Einsatz konnte die Strecke der Leitern verkürzt werden.

Eizählung mit Hilfe eines Spiegels an einem Elektromast im Raum Rostock, 1980

Hans-Heinrich Zöllick, Gert Graumann und Lothar Plath, der seit 1970 für den Altkreis Rostock-Land ähnliche Aufgaben übernommen hatte, sowie weitere Storchenschützer verfassten besonders in den Jahren vor 1989 (Hans-Heinrich Zöllick auch darüber hinaus) in ornithologischen und naturkundlichen Zeitschriften eine Reihe von Veröffentlichungen, in denen sie über ihre Arbeit, vor allem aber die statistischen Ergebnisse der Bestanderfassung berichteten. Auch die von Thorbeck begonnene Beringung und die Ablesung von Ringen an lebenden wie toten Störchen wurden im Altkreis Bad Doberan ab 1971 wieder verstärkt praktiziert. Viele Hinweise und Informationen stammen von Anwohnern, die das Geschehen rund um "ihre" Nester vielfach mit großer Anteilnahme und Aufmerksamkeit verfolgen. Stellvertretend für viele andere Rückmeldungen soll an dieser Stelle ein Brief wiedergegeben werden, den eine Frau J. aus Groß Nienhagen während der Brutsaison 1976 an Hans-Heinrich Zöllick verfasst hat.

Angesichts des Verfalls vieler reetgedeckter Ställe und Scheunen, deren Dächer den Weißstörchen bis dahin vor allem als Neststandorte gedient hatten - viele der hier gezeigten Fotos verdeutlichen diese vor allem in den 1970er Jahren dramatisch voranschreitende Entwicklung -, entschlossen sich die Vogelschützer zum Aufstellen spezieller Nisthilfen. Das in der Öffentlichkeit bekannte Bild des Storchennestes wandelte sich. Ungeachtet der Tatsache, dass es auch im Altkreis Bad Doberan immer eine gewisse Anzahl von Nestern auf Hartdächern, Schornsteinen und Bäumen gab (und gibt), verlagerte sich der Schwerpunkt vom Weich- oder Reetdächern als Horstunterlage zunächst auf Elektromasten und dann - verstärkt seit dem Beginn der 1990er Jahre - auf reine Kunst- oder Nistmasten. Sie dominieren heute eindeutig das Bild, und das nicht nur im Landkreis Bad Doberan.

Eine der letzten alten reetgedeckten Scheunen mit Storchennest im Altkreis Bad Doberan. Sie stand bis zu ihrem Abriss im Jahre 1997 in Schmadebeck (Hof Plate)

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In diesem Abschnitt unserer Website befinden sich Angaben zu allen Ortschaften im Altkreis Bad Doberan, in denen aufgrund der vorgestellten Erfassungen seit 1901 Störche als Brutpaare nachgewiesen werden konnten. Wir unterscheiden dabei zwischen einer ausführlicheren Chronologie für Standorte, die zumindest zeitweise zwischen 1971 und 1999 besetzt waren und einer knappen Liste sonstiger Standorte. Hier liegen die letzten Hinweise auf besetzte Storchennester vor dem Beginn der regelmäßigen Bestandserfassungen im Jahre 1971. Die Standorte der ausführlicheren Chronologie können sowohl über eine Karte als auch mit Hilfe einer alphabetischen Liste aufgerufen werden. Neben dem Bruterfolg in den seit 1901 erfassten Jahren sind zu jedem Standort Besonderheiten wie etwa Wechsel der Nestunterlage, Beringungen, Wiederfundmeldungen beringter Störche und anderes aufgeführt. Die Entwicklung der einzelnen Storchennester nach 1999 ist unter "Horststandorte seit 2000" nachzulesen. Es ist vorgesehen, zukünftig auch das überlieferte historische Material für den Bereich des Altkreises Rostock, für das Amt Schwaan (seit 1994 Bestandteil des Landkreises Bad Doberan) und die Hansestadt Rostock in die Website einzubeziehen.

Die Fotos, die altersbedingt leider nicht immer die beste Qualität haben können, stammen - sofern nicht anders angegeben - von Hans Heinrich Zöllick. Wir würden uns sehr freuen, wenn Leser unserer Website noch weiteres Fotomaterial (leihweise) zur Verfügung stellen könnten. Eine pflegliche und sorgfältige Behandlung zum Zwecke des Einscannens wird zugesichert.


Quellen und Literatur:


Archiv Hans-Heinrich Zöllick

CLODIUS (1913) Gustav Clodius: Der weiße Storch (Ciconia alba BECHST.) in Mecklenburg, in: Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Bd. 67 (1913), S. 168-200.

FEIGE/ZÖLLICK (1988) Klaus-Dieter Feige, Hans Zöllick: Die Dispersion des Weißstorches (Ciconia ciconia) in zwei Gebieten Nordmecklenburgs, in: Acta ornithoecologica, Bd. 1 (1988), S. 395-413.

GRAUMANN/ZÖLLICK (1973) Gert Graumann, Hans Zöllick: Bestandsentwicklung des Weißstorches (Ciconia ciconia L.) im Kreis Bad Doberan, in: Ornithologischer Rundbrief Mecklenburgs, Bd. 14 (1973), S. 19-27.

GRAUMANN/ZÖLLICK (1977) Gert Graumann, Hans Zöllick: Brutbestandsuntersuchungen am Weißstorch (Ciconia ciconia L.) in den Kreisen Bad Doberan und Ribnitz-Damgarten, Bezirk Rostock, in: Ornithologischer Rundbrief Mecklenburgs, Bd. 18 (1977), S. 4-19.

GRAUMANN/ZÖLLICK (1982a) Gert Graumann, Hans Zöllick: Untersuchungen der Ei- und Jungenverluste beim Weißstorch, Ciconia ciconia, während der Brutperiode 1980, in: Ornithologischer Rundbrief Mecklenburgs, Bd. 25 (1982), S. 3-8.

GRAUMANN/ZÖLLICK (1982b) Gert Graumann, Hans Zöllick: Bestandsentwicklung und Nachwuchsrate beim Weißstorch im Kreis Bad Doberan, in: Ornithologischer Rundbrief Mecklenburgs, Bd. 25 (1982), S. 8-9.

KINZELBACH (2005) Ragnar Kinzelbach: Das Buch vom Pfeilstorch, Marburg 2005.

KUHK (1939) Rudolf Kuhk: Die Vögel Mecklenburgs. Faunistische, tiergeographische und ökologische Untersuchungen im mecklenburgischen Raume, Güstrow 1939.

PLATH (1972a) Lothar Plath: Erfolgreiche Storchenhilfen in den Kreisen Rostock-Stadt und Rostock-Land, in: Naturschutzarbeit in Mecklenburg, Bd. 15 (1972), S. 21-32.

PLATH, LOTHAR (1972b) Lothar Plath: Bestandsentwicklung des Storches (Ciconia ciconia) in den Kreisen Rostock-Stadt und Rostock-Land, in: Ornithologischer Rundbrief Mecklenburgs, Bd. 13 (1972), S. 19-29

PLATH (1976) Lothar Plath: Verluste während der Zeit der Brut und Jungenaufzucht beim Weißstorch, in: Der Falke, Bd. 23 (1976), S. 26-28.

PLATH (1977) Lothar Plath: Bestandsentwicklung des Storches (Ciconia ciconia) im Kreis Rostock-Land, 1. Fortsetzung 1977, in: Ornithologischer Rundbrief Mecklenburgs, Bd. 18 (1977), S. 20-21.

PLATH/KORELL/BUTH (1981) Lothar Plath, Anton Korell, Joachim Buth: Der Weißstorchbestand im Gebiet um Rostock in den Jahren 1977-1981, in: Natur und Umwelt, Bd. 2 (1981), S.73-76.

PLATH (1989) Lothar Plath: 18 Jahre Erfassung des Brutbestandes des Weißstorches (Ciconia ciconia) im Kreis Rostock-Land, in: Ornithologischer Rundbrief Mecklenburgs, Bd. 32 (1989), S.10-11.

WÜSTNEI/CLODIUS (1902) C. Wüstnei, G. Clodius: Der weiße Storch (Ciconia alba BECHST.) in Mecklenburg. Eine Statistik seiner Niststätten im Jahre 1901, in: Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Bd. 56 (1902), S. 1-57.

ZÖLLICK (1987) Hans-H. Zöllick: Jungenverluste und ihre Ursachen beim Weißstorch (Ciconia ciconia), 1984 im Bezirk Rostock, in: Beiträge zur Vogelkunde, Bd. 33 (1987), H. 5/6, S. 276-280.

ZÖLLICK (1995) Hans-H. Zöllick: Zur Situation des Weißstorches im Kreis Bad Doberan, in: Bad Doberaner Jahrbuch 1995, S. 116-120.

ZÖLLICK (1996) Hans-H. Zöllick: Der Lebenslauf eines Weißstorchhorstes im Kreis Bad Doberan, in: Christoph und Michael Kaatz (Hrsg.): Jubiläumsband Weißstorch, Schönebeck 1996, S. 62-63.

ZÖLLICK (1998) Hans H. Zöllick: Der Weißstorch in Mecklenburg-Vorpommern von 1901 bis zur Gegenwart, in: Natuschutz-Bund Deutschland, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Storchentag 1998 in Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 1998, S. 9-14.

ZÖLLICK (2001) H.-Hans Zöllick: Zu Verlusten und deren Ursachen beim Weißstorch im Raum Rostock, in: Christoph und Michael Kaatz (Hrsg.): 2. Jubiläumsband Weißstorch, Schönebeck 2001, S. 200-202.

 

Stefan Kroll